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Thomas DeistGummidrachen im SpielzeuglandSinn und Unsinn der japanischen Monsterfilme[Einleitung] [Die Urmonster] [Monster gegen Monster] [Mensch und Monster] [Weltraum und Umwelt] [Abgang der Monster] [Resümee] |
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| Lexikon | |||
5. Weltraum und UmweltDie japanischen Ungetüme benötigten also dringend eine neue Existenzberechtigung. Langweilig und einfallslos wäre es sicherlich gewesen, sie gegen immer neue Monster auftreten zu lassen. So griffen Tanaka und Honda auf die Bedrohung aus dem All zurück, die sich bereits in den Fünfzigern - jenseits des großen Teiches - als sehr erfolgreich erwiesen hatte. Die beiden ersten Ghidorah-Streifen machten von dieser Idee auch regen Gebrauch und verhalfen Godzilla zur bekannten Wesensänderung. Da Bombe, Verlust der nationalen Identität und ähnliche zeitgeschichtliche Schrecken überwunden waren, konnte als Zirkelschluß gewissermaßen die Bedrohung nicht mehr von dieser Welt kommen. Das All war daher die einzig denkbare Lösung.
Zwei Arten terrestrischer Bedrohung sollten im Kaiju Eiga noch eingebaut werden: der Kommunismus und die Umweltverschmutzung, aber immer unter Beibehaltung des unterhaltsam-komischen Effektes. Eine große Ausnahme hingegen stellt Frankenstein - Zweikampf der Giganten (Furankenshutain no Kaiju Sanda tai Gaira J 1966) dar. Neben der Tatsache, daß kein bekannter Unhold auftrat, sticht ein ganz anderes Faktum ins Auge: die ungewöhnliche Brutalität des Streifens. Der grüne Unhold verspeist nämlich ungeniert Menschen (was seltsamerweise in der deutschen Fassung nahezu vollkommen erhalten geblieben ist). Dies ist die berühmte »Ausnahme von der Regel«, daß keine Einzelschicksale gezeigt wurden. Frankenstein - Zweikampf der Giganten bricht mit diesem Prinzip. Das böse Monster beschränkt sich nicht auf das Zertrampeln menschlicher Siedlungen, sondern labt sich an menschlichem Fleisch. Es mag zwar sein, daß man dies in den frühen Gojira-Filmen vermuten konnte, gesehen hat man das Leid aber nicht. Die Ungeheuer erscheinen zwar stets als böse und gemein, sind aber niemals grausam oder blutrünstig.
Mit der Anfang der Siebziger eingeführten Umweltproblematik hatten Tohos Tanaka und Honda sowie Daiei (nach der Bombe und dem Weltraumkrieg) auch das letzte mögliche SF-spezifische Bedrohungsmoment eingeführt. Der Grund für den Auftritt der Ungeheuer hatte sich also erneut geändert, der Rahmen hingegen war gleichgeblieben. Warum sollte man auch etwas Neues probieren, wenn sich das Altbewährte immer noch als äußerst erfolgreich erwies? Es blieb dabei, daß Godzilla und Co. den hocherfreuten jugendlichen Zuschauern lustige Balgereien zuhauf bieten mußten. [td] [Einleitung] [Die Urmonster] [Monster gegen Monster] [Mensch und Monster] [Weltraum und Umwelt] [Abgang der Monster] [Resümee] |
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