ALIEN CONTACT
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Hugo • Science Fiction Achievment Award

<-- Das Jahr 1960 -->

von Hardy Kettlitz

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Alien Contact
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Der Hugo wurde auf dem Pittcon in Pittsburgh verliehen.
Novel
Robert A. Heinlein: Starship Troopers
(2 Teile, Oktober und November 1959 in FANTASY AND SCIENCE FICTION unter dem Titel Starship Soldiers; dt. Sternenkrieger, 1979 als B 24001)

Dieser Roman ist ein Vorreiter der später leider allzu populären Military-SF, einer kriegshetzerischen Literatur, die das Töten verherrlicht und gegen Liberalität und jegliche Art von Toleranz gerichtet ist. Der verhinderte Offizier Heinlein schildert in diesem von Anfang an umstrittenen Buch eine Gesellschaftsordnung, in der nur diejenigen das Wahlrecht erhalten, die bei der Army gedient haben. Das Staatssystem ist äußerst repressiv; bereits für kleine Vergehen wie Trunkenheit am Steuer kann man öffentlich ausgepeitscht werden. Allerdings schildert der Autor seinen Gesellschaftsentwurf nicht etwa als Dystopie, sondern läßt keinen Zweifel daran, daß er diese Gesellschaft für erstrebenswert hält.

Protagonist und Ich-Erzähler des Buches ist Juan Rico, ein junger Mann, der beschließt, zur Armee zu gehen. Ausführlichst schildert Heinlein die harte Ausbildung wie auch die Kämpfe bei der Mobilen Infanterie. Dabei zieht Rico mit seinen Truppen durch die halbe Galaxis und vernichtet die Bugs, bösartige Käfer-Aliens, die so widerlich sind, daß sie ausgerottet werden müssen. Tatsächliche Motivationen und politische Hintergründe für den galaktischen Krieg werden nicht angeführt, obwohl Heinlein jede Gelegenheit ergreift - zum Beispiel bei Szenen in der Schule bzw. bei Ricos Ausbildung zum Offizier -, seine krude Philosophie auszubreiten. Auch die Formulierung »totaler Krieg« fällt dabei zuweilen. - Einige Zitate mögen belegen, wie Heinlein argumentiert.

Während eines Gesprächs im Schulunterricht mit einem Lehrer, der später noch als großer Armeeheld gefeiert wird, soll Rico den moralischen Unterschied zwischen einem Soldaten und einem Zivilisten erläutern:

»Der Unterschied ... zeigt sich auf dem Gebiet der staatsbürgerlichen Tugend. Ein Soldat übernimmt persönliche Verantwortung für die Sicherheit einer politischen Gemeinschaft, zu der er gehört, und wird sie nötigenfalls sogar mit dem Preis seines Lebens verteidigen. Der Zivilist tut so etwas nicht.«

Obwohl in der Zukunft anscheinend eine Weltgemeinschaft existiert, sind die Ländergrenzen nicht aufgehoben. Allerdings gibt es auch folgenden Dialog:

»Wo habt ihr beiden euch die Gesichtsnarben geholt? Heidelberg?«
»Nein, Sir. Königsberg.«
»Nicht viel Unterschied.«
[sic!]

Wie mag das wohl gemeint sein?

In einer anderen Unterrichtsstunde bezeichnet der Lehrer die Marxsche Definition des Wertes als lächerlich und führt einen peinlich simplen Beweis dafür an. Doch damit nicht genug, es folgt eine entsprechende Beschimpfung:

»Nichtsdestoweniger hatte dieser alte, wirre Mystiker, der Das Kapital verfaßte, dieser schwülstige, verworrene, verdrehte, neurotische, unwissenschaftliche, unlogische Karl Marx, dieser bombastische Betrüger - nichtsdestoweniger hatte er den Zipfel einer sehr wichtigen Wahrheit erfaßt. Hätte er einen analytischen Verstand besessen, hätte er vielleicht die erste zutreffende Begriffsbestimmung des Wertes formulieren können ... und diesem Planeten wäre möglicherweise endloser Kummer erspart worden. Der auch nicht.«

Der Roman ist mitten im kalten Krieg entstanden und auch ohne explizite Ausfälle wie eben zitiert, wird wohl jedem klar, wer mit den Bugs, gegen die man hier einen »totalen Krieg« führt, gemeint ist. Doch für die Handvoll Leser, die das eventuell immer noch nicht verstanden hatte, formulierte Heinlein:

Jedesmal, wenn wir tausend Bugs töteten und dabei einen M. I. verloren, war das ein Sieg für die Bugs. Wir mußten teuer dafür bezahlen, um zu lernen, wie leistungsfähig ein totaler Kommunismus sein kann, wenn er von einem Volk praktiziert wird, das von der Evolution tatsächlich dafür erschaffen ist.

Es ist eine Schande, daß dieser Roman überhaupt für den Hugo nominiert wurde und ein Armutszeugnis für die SF-Welt der späten 50er Jahre, daß er den Preis sogar gewonnen hat.

