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Hugo • Science Fiction Achievment Award

<-- Das Jahr 1965 -->

von Hardy Kettlitz

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Alien Contact
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Der Hugo wurde auf dem Loncon II in London, UK verliehen.
Novel
Fritz Leiber: The Wanderer
(Buchausgabe bei Ballantine; dt. Wanderer im Universum, gekürzt als H 3096, ungekürzt als H 3628)

Plötzlich taucht in der Nähe der Erde ein fremder, von Außerirdischen wie ein Raumschiff gesteuerter Planet auf und verursacht allein durch seine Anwesenheit riesige Katastrophen; bald darauf wird der Mond zerstört. Millionen Menschen sterben, und die Überlebenden taufen den fremden Planeten Wanderer.

Leiber schildert jedoch nicht den Verlauf der Katastrophen, sondern konzentriert sich vielmehr auf die Schicksale Dutzender Protagonisten und ihre Reaktionen auf den Ausnahmezustand. Sehr kurze Kapitel wechseln ständig die Perspektive, und der Leser erfährt zum Beispiel von einer Gruppe UFO-Gläubiger und dem Schriftsteller Paul Hagbolt, der unfreiwillig an Bord eines Landungsschiffes der Außerirdischen gerät und die katzenähnliche Kommandantin kennen lernt.

Seine Auflösung findet der Roman, als ein zweiter Planet aus dem Hyperraum auftaucht und sich als eine Art kosmischer Polizei entpuppt. Die Bewohner des Wanderers hatten sich geweigert, sich in die Völkergemeinschaft der Milchstraße einzugliedern, und sind auf der Flucht, wobei sie andere Planeten auf der Suche nach Treibstoff zerstören.

Reclams Science Fiction Führer urteilt:

Den Preis der Unabhängigkeit des Wanderers zahlen die Unbeteiligten, wie man an der Erde sieht, und es wird deutlich gemacht, dass Zivilisationen einen Punkt erreichen können, an dem Individualismus nicht mehr möglich ist, ohne andere zu gefährden.

Die innovativen literarischen Elemente, die Leiber einsetzt - wie zum Beispiel zahlreiche Protagonisten und ineinander verflochtene Handlungsstränge - machen den Roman zu einem anstregenden Lesestoff, zumal es dem Autor in der Kürze der Kapitel kaum möglich ist, seine Figuren individuell zu charakterisieren. Darüber hinaus streut er zahlreiche Insider-Jokes über SF-Autoren und -Fans ein, die Jahrzehnte nach dem ersten Erscheinen des Romans und aus der Perspektive des deutschen Lesers nur zu einem geringen Teil verständlich und nachvollziehbar sind.

Leiber hat den Hugo Award für diesen Roman durchaus verdient, allerdings wäre Davy von Edgar Pangborn aus heutiger Sicht die bessere Wahl gewesen.

Weitere Nominierungen:
  • Edgar Pangborn: Davy
    (Buchausgabe bei St. Martin’s Press; dt. Davy, H 3593 und HSFB 42)
  • Cordwainer Smith: The Planet Buyer
    (Buchausgabe bei Pyramid; dt. Der Planetenkäufer, Kn 5720)
  • John Brunner: The Whole Man
    (Buchausgabe bei Ballantine, auch als Telepathist, basierend auf der gleichnamigen Erzählung 1959 in SCIENCE FANTASY #34; dt. Der ganze Mensch, H 3609)
Short Story
Gordon R. Dickson: »Soldier, Ask Not«
(Oktober 1964 in GALAXY; dt. »Frage nicht, Soldat!« in Ernsting [Hrsg.]: Galaxy 13, H 3155)

Dicksons umfangreiche Novelle war bereits der dritte zum Dorsai-Zyklus gehörende Text, der in SF-Magazinen erschien. Insgesamt besteht dieser Zyklus aus sechs Bänden, die wiederum in einen zwölfbändigen Future-History-Zyklus eingebettet werden sollten. In den Dorsai-Büchern erzählt Dickson von einer ins All ausgewanderten Menschheit, die sich in äußerst unterschiedliche Kulturen aufgespalten hat. Diese Kulturen verkörpern verschiedene Potenziale der Menschen. Es gibt Händler, Technokraten, religiöse Fanatiker, meditierende Philosophen und die im Mittelpunkt der Handlung stehenden Dorsai-Kämpfer.

