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| ALIEN CONTACT 50
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von Arno Behrend
| Lexikon > Film > James Bond 007 |
| Wie werden Medien-Helden geboren? Es könnte mit einem Gefühl
der Unzulänglichkeit auf Seiten ihrer Väter zu tun haben. Als Jerry Siegel und Joe
Shuster Superman erfanden, waren sie Teenager, die darüber nachdachten, wie sie
Mädchen am Besten beeindrucken könnten. Der britische Journalist, Banker, Geheimagent
und Autor Ian Fleming
hatte ein anderes Problem. Er lief den größten Teil seines Lebens den hohen Standards
hinterher, die sein früh verstorbener Vater und sein ein Jahr älterer Bruder gesetzt
hatten. Es gibt in Großbritannien viele Theorien darüber, wen sich Fleming zum Vorbild für seine Figur James Bond genommen haben könnte. Zunächst ist klar: Der gesamte Lebensstil des Agenten mit der Doppel-Null ist Flemings eigener gewesen: vom Frühstück über die marineblauen Anzüge, die Rolex-Uhr, das häufige Duschen, das schwarz-eloxierte Ronson-Feuerzeug, das exquisite Essen im Blades-Club, Bridge, Golf, Bakkarat, Taittinger und Martini. Auch was die Erotik anging, konnte Fleming, der viele Ehefrauen verführt hatte, aus eigenen Erfahrungen schöpfen. Und wenn der Autor bei der Wahl seiner Zigaretten von der Morlands-Balkan-Mischung auf die leichtere Duke of Durham umstieg, tat Bond alsbald das Gleiche. Klar ist auch: Fleming hat selbst während des Krieges und vielleicht auch danach für den britischen Geheimdienst gearbeitet. Er hat selbst versucht, einem feindlichen Agenten bei einer Bakkarat-Partie so viel Geld abzunehmen, dass dieser in Schwierigkeiten geraten musste, so wie Bond es im ersten Roman Casino Royale gelingt. Freilich hat Fleming in der Realität das Casino ohne einen Sous in der Tasche verlassen müssen. Reicht all das aus, um den Autor selbst als »Der Mann der James Bond war« zu bezeichnen? Von den britischen Bond-Historikern werden noch viele andere Namen genannt, Kollegen Ian Flemings aus seiner Zeit im Marine-Geheimdienst und sogar ein Spion, der schon 1925 verschwunden war, lange bevor Fleming in das Geschäft einstieg. Eine Theorie allerdings, über welche die SUNDAY TIMES in ihrer Ausgabe vom 22. März 1998 berichtete, kann für sich mit Leichtigkeit in Anspruch nehmen, die naheliegendste zu sein. Während des Zweiten Weltkriegs war Ian Flemings Bruder Peter Offizier in der Special Operations Executive (SOE), einer militärischen Elite-Einheit, die für Sabotage-Aktionen hinter den feindlichen Linien eingesetzt wurde. 1940 kümmerte er sich um den Aufbau der Auxiliary Units, einer geheimen Guerilla-Truppe, die England im Fall einer Besetzung durch die Wehrmacht weiter verteidigen sollte. Später war er nach Angaben der Familie an Operationen in Norwegen und »irgendwelchen Dschungeln« beteiligt. Ian Fleming soll es peinlich gewesen sein, dass er den Krieg in der Londoner Marine-Zentrale hinter dem Schreibtisch verbrachte, während Peter direkt gegen die Nazis kämpfte.
