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Hugo

Hugo Award • Science Fiction Achievment Award

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Seit 1958 ist »Hugo« eine offiziell gültige Variante des sogenannten »Science Fiction Achievement Award«, einer Auszeichnung, die Hugo Gernsback zu Ehren auf dem Gebiet der Science Fiction vergeben wird. Auf der World-SF-Convention (»Weltcon«) 1953 wurden die Hugos erstmalig verliehen, dann wurde die Idee für ein Jahr (1954) fallengelassen, seit 1955 wird der Preis jährlich überreicht. Der Hugo war immer der Amateur- oder Fan-Preis, im Gegensatz zum Nebula oder Philip K. Dick Award, über die unterschiedliche Gruppen professioneller Leser entscheiden. Die ursprüngliche Idee stammt vom Fan Hal Lynch und basierte auf den »Oscars« der National Film Academy. Der Preis selbst hat die Gestalt einer Rakete, die aufrecht auf den Seitenflossen steht. Das erste Modell wurde von Jack McKnight entworfen und gebaut, seit 1955 wird für gewöhnlich ein ähnlicher Entwurf von Ben Jason verwendet. Seit 1984 werden die Raketen in Birmingham, England, hergestellt, und zwar in der Gießerei des bekannten Fans Peter Weston (außer 1991). Zur Feier des 50. Worldcons 1992 war die Auszeichnung vergoldet.

Die Preise werden in mehreren Kategorien vergeben, deren Definition und Anzahl sich von Jahr zu Jahr geändert hat. In erster Linie wird die erzählende Literatur gewürdigt, aber auch Herausgeber, bildende Künstler, Film & Fernsehen, Fan-Autoren und -Illustratoren finden Berücksichtigung. Die Regeln der Preisvergabe werden auf den jährlich stattfindenden Worldcon-Konferenzen festgelegt und geändert. Die Gewinner jeder Kategorie werden durch Abstimmung ermittelt. Seit 1960 dürfen nur Teilnehmer des bevorstehenden Worldcons abstimmen (einschließlich der Besitzer einer ermäßigten Solidaritäts-Eintrittskarte, die nicht vor Ort sein können). Die gelegentlich verliehenen Sonderpreise werden dagegen von den Weltcon-Komitees ausgelobt. Die Abstimmung über den Hugo findet jeweils vor dem Worldcon per Post statt. Beim Auszählen kommt ein System »übertragbarer« Stimmen zur Anwendung, das auch als »Australisches System« bezeichnet wird (weil es bei der Wahl zum australischen Unterhaus verwendet wird). Die Stimmen des erfolglosesten Kandidaten werden nach jeder Auszählung auf die anderen Kandidaten weiterverteilt, je nach Zweit-, Dritt-Stimme usw., und zwar so lange, bis ein Kandidat eine eindeutige Mehrheit erreicht. Bis 1958 gab es keine Nominierungen. Ab 1959 wurden die Kandidaten bei Vorwahlen nominiert, an denen alle Fans teilnehmen konnten; seit 1963 beschränken sich diese Vorwahlen auf die Teilnehmer des jeweiligen Worldcons und die des Vorjahres (mit Ausnahme der Jahre 1965 und 1967).

Die World-SF-Conventions finden am Labor-Day-Wochenende im September statt, die Hugos werden für Veröffentlichungen oder Aktivitäten des Vorjahres vergeben. Demgemäß ist zum Beispiel ein Roman, der einen 1998er Hugo gewinnt, 1997 erschienen (sollte er allerdings auch einen Nebula gewinnen, wäre dies verwirrenderweise ein 1997er Nebula). Seit vielen Jahren ist es möglich, mit »Kein Preis« abzustimmen, was gelegentlich zu Kategorien ohne Preisvergabe führte. Seit 1962 sind Serien von Kurzgeschichten und Fernsehserien insgesamt aus den Kategorien »Short Fiction« (kurze Erzählform) und »Drama« (Film & Fernsehen) ausgeschlossen. Entsprechend wurden 1968 fünf einzelne Star-Trek-Folgen für den »Drama«-Preis nominiert, während Brian W. Aldiss 1962 mit seiner Serie von Hothouse-Geschichten noch in der Sparte »Short Fiction« gewinnen konnte.

