ALIEN CONTACT
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Hugo • Science Fiction Achievment Award

<-- Das Jahr 1973 -->

von Hardy Kettlitz

Science Fiction > Preise > Hugo
Alien Contact
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Der Hugo wurde auf dem Torcon2 in Toronto, Ontario, Kanada verliehen.
Novel
Isaac Asimov: The Gods Themselves
(3 Teile, März 1972 in GALAXY, April 1972 in WORLDS OF IF und Mai 1972 in GALAXY; dt. Lunatico oder Die nächste Welt, Scherz, H 4445, HSFB 7)

Asimovs Roman The Gods Themselves ist geradezu ein Paradebeispiel für wissenschaftliche Hard SF mit all ihren Stärken und Schwächen.
   Ein Wissenschaftler stellt fest, dass sich in seinem Labor eine chemische Materialprobe ohne äußere Einwirkung in ein anderes Element verwandelt hat. Da dies chemisch absolut unmöglich ist, zieht er nach einigen Überlegungen den Schluss, dass ein Kontakt mit einer Parallelwelt stattgefunden haben muss. In sehr beschränktem Maße gelingt sogar eine Kommunikation mit den Wesen des Para-Universums, wodurch man »Elektronenpumpe« in Betrieb nehmen kann, die eine nahezu unerschöpfliche, saubere Energiequelle zu sein scheint. Später findet man heraus, dass diese Energiequelle nur deshalb funktioniert, weil in beiden Universen unterschiedliche Naturgesetze herrschen. Durch die neugeschaffene Verbindung zwischen den Universen werden sich die Naturgesetze jedoch sehr langsam einander angleichen, was bedeutet, dass sich die Kernfusionstemperatur unserer Sonne verringern wird. Daraus wiederum folgt, dass unsere Sonne recht bald explodieren kann, weil eine plötzliche, ungebremste Kernfusion einsetzt. Einige Wissenschaftler versuchen, die »Elektronenpumpe« stillzulegen, doch inzwischen ist die halbe Menschheit bereits auf die billige Energie angewiesen.
   Der Roman besteht aus drei sehr unterschiedlichen Teilen. Im ersten Teil schildert der Autor die Entdeckung des Para-Universums und zahlreiche Gespräche zwischen Wissenschaftlern. Man merkt, dass sich Asimov im akademischen Umfeld gut auskennt, und so gelingt ihm dieser Teil auch am besten. Im zweiten Teil wird das Leben im Para-Universum geschildert. Obwohl sich der Autor um die Exotik der dort existierenden Gesellschaft bemüht und teilweise recht interessante Ideen hat, verhalten sich die fremden Wesen doch immer wieder wie US-amerikanische Wissenschaftler der Gegenwart, was die Glaubwürdigkeit der fremden Welt drastisch untergräbt. Im dritten Teil des Romans schließlich wird das Leben auf der Mondkolonie beschrieben, und wiederum neue Protagonisten ziehen weltverändernde Schlussfolgerungen aus ihren Forschungen zum Para-Universum. Die Erde scheint dem Untergang geweiht, aber unter Umständen ist eine Reise in die Tiefen des Universums plötzlich möglich ...
   Die Stärke des Buches liegt in den fundiert diskutierten atomphysikalischen Ideen und Spekulationen, die Asimov – nicht zuletzt durch seine langjährigen Erfahrungen als Sachbuchautor – auch dem Laien verständlich machen kann. Andererseits ist es dem Autor nicht gelungen, auch nur eine seiner Hauptfiguren so sympatisch oder zumindest hinlänglich interessant zu gestalten, dass dem Leser das Schicksal dieser Figur tatsächlich nahegeht. Gute Science, schlechte Fiction.
   Es besteht kein Zweifel daran, dass zumindest zwei der ebenfalls für den Hugo nominierten Romane literarisch deutlich besser sind als Asimovs Buch. Der Umstand, dass Altmeister Asimov nach fast fünfzehnjähriger Pause (von der Buchversion des SF-Films Die phantastische Reise abgesehen) endlich wieder einen eigenständigen SF-Roman geschriebene hat, wird die Wahlberechtigen vermutlich so begeistert haben, dass der Roman allein aufgrund der Popularität des Autor einen Bonus gegenüber den Konkurrenten hatte.


