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DinoMedia

Dinosaurier

Dinosaur • USA 2000

Credits | Handlung | Produktion | Kritik | Medieninfo

Science Fiction > DinoMedia | Film

Handlung

Das harte Leben des Iguanodons Aladar beginnt schon vor der Geburt: Als ein Carnotaurus (ein Verwandter des Tyrannosaurus) die Nistkolonie der Iguanodons überfällt, nutzt ein Oviraptor die Gelegenheit, sich ein Ei zu schnappen. Doch bevor er seine Mahlzeit genießen kann, kommt es zum Streit mit einem Artgenossen, wobei das Ei in einen Fluß fällt, davongetrieben und von einem Pteranodon herausgefischt wird, der es schließlich über einer Insel fallenläßt. Dort erlebt eine mißtrauische Schar lemurenähnlicher Säugetiere, wie ein Dinosaurier aus dem Ei schlüpft, der sich sofort mit den possierlichen Pelztierchen anfreundet und seine ersten Lebensjahre in ihrer Gesellschaft verbringt.

Da Aladar auf der Insel der alleinige Vertreter seiner Art ist, bleibt er als einziger solo, wenn sich die Lemuren im großen Baum zur Paarung versammeln. Doch diese Nacht erweist sich als das Ende der Idylle. Plötzlich regnen Meteoriten vom Himmel, verwüsten die Insel und lösen eine gewaltige Flutwelle aus. Nur mit Mühe können sich Aladar und seine Freunde Yar, Plio, Suri und Zini retten. Sie erreichen das Festland, doch dort sieht es ähnlich aus. Nachdem sie einer Gruppe ausgehungerter Raptoren entkommen sind, treffen sie auf eine riesige Dinosaurierherde, die nach neuen Weidegründen sucht und mit unerbittlicher Härte vom Iguanodon Kron und seinem Helfer Bruton angeführt wird. Aladar freundet sich mit dem Styracosaurus Eema und dem Brachiosaurus Baylene an, zwei uralten Dino-Damen, die kaum noch mit der Herde Schritt halten können. Aladars soziale Ader bringt ihn schon bald Ärger mit Kron ein, aber gleichzeitig verliebt er sich in Krons Schwester Neera.

Nach einem Gewaltmarsch durch die Wüste stoßen ausgerechnet Aladar und Baylene im nahezu ausgetrockneten See auf Wasser. Der eifersüchtige Kron treibt die Herde gnadenlos weiter, wodurch Aladar und die Saurier-Damen zurückbleiben und von Carnotauren verfolgt werden, bis sie in einer Höhle Schutz finden. Sie helfen dem verletzten Bruton, der zunächst gar nicht versteht, warum sie so selbstlos handeln. Doch schließlich opfert sich Bruton im Kampf gegen die Fleischfresser. Die Freunde dringen tiefer in die Höhle ein und finden einen zweiten Ausgang. Vor ihnen liegt ein grünes, wasserreiches Tal - das Ziel ihrer Suche. Unterdessen steht die übrige Herde ratlos vor dem bisherigen Zugang zum Tal, der durch eine Steinlawine verschüttet wurde. Natürlich will Kron sich nicht vom dahergelaufenen Aladar sagen lassen, daß sie ihr Ziel auf einem anderen Weg erreichen können. Doch am Ende siegen die Vernunft, das Mitgefühl - und die Liebe. Die Dinosaurier haben im Tal vorerst eine sichere Zuflucht gefunden.