»Soldier, Ask Not« erzählt einen kleinen Ausschnitt dieser Zukunftsgeschichte, in dem es um Auseinandersetzungen kriegerischer Art geht. Der Protagonist steht zwischen den Fronten und versucht, seine Mission zu erfüllen. Allerdings ist die Figur nicht so differenziert, dass sie ein Sympathieträger wäre. Es geschieht recht wenig, dafür wird umso mehr geredet.

In den letzten Jahrzehnten haben sich einige fähigere Autoren als Dickson mit ähnlichen Themen beschäftigt. Seit dem Erscheinen der Dorsai-Romane Anfang der achtziger Jahre ist Dickson in Deutschland nicht mehr aufgelegt worden.

Weitere Nominierungen:
  • Robert F. Young: »Little Dog Gone«
    (Februar 1964 in WORLDS OF TOMORROW; nicht auf Deutsch)
  • Rick Raphael: »Once A Cop«
    (Mai 1964 in ANALOG; nicht auf Deutsch)

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Special Drama
Dr. Strangelove

Der erste SF-Film, den Stanley Kubrick drehte, heißt mit vollständigem Titel Dr. Strangelove: or How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb (dt. Dr. Seltsam oder wie ich lernte die Bombe zu lieben). Es handelt sich dabei um eine der schwärzesten und besten Satiren auf den Kalten Krieg und das nukleare Zeitalter. Gekonnt nimmt sie den politischen und militärischen Wahnsinn aufs Korn.

Der US-General Jack D. Ripper, Kommandant eines US-Fluggeschwaders, fühlt sich durch die kommunistische Weltverschwörung bedroht und startet auf eigene Faust »Plan R«, einen atomaren Angriff auf die Sowjetunion. Nur General Ripper persönlich kann den Angriff durch einen speziellen Code stoppen. Dem Pentagon bleibt nichts weiter übrig, als die Russen zu informieren, die wiederum drohen, ihre »Weltvernichtungsmaschine« in Gang zu setzen, dessen Zeitzünder ebenfalls nicht zu stoppen ist. In der Zwischenzeit hat sich General Ripper erschossen und den Rückhol-Code für die amerikanischen Bomber mit ins Grab genommen. Der Präsident der USA scheint nur von Verrückten umgeben zu sein, und die Gespräche mit dem russischen Premier sind keineswegs geeignet, die Situation zu entspannen.

Peter Sellers ist gleich in drei Rollen zu sehen und übertrifft sich selbst an finsterer Komik. Er spielt den wirren US-Präsidenten, einen britischen Militärattaché und den verrückten Bomberhersteller Dr. Strangelove.

Der Film taucht immer wieder auf diversen Listen der besten Filme aller Zeiten auf und wurde 1964 für zwei Oscars (Beste Regie und beste Drehbuch-Adaption) nominiert. Stanley Kubrik war Produzent und Regisseur.

Übrigens basiert die Handlung des Films auf dem Roman Two Hours to Doom (1958) von Peter Bryant.