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Weitere Nominierungen:
  • David Gerrold: When Harlie Was One
    (Buchausgabe bei Signet; dt. Ich bin Harlie, H 3416)
  • Poul Anderson: There Will Be Time
    (Buchausgabe bei Ballantine; dt. Die Zeit wird kommen, GWTB 249)
  • Robert Silverberg: The Book of Skulls
    (Buchausgabe bei Scribner’s; dt. Bruderschaft der Unsterblichen, M 3500)
  • Clifford D. Simak: A Choice of Gods
    (Buchausgabe bei Putnam’s; dt. Die letzte Idylle, H 3370)
  • Robert Silverberg: Dying Inside
    (2 Teile, Juli und September 1972 in GALAXY; dt. Es stirbt in mir, H 3445 und M 3657)
Novella
Ursula K. LeGuin: »The Word for World is Forest«
(1972 in Ellison [Hrsg.]: Again, Dangerous Visions, Doubleday; dt. Das Wort für Welt ist Wald, H 3466, enthalten in H 4494, Ariadne Social Fantasy)

Welt 41, von den Menschen auch New Tahiti genannt, wird besiedelt und soll in eine Kolonie verwandelt werden. Der Planet ist fast vollständig bewaldet, und so holzen die Menschen große Flächen ab, verschiffen das wertvolle Holz zur viele Lichtjahre entfernten Erde und gewinnen Boden zum Anbau terranischer Nutzpflanzen. Dazu werden die Ureinwohner, nur gut einen Meter große, bepelzte Humanoiden, versklavt. Diese Ureinwohner nennen ihren Planeten Athshe, wobei das Wort gleichzeitig »Welt« und »Wald« bedeutet. Die Athsheaner werden von den militärisch organisierten Menschen abwertend als Creechies bezeichnet. Captain Davidson geht besonders rücksichtslos mit den Athsheanern um, während Raj Ljubow sich mit einigen, insbesondere dem Mann Selver, angefreundet hat, um ihre Kultur und Sprache zu verstehen.
   Als Captain Davidson Selvers Frau vergewaltigt und sie dabei zu Tode kommt, wehrt sich Selver und brennt eine Siedlung nieder. Das ist der erste kriegerische Akt in der Geschichte der Athsheaner, denen sonst jegliche Aggression fremd ist.
   Ein neues Schiff von Terra bringt eine technische Errungenschaft auf New Tahiti: das Ansible, ein Kommunikationsgerät, mit dem sofortiger Sprachkontakt auch über viele Lichtjahre hinweg möglich ist. Plötzlich ist Welt 41 nicht mehr von den restlichen Planeten isoliert, und es wird von Terra die Order gegeben, die versklavten humanoiden Ureinwohner sofort freizulassen.
   Trotzdem hat sich der Konflikt inzwischen so ausgeweitet, dass Selver, der von den Menschen das Töten gelernt hat, gemeinsam mit seinen Leuten zurückschlägt, um die Vernichtung seiner Welt zu verhindern – allein schon das Abholzen der Wälder ist eine Bedrohung, denn das Athshe ist, wie gesagt, das Wort für Welt und für Wald.
   Der Kurzroman ist nicht nur die Geschichte eines globalen Konfliktes, sondern auch die Geschichte einer Freundschaft, die zwischen so unterschiedlichen Wesen wie einem Menschen und einem grün bepelzten Athsheaner existiert, aber durch die Maßlosigkeit und den Egoismus der anderen Menschen zerstört wird.
   Angesichts des geschilderten Dschungelkrieges, des Zeitpunktes des Erscheinens dieses Kurzromans und der Parteinahme der Autorin für die Athsheaner liegt es auf der Hand, dass es Le Guin um eine politische Stellungsnahme zum Vietnam-Krieg ging. Nicht zuletzt illustriert sie auch die verborte Denkweise einiger Militaristen.
   Der Roman hat ein großes Konfliktpotenzial und hätte ebenso gut sein können wie The Dispossessed, nur leider hat die Autorin viel verschenkt. Immer dann, wenn Emotion und pure Erzählung angebracht gewesen wäre, versinken die Protagonisten in teilweise sehr überflüssige Grübeleien, die den Fluss der Handlung empfindlich stören. Insbesondere in der zweiten Hälfte des Textes nutzt die Autorin nicht ihr erzählerisches Potenzial, sondern verfällt in einen rückblickenden Berichtstil, und ihre Prosa wird stellenweise schwerfällig und zäh. So ist dies eben kein herausragendes, aber immer noch ein ziemlich gutes Buch.


