epilog.de Shayol Verlag Alien Contact Otherland Buchhandlung Suche Dialog

Geschichte der Berlinale

Internationale Filmfestspiele Berlin

Die Fünfziger | Die Sechziger | Die Siebziger | Die Achtziger | Die Neunziger

Berlin > Medien > Berlinale

Die Fünfziger

Die 1. Internationalen Filmfestspiele Berlin wurden am 6. Juni 1951 unter der Leitung von Alfred Bauer im Titania-Palast in Steglitz eröffnet. Sechs Jahre nach dem Ende des Krieges und zwei Jahre nach dem Start des Filmfestivals von Cannes gab eine kulturpolitische Initiative der amerikanischen Allierten den Anstoß für eine Veranstaltung, auf der sich die zerstörte deutsche Filmindustrie international präsentieren könnte. Als Eröffnungsfilm der ersten Berlinale konnte Alfred Hitchcocks Rebecca gewonnen werden, als Stargast ließ sich die amerikanische Schauspielerin Joan Fontaine feiern. Eine deutsche Jury verlieh den Goldenen Bären - die kleine Statue ist nach einer Vorlage der Bildhauerin Renée Sintenis gestaltet - an vier Filme, darunter Die Vier im Jeep (CH 1951) von Leopold Lindtberg und Cinderella (Cinderella • USA 1950) aus den Disney Studios.

1952 zog das Festival an den Kurfürstendamm wo es sich allmählich zur ständigen Einrichtung etablierte und im beginnenden Kalten Krieg zum »Schaufenster der freien Welt« wurde. Ab diesem Jahr durften die Zuschauer über die Vergabe der Goldenen und Silbernen Bären abstimmen. Der Hauptpreis ging an Sie tanzte nur einen Sommer (Hon dansade en sommer • S 1951) von Arne Mattson ging, während Klassiker wie Rashomon - Das Lustwäldchen (Rashomon • J 1954) von Akira Kurosawa und Der Strom (The River • USA 1951) von Renoir bei der Preisverleihung ignoriert wurden. 1953 sorgte Stargast Gary Cooper für einigen Trubel, als er in Interviews gegen die Kommunistenhatz des Senators McCarthy wetterte und sich während der Unruhen des 17. Juni in den Ostteil der Stadt verirrte. In diesem Jahr begann Hans Borgelt seine Arbeit als Pressechef der Berlinale und übte diese Funktion bis 1968 aus.

1954 konnte man mit internationalen Stars wie Yvonne De Carlo, Fina Lollobrigida, Jean Marais und Richard Widmark aufwarten. Nachdem sich das Publikum in den ersten Jahren klar für große Hollywood-Filme entschieden hatte, wurde 1956 erstmals eine internationale Jury eingesetzt, die auch künstlerische Kritierien für die Vergabe der Bären anlegen sollte. Im gleichen Jahr protestierte die Bundesregierung gegen die KZ-Dokumentation Nacht und Nebel (Nuit et brouillard • F 1955) von Alain Resnais, die daraufhin nur in einer Sondervorführung vor geladenen Gästen gezeigt wurde.

1957 fand das Festival erstmals im neu eröffneten Großkino Zoo-Palast statt, das bis 1999 das Festspielhaus für den Wettbewerb blieb. Die Stargäste des Jahres 1957 waren Henry Fonda und Errol Flynn, im nächsten Jahr kam Walt Disney nach Berlin. 1958 ging der Goldene Bär an Wilde Erdbeeren (Smultronstället • S 1957) von Ingmar Bergmann.

Die Sechziger

In den sechziger Jahren verlagerte sich der Schwerpunkt der Berlinale von Hollywood nach Westeuropa. Diese Entwicklung begann 1959, als mit Schrei, wenn du kannst (Les cousins • F 1958) von Claude Chabrol erstmals ein Beitrag der französischen »Nouvelle vage« gezeigt wurde und den Goldenen Bären gewann. 1960 folgte Außer Atem (A bout de souffle • F 1959) von Jean-Luc Godard, 1961 Michelangelos Antonionis Die Nacht (La notte • I 1960). 1961 gab es außerdem eine kleine Retrospektive mit den Filmen von Akira Kurosawa, während das Publikum in erster Linie an den Kurven des Stargasts Jayne Mansfield interessiert war.

