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| Ursprünglich sollte der
Teltowkanal nur der Entwässerung der Südbezirke Berlins zur Verfügung stehen. Der
Weitsicht des damaligen Landrates von Teltow, von Stubenrauch, ist es schließlich zu
verdanken, daß mit dem Teltowkanal eine immerhin 37 km lange und damit sehr bedeutende
Schiffahrtsstraße entstand. Mit Eröffnung des Teltowkanals am 2. Juni 1906 durch Kaiser
Wilhelm II. wurde auch eine leistungsstarke Treidelbahn in Betrieb genommen. Nach einem
Testbetrieb am Finowkanal bei Eberswalde entschied man sich für das System der Firma
Siemens-Halske, bei dem als Antrieb eine elektrische Treidellokomotive diente. Diese
besaß einen elektrisch angetriebenen Treidelmast an dessen oberem Ende ein Trichter
montiert war, durch den die Schlepptrosse führte. Im Herbst 1905 lieferte die Firma 20
Treidellokomotiven (Nr. 1-20) mit einer Nenngleichspannung von 600 Volt, einer Zugkraft
von 1200 t, einer Spurweite von 1000 mm und einer Schleppgeschwindigkeit von 4 km/h aus.
Es handelte sich hierbei um »unsymmetrische« Maschinen, die lediglich in einer
Fahrtrichtung schleppen konnten und daher gewendet werden mußten. Zu diesem Zweck wurden
acht spezielle Brücken über den Kanal gebaut. Da der Britzer Zweigkanal nur einen
nördlichen Leinpfad besaß, mußten hier extra zwei »symmetrische« Lokomotiven (Nr. 21
und 22) angeschafft werden. Diese konnten so wohl vorwärts als auch rückwärts
schleppen. 1935 kaufte man noch 4 weitere Lokomotiven (Nr. 23 -26) ein. Diese
unterschieden sich äußerlich kaum von den Loks Nr. 1 - 20, hatten jedoch stärkere
Motoren die eine Schleppleistung von 1600 t und eine Schleppgeschwindigkeit von 5,5 km/h
erbrachten. Zum Zwecke der Stromerzeugung errichtete man in Zehlendorf (Schönow) ein
eigenes Kraftwerk.
Die Streckenführung umfaßte den gesamten Teltowkanal, bis auf den Machnower See wo aus geländetechnischen Gründen der Treidelbetrieb unmöglich war. Hier wurden die Kähne mit Dampfschiffen geschleppt. Um 1930 wurden diese ersetzt, indem man ein Endlosseil im See versenkte und die Lasten fortan mit Hilfe einer motorgetriebenen Seilwinde durch den See zog. Der Treidelbetrieb bewährte sich gut und ermöglichte trotz der 10 Stunden Durchfahrt doch eine immense Zeitersparnis für die Binnenschiffer. Durch die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg konnte die Treidelbahn nicht wieder in Betrieb genommen werden. Die sowjetischen Besatzungstruppen brachten durch Demontage und Abtransport dann das endgültige Aus für die Bahn. Lediglich die Lokomotiven mit den Nummern 2 und 26 blieben erhalten. Sie sind heute im Deutschen Technikmuseum Berlin zu bewundern. |