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Film-Lexikon

2010 - Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen

2010 • USA 1984

Credits | Darsteller

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Neun Jahre nach dem letzten Kontakt mit dem Raumschiff Discovery, das am Jupiter die Spur des schwarzen Monolithen verfolgen sollte, startet die Leonov mit einer russisch-amerikanischen Besatzung, um das Rätsel zu lösen. An Bord ist auch Dr. Heywood Floyd, der bereits die Mission des Jahres 2001 betreute. Während sich auf der Erde der Ost-West-Konflikt wieder zuspitzt, begreifen die Astronauten, daß ihre einzige Überlebenschance in der Zusammenarbeit liegt. Man stößt auf die verwaiste Discovery, und Dr. Chandra, der Konstukteur von HAL 9000, kann den Bordcomputer wieder aktivieren. Der Geist von David Bowman erscheint und verkündet wundersame Ereignisse. Während die Leonov die Heimreise antritt, verwandelt der Monolith den Gasplaneten Jupiter in die neue Sonne Lucifer. In HALs letzter Botschaft werden der Menschheit die Jupitermonde zum Geschenk gemacht - mit Ausnahme von Europa, auf dem sich eigenes Leben entwickelt hat.

Peter Hyams' Film entstand nach den Roman Odyssee 2010 - Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen (2010: Odyssey Two • 1982) von Arthur C. Clarke, den dieser als Fortsetzung zu 2001 - Odyssee im Weltraum (2001: A Space Odyssey • 1968) schrieb, der wiederum auf Stanley Kubricks Film 2001 - Odyssee im Weltraum (2001: A Space Odyssey • GB 1968) basiert. 2010 weicht in mehreren Punkten von der Romanfassung ab. So wurde der Handlungsstrang um das chinesische Raumschiff Tsien gestrichen und statt dessen der politische Konflikt zwischen den USA und der Sowjetunion verschärft, wodurch das hoffnungsvolle Ende eine stärkere Wirkung entfaltet. Die auffälligste Veränderung gegenüber dem Film 2001 ist die Figur des Dr. Floyd, die hier von Roy Scheider übernommen wurde, da William Sylvester die Rolle aus Altersgründen nicht noch einmal übernehmen konnte. Gleichzeitig verwandelte sich der langweilige Weltraumbürokrat von 2001 in einen tatkräftigen Hollywood-Helden. Insgesamt sind die menschlichen Beziehung wesentlich dramatischer und damit leinwandgerechter angelegt: Floyd steht seinem russischen Kollegen Moisevitch mit tiefem Mißtrauen gegenüber, ein Besatzungsmitglied findet den Tod, und sogar HAL agiert überzeugender. In der Romanfassung war Clarke stets bemüht, derartigen Konflikten aus dem Weg zu gehen.


Foto: MGM/UA
Insofern ist es dem routinierten Action-Regisseur Peter Hyams gelungen, aus einem nicht sehr mitreißenden Roman ein spannendes Weltraumabenteuer zu machen. Auch die Spezialeffekte können sich sehen lassen, insbesondere die spektakuläre Air-Breaking-Sequenz und die Verwandlung des Großen Roten Flecks in Myriaden von Monolithen. Leider muß sich der Film dem direkten Vergleich mit Kubricks Meisterwerk 2001 stellen, und dabei schneidet er denkbar schlecht ab. Was als philosophische Spekulation über die kosmische Evolution der Menschheit begann, wird hier als Drama um die praktischen Probleme der Raumfahrt vor dem Hintergrund des Ost-West-Konflikts fortgesetzt. Die vielen kleinen Anspielungen sind eher peinlich, wenn im Fernsehen ein Ausschnitt von 2001 läuft oder Kubrick und Clarke als Präsidenten der zwei Weltmächte auf dem Titelbild einer TIMES-Ausgabe erscheinen, wenn Clarke in einem Cameo-Auftritt vor dem Weißen Haus Tauben füttert oder die russische Kommandantin Tatiana Orlova in Tanja Kirbuk (»Kubrik« rückwärts) umbenannt wird. Immerhin ist lobenswert, daß am Ende zur friedlichen Völkerverständigung aufgerufen wird.

Einen gewissen Einblick in die Entstehungsgeschichte des Films vermittelt das Buch The Odyssey File (1984) von Arthur C. Clarke und Peter Hyams. In erster Linie handelt es sich jedoch um ein Protokoll der Kommunikation zwischen Autor und Regisseur, denen es Anfang der achtziger Jahre gelang, über Computer und Satellit den Kontakt zwischen Sri Lanka und Los Angeles zu halten - ein völlig neues technisches Verfahren, für das Clarke zaghaft den Begriff »electronic mail« vorschlägt.

Bernhard Kempen

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Buch: Odyssee 2010 - Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen
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Credits

Originaltitel: 2010
Alternativtitel: 2010 - The Year We Make Contact
deutscher Titel: 2010 - Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen
Land und Jahr: USA • 1984
Technik: Farbe • 70mm • Dolby
Regie: Peter Hyams
Buch: Peter Hyams
Vorlage: Arthur C. Clarke
Odyssee 2010 - Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen
Kamera: Peter Hyams
Schnitt: James Mitchell
Musik: David Shire
Produktionsentwurf: Syd Mead
George Trimmer
Art Director: Albert Brenner
Effekte: David Blitstein (Überwachung)
Henry Millar jr.
Thaine Morris
(Überwachung)
Richard Edlund
Leslie Ekker
(Modelle)
Mark Stetson
Kostüme: Patricia Norris
Produktion: MGM
Peter Hyams
Neil A. Machlis
(Co-Produktion)
Jonathan A. Zimbert
(Co-Produktion)
Uraufführung: 1984
deutscher Kinostart: 22.2.1985 (UIP)
Länge: 111 Minuten
116 Minuten (Original)
FSK ab 12 Jahre

 

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Darsteller

Dr. Heywood Floyd: Roy Scheider
Dimitri Mojsewitsch: Dana Elcar
Walter Curnow: John Lithgow
Tanja Kirbuk: Helen Mirren
Dr. R. Chandra: Bob Balaban
David Bowman: Keir Dullea
Caroline Floyd: Madolyn Smith-Osborne
Christopher Floyd: Taliesin Jaffe
Victor Milson: James McEachin
Betty Fernandez: Mary Jo Deschanel
Maxim Bralovsky: Elya Baskin
Vladimir Rudenko: Saveli Kramarov
Vasali Orlov: Oleg Rudnik
Irina Yakunna: Natasha Shneider
Yuri Svetlanov: Vladimir Skomarovsky
Mikolai Ternovsky: Victor Steinbach
Alexander Kovalev: Jan Triska
Anchorman: Larry Carroll
Jessie Bowman: Herta Ware

 

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28.08.10 • 02.09.10