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Weitere Nominierungen:
  • Frederik Pohl: »The Gold at Starbow’s End«
    (März 1972 in ANALOG; dt. als »Das Gold am Ende des Sternenbogens« in Spiegl [Hrsg.]: Science Fiction Stories 50, UTB 3153; als »Jenseits der Sonne« in Pohl: Jenseits der Sonne, G 23205)
  • Gene Wolfe: »The Fifth Head of Cerberus«
    (1972 in Knight [Hrsg.]: Orbit 10, G. P. Putman’s ; dt. »Der fünfte Kopf des Zerberus« in Asimov [Hrsg.]: Das Treffen mit Medusa, M 6728, in Jeschke [Hrsg.]: Heyne Science Fiction Jahresband 1984, H 4060, in Wolfe: Der fünfte Kopf des Zerberus, HSFB 81)
  • Joe Haldeman: »Hero«
    (Juni 1972 in ANALOG; dt. enthalten in Haldeman: Der ewige Krieg, H 3572, HSFB 2 und H 8206)
  • Jerry Pournelle: »The Mercenary«
    (Juli 1972 in ANALOG; nicht auf Deutsch)
Novelette
Poul Anderson: »Goat Song«
(Februar 1972 in THE MAGAZINE OF FANTASY AND SCIENCE FICTION; dt. »Bocksgesang« in Asimov [Hrsg.]: Das Treffen mit Medusa, PSF 6728)

Das griechische Wort »Tragoidia«, aus dem sich unser Begriff »Tragödie« entwickelt hat, heißt wörtlich »Bocksgesang«. Und ebenso gekünstelt wie der Titel der Geschichte ist auch der gesamte Text. Anderson versucht, Stil und Terminologie typischer Klischee-Science-Fiction und -Fantasy in einem Text zu verbinden, verzichtet dabei jedoch komplett auf eine Handlung. Allein der erste Absatz gibt das Pathos des gesamten Textes gut wieder:

Drei Frauen. Eine tot. Eine lebt. Eine ist beide und keine und wird niemals leben und niemals sterben, wird unsterblich sein im GANZEN.

Das erinnert an die Stilexperimente der britischen New Wave, nur dass Anderson diese eben auf die ihm vertrauten Themen zu übertragen versucht. Es ist erstaunlich, dass der Autor damit die US-amerikanischen Wähler des Hugo überzeugen konnte, im Ursprungsland der New Wave hätte er vermutlich keinen Blumentopf damit gewonnen.

Weitere Nominierungen:
  • William Rotsler: »Patron of the Arts«
    (1972 in Carr [Hrsg.]: Universe 2, Ace; dt. »Der Mezän« in Asimov [Hrsg.]: Das Treffen mit Medusa, PSF 6728)
  • Harlan Ellison: »Basilisk«
    (August 1972 in THE MAGAZINE OF FANTASY AND SCIENCE FICTION; dt. »Basilisk« in Haldeman [Hrsg.]: Nie wieder Krieg, H 3863)
  • Gardner Dozois: »A Kingdom by the Sea«
    (1972 in Knight [Hrsg.] Orbit 10, G. P. Putnam’s; dt. »Begegnung mit Lilith« in Alpers [Hrsg.]: Kopernikus 7, M 3587)
  • James Tiptree, Jr.: »Painwise«
    (Februar 1972 in THE MAGAZINE OF FANTASY AND SCIENCE FICTION; dt. »Schmerzerfahren« in Tiptree: 10000 Lichtjahre von zu Haus, HSFB 65)
Short Story
Frederik Pohl: »The Meeting«
(November 1972 in THE MAGAZINE OF FANTASY AND SCIENCE FICTION; erschienen als Zusammenarbeit mit Cyril M. Kornbluth; dt. »Die Entscheidung« in Bergner [Hrsg.]: besten Stories aus THE MAGAZINE OF FANTASY AND SCIENCE FICTION 36: Ein Pegasus für Mrs. Bullitt , H 3369)