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Produktion

Die lange Produktionsgeschichte dieses Films geht zurück bis ins Jahr 1988, als der Drehbuchautor Walon Green ein Script mit dem Titel Dinosaur an die Walt Disney Company verkaufte. Der Regisseur Paul Verhoeven und der Trickkünstler Phil Tippett wurden mit der Umsetzung des Projekts beauftragt, doch schon kurz darauf legte man es wegen technischer Umsetzungsprobleme wieder auf Eis - möglicherweise auch, weil Don Bluth im gleichen Jahr den Zeichentrickerfolg In einem Land vor unserer Zeit (The Land Before Time • USA 1988) in die Kinos brachte. Als mit Jurassic Park (Jurassic Park • USA 1993) die Dinowelle hochschwappte, erkannte man bei Disney offenbar die Chance für einen zweiten Anlauf. Im »Dino-Jahr« 1993 wurde der Film Dinosaurs als erste Regiearbeit des Trickspezialisten David Allen nach einem Drehbuch von Jeanne Rosenberg angekündigt, doch auch in dieser Form - geplant war eine Kombination verschiedener Spezialeffekte - wurde der Film nicht realisiert.

Ernst wurde es 1994, als die Walt Disney Feature Animation begann, das Projekt mit den Mitteln der digitalen Tricktechnik weiterzuführen. Die Produzentin Pam Marsden übertrug die Regie an Ralph Zondag, der soeben den Zeichentrickfilm 4 Dinos in New York (We’re Back! A Dinosaur's Story • USA 1994) für Steven Spielberg abgeschlossen hatte, und Eric Leighton, der als Stop-Motion-Künstler an Tim Burtons Nightmare Before Christmas (Tim Burton’s Nightmare Before Christmas • USA 1993) mitgewirkt hatte. Zondag betreute in erster Linie die Entwicklung der Story, während Leighton für die Animation zuständig war. Zu diesem Zeitpunkt schrieben John Harrison und Robert Nelson Jacobs das Drehbuch um, da der Film nun nicht mehr ohne Sprache (wie von Green beabsichtigt) oder mit einem Erzähler (den Verhoeven einsetzen wollte), sondern mit sprechenden Sauriern realisiert werden sollte. Das Design der Figuren stammt von David Krentz, der schon immer davon geträumt hatte, eines Tages mit Dinosauriern zu arbeiten. Für die wissenschaftliche Beratung konnten bekannte Forscher wie Jack Horner, Don Lessem und Stuart Sumida gewonnen werden, und künstlerische Unterstützung erhielt das Disney-Team durch Mark Hallett, Doug Henderson, Ian Gooding und Richard Delgado. Die 23 Dinosaurierarten und anderen Tiere wurden von den Animatoren Bill Fletcher (Zini), Larry White (Suri), Joel Fletcher (Neera und jugendliche Dinos), Dick Zondag (Bruton) und anderen betreut.

Man legte größten Wert auf die sorgfältige Rekonstruktion der Dinosaurieranatomie; nur in den Gesichtspartien nahmen sich die Animatoren einige Freiheiten heraus, um den Tieren eine »menschlichere« Mimik zu verpassen. Insgesamt waren 350 Mitarbeiter mit dem Projekt Dinosaurier beschäftigt.

Im Gegensatz zu hundertprozentig computeranimierten Produktionen wie Toy Story (Toy Story • USA 1995) oder Antz (Antz • USA 1998) wurden die Hintergründe an »Originalschauplätzen« aufgenommen. Das Live-Action-Team war 18 Monate lang unterwegs, um in der Mojave-Wüste - vor allem in der Umgebung von Ridgecrest und Trona - und auf Hawaii zu drehen. Die zweite »Exotic Unit« reiste nach Australien (Port Campbell), Jordanien (Wadi Rum), Venezuela (Canaima) und an die Strände von West-Samoa. Hier kam eine »Dino-Cam« zum Einsatz, die zwischen zwei 21 Meter hohen Türmen aufgehängt ist und  komplexe Bewegungen wie Rundum-Schwenks durchführen kann, wobei sie eine Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern erreichen kann. Diese Bewegungen wurden dann von der »virtuellen Kamera« kopiert, mit der die computergenerierten Saurier aufgenommen wurden. Für die Koordination von Live Action und Animation war Neil Krepela zuständig.

Die spektakuläre Eröffnungssequenz, in der Aladars Ei vom Nest auf die Insel der Lemuren gelangt, beginnt in den Sümpfen Floridas, wechselt dann nach Venezuela und zur australischen Küste, setzt sich auf Hawaii fort und endet im Los Angeles County Arboretrum.