Das alles würde zu einem geraunten »vielleicht« langen, wenn da nicht noch mehr wäre: Offenbar ist Peter Fleming indirekt für die Namen aller ständigen Nebenfiguren verantwortlich, was ihn als Kandidaten immer glaubwürdiger werden lässt. Sein Vorgesetzter bei der SOE war Major Colin Gubbins, der spätere Kommandeur der Einheit. Als Vorbild für Bonds Chef stand Ian Fleming mit Sicherheit der Leiter des Marinegeheimdienstes, Admiral John Godfrey, vor Augen. Das Kürzel »M« allerdings ist von Gubbins als Codename verwendet worden. Die SOE verfügte außerdem über eine technische Abteilung »Q«. Ihr Leiter, Lieutenant-Colonel J. Elder Willis, war darauf spezialisiert, Bomben in unverdächtige Gegenstände, wie z. B. eine Fahrradpumpe oder einen Holzklotz einzubauen. Tatsächlich sollen ehemalige SOE-Offiziere darüber verärgert gewesen sein, dass Ian Fleming die beiden Codenamen in seinen Bond-Romanen verwendete. Die Existenz der SOE ist von der britischen Regierung erst 1966, zwanzig Jahre nach ihrer Auflösung, zugegeben worden. Der Name von M's Sekretärin, der legendären Miss Moneypenny, stammt schließlich auch von Peter Fleming. Er hatte ihn in einem unvollendeten Roman benutzt. Es kann schon sein, dass Ian Fleming noch von anderen heroischen Agenten beeinflusst war, deren Operationen er mitverfolgen konnte. Peter allerdings, der nicht nur das Familienoberhaupt sondern auch der erfolgreichere Schüler, der erfolgreichere Soldat und Agent und für die längste Zeit der erfolgreichere Journalist und Autor war, musste einfach die Person sein, der Ian in seiner Phantasie nacheifern wollte, die ständig Druck auf ihn ausübte und ihm ein Gefühl der Unzulänglichkeit gab. Für jene, die sich für die Genesis des Agenten 007 interessieren, wäre es wohl sehr aufschlussreich, sich näher mit Peter Flemings Biografie zu befassen. Immer klarer wird: Bond ist kein Spion, der aus der Kälte des Kalten Krieges kam, sondern eine Spätfolge des Zweiten Weltkriegs. In der Epoche, in der er sich literarisch getummelt hat, ist er eigentlich fehl am Platz. Ian Fleming verarbeitete in den Geschichten sowohl die handgreiflichen Abenteuer seines Bruders als auch die Ideen und Pläne, die er während des Krieges entworfen hatte. Seine Rolle beim Marine-Geheimdienst bestand darin, sich Möglichkeiten auszudenken, wie man die Deutschen stören, verwirren und verärgern konnte. Manche seiner Projekte waren völlig absurd. Und das ist ja normalerweise die hervorstechende Eigenschaft aller Vorhaben, welche die sinistren Gegner Bonds verfolgen, die Dr. Nos, Goldfingers und Blofelds seiner Welt. Auffallend ist an Ihrer Schilderung das immer wieder aufblitzende Ressentiment gegen den ehemaligen Feind. Sehr viele Bond-Bösewichter haben deutsches Blut in den Adern. Fleming hatte für Bond eine schweizerische Mutter erfunden, so dass er leicht zu französischen und deutschen Sprachkenntnissen kommen konnte. Möglicherweise hatte Fleming ursprünglich vor, seinen Agenten gegen Nazis kämpfen zu lassen, ehe sich die Weltlage änderte.
Sehr oft verwendeten Bonds Gegner Taktiken, die nur unter den extremen Umständen eines Krieges Sinn machen würden. Das gilt insbesondere für den geplanten Atomschlag gegen London, den Hugo Drax im Roman Moonraker mit Unterstützung der Sowjets versucht. Das U-Boot, das Drax abholt, zeigt sogar die sowjetische Kriegsflagge. Wenige Stunden nach der Auslöschung Londons hätte sich die Sowjetunion mit der gesamten NATO im Kriegszustand befunden. Im Zeitalter atomarer Bewaffnung kann man ein solches Vorgehen nicht gerade klug nennen. Ebenso provokant und wenig subtil ist Goldfingers ebenfalls von den Sowjets unterstützter Angriff auf Fort Knox. Ein noch schöneres Beispiel aber ist die Kurzgeschichte »Im Angesicht des Todes« (»From A View to a Kill« 1960). Die sowjetische Taktik, gegnerische Meldefahrer zu überfallen, um ihre Depeschen zu rauben, taugt nicht für die Anwendung in Friedenszeiten. Durch die Anwendung von Gewalt liefern sich die sowjetischen Agenten offen dem unvermeidlich einsetzenden Gegendruck durch den MI 6 aus. Sie müssen unbedingt geschnappt werden, bevor sie noch einen weiteren Meldefahrer ermorden. Auch in der Realität ist es dem KGB gelungen, geheime