Thomas Deist

Gummidrachen im Spielzeugland

Sinn und Unsinn der japanischen Monsterfilme

[Einleitung] [Die Urmonster] [Monster gegen Monster] [Mensch und Monster] [Weltraum und Umwelt] [Abgang der Monster] [Resümee]

Lexikon

2. Die Urmonster

Mit Godzilla (Gojira • J 1954) aus den Studios der Toho fing bekanntlich alles an. Er ist und bleibt der Urvater aller asiatischen Monster-Epen. In ihm vereinigen sich daher auch viele Elemente, die den Kaiju Eiga auszeichnen (sollten). Die Angst vor der Bombe, das Trauma von Hiroshima und die Niederlage im Zweiten Weltkrieg waren noch frisch in Japan. So verwundert es auch nicht, daß Godzilla düster und mit einer sehr bedrohlichen Atmosphäre daherkommt. Die Bevölkerung steht dem atomgespeisten Ungeheuer ohnmächtig gegenüber, das Militär schaut hilflos zu. Godzilla und seine Nachfolger stellen daher in der Tat den Versuch einer Mystifizierung des nuklearen Holocaust dar. Außerdem findet die Gewaltdarstellung in der Weise statt, daß immer Massen von Menschen sterben; die Grausamkeit hat keinen spezifisch persönlichen Aspekt - wie auch? Im Krieg gab es nur viele Opfer, nie ein bestimmtes. Man sieht nicht, wie Menschen vom Ungetüm gefressen werden - Godzilla zertrampelt Gebäude, wobei es egal ist, wer sich gerade darin befindet. Ingesamt ist es also nicht von der Hand zu weisen, daß zumindest Godzilla auch von anderen Gedanken inspiriert wurde als dem an den schnellen Yen an der Kinokasse. Aber eines darf bitte keinesfalls vergessen werden: Godzilla (Gojira • J 1954) war die Reaktion auf Panik in New York (The Beast from 20,000 Fathoms • USA 1953), ein Streifen, der enorm viel Geld eingespielt hatte. Godzilla wurde deswegen in allererster Linie aus marktwirtschaftlichen Gründen gedreht. Und dies bedeutet nun einmal Gewinnmaximierung. Das klappt aber nur, wenn möglichst viele Leute den Film ansehen. Voraussetzung hierfür ist wiederum etwas Außergewöhnliches, Sensationelles. Und somit sind fast alle besserwisserischen Schreiberlinge widerlegt: Godzilla ist in erster Linie ein effektheischender Sensationsfilm, der mit seinen gigantischen Destruktionen die Kinogänger unterhalten will.

Die Atombomben-Problematik ist ebenfalls von Panik in New York geborgt. Insoweit fügt sich Godzilla nahtlos in die Zeit ein, in der dies gerade im SF-Bereich äußerst populär war. Trotzdem verstanden es Inoshiro Honda und seine Mitarbeiter, den Streifen - zumindest auch - zu einem japanischen Ereignis zu machen. Da gibt es die Mythologie des Drachen und der sterbenden Samurai-Kämpfer (nämlich Akihiko Hirata als Wissenschaftler). Auch in späteren Filmen war man stets bemüht aufzuzeigen, woher der Kaiju Eiga eigentlich stammt, und zwar auch nach der beginnenden Kooperation mit den Amerikanern. Godzilla (Gojira • J 1954) stellt somit ein höchst interessantes Konglomerat aus ganz verschiedenen Stilrichtungen und Einflüssen dar, die man keinesfall getrennt bzw. abgesondert betrachten darf. [td]

3. Monster gegen Monster

[Einleitung] [Die Urmonster] [Monster gegen Monster] [Mensch und Monster] [Weltraum und Umwelt] [Abgang der Monster] [Resümee]


Siehe auch
Film-Index • Godzilla
Der erste Godzilla-Zyklus
Der zweite Godzilla-Zyklus
Kaiju Eiga - Der japanische Monsterfilm
Japanische Titel und Namen
Gummidrachen im Spielzeugland - Sinn und Unsinn der japanischen Monsterfilme
Film-Index • Dinosaurier • Prähistorik
DinoMedia • Dinosaurier in Literatur, Film und anderen Medien
Prehistoric News • Magazin für prähistorische Motive in den Medien
Leser-Service
Lieferbare Titel mit dem Stichwort Godzilla
Lieferbare Titel mit dem Stichwort Dinosaurier

Anzeige


[IdxEssay]

© copyright 1997-2011 by EPILOGmedia • Alle Rechte vorbehalten
eMail: dialog@epilog.de | Impressum | AGB + Widerrufsrecht