Das Ehepaar Harry und Margaret Vladek sorgen sich sehr um ihren geistig Behinderten Sohn Tommy, für den sie jetzt endlich eine Sonderschule gefunden haben, auf der er wenigsten kleine Fortschritte macht. Die Geschichte erzählt von einer Elternversammlung, an der Harry Vladek teilnimmt. Aus den Gesprächen mit der Lehrerin und anderen Eltern erfährt der Leser, wie sehr der Vater seinen Sohn liebt und um ihn besorgt ist, obwohl kaum eine Hoffnung besteht, dass aus Tommy jemals ein normales Kind wird. Als Vladek nach Hause kommt, hat unterdesssen der Gehirnchirurg Dr. Nicholson angerufen. Er hat ein schier unglaubliches Angebot: Ein anderer Junge ist schwer verunglückt, und seine Organe sind mit Tommys verträglich. Er bietet an, das Gehirn des geistig gesunden, verunglückten Jungen in Tommys Körper zu verpflanzen. Und das Kind soll bei den Vladeks leben dürfen. Tommys Eltern stehen vor einer schwerwiegenden Entscheidung: Führen sie in Zukunft weiterhin ein schwieriges Leben mit ihren eigenen, behinderten Sohn, oder töten sie sein Gehirn, um den anderen Jungen zu retten und selbst ein gesundes Kind zu bekommen? Den Vladeks bleibt nur eine halbe Stunde für ihre Entscheidung ...
   Eine wunderbare, sehr menschliche Geschichte, um ein moralisches Dilemma, dessen Ausgang die Autoren offen lassen. Und das gewiss nicht, um sich selbst der Entscheidung zu entziehen, sondern um den Leser zum Nachdenken anzuregen. Diese Geschichte ist es wert, diskutiert zu werden.
   Einer der beiden Autoren, Cyril M. Kornbluth, ist bereits 1958 verstorben, also 14 Jahre vor Veröffentlichung dieser Geschichte. Entweder ist der Text so lange Zeit einfach nicht veröffentlicht worden, oder Pohl hat sie mit Kornbluth gemeinsam erdacht und erst später allein aufgeschrieben.

punktgleich:
R. A. Lafferty: »Eurema’s Dam«
(1972 in Silverberg [Hrsg.]: New Dimensions II, Doubleday; dt. »Mutter der Eingebung« in Fuchs: Licht des Tages, Licht des Todes, K 5749)

Albert ist in einer nahezu perfekten Welt ein zurückgebliebenes Kind. Er kann die Uhr nicht lesen, kann nicht links von rechts unterscheiden und benötigt viel zu lange, um Lesen und Schreiben zu lernen. Und so muss er sich durchmogeln: Er erfindet für alle wichtigen Dinge Maschinen, die ihm helfen. Und je komplizierter das Leben wird, desto komplizierter werden auch Alberts Maschinen. Als seine Erfindungen allgemein bekannt werden, erringt er sogar die Anerkennung in der Welt der Wissenschaft, doch er begeht den Fehler, die Dankesrede selbst zu halten und nicht seinen Maschinen zu überlassen. Nachdem er wirres Zeug hervorgestottert hat, wird er sicherheitshalber aus der »gehobenen Gesellschaft« entfernt.
   Mit seiner gleichnishaften und sehr schrägen Geschichte wollte der Autor wohl darauf hinaus, dass die großen Erfinder und Entdecker nie vollkommene Menschen sind und die Genialität aus Fehlern und Unzulänglichkeiten erwächst.

