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ALIEN CONTACT
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Hugo • Science Fiction Achievment Award

<-- Das Jahr 1966 -->

von Hardy Kettlitz

Science Fiction > Preise > Hugo | Alien Contact
Der Hugo wurde auf dem Tricon in Cleveland, OH verliehen.
Novel (I)
Frank Herbert: Dune
(Buchausgabe; dt. Der Wüstenplanet, H 3108/09 sowie diverse weitere Ausgaben bei Bertelsmann und Heyne)

Dune hat nicht nur völlig zu Recht den Hugo erhalten, sondern gehört heute - nicht zuletzt durch zahlreiche Fortsetzungen und den zwei weniger gelungene Verfilmungen Der Wüstenplanet (Dune • USA 1984) und Dune - Der Wüstenplanet (Dune • USA 2000) - zu den bekanntesten und meistverkauften Science-Fiction-Romanen aller Zeiten. Eine Inhaltsangabe kann die Charakteristik dieses Werkes nur ungenügend wiedergeben.

Shaddam, Padischah-Imperator des galaktischen Reiches im 11. Jahrtausend B. G., entzieht dem Adelshaus Harkonnen wegen Misswirtschaft die Verwaltung von Arrakis, dem Wüstenplaneten, und überträgt sie Leto Atreides, dem bisherigen Herrscher der Wasserwelt Caladan. Doch die Harkonnens setzen alles in Bewegung, um die Macht über Dune zurückzuerlangen, denn obwohl der Planet fast ohne Wasser und sehr lebensfeindlich ist, wird dort das »Gewürz« gewonnen, eine Droge, die nicht nur lebensverlängernd wirkt, sondern auch für die präkognitiven Fähigkeiten der Navigatoren sorgt, ohne die die Raumfahrt nicht möglich wäre. Denn wer die Macht über das Gewürz hat, nimmt eine Schlüsselposition im Imperium ein. Durch Intrigen wird Herzog Leto Atreides getötet, und sein Sohn Paul muss mit seiner Mutter Jessica in die Wüste fliehen. Dort leben nicht nur riesige, hunderte Meter lange Sandwürmer, sondern auch die Fremen, die arabischen Nomaden gleichen. Die Fremen halten Paul Atreides für den Messias, und nach einiger Zeit entwickelt er sich tatsächlich, nicht zuletzt durch den Einfluss des Gewürzes, zu ihrem Propheten Muad’dib. Er organisiert die Fremen und führt sie in einen siegreichen Kampf gegen die Harkonnens. Schließlich muss auch der Imperator abdanken. Paul heiratet Irulan, die Tochter Shaddams, und wird selbst der neue Imperator.

Allein durch die Handlung ist der Erfolg des Romans nicht zu erklären. Die Schauplätze sind akribisch ausgearbeitet, die barocke Handlung gleicht einem Labyrinth und ist enorm spannend. Die politischen Verhältnisse des Imperiums sind alles andere als simpel. Der Imperator ist abhängig von den einzelnen Adelshäusern, doch es gibt noch weitere einflussreiche Kräfte: Die Navigatoren bilden eine eigene Kaste, die die Raumfahrt unter Kontrolle hat. Die Bene Gesserit sind eine quasi-religiöse Vereinigung »heiliger Mütter«, die den Kwisatz Haderach, den ultimativen Übermenschen, züchten wollen. Weiterhin gibt es die technisch orientierten Bene Tleilax, die ein Gegengewicht zu den Bene Gesserit bilden, aber ähnliche Ziele verfolgen.

Herbert hat mit diesem Roman sowohl klassische Hard-SF geschrieben als auch eine Familiensaga. Er traf Mitte der 60er Jahre genau den Nerv der Zeit, indem er eine Messiasgestalt und den Gebrauch von Drogen in den Mittelpunkt der Handlung stellte. Doch das Buch ist heute noch ebenso lesenswert wie damals.

Im Laufe der Jahre schrieb der Autor noch fünf Fortsetzungen, die die Handlung über Jahrtausende weiterführen. Auch wenn er seine zentralen Themen weiter vertiefte, konnte er die Faszination des ersten Buches nicht mehr erreichen.

35 Jahre später schrieb Herberts Sohn Brian Herbert gemeinsam mit Kevin J. Anderson zwei umfangreiche Trilogien, die die Vorgeschichte von Dune erzählen.

Novel (II)
Roger Zelazny: ... And Call me Conrad
(2 Teile, Oktober und November 1965 in F&SF, später zur Buchversion erweitert als: This Immortal; dt. Fluch der Unsterblichkeit, MvS und TTB 227)

This Immortal war Roger Zelaznys erster Roman und erschien unter einem anderen Titel vorab in zwei Teilen im THE MAGAZIN OF FANTASY AND SCIENCE FICTION.

