| Das von David W. Bradley
entwickelte Action-Rollenspiel Dungeon Lords (Bradley war als Programmierer unter
anderm maßgeblich an der Entwicklung einiger Titel der Wizards & Warriors-Serie
beteiligt) versucht seinen Platz zwischen so erfolgreichen PC-Rollenspielen wie Gothic
I/II, Morrowind und dem (leider sehr verbugten) Arx Fatalis zu
finden. Der Einstieg ins Spiel ist noch relativ vielversprechend. Nach der Auswahl eines
Spielcharakters und der Vergabe der verschiedenen Fähigkeitswerte landet man in einer
idyllischen nächtlichen Waldlandschaft. Gerade bei der Darstellung der Außenlandschaften
zeigt sich Dungeon Lords von seiner besten Seite. Der Spieler kann sich an
dichtem, sich im Wind wiegendem Gras, alten knorrigen Bäumen und einer sehr natürlich
wirkenden Topographie erfreuen. Auch Feuer-, Magie- und andere Lichteffekte sind gelungen
und machen das Erkunden der mittelalterlichen Fantasywelt zum visuellem Erlebnis. Leider
relativiert sich dieser Eindruck nach dem Betreten der Dungeons ein wenig. Trotz
hochauflösender Wandtexturen wirken die Level künstlich und die kaum animierten
Wasserflächen viel zu statisch. Mit diesen kleinen kosmetischen Schwächen könnte man
noch gut leben, wäre nicht der Spielablauf selbst so unbefriedigend. Das betrifft
besonders das Erleben der Spielwelt. Meist bewegt man sich durch weitläufige Areale, um
ständig von größeren, per Zufall generierten Monsterhorden oder aggressiven Tieren
angegriffen zu werden. Auch wenn man nur regungslos in der Gegend herumsteht - die
nächste Monsterattacke lässt nicht lange auf sich warten. Hinzu kommt die verkorkste
Kampfsteuerung. Für den Spieler müsste es offensichtlicher sein, wann er ein Monster
trifft, und vor allem, in welchem Zustand es sich befindet. Die ständigen Monsterattacken
wirken auf die Dauer eintönig, zumal die Handlung nur relativ zäh vorangetrieben wird.
Außerdem sind die Animationsphasen des Spielhelden sehr ungelenk.

Eine unglückliche Option von Dungeon Lords ist auch das Vorhandensein einer
Wiederbelebungstaste. Gerade Angesichts der zum Teil etwas unfairen Kämpfe betätigt man
irgendwann fast automatisch diese Schummeltaste und nimmt sich dadurch den Spaß
am Spiel.
Auf der anderen Seite ließ sich Publisher dtp wie immer nicht lumpen und
spendierte dem Spiel eine vollständige deutsche Sprachausgabe. Zudem wurden etliche
technische Verbesserungen gegenüber der englischen Version in das Spiel übernommen.
Fazit: Mit etwas mehr Feintuning und einer etwas anderen Ausrichtung der Spielinhalte
hätte Dungeon Lords ein ernster Konkurrent zu Gothic II werden können.
So ist es jedoch ein halbherzig designtes Rollenspiel, dass große Teile seines Potentials
verschenkt. |
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