Für Dinosaurier richtete die Walt Disney Company eigens ein neues Digitalstudio namens »The Secret Lab« ein, das nach zwei Jahren Bauzeit und Kosten in Höhe von 80 Millionen Dollar fertiggestellt wurde. Die 250 Großrechner und weitere 300 Schreibtischrechner arbeiteten insgesamt 3,2 Millionen Stunden. Die Gesamtdatenmenge des Films beträgt 45 Terabytes, was der Kapazität von etwa 70.000 CD-ROMs entspricht. Über 1300 Effektaufnahmen sind im fertigen Werk zu bewundern, das für die Kinoauswertung auf 35-mm-Film kopiert wurde.


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Kritik

Der Film beginnt mit dem Ende der Dinosaurier - mit dem Einschlag des berüchtigten Meteoriten, der vor 65 Millionen das Aussterben der großen Echsen verursachte. Trotzdem entwickelt sich daraus eine spannende Geschichte, die auf der Theorie einiger Wissenschaftler fußt, daß die Saurier nach der Katastrophe noch 150.000 Jahre lang weitergelebt haben könnten. Das Endzeitszenario ist keinesfalls neu; viele Dinosaurier-Geschichten spielen in dieser dramatischen Phase, von Kurd Laßwitz' Roman Homchen (1902) bis zu Don Bluths Zeichentrickfilm In einem Land vor unserer Zeit (The Land Before Time • USA 1988). Und genau wie diese Beispiele wendet sich auch Disneys Dinosaurier, der ganz klar in der Tradition von Tiermärchen wie Bambi (Bambi • USA 1942) steht, vordergründig an ein jugendliches Publikum, während er gleichzeitig ein Beispiel für die neueren, »erwachseneren« Trickfilme der Company ist.

Und genau das ist das Problem. Die Handlung und die Figuren entsprechen dem Niveau eines guten Disney-Zeichentrickfilms und werden damit den Ansprüchen eines erwachsenen Publikums nicht gerecht. Insbesondere die sprechenden Saurier sind für ein ansonsten sehr realistisch gehaltenes Werk recht gewöhnungsbedürftig, obwohl sie natürlich den Zugang zur Geschichte erleichtern. Immerhin war es eine gute Entscheidung, auf singende oder tanzende Saurier zu verzichten. Aber es ist eben auch kein Film für Kinder, da die Tatsachen des Lebens und Sterbens ziemlich drastisch vorgeführt werden - ungewöhnlich drastisch für einen Disney-Film. Was sich die FSK dabei gedacht hat, den Film ab sechs Jahren freizugeben, bleibt rätselhaft.

Die Botschaft des Films ist zwar anerkennenswert, aber recht simpel: Die Zukunft gehört nicht den brutalen Darwinisten à la Kron, sondern der sozialen Gemeinschaft, wie sie durch Aladar und die Säugetiere verkörpert wird. Das ist weder neu noch zeitgemäß, seit die Paläontologen wissen, daß auch die Dinosaurier sehr soziale Tiere waren, und das Klischee der blutrünstigen Bestie überholt ist.

Unter dem Strich ist Dinosaurier ein abwechslungsreiches Tierabenteuer, das hervorragend mit den Mitteln der Computeranimation umgesetzt wurde. Aber man braucht schon ein gewisses Faible für Dinosaurier oder gut gemachte Trickfilme, um das Werk genießen zu können. Die Technik der computergenierten Bilder wurde ein gutes Stück weitergebracht, aber deswegen von einem filmhistorischen Meilenstein zu sprechen, wie es die Walt Disney Company vollmundig tut, ist wohl etwas übertrieben, da letztlich nur die Story von In einem Land vor unserer Zeit mit den Mittel von Jurassic Park und Toy Story neu umgesetzt wurde.