Held der Geschichte ist Conrad Nomikos. Und er ist sogar eine Art Superheld, denn er ist nicht nur unsterblich, sondern verfügt über allerlei unglaubliche Fähigkeiten. Die Erde wurde von einem Atomkrieg verwüstet und spielt in der besiedelten Galaxis nur eine untergeordnete Rolle. Conrad wird beauftragt, den weganischen Gesandten Cort Myshtigo auf seiner Reise zu den antiken Stätten der Erde zu begleiten und zu beschützen. Und Schutz benötigt der Gesandte tatsächlich, denn sie werden unterwegs von diversen Fabelwesen und Ungeheuern angegriffen, die der Autor - wie auch zahlreiche andere Handlungselemente - der griechischen Mythologie entlehnt hat. Zur Gruppe der Reisenden gehört der verräterische Hasan, der Myshtigo ebenfalls töten will, doch in einem Zweikampf kann Conrad ihn überwältigen. Am Ende hat sich der Gesandte von den Fähigkeiten des Supermenschen überzeugt und überträgt Conrad die Verantwortung für die Erde.

Die Handlung des Romans ist geradlinig und einfach, er lebt eher vom farbigen Panorama. Obwohl es sich insgesamt eher um eine simple Abenteuergeschichte handelt, hat Zelazny in der für ihn typischen Weise die Handlung mit »Bedeutung« überfrachtet und die Bezüge zur griechischen Sagenwelt teilweise übertrieben. Selbst der Protagonist ist nicht sonderlich interessant, denn Conrad ist so unfehlbar, dass darunter die Spannung leidet.

Reclams Science Fiction Führer urteilt:

Er [Conrad] ist der Prototyp einer langen Reihe von Helden, die Zelaznys Romanen oft ihren Stempel aufdrücken und Tiefgang vorgaukeln, wo ein Bekenntnis zu ehrlicher Unterhaltungsliteratur besser angebracht wäre.

Weitere Nominierungen:
  • Edward E. Smith: Skylark DuQuesne
    (5 Teile, Juni bis Oktober 1965 in IF; dt. Die Skylark und der Kampf um die Galaxis, H 3515)
  • John Brunner: Squares of the City
    (Buchausgabe bei Ballantine; dt. Die Plätze der Stadt, H 3688)
Short Story
Harlan Ellison: »Repent, Harlequin! Said the Ticktockman«
(Dezember 1965 in GALAXY; dt. »Bereue, Harlekin! sagte der Tick-Tack-Mann« in Spiegl [Hrsg.]: Science Fiction Stories 61, UTB 3260)

Harlan Ellison, der sich als enfant terrible der Science-Fiction einen Namen machte, schrieb mit »Repent Harlequin! Said the Ticktockman« eine mehr als merkwürdige Geschichte. Stilistisch gehört sie zur New Wave, die einige Jahre später in England ihre Blütezeit erreichte. Ellison durchbricht den linearen Erzählstil, springt wild in der Handlung umher und streut zum Teil Textpassagen ein, die nur durch freie Assoziation einen Zusammenhang zum Text erkennen lassen.

Ellison malt eine dystopische Zukunft, in der jeder Handgriff der Menschen bis ins Kleinste geplant und vorausberechnet wurde. Der Tick-Tack-Mann ist die Personifizierung der Staatsgewalt, die keine Planabweichung zulässt bzw. sie drakonisch bestraft, während der Harlekin als anarchistisches Element die Ordnung stören will.

Dem Autor ist häufig Effekthascherei vorgeworfen worden. Dieser Vorwurf ist sicherlich zum Teil berechtigt, doch muss man Ellison zugute halten, dass er sehr genau wusste, wann er welche Effekte einsetzen konnte. Allerdings gibt es einige Texte, die Ellison besser gelungen sind, und dies sollte auch nicht sein letzter Hugo bleiben.

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Weitere Nominierungen:
  • Philip Jose Farmer: »Day of the Great Shout«
    (Januar 1965 in WORLDS OF TOMORROW; Novelle, auf der der erste Riverworld-Roman basiert, dt. Die Flußwelt der Zeit, H 3639)
  • Roger Zelazny: »The Doors of His Face, the Lamps of His Mouth«
    (März 1965 in F&SF; dt. »Die Türen seines Gesichts« in Zelazny: Die Türen seines Gesichts, M 3505; »Das Biest« in Zelazny: Die Insel der Toten u.a., H 4335)
  • Poul Anderson: »Marque and Reprisal«
    (Februar 1965 in F&SF; nicht auf Deutsch)
  • Fritz Leiber: »Stardock«
    (September 1965 in FANTASTIC; dt. »Sternhöh« in Leiber: Die Schwerter von Lankhmar, H 4288)
Professional Magazine
IF

Das Magazin IF trug bei seiner Gründung im Jahr 1952 noch den Untertitel Worlds of Science Fiction. Später wechselte der Titel mehrfach zwischen IF und WORLDS OF IF. Von 1962 bis 1969 war Frederik Pohl der Herausgeber. Im Zeitraum 1965/66 erschienen zum Beispiel E. E. Smiths Skylark DuQuesne (5 Teile; Juni bis Oktober 1965; dt. Die Skylark und der Kampf und die Galaxis), Keith Laumers Retief’s War (3 Teile; Oktober bis Dezember 1965; dt. Diplomat und Rebell von Terra). Auslöser für die Wahl zum besten Magazin des Jahres war aber mit Sicherheit Robert Heinleins The Moon Is a Harsh Mistress (5 Teile; Dezember 1965 bis April 1966; dt. Revolte auf Luna bzw. Der Mond ist eine herbe Geliebte). Typische IF-Autoren waren Keith Laumer (Retief-Storys), Fritz Leiber, Gordon R. Dickson, Fred Saberhagen (Berserker-Storys), Larry Niven (Known-Space-Storys), R. A. Lafferty, James Blish und A. Bertram Chandler (John-Grimes-Storys).

