»Baedekers´s Berlin und Umgebungen« (1889)Berlin. Ankunft und Abfahrt |
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| Stadtbahn | ||||
| Berlin hat ausser der Stadtbahn zur Zeit noch 5 Endbahnhöfe:
1. Anhalter Bahnhof, am Askanischen Platz, für Dresden, Prag, Wien, Leipzig, München, Halle, Thüringen und Frankfurt a.M. Ohne Verkehr mit der Stadtbahn. 2. Potsdamer Bahnhof, am Potsdamer Platz, für Potsdam, Magdeburg, Harz, Niederrhein, Cassel-Frankfurt sowie für Berlin-Metz. Mit Courierzügen, bei denen man in Potsdam umsteigen muss, fährt man besser auf der Stadtbahn ab. 3. Stettiner Bahnhof, in der Invalidenstrasse, für Rostock-Kopenhagen, Stralsund-Stockholm, Stettin, Danzig (über Stargard). Ohne Verkehr mit der Stadtbahn. 4. Görlitzer Bahnhof, in der Wienerstrasse, für Spreewald, Cottbus, Görlitz, Riesengebirge. 5. Lehrter Bahnhof, bei der Alsenbrücke, für Hannover, Köln, Paris, Bremen, Hamburg, Mecklenburg, Holstein. Die Stadtbahn, zunächst zur Erleichterung des Verkehrs innerhalb Berlin bestimmt, vermittelt zugleich von einigen ihrer Stationen die Verbindung mit mehreren auswärtigen Linien (Fernverkehr). Diese Stadtbahnhöfe sind (von W. nach O.): 1. Bahnhof Charlottenburg; 2. Bahnhof Zoologischer Garten; 3. Bahnhof Friedrichstrasse; 4. Bahnhof Alexanderplatz; 5. Schlesischer Bahnhof. Von der Stadtbahn werden zur Zeit abgelassen sämmtliche Züge der Niederschlesisch-Märkischen Bahn (für Breslau, Posen) und der Ost-Bahn, (für Königsberg, Petersburg, Warschau), die meisten Züge der Görlitzer Bahn sowie die Schnell- und Courierzüge der Berlin-Hamburger, Lehrter, Potsdamer und Berlin-Nordhausen-Frankfurter Bahn. Doch werden nach wie vor sämmtliche Züge der Görlitzer Bahn sowie die letztgenannten Schnell- und Courierzüge gleichzeitig auch vom Görlitzer Bahnhof (Anschluss in Königs-Wusterhausen), bezw. vom Lehrter (Anschluss in Spandau) und Potsdamer Bahnhof (Anschluss in Potsdam) abgelassen. Dagegen stehen noch nicht mit der Stadtbahn in Verbindung: die Anhalter, Berlin-Dresdner, Stettiner und Nord-Bahn. Für den Lokalverkehr (Lokalperron!) innerhalb der Stadt und ihrer Vororte hat die Stadtbahn folgende Stationen (von W. nach O.): Westend, Charlottenburg, Zoologischer Garten, Thiergarten, Bellevue, Lehrter Bahnhof, Friedrichstrasse, Börse, Alexanderplatz, Jannowitz-Brücke, Schlesischer Bahnhof, Warschauer Strasse, Stralau-Rummelsburg. Auf der Stadtbahn selbst verkehrt von Morgens gegen 5 bis Abends gegen 12 Uhr zwischen den Stationen Schlesischer Bahnhof - Zoologischer Garten und umgekehrt alle 10 Min. (So. Nm. alle 6 Min.), zwischen den Stationen Schlesischer Bahnhof - Westend alle 20 Min. ein Zug. Die Billets, nur II. und III. Cl., sind beim Betreten des Perrons vorzuzeigen und beim Verlassen desselben abzugeben; wer hierbei ohne richtiges Billet betroffen wird, zahlt 6 M Strafe; dieselbe Strafe für unberechtigtes Einsteigen in die II. statt in die III. Cl. Seinen Platz im Wagen sucht sich jeder Reisende rasch selbst, da die Züge nur ½ Min. halten; der Stand der Wagen 2. Classe ist auf den Perrons an der Seite durch ein Schild angezeigt. Vor Abgang der Züge wird nicht geläutet. Bei der Ankunft werden von den Schaffnern weder die Stationen abgerufen, noch die Wagenthüren geöffnet; man achte daher bei der Einfahrt in die Bahnhöfe auf die Namen derselben und verlasse schnell seinen Sitz im Wagen. In der II. Cl. darf nicht geraucht werden. Herren fahren, ausser Abends zur Zeit des Schlusses der Geschäfte und Fabriken, meist III. Cl. Am So. Nm. sind die Züge stets überfüllt.