Die genaue Definition der »Short Fiction« war stetigen Veränderungen unterworfen. 1953 wurde noch kein solcher Preis vergeben. In den Jahren 1955 bis 1959 gab es nur die zwei Kategorien »Novelette« (längere Erzählung) und »Short Story« (Kurzgeschichte). Von 1960 bis 1966 wurden sie unter dem Begriff »Short Fiction« zusammengefaßt; in diesem Zeitraum wurden nur wenige kürzere Texte nominiert. 1967 wurde die »Novelette« wieder eingeführt und 1968 als neue Kategorie die »Novella« (Kurzroman) aufgenommen. Von 1970 bis 1972 gab es bei der Kurzform nur die beiden Sparten »Short Story« und »Novella«. Seit 1973 werden wieder drei Kategorien der kurzen Erzählform geführt. Seit Anfang der 70er Jahre ist eine »Novella« auf die Länge von 17.500 bis 40.000 Wörter festgelegt, eine »Novelette« auf 7.500 bis 17.500 Wörter; alle erzählenden Texte unter 7.500 Wörtern gelten als »Short Story«, alle über 40.000 Wörter als »Novel« (Roman).

Seit 1971 schließt das »Drama« auch Tonaufnahmen ein. 1973 wurde die Kategorie »Professional Magazine« (professionelles Magazin) in »Professional Editor« (professioneller Herausgeber) umgewandelt, um die zunehmende Bedeutung der Original-Anthologien zu würdigen. 1980 wurde die Kategorie »Non-Fiction« (Sekundärliteratur) eingeführt, in der die Erstausgabe der Encyclopedia of Science Fiction ausgezeichnet wurde. Weitere Preise gingen an literaturkritische und akademische Werke, Bildbände, Memoiren und naturwissenschaftliche Bücher. Eine Kategorie, in der Comics mit Enzyklopädien konkurrieren, ist vielleicht etwas zu umfassend, denn 1989 entschied das Worldcon-Komitee, A Short History of Time (1988; dt. Ausgabe: Eine kurze Geschichte der Zeit) von Stephen Hawking (1942-) auszuschließen, was eine Kontroverse auslöste. Seit 1984 gibt es eine neue Kategorie »Semiprozine« für Veröffentlichungen zwischen Fanzines und professionellen Magazinen.

Am Hugo wird seit vielen Jahren kritisiert, daß ein Preis, der von einer kleinen, selbsterwählten Gruppe von Hardcore-Fans vergeben wird, nicht unbedingt literarische Verdienste einerseits und die Vorlieben der allgemeinen SF-Leserschaft andererseits wiederspiegelt. Das Hardcore-Fandom dürfte weniger als ein Prozent aller SF-Leser ausmachen. Natürlich werden die Hugos tendenziell an traditionelle Hard SF vergeben, nur selten an experimentelle Arbeiten, aber insgesamt waren die Entscheidungen überraschend eklektisch. Viele Preise gingen an gute, wenn auch konservative Autoren -- wie z. B. Poul Anderson, Robert A. Heinlein, Clifford D. Simak und Larry Niven. Doch auch Größen der New Wave wie Harlan Ellison, Roger Zelazny und James Tiptree jr sowie eine Anzahl von Werken hervorragender literarischer Qualität, die den Erwartungsmustern des Genres eindeutig nicht entsprechen, wurden gewürdigt -- z. B. A Canticle for Leibowitz (1959; dt. Lobgesang auf Leibowitz) von Walter M. Miller und The Dispossessed (1974; dt. Planet der Habenichtse) von Ursula K. Le Guin. Auch The Big Time (1958; 1961; dt. Eine tolle Zeit bzw. Eine große Zeit) von Fritz Leiber, das den Preis gewann, bevor es als Buch veröffentlicht wurde, ist keine traditionell orientierte Wahl. Der konkurrierende Preis, der Nebula Award, wird von professionellen Schriftstellern ausgelobt, aber es läßt sich nicht belegen, daß sie durchgängig Werke von höherem literarischen Niveau ausgesucht hätten. Manche Kritiker würden sogar das Gegenteil behaupten -- daß sich die Hugo-Wähler ganz knapp als die besseren Preisrichter erwiesen hätten. Obwohl gute Bücher oft ignoriert werden und in manchen Jahren einzelne Preisträger eher merkwürdig erschienen, hat sich der Hugo im Laufe seiner Geschichte als durchaus ehrenvoll erwiesen. Ein weiter Kritikpunkt lautet, daß sowohl der Hugo als auch der Nebula ihre Basis in der USA haben und auffällig chauvinistisch sind, da nur ganz selten Preise an Autoren außerhalb der USA vergeben werden. Trotz all der Kritik, für die beide Auszeichnungen eine offensichtliche Zielscheibe bieten, sind sie für die Preisträger von echter Bedeutung, da sie nachweislich den Verkauf ihrer Bücher ankurbeln.

• Peter Nicholls • The Encyclopedia of Science Fiction
© 1995 by John Clute und Peter Nicholls
Mit freundlicher Genehmigung des Autors, vertreten durch Co-Herausgeber John Clute
Übersetzt von Hannes Riffel [© Hannes Riffel 2002]

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