Weitere Nominierungen:
  • Robert Silverberg: »When We Went to See the End of the World«
    (1972 in Carr [Hrsg.]: Universe 2, Ace; dt. »Als wir das Ende der Welt sahen« in Silverberg: Jetzt plus minus, G 250; »Als wir aufbrachen, um das Ende der Welt zu sehen« in Asimov [Hrsg.]: Das Treffen mit Medusa, PSF 6728; »Reise ans Ende der Welt« in Jeschke [Hrsg.]: Heyne Science Fiction Jahresband 1980, H 3729)
  • James Tiptree, Jr.: »And I Awoke and Found Me Here on the Cold Hill’s Side —«
    (März 1972 in THE MAGAZINE OF FANTASY AND SCIENCE FICTION; dt. »Und ich erwachte und fand mich hier am kalten Berghang« in Tiptree: 10000 Lichtjahre von zu Haus, HSFB 65 und in Dozois/Dann [Hrsg.]: Aliens und andere Fremde, B 24041)
  • Joanna Russ: »When It Changed«
    (1972 in Ellison [Hrsg.]: Again, Dangerous Visions, Doubleday; dt. »Als es anders wurde« in Asimov [Hrsg.]: Das Treffen mit Medusa, PSF 6728; »Als alles anders wurde« in Gunn [Hrsg.]: Von Ellison bis Haldeman, HSFB 96)
Dramatic Presentation
Slaughterhouse Five (Kino)
(dt. Schlachthof 5)

Der Spielfilm Slaughterhouse Five basiert auf dem gleichnamigen Roman von Kurt Vonnegut jr. von 1969. Regie führte George Roy Hill.
   Der US-amerikanische Soldat Billy Pilgrim ist während des Zweiten Weltkriegs in deutscher Kriegsgefangenschaft und muss die Vernichtung Dresdens durch alliierte Bomber miterleben. Jahre nach seiner Rückkehr in die USA hat er das Trauma noch immer nicht verarbeitet, und sein Geist reist durch Raum und Zeit zum Planeten Tralfamador, wo er zusammen mit einer halbnackten, willigen Hollywood-Schauspielerin in einer Art Zoo gefangen gehalten wird.
   Filmkritiker benörgelten vor allem den letzten Teil des Films auf dem Planeten Tralfamador, der »viel zu lang ausgewalzt« und »geradzu kitischig« sei.

Aus heutiger Sicht würde die Wahl vermutlich eher auf den Film Silent Running fallen.

Nominierungen:
  • The People (TV) nicht auf Deutsch
  • Silent Running (Kino) dt. Lautlos im Weltraum
  • Between Time and Timbuktu (TV) nicht auf Deutsch
Professional Editor
Ben Bova

Der 1932 geborene US-amerikanische Autor und Herausgeber Ben Bova arbeitete in den sechziger Jahren für das Avco Everett Research Laboratory als technischer Autor, bevor er Ende 1971 die Herausgabe des Magazins ANALOG übernahm. Unter John W. Campbell stagnierte ANALOG in den sechziger Jahren und beinhaltete kaum wichtige Texte. Bova behielt die technophile Orientierung von ANALOG bei, erweiterte jedoch das Themenspektrum und kaufte Geschichten wie Frederik Pohls »The Gold at the Starbow's End« (März 1972 in ANALOG; dt. »Jenseits der Sonne« bzw. »Das Gold am Ende des Sternenbogens«), »Hero« (Juni 1972 in ANALOG, später Teil von The Forever War) von Joe W. Haldeman oder den Roman Cemetery World (3 Teile, November 1972 bis Januar 1973 in ANALOG; dt. Heimat Erde) von Clifford D. Simak. Es sollte ihm gelingen, ANALOG zu revitalisieren, was ihm fünf Jahre in Folge den Hugo als bester Herausgeber einbrachte. Bova war bis November 1978 Herausgeber von ANALOG und wechselte dann zum Magazin OMNI.

Weitere Nominierungen:
  • Donald A. Wollheim
  • Ted White
  • Terry Carr
  • Edward L. Ferman
Professional Artist
Frank Kelly Freas

Freas erhielt einen weiteren Hugo für seine Titelbildarbeiten für das Magazin ANALOG.

Weitere Nominierungen:
  • Jack Gaughan
  • John Schoenherr
  • Vincent Di Fate
  • Mike Hinge
Fanzine
ENERGUMEN (Mike Glicksohn & Susan Wood Glicksohn, eds.)