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Medieninfo

Die Produktion von Disneys Dinosaurier verschlang 127,5 Millionen Dollar, was ihn zum kostenintensivsten Animationsfilm überhaupt macht. Der Streifen startete am 19.5.2000 in den amerikanischen Kinos und spielte am ersten Wochende knapp 39 Millionen Dollar ein, womit er auf Platz eins landete. Nach sechs Wochen hatte Dinosaurier bereits über 125 Millionen Dollar eingespielt und zumindest die direkten Produktionskosten gedeckt. Obwohl der Streifen nicht zum Blockbuster avancierte, markiert er für die Walt Disney Company den großen Einstieg in die Computeranimation, nachdem sie bei größeren Produktionen bislang auf die Dienste von Pixar und anderen Firmen zurückgreifen mußte.

Ein Song von Kate Bush, der noch in der ursprünglichen Fassung enthalten war, wurde wieder herausgenommen, nachdem sich das Testpublikum nicht sehr davon angetan zeigte.

Für die deutsche Synchronfassung konnten bekannte Stimmen wie Sophie von Kessel, Dieter Landuris oder Claus Theo Gärtner gewonnen werden.

Das Merchandizing umfaßt die übliche Palette von Spielfiguren bis Bilderbüchern, darunter auch einen Kalender für das Jahr 2001 vom Verlag teNeues.

Übrigens erschien bereits im September 2000 die Video-Kaufkassette Dinosaurier - Im Reich der Giganten (Walking With Dinosaurs • GB 1999). Natürlich handelt es sich dabei nicht um den Disney-Film, sondern die dreiteilige BBC-Dokumentation. Da die Bezeichnung »Dinosaurier« nicht als Titel geschützt ist, hat Disney kaum eine Chance, gegen eine mögliche Verwechslungsgefahr zu klagen.

Bernhard Kempen
Fotos: Buena Vista

Siehe auch:
Was sind Dinosaurier?
Walt Disney (1901-1966) Amerikanischer Zeichentrickfilmer
Walt Disney - Die abendfüllenden Zeichentrickfilme
Leser-Service:
Video: Dinosaurier
DVD: Dinosaurier
Buch zum Film: Dinosaurier
Hörspiel: Dinosaurier
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Credits

deutscher Titel: Dinosaurier
Originaltitel: Dinosaur
Land und Jahr: USA 2000
Technik: Digital / 35 mm • Dolby Stereo
Regie: Ralph Zondag
Eric Leighton
Drehbuch: John Harrison
Robert Nelson Jacobs
Story: Thom Enriquez
John Harrison
Robert Nelson Jacobs
Ralph Zondag
Vorlage: Walon Green (erste Drehbuchfassung)
Kamera: Douglas Smith
Dave Hardenberger
Timothy Housel
(Effekt-Kamera)
Schnitt: H. Lee Peterson
Produktionsdesign: Walter P. Martishius
Effekte: Neil Krepela (Überwachung der visuellen Effekte)
Neil Eskuri (Überwachung der digitalen Effekte)
Terry Moews (Überwachung der visuellen Effekte bei den Realfilmaufnahmen)
Musik: James Newton Howard
Produktion: Disney
Pam Marsden
Baker Bloodworth
(Co-Produktion)
Uraufführung: 13.5.2000
US-Kinostart 19.5.2000
deutscher Kinostart: 16.11.2000 (Buena Vista)
Länge: 82 min.
FSK ab 6 Jahre

  Sprecher:

Originalfassung dt. Synchronfassung
Aladar: D.B. Sweeney Pascal Breuer
Neera: Julianna Margulies Sophie von Kessel
Baylene: Joan Plowright Gerda Gmelin
Yar: Ossie Davis Roland Hemmo
Zini: Max Casella Dieter Landuris
Plio: Alfre Woodard Joseline Gassen
Suri: Hayden Panettiere Kristina Tietz
Kron: Samuel E. Wright Hans Michael Rehberg
Bruton: Peter Siragusa Claus Theo Gärtner
Eema: Della Reese Gisela Fritsch

 

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28.08.10 • 02.09.10