1962 fand die Berlinale erstmals in einer geteilten Stadt statt, und der internationale Anspruch wurde weiterhin dadurch geschmälert, daß immer noch keine Beiträge aus Osteuropa gezeigt werden konnten. Das Filmangebot des Jahres 1962 war schwach, dafür kamen die Stars James Stewart, Shirley MacLaine, James Mason und Jean-Paul Belmondo. Der neue Stellenwert des europäischen Films zeigt sich an den Preisträgern der folgenden Jahre: 1965 wurde Lemmy Caution gegen Alpha 60 (Alphaville • F 1965) von Jean-Luc Godard, 1966 Wenn Katelbach kommt (Cul-de-sac • GB 1965) von Roman Polanski ausgezeichnet. Dieser Wandel war auch darauf zurückzuführen, daß ab 1965 Filmkritiker an der Auswahl und Preisverleihung beteiligt waren. Trotzdem geriet das Festival in die Krise, so daß Jean Marais 1967 mitten im »drittklassigen« Festival verärgert abreiste.


Suche
Dialog
Service

Anzeige

Die Siebziger

1970 kam es zum großen Knall, als sich der Regisseur und Jury-Präsident George Stevens über den »Antiamerikanismus« in Michael Verhoevens Vietnam-Film o. K. (D 1970) aufregte. Die Jury trat zurück, das Festival wurde abgebrochen, und es gab keine Preise. Eine direkte Folge dieses Skandals war ein Jahr darauf die Einrichtung des »Internationalen Forums des Jungen Films«, kurz »Forum«, um neben dem Starrummel des Wettbewerbs eine Spielwiese für kleinere und experimentierfreudigere Filme zu schaffen. Diese Sektion der Berlinale wurde seit 1971 von Ulrich Gregor geleitet, der bereits ab 1964 kleine Gegenfestivals zur Berlinale organisiert hatte.

In den siebziger Jahren bekam das Festival allmählich einen internationaleren und globaleren Charakter, als auch Filme aus Afrika und Südamerika ins Programm genommen wurden. Nach den Ostverträgen war 1974 erstmals ein sowjetischer Film zu sehen, und 1975 war mit Jakob, der Lügner (DDR 1974) von Frank Beyer erstmals wieder ein DEFA-Film am Wettbewerb beteiligt, während ein sowjetisches Mitglied in der Jury saß. 1976 kam es zu einem neuen Skandal, als Nagisa Oshimas Film Im Reich der Sinne (Ai no Corrida • J/F 1974) beschlagnahmt und Ulrich Gregor wegen Verbreitung von Pornographie angezeigt wurde. 1977 protestierte die Jüdische Gemeinde von Berlin gegen das Jury-Mitglied Rainer Werner Fassbinder. Im gleichen Jahr übernahm die Stiftung Deutsche Kinemathek die Ausrichtung der filmhistorischen Retrospektiven, die sich im Laufe der Jahre zu einem wichtigen Schwerpunkt der Berlinale entwickelten.

1976 gab Alfred Bauer nach 26 Jahren die Leitung des Festivals an den Filmjournalisten Wolf Donner ab. Donners nachhaltigste Entscheidung war es, den Berlinale-Termin im Jahr 1978 vom Juni in den Februar zu verlegen - ausgerechnet in den kältesten Monat des Winters. Im gleichen Jahr fand erstmals das Kinderfilmfest statt. 1979 kam es wieder zum Skandal um einen Vietnam-Film, als die sozialistischen Staaten gegen Michael Ciminos Die durch die Hölle gehen (The Deer Hunter • USA 1978) protestierten und sich von der Berlinale zurückzogen.

Die Achtziger

Nach nur drei Jahren kündigte Wolf Donner seinen Posten als Festivalchef. Neuer Leiter der Berlinale wurde der Schweizer Moritz de Hadeln, der die Festspiele erstmals 1980 ausrichtete. De Hadeln war von Anfang an umstritten, weil er einen schwierigen Mittelweg zwischen dem großen internationalen Starkino und dem künstlerisch anspruchsvollen Film suchte. Während sich vor allem vor allem die deutschen Filmregisseure über mangelnde Unterstützung beklagten, holte de Hadeln die großen Stars zur Berlinale zurück. 1982 kehrte Joan Fontaine, der Stargast der ersten Berlinale von 1951, als Jury-Präsidentin zurück, außerdem kamen Claudia Cardinale, Jeanne Moreau, Lino Ventura, Michael Piccoli und James Stewart, dem die Hommage gewidmet war. Einen neuen Ost-West-Streit gab es in diesem Jahr um den Film Mit dem Wind nach Westen (Night Crossing • USA 1981). 1983 widmete sich die Retrospektive sechs deutschen Schauspielern, die von den Nazis ins Exil getrieben wurden. 1984 gewann Love Streams (Love Streams • USA 1984) von John Cassavetes den Goldenen Bären. 1985 ging es in der Restrospektive um das Thema Special Effects.


