Kurd Laßwitz Preis  

25 Jahre Kurd Laßwitz Preis

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Vor dem Verbot durch die Nationalsozialisten hatte Kurd Laßwitz' Roman Auf zwei Planeten (Erstveröffentlichung 1897) eine Auflage von über 70.000 Exemplaren erreicht. Rund fünfzig Jahre später boomte die Science Fiction Literatur im Sog der erfolgreichen Kinofilme Krieg der Sterne (Star Wars, USA 1977) von George Lucas und Unheimliche Begegnung der Dritten Art (Close Encounters of the Third Kind, USA 1997) von Steven Spielberg zuerst in den USA, kurz danach auch in Deutschland, doch die deutschsprachige Science Fiction drohte in der Flut von Romanen und Stories aus Großbritannien und den USA auf dem deutschen Markt unterzugehen.

Hatte Auf zwei Planeten gegen eine bornierte, menschenverachtende Ideologie und deren Zensoren keine Chance, so kämpfte die deutschsprachige SF Ende der Siebziger Jahre gegen Marktmechanismen und Vorurteile bei den Lesern. Auch heute, ein Viertel Jahrhundert später, haftet den deutschsprachigen Autoren immer noch der Ruf an, statt spannender Unterhaltung einen oberlehrerhaften Zeigefinger hochzuhalten oder langweilige Nabelschau zu betreiben. Action, rasante Handlungen, farbige Charaktere, glaubwürdige Helden und reines Lesevergnügen assoziiert der deutsche Leser mit amerikanischen Autoren. Sicherlich wird auch hier wieder vom Film auf die Literatur geschlossen, aber ebenso sicher findet man genügend deutschsprachige Romane, die diese Vorurteile bestätigen.

Dennoch gibt es auch die andere Seite: Qualitativ hochwertige, innovative, beeindruckende Werke deutschsprachiger SF-Autoren, die unterhalten können und ein großes Publikum verdienen. Die Frage ist nur, wie man diese Romane und Kurzgeschichten herausstellt, so dass der potentielle Käufer sie findet, bevor er durch Fehlgriffe abgeschreckt wurde.

Eine Antwort auf diese Frage fanden 1980 ein Autor, ein Herausgeber und ein engagierter SF-Fan: Uwe Anton, Werner Fuchs und Hans-Ulrich Böttcher riefen den Kurd Laßwitz Preis ins Leben in der Hoffnung, dass prämierte Werke eine erhöhte Aufmerksamkeit beim Leser und Käufer finden werden.

Vorbilder waren die beiden bekanntesten amerikanischen SF-Preise, der Hugo Gernsback Award (kurz: Hugo) und der Nebula Award. Ähnlich wie beim Hugo suchte man für den neuen Preis einen prominenten Namensgeber, der die Science Fiction maßgeblich geprägt hat, und so kamen die Initiatoren sehr schnell auf Kurd Laßwitz. Der Nebula Award stand Pate für die Art des Preises. Denn sie wollten keinen Publikumspreis wie den Hugo, wo man Gefahr läuft, statt dem besten den meistgelesenen Roman zu prämieren, sondern einen Jurypreis. Wie beim Nebula Award sollten beim Kurd Laßwitz Preis all diejenigen abstimmungsberechtigt sein, die sich professionell mit der Science Fiction beschäftigen. Deren geballtes Fachwissen sollte jedes Jahr die herausragenden SF-Werke des vergangenen Jahres identifizieren, die durch die Auszeichnung mit dem Kurd Laßwitz Preis einen merklichen Werbeeffekt erfahren sollten.

Man startete in sechs Kategorien: Neben der auch in den USA üblichen Einteilung in Roman, Erzählung und Kurzgeschichte erhielten auch die Übersetzer und Graphiker ihre Kategorie, denn gerade deren Leistung wird kaum gewürdigt und ist doch so wichtig für den Erfolg eines Buches. Mit der Kategorie Sonderpreis wollte man zudem ein Forum schaffen für herausragende Leistungen im Bereich der Science Fiction, die nicht direkt auf einzelne Werke zuordenbar sind.

Der literarische Agent Uwe Luserke übernahm den organisatorischen Teil und hat den Kurd Laßwitz Preis erfolgreich durch die wechselvollen Achtziger Jahre geführt, als der große Boom nachließ, das große Sterben der Taschenbuchreihen und Heftromanserien begann, als Cyberpunk und Spielewelten neue Akzente setzten. Ende 1991 übernahm Udo Klotz den Posten des »Treuhänders« und seither geht die Organisation des Preises über seinen Schreibtisch.

