| Ein terroristischer Anschlag hat die USA in den wirtschaftlichen Ruin
getrieben. Mit einer aus großer Entfernung gezündeten Atombombe ist es Extremisten
gelungen, alle elektronischen Anlagen durch einen elektromagnetischen Puls lahmzulegen.
Auch wenn die Technik Jahre später wieder funktioniert - das Land kann sich von diesem
Schlag nicht mehr erholen und befindet sich ökonomisch auf dem Stand des heutigen
Russland. Durch dieses deprimierende Szenario bewegt sich eine junge Frau namens Max.
Scheinbar ist sie nichts anderes als eine mittellose Fahrradkurierin, die genauso wie alle
anderen versucht, sich irgendwie durchzuschlagen. Doch Max umgibt ein Geheimnis, das nur
entschlüsseln kann, wer in der Lage ist, den Strichcode in ihrem Nacken zu lesen. Sie ist
ein gentechnisch erzeugter Mensch, ein Überbleibsel eines Experiments der
US-Streitkräfte, mit dem perfekte Krieger geschaffen werden sollten. Ihre physische
Kraft, ihre sensorischen Fähigkeiten, ihre Auffassungsgabe und ihr Intellekt sind
übermenschlich. Trotzdem bleibt sie verwundbar und hat Angst vor einer namenlosen
Bedrohung. Nachdem sie als Kind kurz vor dem Terroranschlag aus dem Genlabor entkommen
konnte, sind ihre einstigen Schöpfer ihr immer noch auf den Fersen. Sie wollen ihr
Versuchskaninchen zurückhaben.
Im Pilotfilm der Serie lernt Max den Underground-Journalisten Logan Cale kennen. Ein
trickreicher Einbruch soll sie in den Besitz von wertvollen Kunstwerken aus der Sammlung
des wohlhabenden Reporters bringen. Mit dem Erlös aus der Beute will sie für einen
Freund selten gewordene Medikamente besorgen. Um an die wertvollen Stücke zu gelangen,
macht Max auch den kräftigen Leibwächter des Journalisten fertig. Beeindruckt von ihren
Fähigkeiten bietet Cale ihr an, mit ihm zusammenzuarbeiten. Obwohl sie Logan attraktiv
findet, lehnt Max zunächst ab. Nachdem er versucht hat, die Zeugin eines Verbrechens zu
schützen, landet Cale mit einer Kugel im Rücken im Rollstuhl. Von da an übernimmt Max
gelegentlich Aufträge für ihn. Sie schützt Zeugen und beschafft Informationen für
Cales Piraten-Fernsehsendung »Streaming Freedom«. Als Gegenleistung versucht der
Untergrund-Journalist, mehr über Max Herkunft zu erfahren und andere Überlebende
des Genlabors zu finden.
Mit seinem dunkelhäutigen Engel ist Titanic-Macher James Cameron eine enorm
gefällige Figur gelungen. Dass schöne Frauen stark, clever und frech sein können, ist
schon lange nichts Neues mehr. Max allerdings ist nicht einfach bloß stolz darauf, mit
den Männern mithalten zu können, wie alle bisherigen »starken« Filmfrauen. Sie ist den
Herren der Schöpfung wie auch allen anderen Menschen in vielfacher Hinsicht überlegen -
und das spielt sie aus. Sie tötet Vergewaltiger und Gangster, leimt kleine Gauner und
macht intrigante Blondinen zur Schnecke. Ihren obertrotteligen Kurier-Kollegen rettet sie
mehrfach aus Schwierigkeiten - allerdings nie, ohne ihm eine gehörige Standpauke zu
halten. Ihr häufiges emanzipatorisches Geschimpfe auf die Männer ist für die
männlichen Zuschauer der Serie nur erträglich, weil es mit Logan auch einen Mann gibt,
der ihr gefällt. Insgesamt ist sie mit Mut, Unabhängigkeit, Engagement, Cleverness und
Sex-Appeal genau so geworden, wie sich die jungen Frauen von heute gerne sehen. Dazu kommt
der modische Bonus ihrer exotischen Herkunft. All diesen traumhaften Eigenschaften steht
die ständige existentielle Bedrohung durch die früheren Betreiber des Gen-Labors
entgegen. Dadurch kommt eine permanente unterschwellige Spannung in die Serie. Die
Tatsache, dass die genetisch veränderte Überfrau sich vor einem übermächtigen Gegner
verbergen muss, lässt sie wieder auf normalmenschliches Niveau schrumpfen und den
Zuschauer Mitgefühl entwickeln.
Mit dem Plot vom EMP-Angriff auf die USA war Cameron außerdem verblüffend nah an den
Ereignissen des 11. September 2001. Das Gesamtszenario unterscheidet sich wohltuend von
dem, was in den letzten Jahren an klischeehafter Science Fiction Eingang in amerikanische
Serien gefunden hat. Cameron war offenbar schlecht beraten, als er das Konzept für die
zweite Staffel änderte. Die Quoten von Dark Angel sind in den USA mittlerweile
schon wieder eingebrochen. Die ersten in Deutschland gezeigten Folgen verheißen jedoch
spannende Unterhaltung in einer neuen, erfrischenden Form.
Arno
Behrend ALIEN CONTACT
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