Thomas Deist

Gummidrachen im Spielzeugland

Sinn und Unsinn der japanischen Monsterfilme

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Lexikon

4. Mensch und Monster

Der japanische Monsterfilm war von Anfang an auf visuelle Sensation ausgerichtet. Für eine glaubhafte und effektive Nebenhandlung blieb da wenig Raum. Zu Beginn des Zyklus gab es zwar Ausnahmen - insbesondere der Forscher Sekizawa in Godzilla (Gojira • J 1954) -; die Versuche, dem Zuschauer ein Identifikationsobjekt zu präsentieren, blieben aber rudimentär und wurden bereits mit Rodan aufgegeben. Nun macht es aber keinen Spaß, ständig das Böse auf der Kinoleinwand zu betrachten und für keinen der Akteure Sympathie hegen zu können. Zudem zeigte der Kaiju Eiga keine Einzelschicksale - die Monster bedrohten keine Einzelmenschen, mit denen man sich vorher identifiziert hatte, sondern die Nation als Ganzes. Der Mensch starb als Anonymus in der Masse, was aber ebenfalls in dieser Form nicht gezeigt wurde. Das Dahinsiechen der japanischen Nation wurde auf zusammenstürzende Spielzeughäuser reduziert, was dem Ganzen natürlich auch den bedrohlichen Charakter und die Brutalität nahm. Balgereien in freier Natur hingegen ließen auf ein limitiertes Budget schließen und wirkten häufig eher langweilig als belustigend.

Deswegen lag nichts näher, als den Ungeheuern selbst, also dem einzigen Existenzgrund für den Kaiju Eiga, eine Identifikation zugänglich zu machen. Erste Ansätze finden wir in Mothra bedroht die Welt (Mosura • J 1961), Die Rückkehr des King Kong (Kingkongu tai Gojira • J 1962) und Godzilla und die Urweltraupen (Mosura tai Gojira • J 1964), wo ein »gutes« und ein »böses« Monster gegeneinander in den Ring steigen. Und weil Godzilla nun einmal der weitaus bekannteste Exponent der Streifen, gewissermaßen sogar Japans Exportschlager Nr. 1 war, mußte man seinen Charakter »ummodeln«. Dies geschah 1964 in den beiden Streifen San Daikaiju Chikyu Saidai no Kessen (J 1964) und Befehl aus dem Dunkel (Kaiju daisenso • J 1965). Godzilla wandelte sich von der globalen Bedrohung zum Retter der Menschheit: Ihm wurden sogar menschliche Züge verliehen. Glücklicherweise haben Honda und Konsorten die Veränderung »scheibchenweise« vollzogen, so daß sich der Kinogänger nicht überrumpelt fühlen mußte. In Befehl aus dem Dunkel beispielsweise durfte Godzilla noch die Distanz zum Homo Sapiens wahren.


[Abb.: Sallung Thomas Deist]

Den atomaren Schrecken und das Trauma des verlorenen Krieges (nebst der höchst verachtenswerten Kollaboration mit den Nazis) hatte man thematisch zu diesem Zeitpunkt längst überwunden. Zwar gibt es noch Ansätze in Godzilla und die Urweltraupen (Mosura tai Gojira • J 1964) (wo die märchenhafte Insel als heruntergekommenes Atomtestgebiet präsentiert wurde), aber schon ein Jahr zuvor - in Die Rückkehr des King Kong (Kingukongu tai Gojira • J 1962) - gingen die Ungetüme nach Herzenslust aufeinander los, ohne die Bombe als Auslöser benutzen zu müssen. Frankenstein - der Schrecken mit dem Affengesicht (Furankenshutain tai Baragon • J 1965) stellt insoweit den Endpunkt der Entwicklung dar. Der riesige Frankenstein vereint sowohl die Bombe als auch die unselige Zusammenarbeit mit den Nazis in sich, tritt aber an, um Japan zu retten. [td]

5. Weltraum und Umwelt

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Siehe auch
Film-Index • Godzilla
Der erste Godzilla-Zyklus
Der zweite Godzilla-Zyklus
Kaiju Eiga - Der japanische Monsterfilm
Japanische Titel und Namen
Gummidrachen im Spielzeugland - Sinn und Unsinn der japanischen Monsterfilme
Film-Index • Dinosaurier • Prähistorik
DinoMedia • Dinosaurier in Literatur, Film und anderen Medien
Prehistoric News • Magazin für prähistorische Motive in den Medien
Leser-Service
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