Die Stadtbahn

»Griebens Reiseführer Berlin und Umgebung« (1910)

Stadtbahn
Die Stadtbahn ist viergleisig gebaut, die beiden nördlichen Gleise dienen dem Stadt- und Ringbahn - sowie Vorortverkehr, die südlichen Gleise dem Fern- und Vorortverkehr. Die südlichen Gleise haben eigene Aufgänge und Bahnsteige. Auf den Bahnsteigen wird eine Tafel aufgezogen mit Angabe des Endpunktes, nach welchem der nächst einfahrende Zug fährt. Es gibt nur 2. und 3. Wagenklasse mit besonderen Raucherabteilen, am Anfang und am Ende des Zuges ein Abteil für Reisende mit Hunden. Die Fahrkarten (bis zur fünften, auf die Ausgangsstation folgenden Station für 10 Pf. in der 3. Klasse und 15 Pf. in der 2. Klasse, zur Fahrt auf der ganzen Stadt- und Ringbahn für 20 bzw. 30 Pf.) sind am Schalter (die zu 10, 15 und 20 Pf. auch an Automaten) zu lösen, beim Betreten des Bahnsteiges vorzuzeigen und am Ende der Fahrt abzugeben; wer ohne Fahrkarte betroffen wird, hat Strafe zu gewärtigen, ebenso derjenige, welcher mit Billet 3. Klasse in die 2. Klasse einsteigt. Wer versehentlich über das gewollte Ziel hinausfährt, kann auf die gelöste Fahrkarte zurückfahren, wenn er dem Stationsvorsteher sofort Mitteilung macht. Die Züge halten meist nur ½ Min., mithin ist Eile notwendig. Beim Einfahren in eine Station wird deren Namen nur bei Frost ausgerufen, man muß also selbst auf die mit großen Buchstaben versehenen Tafeln bei der Einfahrt in jeden Bahnhof achten und am Ziel schnell aussteigen.


Unglück
Am 6. Februar 1911 schob eine Lokomotive am Baumschulenweg einen Wagen seitlich aus den Schienen, der dann die Böschung hinunterrutschte.

Die Züge verkehren in den Hauptverkehrszeiten (Wochentags 6-8 früh u. 5-8 abends u. Sonntags von 11-4) alle 2½ Minuten, sonst alle 5 bzw. 10 Min. Hieran schließt sich die Ringbahn. Während die Stadtbahn Berlin von Osten nach Westen durchquert, umkreist die Ringbahn Berlin und seine nächsten Vororte. Die Züge befahren in einem geschlossenen Ring entweder den Nordring oder den Südring, dabei die Stadtbahn passierend. Zu Zeiten großen Verkehrs gehen auch Südringzüge direkt auf den Nordring bzw. umgekehrt über und bilden so den Vollring. Zugfolge auf dem Nord- bzw. Südring 10-20 Min., auf dem Vollring 30 Min. Der Betrieb auf der Ringbahn ist ebenso eingerichtet wie auf der Stadtbahn. Mit den auf einer Ring- oder Stadtbahnstation gelösten Karten kann man beide Bahnstrecken benutzen, die Preise sind die gleichen.


Siehe auch:
Eisenbahnstadt Berlin
Stadtbahn
Lieferbare Titel:
mit dem Stichwort Eisenbahn in Berlin
mit dem Stichwort Eisenbahn
mit dem Stichwort Berlin
mit dem Stichwort Technikgeschichte

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