Eisenbahnstadt Berlin

Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn (NME)

Der Aufschwung Ende des vorigen Jahrhunderts | Nach 1950 | Karte

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Der Aufschwung Ende des vorigen Jahrhunderts

Durch den Aufschwung Ende des vorigen Jahrhunderts, als die Stadt Mittenwalde zum Durchgangsort in Richtung Lausitz wurde, gründeten der Gutsbesitzer Richter-Falkenberg und einige Bürger des Ortes 1895 ein Bahnbau-Comité. Andere Strecken wie zum Beispiel die Dresdener Bahn, die Görlitzer Bahn oder die 1894 eröffnete Königswusterhausen - Mittenwalde - Töpchiner Bahn (K.M.T.) führten zu weit am Ort Mittenwalde vorbei.


Der Bahnhof Buckow der Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn im Jahre 1937.

Die Eisenbahn sollte direkt zwischen Mittenwalde und Rixdorf (dem heutigen Neukölln) als Güter- und Personenbahn verkehren. Die Eröffnung der Ringbahnhaltestelle Herrmannstraße im Jahre 1899 holte einen vorher von der NME verworfenen Plan, ein 600 m langes Viadukt zum Bahnhof Rixdorf (Hermannstraße) zu bauen, wieder zurück.


Bahnhof Hermannstraße
[1900]

Somit wurde am 23. Februar 1899 eine Aktiengesellschaft für die Rixdorf-Mittenwalder Eisenbahn gegründet. In den Jahren 1899 bis 1900 wurde eine 27 km lange Strecke mit den Bahnhöfen Brusendorf, Selchow, Buckow und Schönefeld, die jeweils ein Lade-, ein Kreuzungs- und ein Hauptgleis mit Bahnhofsgebäude und Güterschuppen erhielten, sowie Groß Kienitz mit zwei Gleisen, Rudow mit fünf Gleisen und Britz gebaut. Der von Rixdorf 4,3 km entfernte Bahnhof Britz wurde als Betriebsmittelpunkt mit vier Hauptgleisen und einem Lokschuppen gebaut. Auf dem Bahnhof Rixdorf mußten die Staatsbahngleise der Ringbahn mitbenutzt werden. Mit einem Sonderzug wurde die 27 km lange Strecke am 28.9.1900 in Betrieb genommen.


Güterbahnhof Neukölln
Der 1871 eröffnete Ringbahnhof Rixdorf war ab 1900 der nördliche Endpunkt der Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn. Die Aufnahme aus dem Jahre 1935 zeigt mit Briketts beladene offene Güterwagen und geschlossene Güterwagen für Stückgut.

Der Fuhrpark bestand aus 3 Dampflokomotiven, 10 Personenwagen, 25 Güterwagen, einer Draisine und 2 Bahnmeisterwagen. Eine Erweiterung der Strecke nach Schöneicherplan im Jahr 1903 blieb aufgrund eines zu erwartenden hohen Güteraufkommens nicht aus. Der Güterverkehr von und nach Schöneicherplan bestand darin, Ziegel der dort ansässigen Ziegeleien, Sand und Kies in die Stadt zu bringen und stadtauswärts den Müll, mit dem die ausgebeuteten Ton- und Kiesgruben aufgefüllt werden sollten, zu transportieren. Das Transportaufkommen war so groß, daß bis zum Jahr 1913 insgesamt 9 Lokomotiven im Einsatz waren. Auf den Bau des Teltowkanals in den Jahren 1901 - 1905 folgte die Errichtung des vierzehngleisigen Britzer Rangier- und Güterbahnhofs am Tempelhofer Weg (heute Güterbahnhof Teltowkanal) durch die NME. Während des Ersten Weltkrieges wurden verstärkt Kriegsgüter transportiert, so daß keine Betriebsmittel der NME durch die Militärverwaltung requiriert wurden. Nach dem Krieg und der Inflation konnten im Jahr 1933 wieder starke Investitionen verzeichnet werden. Man baute 1933 ein Verbindungsgleis zu der Motzenseebahn (K.M.T.), einen Anschluß zu den Henschel-Flugzeugwerken in Schönefeld mit einer Verbindung zum S-Bahnhof Grünau und im Jahre 1936 ein 5 km langes Anschlußgleis zum Flughafen Tempelhof. Die durch den Zweiten Weltkrieg stark zerstörten Gleisabschnitte wurden auf Weisung der sowjetischen Kommadantur so schnell repariert, daß die NME als erste Bahn der Nachkriegszeit die Braunkohlezüge aus der Niederlausitz beförderte. Durch die Berliner Blockade vom 24.6.1948 - 12.5.1949 kam dem Gleis zum Flughafen Tempelhof große Bedeutung zu, man konnte die durch die Luftbrücke transportierte Kohle unter Umgehung der Reichsbahn sofort zu ihrem Zielort transportieren.

Nach 1950

Nachdem am 1. Januar 1950 die Reichsbahn die Betriebsführung der Strecken in der DDR übernahm, verblieb im Westteil Berlins nur noch der Abschnitt Hermannstraße nach Rudow. Der Personenverkehr der NME wurde in Berlin am 1. Mai 1955 eingestellt. Da Teile der Strecke sich auf DDR-Gebiet befanden, ist nach dem Mauerbau eine 1,2 km lange Umgehungstrecke entstanden. Der Bau eines BEWAG - Heizkraftwerkes und der Gropiusstadt brachten wieder ein größeres Güteraufkommen mit sich. Betriebsmittelpunkt der NME ist seitdem der Güterbahnhof Teltowkanal, von hier aus werden die Haupt- und Nebenanschließer wie z.B. die BEWAG, die Firma VAUBEKA und auch die Schokoladenfabrik Sarotti bedient. Anfang der 80er Jahre wurde wieder ein nichtöffentlicher Personenverkehr eingeführt.

Der Einbau einer Entschwefelungsanlage im BEWAG-Heizkraftwerk erhöhte das Güteraufkommen an Gips und Kalk und erforderte ein zweites Anschlußgleis. Mitte 1997 wurde ein neues rund 2000 m langes Anschlußgleis zur ehemaligen Mülldeponie in Groß-Ziethen gebaut, um Erde für die Rekultivierung transportiren zu können.

Die NME verfügt heute über ein Streckennetz von rund 21 km Länge, auf dem fünf Loks ihren Dienst versehen.


Die Verladestation für BSR-Container im Bahnhof Teltowkanal. Von dort bringt eine NME-Lok die Containerzüge zum Bahnhof Hermannstaße, wo sie von DB Cargo übernommen und zur Deponie Schöneicher Plan gefahren werden.
[Foto: Drutschmann]

Siehe auch:
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Kartenübersicht - Privat- und Werkbahnen
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