SF-Leser haben häufig diskutiert, ob Heinlein den Roman tatsächlich ernst gemeint hätte; das spielt jedoch angesichts der Wirkung, die er erzielte, kaum eine Rolle.

In den 90er Jahren wurde das Buch unter dem Titel Starship Troopers verfilmt, und der Film war mindestens so umstritten wie der Roman. Der Regisseur war der Meinung, er habe seine dargestellte Gesellschaftsform satirisch überzeichnet, und einige Zuschauer glaubten auch, dies zu erkennen. Allerdings gehen die zaghaften satirischen Ansätze vollkommen in der Special-Effect-Schlacht gegen die Bugs unter.

Weitere Nominierungen:
  • Gordon R. Dickson: Dorsai!
    (3 Teile, Mai bis Juli 1959 in ASTOUNDING, anderer Titel The Genetic General; dt. Der General von Dorsai, M 3608)
  • Murray Leinster: The Pirates of Ersatz
    (3 Teile, Februar bis April 1959 in ASTOUNDING, späterer Titel The Pirates of Zan; dt. Piratenflotte über Darth, Zimmermann und T 284)
  • Kurt Vonnegut jr.: The Sirens of Titan
    (Buchausgabe bei Dell; dt. Die Sirenen des Titan, Piper)
  • Mark Phillips: That Sweet Little Old Lady
    (2 Teile, September bis Oktober 1959 in ASTOUNDING, anderer Titel: Brain Twister; dt. Die Lady mit dem 6. Sinn, 1974 als U 3073)
Short Fiction
Daniel Keyes: »Flowers for Algernon«
(April 1959 in F&SF; dt. »Blumen für Algernon« in Ferman [Hrsg.]: 30 Jahre Magazine of Fantasy and Science Fiction, H 3763, in Simon [Hrsg.]: Maschinenmenschen, Das Neue Berlin, in Asimov [Hrsg.]: Das Forschungsteam, HSFB 13, in Alpers/Fuchs [Hrsg.]: Die Fünfziger Jahre II, Hohenheim, in Gunn [Hrsg.]: Von Matheson bis Shaw, HSFB 97, und andere)

»Flowers for Algernon« ist wahrscheinlich eine der eindrucksvollsten und großartigsten Geschichten, die jemals einen Hugo bekommen haben.

In Tagebuchform erzählt der Autor von Charlie Gordon, der zwar ein gutmütiger und lernwilliger Mensch, aber geistig zurückgeblieben ist. Er wird für ein medizinisches Experiment ausgewählt, durch das sein Intelligenzquotient auf chirurgische Weise verdreifacht werden soll. Die Operation war zuvor bereits bei einer Maus namens Algernon geglückt. Tatsächlich gelingt das Experiment und Charlies Intelligenz überflügelt bald sogar die der Ärzte. Er erkennt, welche Möglichkeiten das Leben ihm bieten kann, doch glücklich wird er dadurch nicht. Früher haben sich andere über ihn lustig gemacht, weil er so einfältig war - nun fürchten sich die Menschen vor ihm, weil er ihnen überlegen ist.

Und eines Tages wird Algernon, die Maus, immer apathischer und scheint ihre Intelligenz zu verlieren ...

Der Stil der Geschichte ist außergewöhnlich. Charlies Tagebuch strotzt anfangs von Fehlern, hat keine Interpunktion und ist in der Sprache eines geistig unterentwickelten Menschen geschrieben. Nicht nur durch die Handlung, sondern auch durch Stil und Wortwahl kann der Leser die Entwicklung des Protagonisten nachvollziehen. Das Ende der Geschichte gehört zu den emotionalsten Szenen der SF-Literatur.

Der Autor Daniel Keyes ist ausgebildeter Psychiater und hat sich in seinem Werk häufig mit geistig verstörten oder anders gearteten Persönlichkeiten auseinandergesetzt. Einige Jahre später hat er die Erzählung zu dem Roman Charlie ausgearbeitet und wurde damit für den Hugo 1967 nominiert. Außerdem wurde der Roman verfilmt - der einzige SF-Film, der jemals einen Oscar für den besten Hauptdarsteller erhalten hat.