Weitere Nominierung:
  • Seven Faces of Dr. Lao (Film)
Magazine
ANALOG

Wiederum konnte Analog den Hugo als bestes Magazin gewinnen, vermutlich weil die traditionelle Erzählweise der Autoren dieses Magazins die SF-Fans mehr überzeugte als die literarisch ambitioniertere Konkurrenz. Der wichtigste Text im betreffenden Zeitraum war zweifellos Frank Herberts The Prophet of Dune (5 Teile, Januar bis Mai 1965; dt. enthalten in Der Wüstenplanet). Weitere wichtige Erzählungen waren Randell Garretts Lord-Darcy-Geschichte »A Case of Identity« (September 1964), H. Beam Pipers »Gunpowder God« (November 1964; dt. »Der Schießpulver-Gott«) und Murray Leinsters »Plague on Kryder II« (Dezember 1964; dt. »Gefahr für Kryder II«). Darüber hinaus erschienen Storys u. a. von Gordon Dickson, Poul Anderson, Damon Knight und John Brunner.

Weitere Nominierungen:
  • THE MAGAZIN OF FANTASY AND SCIENCE FICTION
  • GALAXY
  • IF
Artist
John Schoenherr

Der 1935 geborene Illustrator John Schoenherr wurde von vielen Kritikern als der beste SF-Künstler seiner Generation bezeichnet. Seine ersten Bilder erschienen 1956 in Amazing. Später arbeitete er hauptsächlich für ASTOUNDING/ANALOG (75 Titelbilder), für Magazine wie FANTASTIC und INFINITY (Innenillustrationen) sowie als Coverillustrator für Taschenbuchverlage wie Ace Books und Pyramid. Den Hugo Award für das Jahr 1965 erhielt er jedoch hauptsächlich für seine großartigen Illustrationen zu Frank Herberts Dune-Serie in ANALOG.

Weitere Nominierungen:
  • Ed Emshwiller
  • Frank Frazetta
  • Jack Gaughan
Publisher
Ballantine

Ian Ballentine (1916-1995) gründete im Jahr 1952 den Verlag Ballentine, dessen Programm zu einem Großteil von SF bestimmt wurde, in der Hauptsache mit Erstveröffentlichungen. Der erste SF-Roman bei Ballantine Books war The Space Merchants (1953; dt. Eine Handvoll Venus und ehrbare Kaufleute) von Frederik Pohl und Cyril M. Kornbluth. Zahlreiche Bücher, die heute als Klassiker gelten, wurden dort in den 50er Jahren erstveröffentlicht: Ray Bradburys Fahrenheit 451 (dt. Fahrenheit 451), Arthur C. Clarkes Childhood’s End (dt. Die letzte Generation), Ward Moores Bring the Jubilee (dt. Der große Süden) oder Theodore Sturgeons More Than Human (dt. Die neue Macht der Welt, Baby ist drei bzw. Die ersten ihrer Art).

Ballentine Books gehörte sehr bald zu den führenden SF-Verlagen der USA und brachte Werke der wichtigsten Autoren der damaligen Zeit, wie z. B. James Blish, Fritz Leiber oder Larry Niven. Gegenüber anderen Taschenbuchverlagen wie Ace Books und den SF-Magazinen zeichneten sich die Bücher durch eine seriösere Covergestaltung mit zum Teil fast abstrakten Motiven aus und sprachen damit auch ein Publikum an, das nicht zum festen Kreis der SF-Fans gehörte.

Weitere Nominierungen:
  • Ace
  • Gollancz
  • Pyramid
Fanzine
YANDRO
(Hrsg. Robert and Juanita Coulson)

YANDRO erschien von 1953 bis 1986 mit insgesamt 259 Ausgaben und war damit eines der am längsten erscheinenden amerikanischen SF-Fanzines. Die Herausgeber beschränkten sich nicht auf SF, sondern bezogen auch andere Richtungen der phantastischen Literatur ein. YANDRO brachte vor allem Sachtexte wie regelmäßige Kolumnen, Artikel und Essays, Rezensionen sowie Leserbriefe.

Weitere Nominierungen:
  • DOUBLE: BILL (Bill Bowers & Bill Mallardi)
  • ZENITH (Peter R. Weston)
Siehe auch:
Encyclopedia of Science Fiction: Der Hugo - Science Fiction Achievment Award
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