Um den stetigen Veränderungen des Marktes und der Medienlandschaft gerecht zu werden, hat auch Udo Klotz versucht, den Kurd Laßwitz Preis flexibel zu halten. Und der Preis hat sich stets geändert und angepasst. So wurde 1983 die Kategorie Bester ausländischer Roman eingeführt, um auch in der amerikanischen Fachpresse genannt zu werden, 1987 bekamen die Medien Film und Hörspiel eigene Kategorien, um auch hier die notwendige Werbeunterstützung leisten zu können. 1997 wurde die Anzahl der Kategorien wieder auf sieben reduziert: Die amerikanische Trennung zwischen Erzählung und Kurzgeschichte existiert hierzulande nicht, und so wurden beide Kategorien zu einer zusammengefasst. Die Kategorie Film hat sich überlebt, da trotz Kabelfernsehen und Videorekorder die Anzahl deutscher SF-Filme, die einem breiten Publikum zugänglich sind, stark zurückgegangen ist. Herausragende Leistungen im Bereich der Film- oder Fernsehproduktion können nun für den Sonderpreis nominiert werden.

Auch die Kategorie Hörspiel litt unter dem Problem, dass die ausgestrahlten Werke nicht von jedem Interessierten empfangen werden können und nachträglich nur über private Mitschnitte erhältlich sind. Daher hat der engagierte Hörspielkenner Horst Tröster 1993 ein eigenes Kurd Laßwitz Hörspielgremium ins Leben gerufen, das aus rund einem Dutzend Fachleuten besteht, die alle nominierten Titel auf Kassette erhalten und so fachkundig abstimmen können.

Und das Problem, dass man Übersetzungen nur dann richtig beurteilen kann, wenn man auch das Original kennt, wurde ebenfalls mittels eigener Jury behoben. Der Treuhänder verteilt seit 2001 zu jeder nominierten Übersetzung Kopien von rund 30 Seiten des Textes im Original und in der Übersetzung an eine Jury von rund zehn Übersetzern und Lektoren, die nun im Detail bewerten und beurteilen können.

Die Besetzung beider Jurys ändert sich alljährlich geringfügig, denn nicht selten sind die einzelne Juroren selbst nominiert worden und müssen dann für ein Jahr pausieren – ein Effekt, der gerne in Kauf genommen wird, um eine aktive und fachkundige Jury zu haben.

Ebenfalls geändert wurde Mitte der Neunziger Jahre das Nominierungsverfahren. Zur Zeit können alle Abstimmungsberechtigten ihre Nominierungsvorschläge das ganze Jahr über beim Treuhänder einreichen. Alle Nominierungen, die die Kriterien des Preises erfüllen (zum Genre Science Fiction gehörig, Erstausgabe im Abstimmungsjahr, von einem maßgeblich für den deutschsprachigen Raum arbeitenden Künstler bzw. im Original in deutscher Sprache, allgemein erhältlich bzw. zugänglich, und schließlich professionell veröffentlicht), und eine Qualitätskontrolle durch das »Vorauswahlgremium«, alljährlich rekrutiert unter den Abstimmungsberechtigten, passiert haben, wandern auf die Abstimmungsliste, die an die über zweihundert Abstimmungsberechtigten verschickt wird.

All diese Maßnahmen sowie die ständige Aktualisierung der Adressliste der Abstimmungsberechtigten haben dazu geführt, dass die Wahlbeteiligung am Kurd Laßwitz Preis enorm gesteigert werden konnte und damit das Vorbild Nebula Award deutlich übertroffen wird. Mit 75 bis 100 ausgefüllten Wahlbögen pro Jahr kann der Preis durchaus als repräsentative Meinung der deutschsprachigen SF-Profiszene gelten.

Welche Auswirkungen hat nun der Preis bisher gehabt? Dass das Label »Ausgezeichnet mit dem Kurd Laßwitz Preis als Bester Roman des Jahres« jemals einem Buch höhere Verkaufszahlen beschert hat, lässt sich aufgrund fehlender Untersuchungen und Marktzahlen nicht belegen. Zudem fehlen dem Preis die Sponsoren, denn ein einzelner Verlag als Sponsor würde sich sofort dem (unberechtigten) Verdacht der Beeinflussung aussetzen, und auf eine gemeinsame Aktion aller wichtigen SF-Verlage konnten sich diese noch nicht einigen. Somit kann der Preis seinen Preisträgern keinen sofortigen materiellen Gewinn verschaffen.