Die Stadtbahn, welche seit Februar 1882 im Betriebe ist, verdankt ihre Entstehung einem Entwurf des Bauraths A. Orth, ihre Ausführung dem Geh. Reg.- u. Baurath Dircksen und ist als technisches Werk eine Leistung ersten Ranges (Baukosten 75 Millionen M.). Vom Schlesischen Bahnhof im O. ausgehend, ist sie anfangs z. Th. im Spreebett, sodann im Zuge des (nunmehr zugeschütteten) Königsgrabens geführt; die Spree bei der Museumsinsel und darnach, längs der Georgenstrasse, die Friedrichstrasse kreuzend, umgeht sie unter abermaliger Ueberschreitung der Spree, des Humboldt-Hafens und der Lehrter Bahn den Thiergarten, wendet sich dann wieder über die Spree, die Charlottenburger Chaussee und den Schiffahrtkanal nach dem Zoologischen Garten und mündet in den grossen Centralbahnhof am Halensee, wo die westlichen Eisenbahnlinien sich an sie anschliessen. Ihre Länge zwischen den beiden Endstationen beträgt 11,25 km, wovon c. 8 km als gemauerter Viadukt, 1,8 km in Eisenkonstruktion, 1,7 km in Dammschüttung ausgeführt sind; sie enthält 2 massive Brücken und nicht weniger als 64 eiserne Ueberbrückungen von Wasserläufen und Strassen. Die Bahn hat vier Geleise, von denen die beiden nördlichen dem Stadtverkehr, die beiden südlichen dem Vorort- und Fernverkehr dienen. Die Vorortzüge gehen östl. bis Erkner, südöstl. bis Grünau und Königs-Wusterhausen, südwestl. bis Potsdam, nordwestl. bis Spandau; sie halten, mit Ausnahme derer nach Grünau und im Sommer nach Grunewald, welche die Lokalgeleise benutzen, nur auf den Fernperrons der 5 Bahnhöfe, nicht auf den Stationen. Die 1871 eröffnete Ringbahn, welche Berlin in weitem Kreise umzieht, steht mit der Stadtbahn westl. auf der Station Westend, östl. auf der Station Stralau-Rummelsburg in Verbindung; wegen der Entfernung der Bahnhöfe von den Orten sind jedoch für den Fremden meist die Pferdebahn-Verbindungen vorzuziehen. Der Verkehr auf der Ringbahn erfolgt in zwei getrennten Abtheilungen (Nordring, Südring). Der Nordring, der fast ganz in das Weichbild der Stadt fällt und in Zwischenräumen von 1 St. befahren wird, berührt die Stationen: Stralau-Rummelsburg, Friedrichsberg, Central-Viehhof, Weissensee, Schönhauser Allee, Gesundbrunnen, Wedding, Moabit, Westend, Charlottenburg. Der Südring, der ganz ausserhalb des Stadtbezirks liegt und gleichfalls stündlich befahren wird, berührt folgende Stationen: Charlottenburg, Halensee, Schmargendorf, Wilmersdorf-Friedenau, Schöneberg (mit Abzweigung nach dem Potsdamer Bahnhof), Tempelhof, Rixdorf, Treptow, Stralau-Rummelsburg.
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