Thomas Deist

Gummidrachen im Spielzeugland

Sinn und Unsinn der japanischen Monsterfilme

[Einleitung] [Die Urmonster] [Monster gegen Monster] [Mensch und Monster] [Weltraum und Umwelt] [Abgang der Monster] [Resümee]

Lexikon

1. Einleitung

Es ist ein altbekanntes Übel des phantastischen Filmes, daß er für jede Art von absurdester Interpretation herhalten muß. Sicherlich gibt es auch genug Regisseure, die eine echte »Message« vermitteln wollen (man denke nur an den verstorbenen Andrej Tarkowski und mit Abstrichen an George Romero und David Cronenberg). Aber gerade Science-Fiction-, Horror- und Fantasy-Kino unterhalten nun einmal auf einem irrealen Level, in dem sie Dinge präsentieren, die es so nicht geben kann oder noch nicht gibt. Gerade durch Zeitreisen, ferne Welten und häßliche Monstren wird der Zuschauer auf die denkbar intensivste Form der tristen Gegenwart entrissen. Seit dem Kino des George Meliès hat es nie eine bessere Fluchtmöglichkeit für den streßgeplagten Manager, den genervten Beamten oder den ausgelaugten Arbeiter gegeben. Gerade die Freude am Grotesk-Unwirklichen hat jedoch seit jeher besserwisserische Schreiberlinge auf den Plan gerufen. Ob es nur der Neid auf die naive Freude ihrer Leserschar war (und ist) oder die Annahme, daß Unwirkliches immer ein Stück verfremdete Realität darstellen muß, mag hier dahingestellt bleiben. Auf jeden Fall gibt es nur ganz wenige Werke des phantastischen Films, in denen nicht - zumindest versuchsweise - eine höhere Bedeutung festgestellt wurde. Die Skala ist schier unendlich; sie reicht von James Whales makabren Gruselstücken bis hin zur Star-Wars-Trilogie des George Lucas. Bedauerlicherweise wurde meist vergessen, den legitimen Sinn und Zweck jener Lichtspiele genauer herauszustellen: Sie wollen in erster Linie - und meist sogar ausschließlich - den Betrachter unterhalten, ihm einen angenehmen Schauer über den Rücken jagen, in andere Welten entführen, ihm wunderbare Wesen zeigen.


[Abb.: Sammlung Thomas Deist]

Dieses Manko weist auch die Auseinandersetzung mit dem Kaiju Eiga auf. Namenlose und namhafte Filmkritiker haben dem japanischen Monsterfilm Intentionen angedeihen lassen, daß sich die Herren Tsuburaya und Honda sprichwörtlich im Grabe umdrehen. Richtig ist sicherlich, daß Godzilla und Co. eine Entwicklung durchlaufen haben, die auch von den politischen Ereignissen und dem nationalen Selbstbewußtsein geprägt wurden. Wer sich jedoch auf ungezählten Seiten über die hintersinnigen Absichten in Godzilla (Gojira • J 1954) ausläßt, wäre besser in einer Spätvorstellung eines Margarethe-von-Trotta-Filmes aufgehoben. [td]

2. Die Urmonster

[Einleitung] [Die Urmonster] [Monster gegen Monster] [Mensch und Monster] [Weltraum und Umwelt] [Abgang der Monster] [Resümee]


Siehe auch
Film-Index • Godzilla
Der erste Godzilla-Zyklus
Der zweite Godzilla-Zyklus
Kaiju Eiga - Der japanische Monsterfilm
Japanische Titel und Namen
Gummidrachen im Spielzeugland - Sinn und Unsinn der japanischen Monsterfilme
Film-Index • Dinosaurier • Prähistorik
DinoMedia • Dinosaurier in Literatur, Film und anderen Medien
Prehistoric News • Magazin für prähistorische Motive in den Medien
Leser-Service
Lieferbare Titel mit dem Stichwort Godzilla
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