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James Bond 007

Stirb an einem anderen Tag

Die Another Day • GB 2002

Handlung | Kritik | Credits | Darsteller

Lexikon > Film > James Bond 007

Handlung

James Bond wird verraten. Er soll zum Schein ein Waffengeschäft mit dem nordkoreanischen Colonel Moon durchführen, um ihn später hochgehen zu lassen. Dabei kommen ihm seine vorgewarnten Gegner auf die Schliche. Zwar sieht es so aus, als hätte Bond Moon getötet. Er selbst wird jedoch von Moons Vater, einem General, interniert und gefoltert.

14 Monate lang muss er seine unangenehme Lage ertragen. Dann tauschen ihn die Briten zähneknirschend gegen den gefährlichen, nordkoreanischen Killer Zao aus. Zu Hause angekommen, wird 007 nicht gerade warm empfangen. Weitere britische Agenten sind aufgeflogen. Bonds Chefin M glaubt, dass ihr einstmals bestes Pferd im Stall die Kollegen unter der Folter verraten hat. Bond muss vor seinen eigenen Leuten fliehen und allein die Spur des wahren Verräters aufnehmen.

Einer der Diamanten, mit denen die Waffen ursprünglich bezahlt werden sollten, führt Bond zu Gustav Graves. Der vitale Exzentriker ist der neue Star der Londoner Gesellschaft. Er scheffelt mit einer Diamantenmine auf Island Millionen, trainiert für die Fechtmeisterschaften der nächsten Olympischen Spiele und bastelt an dem ominösen Weltraumprojekt »Ikarus«. Dabei soll es sich um einen Spiegel in der Erdumlaufbahn handeln, der in der Nacht zusätzliches Sonnenlicht auf die Erde reflektieren kann.

In einer kubanischen Klinik erfährt Bond von einer Methode, mit der der Gencode eines Menschen verändert werden kann. Auch der Killer Zao will sich so ein westliches Aussehen zulegen. Bond vermutet bald, dass Graves äußere Erscheinung auf so einen Eingriff zurückgeht. Zusammen mit der NSA-Agentin Jinx lässt er die Klinik in die Luft fliegen.

In Graves' Eispalast begegnen sich beide Spione wieder. Außerdem erhält Bond hier Unterstützung von der britischen Agentin Amanda Frost. Schon bald ist klar, wozu Graves den Solarspiegel tatsächlich benutzen will: Er soll das Licht nicht nur reflektieren sondern zu einem Laserstrahl bündeln. Mit ihm will Graves, der niemand anders ist, als der tot geglaubte Colonel Moon, den amerikanischen Minengürtel zwischen Nord- und Südkorea wegbrennen und dem Norden damit den Weg zur Invasion des Südens freimachen. Um zu verhindern, dass die Welt künftig auf Gedeih und Verderb dem größenwahnsinnigen Colonel und seiner Superwaffe ausgeliefert ist, müssen Bond und Jinx ihr Bestes geben ...


Foto: Twentieth Century Fox

Kritik

Dieser Bond ist anders. Man kann es sofort erkennen, wenn der »Teaser« - die Eröffnungs-Sequenz - vorbei ist. Das Vorspiel hat den Super-Agenten am Ende immer als überlegenen Sieger gesehen - diesmal nicht. Während der Vorspann betörende Schönheiten aus Feuer und Eis präsentiert, sieht man gleichzeitig in Einblendungen, wie Bond in Nordkorea gefoltert wird. Für den gewohnten 007-Zuschauer ist das auf revolutionäre Weise beunruhigend. Und das ist richtig so.

Bond fällt im ersten Drittel des Films aus seiner gewohnten Welt heraus, in der er sich mit so viel Selbstsicherheit bewegen konnte. Er kommt dem oft zweifelnden Helden aus Ian Flemings Romanen näher, als je zuvor. Bis der Scheitel gerichtet, der Bart rasiert und die Walther wieder geladen ist, hat der Zuschauer den Köder der Story längst geschluckt. Und dann beginnt das Action-Feuerwerk.

Kaum zu glauben, was der neuseeländische Regisseur Lee Tamahori aus so einer konventionellen Angelegenheit wie einer Fechtszene alles herausholt. So, wie die beiden Kontrahenten Pierce Brosnan und Toby Stephens stakkatoartig aufeinander einschlagen, sind sie um die anstrengenden Dreharbeiten nicht zu beneiden. Genauso rasant geht es zu, wenn Bond und seine Gegner in Island mit Sportcoupés und Düsenschlitten über das Eis jagen. Die technisch aufgemotzten Zutaten sind bekannt. Die rasanten Schnittfolgen und die Dynamik übertreffen jedoch alles, was in der Reihe bisher dagewesen ist.

Die Ideen im Skript zu Stirb an einem anderen Tag sind alle nicht neu. Ein Orbital-Laser, der Sonnenenergie in tödliche Strahlen umwandelt, war so schon in Diamantenfieber zu sehen. Der öffentliche Rummel um die Person von Gustav Graves entspricht dem um Hugo Drax im Roman Moonraker. Dass Bond gefangengenommen und gefoltert wird, kam am Ende der Romanfassung von Man lebt nur zweimal vor. Das Fechtduell zwischen Bond und Graves ähnelt dem allerdings eher gemütlichen Golfduell in Goldfinger. Neu ist die Präsentation.