Berlinale 1981: Conny Froboess, Rainer Werner Fassbinder und Jeanne Moreau beim Festival
Foto: Berlinale

1986 war es wieder einmal Zeit für einen Skandal, als Reinhard Hauffs Terroristen-Film Stammheim (D 1986) als Sieger des Wettbewerbs ausgezeichnet wurde und die Jury-Vorsitzende Gina Lollobrigida öffentlicht erklärte, gegen den Film gestimmt zu haben. Im gleichen Jahr wurde Claude Lanzmanns fast zehnstündige Holocaust-Dokumentation Shoah (Shoah • F 1974-85) uraufgeführt, und das »Panorama« wurde unter der Leitung von Manfred Salzgeber als eigene Sektion etabliert, nachdem er bereits seit 1980 die Verantwortung für die »Info-Schau« getragen hatte.


Suche
Dialog
Service

Anzeige

Die Neunziger

Die Veränderungen in der Weltpolitik gingen auch an der Berlinale nicht spurlos vorbei. 1987 gab es einen Goldenenen Bären für den russischen Beitrag Das Thema (Tema • SU 1986) von Gleb Panfilow. 1988 gewinnt überraschend erstmals ein chinesischer Film, Rotes Kornfeld (Hong Gooliang • China 1987) von Zhang Jimou, den Goldenen Bären. Die Retrospektive dieses Jahres ist der Geschichte des Farbfilms gewidmet.


Berlinale 1998: Preisverleihung
Foto: Berlinale

Seit 1987 wird von einer unabhängigen Jury der Teddy Award vergeben, ein Preis für herausragende schwullesbische Filme. 1989 wurde erstmals das Videofest im Rahmen des Forums veranstaltet, aus dem sich im Laufe der Jahre die parallel zur Berlinale stattfindende Transmediale entwickelte, längst ein eigenständiges Festival für elektronische Medien.

Die 40. Filmfestspiele des Jahres 1990 waren erstmals wieder eine Gesamt-Berliner Veranstaltung und wurden mit einer neuen Hymne des Fassbinder-Hauskomponisten Peer Raben eröffnet. Die Entdeckung des Jahres waren die Brüder Kaurismäki aus Finnland. 1992 wurde die Berlinale mit dem Film Star Trek VI - Das Unentdeckte Land (Star Trek VI - The Undiscovered Country • USA 1991) eröffnet. 1993 übergab Manfred Salzgeber aus gesundheitlichen Gründen die Leitung der Panorama-Sektion an Wieland Speck, und zum 60jährigen Jubiläum wurde die rekonstruierte Fassung des Klassikers King Kong und die weiße Frau (King Kong • USA 1933) uraufgeführt. Der Goldene Bär des Jahres 1997 ging an Larry Flint - Die nackte Wahrheit (The People vs. Larry Flint • USA 1996) von Milos Forman. Die Spannungen zwischen Kunst und Kommerz verschärften sich in den neunziger Jahren, so daß 1998 viele Filme und Starauftritte abgesagt werden mußten. Die Berlinale 1999 wurde mit Aimée & Jaguar (D 1999) von Max Färberböck eröffnet, die Retrospektiven waren Otto Preminger und Shirley MacLaine gewidmet.

Im Jahr 2000 fanden die 50. Internationalen Filmfestspiele Berlin erstmals am neuen Potsdamer Platz mit Stargästen wie Milla Jovovich, George Clooney und Leonardo DiCaprio statt. Die Retrospektive hatte das Thema »Künstliche Menschen - Manische Maschinen. Kontrollierte Körper«, die Hommagen galten Jeanne Moreau und Robert De Niro.

Bernhard Kempen


Suche
Dialog
Service

Anzeige

Siehe auch:
Berlinale
Die Goldenenen Bären der Internationalen Filmfestspiele Berlin
Offzielle Homepage
Medienstadt Berlin
Home Suche Dialog Service Ende Amazon.de
© copyright 1990-2007 by SHAYOL.NET e.V. • Alle Rechte vorbehalten
eMail: dialog@epilog.de
01.01.07 • 11.01.07