Eisenbahnstadt BerlinAnhang

Knotenpunkt des Güterverkehrs: Berlin

Reichsbahn-Kalender (1930)

Eisenbahnstadt Berlin
Der größte Güterverkehrsknotenpunkt Deutschlands ist Berlin. 4 ½ Millionen Menschen sind hier auf engem Raum zusammengedrängt und verursachen einen großen Güterbedarf. Mehr als ¼ aller deutschen A.-G. und fast 1/3 aller im Reich bestehenden G. m. b. H. haben ihren Hauptsitz in Berlin. Eine große Industrie ist hier hauptsächlich mit der Weiterverarbeitung von Halb- und Fertigfabrikaten beschäftigt, während Rohstoffe nur in geringem Maße verarbeitet werden. Vorherrschend ist die elektrische Industrie, die Feinmechanik und Optik, die Eisen-, Metall-, Maschinen- und chemische Industrie und die Konfektion.


Anhalter Bahnhof
Dieses Foto entstand 1906 auf dem Anhalter Güterbahnhof.

Der Güterempfang Berlins beträgt jährlich rund 22 Millionen Tonnen, von denen 16 Millionen die Reichsbahn und 6 Millionen die Schiffahrt anbringen. Der Versand mit der Reichsbahn stellt sich auf rund 6 Millionen Tonnen. Daß der Empfang erheblich den Versand überwiegt, ist das typische Zeichen für den Verkehr einer Großstadt mit erheblichem Eigenbedarf.

Nach und von Berlin wird der tägliche Güterverkehr mit 500 Güterzügen bewältigt, darunter 300 Ferngüterzüge. Berlin verfügt über sieben große Verschiebebahnhöfe am Außenrande der Stadt; in Seddin, Wustermark und Tempelhof liegen die größten. Dem Verkehr mit dem Frachtkunden dient eine große Reihe von Güterbahnhöfen mit großen Abfertigungen, an erster Stelle der Berlin-Hamburger und Lehrter Bahnhof mit einer durchschnittlichen Behandlung von 611 Wagen täglich. Als wichtige Umladeanlage für den Stückgutverkehr liegt im Herzen Berlins der Anhalter Güterbahnhof, auf dem im Jahre 1928 124 000 Wagen mit 107 000 t behandelt wurden.
4,78 Millionen t Kohle gingen 1928 auf dem Bahnwege für Groß-Berlin ein, darunter 2,70 Millionen t Braunkohlenbriketts. Der Empfang landwirtschaftlicher Güter zur Ernährung der Bevölkerung ist gewaltig. Er umfaßte im Jahre 1928 unter anderem 383 792 t Obst und Gemüse, 337 967 t Milch, 50 014 t frisches Fleisch, 296 550 Stück Großvieh, 5 422 736 Stück Kleinvieh. Der Empfang und Versand von Fertigwaren ist ebenso bedeutend. Beispielsweise empfing die Eisen- und Stahlwarenindustrie auf dem Eisenbahnweg im Jahre 1928 etwa 1 363 000 t als Halbfertigwaren und versandte 713 000 t als Fertigware. Mit weit entlegenen Wirtschaftsgebieten steht Berlin in schnellem Güteraustausch, sei doch nur erinnert an die besonderen Großgüterwagenzüge, die das Großkraftwerk Klingenberg in Berlin-Rummelsburg und das Städtische Gaswerk in Berlin-Weißensee mit Kohle aus Oberschlesien und von der Ruhr versorgen.

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Siehe auch:
Eisenbahnstadt Berlin
Anhang Eisenbahnstadt Berlin
Lieferbare Titel:
mit dem Stichwort Eisenbahn in Berlin
mit dem Stichwort Eisenbahn
mit dem Stichwort Berlin
mit dem Stichwort Technikgeschichte
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