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Die GeschichteDie Geschichte des Postamts 77 reicht bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts zurück. Die Umschlageinrichtungen für Post im Anhalter und Potsdamer Bahnhof reichten zu dieser Zeit bereits nicht mehr aus. So errichtete die Kaiserliche Oberpostdirektion an der Luckenwalder Straße eine Paketverladestelle als Zweigstelle des Postamtes SW 11. Die Bauarbeiten auf dem engen Gelände wurden immer wieder stark behindert. Einerseits durch dort ansässige Pächter, die während des Bauvorganges umziehen mußten und andererseits durch das zur gleichen Zeit realisierte Bauvorhaben des angrenzenden Gleisdreiecks. So entstanden in 4 ½ jähriger Bauzeit eine Posteingangs- und eine Postausgangshalle an deren Südseite sich 5 Ladesteige befinden, die mit einem Querladesteig verbunden sind. 1912 wurde von der Staatsbahn das Stellwerk PLW für die Anlage gebaut. Es befindet sich an der Luckenwalder Straße unter den Eisenbahnbrücken der Lichterfelder Vorortbahn, der Ringbahn zum Potsdamer Bahnhof und einer Straßenbrücke zum Dresdener Güterbahnhof. Die AEG wurde beauftragt die Anlage für den elektrischen Zugbetrieb zu errichten. Die Fahrleitungen waren zunächst zweipolig ausgelegt um Störungen, an der Vorortbahn zu vermeiden. Nachdem diese auf S-Bahnregelbetrieb umstellte, wurde ein Fahrdraht entfernt. Doch statt den verbliebenen Draht in die Gleismitte zu verlegen ließ man ihn wo er war, was eine asymmetrische Lage der Stromabnehmer zur Folge hatte. Von 1917 bis 1935 wurden auf dem Postamt SW 77, wie es seit 1914 hieß, die Pakete teilweise auch mit der Straßenbahn weiterbefördert (teils noch bis un den Zweiten Weltkrieg). Zu diesem Zweck wurde hinter dem Verwaltungsgebäude eine eigene Anlage mit Anschluß an die Große Berliner Straßenbahn errichtet. Bis 1945 wurden die Postwagen vom Anhalter bzw. Potsdamer Bahnhof abgeholt, auf verschiedenen Wegen auf die Übergabegleise gebracht und dort abgestellt, wobei die vom Anhalter Bahnhof kommenden Wagen sofort nach ihrer Ankunft von der Postbahn weggeschleppt werden mußten, da die Gleise auch vom Durchgangsverkehr genutzt wurden. Die LokomotivenDie vier Lokomotiven der Postbahn überstanden den Zweiten Weltkrieg zwar fast unversehrt, die Anlagen jedoch lagen in Schutt und Asche. So wurde der letzte entladene Zug am 22. April 1945 registriert. Im August 1945 fand nach ersten Reparaturarbeiten wieder ein provisorischer Betrieb statt. Im Laufe der Zeit wurden dann Stück für Stück die alten Umschlagzahlen erarbeitet. Diese wurden allerdings durch die Blockade Berlins 1948 auf Null gesenkt.
Nach einer Generalüberholung der vierachsigen Elektrolok zwischen 1950 und 1952 dachte man ca. 10 Jahre später doch über deren Ersatz nach. Zwischen 1967 und 1969 setzte man schließlich diese Gedanken in Form von drei Diesellokomotiven vom Typ MB 10 N der Firma Orenstein & Koppel in die Tat um. Die 36 t schweren zweiachsigen Maschinen mit einer Leistung von je 250 PS erhielten die Betriebsnummern 1(II) bis 3(II). Die Inbetriebnahme dieser Loks beendete gleichzeitig die Ära des elektrischen Lokomotivbetriebes im Postamt 77. Drei der vier Zeugen dieses Geschichtsabschnitts stehen heute in Museen, die Lok 4 im Museum der DGEG (Deutsche Gesellschaft für Eisenbahngeschichte e.V.) und die Loks 2(II) und 3(II) im Deutsche Technikmuseum Berlin. Lok 1(II) wurde als Betriebsreserve behalten. Die Einführung der Dieselloks erforderte jedoch noch eine weitere Veränderung, denn aufgrund der doch sehr viel lauteren Motoren waren akustische Signale nicht mehr hörbar und so stieg man auf Rangierfunk um. Nach verschiedenen Experimenten mit den Loks, in denen man versuchte sie im Zwillingsbetrieb zu fahren, stellte sich jedoch heraus, daß die Lokomotiven für die schweren Lasten und die starken Steigungen unzureichend waren. So beschaffte man sich 1984 von der Bundesbahn eine dort nicht mehr gebrauchte V61, die von nun an die Nummer 4(II) trug. Ein zweites Exemplar dieser 650 PS starken Loks erstand die Oberpostdirektion Ende 1986. Die Dieselloks 4(II) und 5 wurden inzwischen in den Großraum Hamm/Essen verkauft und abgefahren. |