Mike Glicksohn wurde als das »Boy Wonder of Canadian Fandom« bezeichnet. Der Begriff »Energumen« ist aus dem griechischen »energoumenos« abgeleitet und bezeichnet eine hysterische, besessene Person bzw. einen Fanatiker. Glicksohns Fanzine war sehr aufwändig gestaltet und enthielt viele Zeichnungen. Die Nummer 1 dieses Fanzines, die 1970 erschien, wird übrigens inzwischen von einigen Händlern zu Sammlerpreisen um 500 $ angeboten.

Weitere Nominierungen:
  • LOCUS (Charles & Dena Brown)
  • ALGOL (Andrew Porter)
  • GRANFALLOON (Ron & Linda Bushyager)
  • SCIENCE FICTION COMMENTARY (Bruce Gillespie)
Fan Writer
Terry Carr

Terry Carr (1937-1987) wurde bereits 1949 SF-Fan und gab in den 50er Jahren gemeinsam mit Ron Ellik das Fanzine FANAC heraus, für das er bereits 1959 den Hugo bekam. Von 1964 bis 1971 arbeitete er für Donald A. Wollheim bei Ace Books und war dort für die Reihe Ace Special verantwortlich, in der u. a. Ursula K. Le Guins Roman The Left Hand of Darkness erschien. Ab 1972 gab er die Anthologiereihe The Best Science Fiction of the Year heraus, die bis zu seinem Tod 1987 erschien; ebenso die Anthologiereihe Universe (1971 bis 1987). Daneben fand er trotzdem noch Zeit, für mehrere Fanzines Artikel zu schreiben.

Weitere Nominierungen:
  • Susan Wood Glicksohn
  • Richard E. Geis
  • Charles N. Brown
  • Sandra Miesel
  • Rosemary Ullyot
Fan Artist
Tim Kirk

Tim Kirk schien für seine Grafiken bereits auf den Hugo abonniert zu sein, denn er erhielt diesmal bereits zum dritten Mal den begehrten Preis.

Weitere Nominierungen:
  • William Rotsler
  • Grant Canfield
  • Jim Shull
  • Arthur »ATom« Thomson
Campbell Award
Jerry Pournelle

Der 1933 geborene Jerry Pournelle studierte an der University of Washington Psychologie und Politikwissenschaften. Fünfzehn Jahre lang war er beim amerikanischen Weltraumprogramm angestellt und arbeitete für die Regierung und private Firmen. Sein erstes Buch war ein Sachbuch, das er gemeinsam mit Stefan T. Possony geschrieben hat: The Strategy of Technology (1970). Unter dem Pseudonym Wade Curtis veröffentlichte er zwei Nicht-SF-Romane. Sein SF-Debüt war die Erzählung »Peace with Honor« (Mai 1971 in ANALOG). Ben Bova kaufte noch weitere Geschichten von ihm, so auch den Roman A Spaceship for the King (3 Teile, Dezember 1971 bis Februar 1972 in ANALOG; dt. Ein Raumschiff für den König) und die Erzählung »The Mercenary« (Juli 1972 in ANALOG), die die Abstimmungsberechtigten überzeugt haben, dass Jerry Pournelle ein größeres Schriftstellertalent sei als die ebenfalls nominierten George R. R. Martin oder George Alec Effinger.

Weitere Nominierungen:
Special Awards
Pierre Versins for L'Encyclopedie de l'Utopie et de la science fiction

Pierre Versins ist das Pseudonym des französischen Schriftstellers Jacques Chamson, der bereits in den Fünfzigerjahren Science Fiction schrieb und von 1957 bis 1962 das Fanzine AILLEURS herausgab. Er setzte sich auf hohem Niveau kritisch mit der phantastischen Literatur auseinander und war vor allem Fachmann für die frühe Science Fiction. Die über 1000-seitige, 1972 erschienene Encyclopedie de l'Utopie et de la science fiction enthielt vor allem auch Einträge zur nicht englischsprachigen Science Fiction und zu älteren Werken, die vor 1900 erschienen sind. Laut John Clute ist es eines der besten Referenzbücher zur Science Fiction, wurde jedoch nie in andere Sprachen übersetzt.

Siehe auch
Encyclopedia of Science Fiction: Der Hugo - Science Fiction Achievment Award
ALIEN CONTACT 68 Inhalt Archiv
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