Nach dem sensationellem Erfolg von World of WarCraft, mit dem sich
erstmals ein Online-Rollenspiel auch auf dem breiten europäischen Markt etablierte, steht
nun mit Guild Wars ein harter Konkurrent in den Startlöchern. Dabei verzichtet Guild
Wars als erstes kommerziell angelegtes Online-Rollenspiel auf die sonst üblichen
monatlichen Abogebühren. Doch nicht nur in Bezug auf die Spielgebühren geht Guild
Wars neue Wegs, auch spielerisch unterscheidet es sich von den auf dem Markt
befindlichen Games. Guild Wars wurde gezielt auf Gruppenspieler zugeschnitten,
die in kleineren Gemeinschaften oder einer großen Gilde die verschiedenen
Herausforderungen annehmen oder in Turnierkämpfen gegeneinander antreten möchten.Um
den Verwaltungsaufwand möglichst gering zu halten, ist man in Guild Wars nur
innerhalb von Städten oder bestimmten Anlaufpunkten mit vielen Online-Spielern im
Kontakt. Hier plant man seine Abenteuer und sucht nach Mitstreitern für anspruchsvollere
Quests. Betritt man jedoch die eigentliche Spielwelt, ist die Gruppe nur noch unter sich
und spielt in einer Art abgeschlossenem Raum. Damit die Städte nicht vor Spielern
überquellen, kann man innerhalb eines Versammlungsbereichs zu verschiedenen
Serverdistrikten wechseln.
Das klassische Rollenspielsystem - über gewonnene Erfahrungen in immer höhere
Levelstufen aufzusteigen - hat in Guild Wars kaum Bedeutung. Ein Levelaufstieg
ist nur bis Stufe 20 möglich, danach entscheidet nur noch die Teamfähigkeit des Spielers
und sein strategisches Können über den erfolgreichen Abschluss eines Quests oder der
ausgetragenen Turniere.

Bekommt man für ein Quest nicht genügend Online-Spieler zusammen, kann man auch
computergesteuerte Gefolgsleute anheuern, deren KI sich in den meisten Fällen recht gut
zu behaupten weiß. Hat man eine Stadt oder einen zentralen Anlaufpunkt einmal entdeckt,
kann man sich jederzeit mittels Mausklick und ohne mühsames Reisen direkt dorthin
begeben.
Leider herrscht auf den europäischen Servern zur Zeit ein heilloses Sprachenwirrwarr
aus Englisch, Französisch und Deutsch vor. Hier sollte man die Server sprachlich entweder
deutlicher voneinander abgrenzen oder sich für eine Sprache entscheiden.
Grafisch macht Guild Wars einen hervorragenden Eindruck. Da das Spiel in viele
kleine Spielabschnitte untergliedert ist, wartet es mit größerem Detailreichtum als
andere Online-Rollenspiele auf. Der Spieler kann sich an malerischen Fantasyszenarien,
sich im Wind wiegenden Bäumen, realistisch simulierten Wasserflächen, mittelalterlichen
Dörfern und eindrucksvollen Schloßanlagen erfreuen. Etwas störend sind jedoch die
unsichtbaren Begrenzungen an selbst leicht abschüssigen Stellen. So wird man hin und
wieder auf einen Umweg gezwungen, wo eine Abkürzung viel praktischer wäre. Dadurch
entsteht der Eindruck, sich in der Spielwelt nicht völlig frei bewegen zu können. |
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