Betrachten wir den ideellen Wert des Preises. Da er »von Profis an Profis« vergeben wird, und diese die Qualitätsmaßstäbe recht hoch ansetzen (immer wieder wird in einzelnen Kategorien kein Preis vergeben, da keines der nominierten Werke sich als »preiswürdig« erwiesen hat – bislang 14 mal in den 25 Jahren), ist die Anerkennung und Wertschätzung des Kurd Laßwitz Preises unter den Preisträgern und in der SF-Profiszene sehr hoch. In den Rundfunkanstalten hat der Hörspielpreis inzwischen einen sehr guten Namen auch in den Management-Etagen, nur dem breiten Lesepublikum ist der Preis noch etwas unbekannt geblieben.

Anders bei der auch hierzulande recht großen SF-Fangemeinde unter den Lesern. Sie kennen den Kurd Laßwitz Preis aus der SF-Fachpresse und durch die offiziellen Preisverleihungen, die im Rahmen großer SF-Veranstaltungen stattfinden, beispielsweise 1999 bei der »european convention of science fiction« in Dortmund, in den letzten Jahren meist in Leipzig beim »ElsterCon« oder in Dresden beim »PentaCon«. So kann der Preisträger seine Auszeichnung in Form einer Urkunde zumindest vor einem großen Publikum entgegennehmen, wenn er schon keine Geldprämie enthält.

Wer sind diese Preisträger? Nach 25 Jahren liest sich die Liste der Kurd Laßwitz Preisträger wie ein »Who’s Who der deutschsprachigen Science Fiction«. Auch wenn einige Namen von Autoren, Übersetzern oder Graphikern nur dem Genre-Kenner geläufig sind, findet man ebenso Autoren und Regisseure, die auch außerhalb der SF-Szene bekannt sind, wie Carl Amery, Michael Ende, Rainer Erler, Peter Fleischmann, Gisbert Haefs, Gudrun Pausewang oder Wim Wenders. Den Sonderpreis erhielten Autoren und Herausgeber von herausragenden Sekundärwerken oder Fachzeitschriften, Künstler für ihr Lebenswerk oder die Organisatoren von SF-Veranstaltungen. Einige SF-Schaffende wurden inzwischen schon mehrfach ausgezeichnet, so erhielten Hans Joachim Alpers und Ronald M. Hahn beide bereits sechsmal als Autor und Herausgeber den Preis, Horst Pukallus sechsmal für seine Übersetzungen, Andreas Eschbach fünfmal für seine Romane, Erik Simon fünfmal für drei Kurzgeschichten, eine Übersetzung und eine Herausgeberschaft, Carl Amery und Thomas Ziegler je viermal für Romane und Kurzgeschichten, Iain Banks viermal für den jeweils besten ausländischen Roman, schließlich Thomas Thiemeyer fünfmal, Dieter Rottermund und Helmut Wenske je viermal für ihre Graphiken. Rekordhalter aber ist Wolfgang Jeschke mit insgesamt 17 Auszeichnungen für seine Romane, Kurzgeschichten und Hörspielvorlagen sowie seine Tätigkeit als Herausgeber und Förderer deutschsprachiger SF; beginnend mit dem ersten Sonderpreis für 1980 bis ganz aktuell zum Kurzgeschichtenpreis für 2004. In Summe wurden in den 25 Jahren rund 2000 Werke nominiert und 178 mal der Kurd Laßwitz Preis vergeben.

Natürlich kann man die Liste der Preisträger auch als Empfehlungsliste für den nächsten Besuch in der Buchhandlung verwenden, aber es ist keine Bestsellerliste. Dafür enthält sie zu viele »Geheimtipps«, das heißt Bücher, die dem breiten Lesepublikum eher unbekannt geblieben sind trotz ihrer herausragenden Qualität. Dies spricht zwar für die Jury, die solche Perlen findet und erkennt, aber gegen die Idealvorstellung der Initiatoren, die den Preis auch als Werbeinstrument gesehen haben. Für große Werbekampagnen fehlt leider immer noch das Budget (und die Sponsorenschaft dahinter), aber ein Qualitätssiegel ist das Label »Ausgezeichnet mit dem Kurd Laßwitz Preis« allemal.

Udo Klotz
Treuhänder des Kurd Laßwitz Preises
Buchendorfer Str. 24, 82061 Neuried
klp@epilog.de

 


Siehe auch:
- Kurd Laßwitz Preis
Kurd Laßwitz Preis - Kategorien
- Kurd Laßwitz Preis - Preisträger
- Kurd Laßwitz Preis - Statuten
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