Weitere Nominierungen:
  • Philip José Farmer: »The Alley Man«
    (Juni 1959 in F&SF; dt. »Der Müllkutscher« in Farmer: Bizarre Beziehungen, Kn 5771 und H 4935, in Farmer: Jenseits von Raum und Zeit, H 4387)
  • Ralph Williams: »Cat and Mouse«
    (Juni 1959 in ASTOUNDING; nicht auf Deutsch erschienen)
  • Theodore Sturgeon: »The Man Who Lost the Sea«
    (Oktober 1959 in F&SF; dt. »Verlorene See« in Alpers/Fuchs [Hrsg.]: Die Fünfziger Jahre II, Hohenheim)
  • Alfred Bester: »The Pi Man«
    (Oktober 1959 in F&SF; dt. »Der Pi-Mann« in Bester: Die Hölle ist ewig, st 2157)

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Dramatic Presentation
The Twilight Zone

Die Serie Twilight Zone wurde 1959 erstmals im amerikanischen Fernsehen ausgestrahlt und lief bis 1964. Erfinder und ausführender Produzent war Rod Serling, der auch einundneunzig der Drehbücher schrieb. Zu den Autoren der Serie gehörten u. a. Charles Beaumont, Ray Bradbury und Richard Matheson. Es sind auch einige heute sehr bekannte Regisseure zu nennen, u. a. Don Siegel, William Friedkin oder Richard Donner. Die Schwarzweißserie hielt sich über fünf Staffeln und hatte insgesamt 156 Folgen. Jede einzelne Folge erzählte eine eigenständige Geschichte; allerdings war nur wenig Science Fiction darunter, die meisten Storys sind Fantasy oder Horror zuzurechnen. Dennoch bot Twilight Zone gegenüber bisher in Amerika bekannten SF-Fernsehserien Neues: originelle Geschichten. Bis heute wurde sie fast ununterbrochen im amerikanischen Fernsehen wiederholt und wurde auch in Deutschland ausgestrahlt. Später gab es auch einen Spielfilm (Twilight Zone: The Movie, 1982) sowie von 1981 bis 1989 ROD SERLING'S THE TWILIGHT ZONE MAGAZINE, u. a. herausgegeben von T. E. D. Klein. Von 1985 bis 1987 wurde der Versuch unternommen, die Serie - diesmal in Farbe - neu aufleben zu lassen, allerdings ohne großen Erfolg.

Weitere Nominierte:
  • Men Into Space (TV)
  • Murder and the Android (TV)
  • The Turn of the Screw (Film)
  • The World, the Flesh and the Devil (Film)
Professional Magazine
MAGAZINE OF FANTASY AND SCIENCE FICTION

Das Magazin konnte seine Position im Markt weiter festigen und brachte so wichtige Texte wie Theodore Sturgeons »The Man Who Lost the Sea« (Oktober 1959; dt. »Verlorene See«) und Robert A. Heinleins Starship Soldiers (2 Teile, Oktober und November 1959, Buchversion als Starship Troopers; dt. Sternenkrieger). Allerdings tauchten gerade in diesem Jahr auch viele neue und unbekannte Namen auf.

Weitere Nominierungen:
  • ASTOUNDING
  • AMAZING
  • FANTASTIC UNIVERSE
  • GALAXY
Professional Artist
Ed Emshwiller

Nachdem sich Ed Emshwiller (1925-1990) den Hugo des Jahres 1953 mit Hannes Bok teilen mußte, erhielt er ihn nun ganz allein.

Neben seinen Magazincovern für GALAXY, AMAZING STORIES, F&SF und STARTLING STORIES schuf er auch Hunderte von Titelbildern für Bücher und Taschenbücher, insbesondere für die Reihe Ace Books.

Weitere Nominierungen:
  • Frank Kelly Freas
  • Virgil Finlay
  • Mel Hunter
  • Wally Wood
Fanzine
CRY OF THE NAMELESS
(herausgebeben von F. M. und Elinor Busby, Burnett Toskey und Wally Weber)

Während des Zeitraums, für den der Hugo 1960 vergeben wurde, hat F. M. Busby das Fanzine monatlich herausgegeben, wurde jedoch von zahlreichen Fans wie Wally Weber oder Terry Carr unterstützt. Das Zine hatte einen Umfang von 32 bis zuweilen sogar über 100 Seiten. Gegründet wurde das Zine 1950 als vierseitiges Clubmagazin des SF-Club in Seattle, »The Nameless Ones«. Später enthielt es nicht nur fannische Informationen, sondern auch Buchbesprechungen und diente dem Gedankenaustausch zwischen den Fans da.

Weitere Nominierungen:
  • FANAC (Terry Carr & Ron Ellik)
  • JD-ARGASSY (Lynn A. Hickman)
  • SCIENCE FICTION TIMES (James V. Taurasi sr., Ray Von Houten & Frank R. Prieto jr.)
  • YANDRO (Robert & Juanita Coulson)
Special Award
Hugo Gernsback as »The Father of Magazine Science Fiction«

Als späte Ehrung wurde schließlich dem »Vater der Magazin-SF« der Preis verliehen, der seinen Namen trägt. Nicht jeder Fan und Autor war darüber glücklich, viele teilten die Überzeugung, daß die SF ohne die Pulps eher an Qualität gewonnen hätte. Dennoch darf man Gernsbacks Einfluß nicht unterschätzen, denn seine frühen SF-Magazine wie AMAZING STORIES oder AIR WONDER STORIES haben viele der später berühmten Autoren erst an die SF herangeführt.

Siehe auch
Encyclopedia of Science Fiction: Der Hugo - Science Fiction Achievment Award
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