Weitere Nominierungen:
  • AMAZING
  • ANALOG
  • THE MAGAZIN OF FANTASY AND SCIENCE FICTION
  • GALAXY
Professional Artist
Frank Frazetta

Der 1928 geborene New Yorker Grafiker und Illustrator Frank Frazetta hat von 1944 bis 1963 fast ausschließlich Comics gezeichnet und arbeitete an Serien wie Buck Rogers in the 25th Century und Flash Gordon, später auch an Creepy und Vampirella mit.

Im Jahr 1964 begann er Taschenbuchcover zu malen, zunächst für Ace Books und später auch für Lancer Books. Seine Stärke liegt auf dem Gebiet der Fantasy-Illustration, und den Hugo erhielt er für die Bilder der Conan-Neuausgabe bei Lancer. Typisch für die Cover waren muskelstrotzende Barbaren und leicht bekleideten Damen.

In den 70er und 80er Jahren erschienen zahlreiche Bildbände, Portfolios und Postkartensammlungen mit den Bildern Frazettas.

Weitere Nominierungen:
  • Frank Kelly Freas
  • Jack Gaughan
  • Gray Morrow
  • John Schoenherr
Amateur Magazine
ERB-DOM
(Hrsg. Camille Cazedessus)

ERB ist die fandomübliche Abkürzung des Namens Edgar Rice Burroughs, und ERB-DOM ist demzufolge das Blatt für das Burroughs-Fandom. Obwohl die aktive Zeit des Autors bereits Jahrzehnte zurücklag, erlebten seine Werke in den 60er Jahren zahlreiche Nachauflagen (u. a. im Taschenbuch bei Ace Books). Camille Cazedessus beschäftigte sich über lange Jahre mit Burroughs und informierte in seinem Heft über Wissenswertes zum Autor, aber auch über Neuauflagen und Sammlerausgaben.

Weitere Nominierungen:
  • DOUBLE: BILL (Bill Mallardi)
  • NIEKAS (Edmund R. Meskys und Felice Rolfe)
  • YANDRO (Robert & Juanita Coulson)
  • ZENITH SPECULATION (Peter R. Weston)
Best All-Time Series
The Foundation Series by Isaac Asimov

Die acht Foundation-Erzählungen und -Novellen erschienen vom Mai 1942 bis Januar 1950 in ASTOUNDING und begründeten zusammen mit den Robotergeschichten Asimovs Ruhm als SF-Autor. Insbesondere die Buchausgaben (drei Bände 1951 bis 1953) machten Asimov weit über die Grenzen des Fandoms hinaus bekannt.

Das Konzept vom Untergang eines gigantischen galaktischen Reiches hat auch ein halbes Jahrhundert nach dem ersten Erscheinen in Buchform seine Faszination nicht verloren. Asimov wurde als junger Mann durch die Lektüre von Edward Gibbons Decline and Fall of the Roman Empire inspiriert, was man seinem Roman auch anmerkt. Um die Zeit zwischen dem Untergang des Reiches und dem Aufbau eines neuen möglichst kurz zu halten, lässt Asimov seinen genialen Wissenschaftler Hari Seldon die Psychohistorik erfinden, eine Wissenschaft zur Voraussage und Beeinflussung der Geschicke der ganzen Menschheit.

Am Anfang der Trilogie glaubt der Leser, genauso wie die Protagonisten, dass der Seldon-Plan die Zukunft genau vorbestimmt hat, wie eine Art Schicksal. Im zweiten Band zeigt Asimov jedoch, dass auch eine so exakte Wissenschaft wie die Psychohistorik fehleranfällig ist, und gibt der Jahrhunderte überspannenden Handlung durch das Auftauchen des Muli eine überraschende Wendung. Sicherlich wäre die Trilogie weitaus spannender, wenn die Figuren nicht ständig endlose Dialoge führen würden, sondern zuweilen tatsächlich handelten. Dennoch wird die Foundation-Trilogie ganz zu Recht immer wieder zu den wichtigsten SF-Serien der fünfziger Jahre gezählt.

Weitere Nominierungen:
  • Barsoom von Edgar Rice Burroughs
  • Future History von Robert A. Heinlein
  • Lensmen von Edward E. Smith
  • Lord of the Rings von J. R. R. Tolkien
Siehe auch
Encyclopedia of Science Fiction: Der Hugo - Science Fiction Achievment Award
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05.09.10 • 08.09.10