Hier ist der Super-Laser eben nicht nur ein Gadget, dessen Betätigung einen berührt, wie ein Treffer beim »Schiffeversenken«. Wie der Solarstrahl am 38. Breitengrad eine Feuerwand auflodern lässt, dass wird optisch höchst eindrucksvoll gezeigt. Die von Tamahori geschaffenen Handlungsorte - das Militärcamp, das Genlabor und Graves fliegende Befehlszentrale - sind surreale Inseln, auf denen sich die handelnden Personen mit leichtfüßiger Arroganz jeder Wirklichkeit entziehen. Besonders kunstvoll gelingt dies in dem verblüffenden, avantgardistischen Eispalast. Konstruktionen aus anderen Bondfilmen wirkten im besten Fall imposant, manchmal schlicht übertrieben. Tamahori bombardiert den Zuschauer so unablässig mit kunstvollen Bildern, dass er sich auf die künstliche Realität des Films einlassen muss, um überhaupt am Ball zu bleiben. Sein großer, eleganter Wurf erinnert am ehesten an die kühnen und kühlen Bildwelten aus Roger Vadims Barbarella - nur dass sie besser sind. Komponist David Arnold würzt dies alles mit einem Soundtrack dessen Hauptmotiv einem nicht mehr aus dem Kopf geht.

Pierce Brosnan und Oscar-Preisträgerin Halle Berry absolvieren ihre vielbeachteten Auftritte mit Verve und Charme. Mit Jinx ist erstmals ein Bond-Girl am Start, das den Eindruck macht, die Helden-Nummer notfalls auch völlig allein durchziehen zu können. Auch was die Erotik angeht bringt Tamahori den britischen Edel-Agenten auf den Stand der Dinge. Sogar ein Orgasmus ist zu sehen.

Angesichts des neuen, postmodernen Hintergrunds sind die nostalgischen Verbeugungen vor den früheren Filmen für den Fan um so reizvoller - die historischen Requisiten im Keller der Abteilung Q, der Union Jack auf Graves' Fallschirm (aus Der Spion der mich liebte), Bonds Sauerstoffpatronen (aus Feuerball), der Aston Martin (aus Goldfinger) und natürlich Halle Berrys Strandszene, mit der das Auftauchen von Ursula Andress in James Bond jagt Dr. No zitiert wird. (Dabei kommt es übrigens nicht, wie so oft geschrieben, auf den Bikini, sondern auf den Gürtel und das Messer an.) Wenn Bond sich Jinx vorstellt, gibt er sich als Ornithologe aus - eine Referenz an die literarische Figur. Ian Fleming hatte seinen Helden nach einem real existierenden Vogelkundler getauft, weil ihm dessen Name gefiel. So schließt sich der Kreis. Das Gespräch zwischen M und Amanda Frost schließlich erinnert an das zwischen Rosa Klebb und Tatjana Romanowa in Liebesgrüße aus Moskau.

All diese Mätzchen zum Jubiläum der Filmreihe ändern nichts daran, dass sich Bond weiter von seinen Ursprüngen entfernen wird, um den Phantasiehunger des Publikums weiter auf so hohem Niveau zu stillen, wie es mit dem aktuellen Film geschieht. Es hat sich für die Produzenten endlich ausgezahlt, den Regisseur öfter mal zu wechseln. Gegen das aktuelle Bond-Abenteuer wirkt Vin Diesels XXX wie die rotzige Revolte eines unreifen Teenagers. Und die parodistischen Austin-Powers-Filme müssen sich vorwerfen lassen, dass sie dem Gegenstand ihres Spotts hoffnungslos hinterherhinken. Wer schon gedacht hatte, dass viele Jäger dieser Filmreihe Tod bedeuten könnten, muss sich von dem neuen Streifen eines Besseren belehren lassen. Auch für Bond selbst heißt es: »Stirb an einem anderen Tag«.

Arno BehrendALIEN CONTACT

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Credits

Originaltitel: Die Another Day
Deutscher Titel: Stirb an einem anderen Tag
Land und Jahr: GB 2002
Reihe: James Bond 007
Regie: Lee Tamahori
Buch: Neal Purvis
Robert Wade
Kamera: David Tattersall
Schnitt: Christian Wagner
Musik: David Arnold
Titelsong: Madonna
Ausstattung: Peter Lamont
Kostüme: Lindy Hemming
Produktion: Michael G. Wilson
Barbara Broccoli
Ko-Produktion Callum McDougall
Ausführende Produzenten: Anthony Waye
deutscher Kinostart: 28.11.2002 (Centfox)
Länge: 134 min.
FSK: ab 12 Jahre

 

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Darsteller

James Bond: Pierce Brosnan
Jinx: Halle Berry
Gustav Graves: Toby Stephens
Miranda Frost: Rosamund Pike
Zao: Rick Yune
M: Judi Dench
Q: John Cleese
Falco: Michael Madsen
Colonel Moon: Will Yun Lee
General Moon: Kenneth Tsang
Raoul: Emilio Echevarria
Vlad: Michael Gorevoy
Mr. Kil: Lawrence Makoare
Robinson: Colin Salmon
Moneypenny: Samantha Bond
Snooty Desk Clerk: Ben Wee
Hotel Manager: Ho Yi
Peaceful: Rachel Grant
Creep: Ian Pirie
Dr. Alvarez: Simon Andreu
Van Bierk: Mark Dymond
Air Hostess: Deborah Moore
Concierge: Oliver Skeete
Old Man Cigar Factory: Joaquin Martinez
General Chandler: Michael G. Wilson
General Han: Daryl Kwan
General Li: Vincent Wong
General Dong: Stuart Ong
Cuban Waiter: Manolo Caro
Korean Scorpion Guard: Tymarah
Doctor: Paul Darrow
Medic: Lucas Hare
Nurse: Cristina Contes
Buckingham Palace Reporters: Stewart Scudamore
Bill Nash
James Wallace
Ami Chorlton

 

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