NATO-Depeschen auszuspionieren. Es hat dazu aber auf weniger rabiate Methoden zurück gegriffen. Die Sowjets bedienten sich des US-Sergeanten Robert Lee Johnson, der sich ihnen wegen Ärgers in einer seiner Arbeitsstellen angeboten hatte. Johnson wurde Anfang der Sechziger Jahre zur Bewachung der amerikanischen Kurierzentrale in Paris abgestellt. Er stahl die für Moskau extrem wertvollen Depeschen mit Hilfe eines aus mehreren Bauteilen zusammengesetzten Röntgengerätes. Damit durchleuchtete er die Tresorschlösser. Er konnte sich ausserdem einen Abdruck des Tresorschlüssels verschaffen. Nach der Analyse der Röntgenbilder ermittelten KGB-Techniker die Zahlenkombination des Tresors. Danach konnte Johnson vom Januar 1962 bis zum April 1963 siebenmal in den Tresor einbrechen und die Depeschen entwenden. Dann wurde er versetzt und ein Jahr später von seiner Frau an das FBI verraten. Die Geschichte zeigt, wie vorsichtig das KGB in Friedenszeiten tatsächlich zu Werke gegangen ist, anstatt zur offenen, rohen Gewalt Zuflucht zu nehmen. Mit subtilen Methoden kannte sich Fleming aber nicht aus. Sie wurden erst von seinen jüngeren Nachfolgern (z. B. John le Carré, Frederick Forsyth) beschrieben. Das obige Beispiel zeigt aber auch, dass es den tatsächlichen Spionen des Kalten Krieges an Heroismus mangelt. Einen unzufriedenen Unteroffizier zum Dokumenten-Klau zu animieren, ist viel schäbiger und langweiliger als ein schmissiges Kommando-Unternehmen gegen einen kriegerischen Feind. Fleming hatte mit seinen Büchern Erfolg, weil sie anachronistisch waren, weil sie den kriegerischen Helden aus dem Western, der Kriegsgeschichte oder dem Seeräubergarn in eine viel gefahrlosere, langweiligere, nur latent gefährliche Gegenwart hinüberretteten. Der Thriller-Autor und Fleming-Bewunderer Kingsley Amis hat zum Thema Agententhriller bemerkt, dass ein Geheimagent die ideale Figur für Tagträume darstellt. Ein Cowboy, Astronaut oder Pirat lebt in einer anderen Welt. Sich vorzustellen, dass man unter der Fassade eines normalen Büro-Angestellten in Wirklichkeit ein gefährlicher Geheimagent ist, sei viel einfacher. Neben seinem Heldentum ist Bond darüber hinaus durch nichts so sehr gekennzeichnet wie durch seinen Erfolg bei den Frauen. Fleming selbst hat einmal gesagt, er schreibe seine Geschichten für »warmblütige Heterosexuelle in Eisenbahnzügen, Flugzeugen oder Betten.« Kingsley Amis hat die Frauencharaktere analysiert und kommt zu dem Ergebnis: Die Frauen in Flemings Romanen sind kein Beiwerk sondern integrierter Bestandteil der Handlung. Sie versuchen, sich selbst aus der Gefahr zu befreien und bringen Bond einige Male in Sicherheit. Im Allgemeinen bleibt Bond pro Geschichte einer Frau treu. Er hat sich mindestens fünf mal ernsthaft verliebt. Er schlägt niemals eine Frau oder behandelt sie auf andere Weise bewusst schlecht. Wenn eine Bond-Heldin schon gebunden ist, dann auf unerfreuliche Weise - an einen brutalen Ehemann, einen kriminellen Geliebten oder ein unbarmherziges politisches System. Die Befriedigung des männlichen Lesers liegt darin, dass Bond durch Sanftheit und Wärme ein attraktives Mädchen erobern und aus der für sie unerfreulichen Situation befreien kann. Wo Frauen in den Filmen später als bloßer Schauwert vorkommen, sind sie eine werbeträchtige Entwicklung der Drehbuchautoren. Auch die gefährliche und aufreizende Bond-Gegnerin, die vom Helden sogar getötet werden darf, gibt es in den Fleming-Romanen nicht. Sie ist eine Entwicklung der Filme, die auf das Auftreten von Fiona Volpe in Feuerball zurück geht. Das Schlimmste, was Ian Fleming den Frauen angetan hat, ist die Verwendung von albernen oder unglaubwürdigen Namen wie Vesper, Solitaire, Gala, Honeychile, Pussy, Domino, Kissy oder Mary Goodnight. Die Macher der späten Filme haben diesen Trend kongenial mit Namen wie May Day oder Christmas Jones fortgesetzt.
Natürlich ist Bond mit dem neuen Film Stirb an einem anderen Tag nicht 40 Jahre alt geworden. Das Manuskript von Casino Royale stammt aus dem Jahr 1952. Die größte Diva unter den Super-Agenten hat sich also zehn Jahre jünger geschwindelt. Aber selbst wenn man nur die Filme zählt, stimmt das mit dem Jubiläum nicht. Bereits nach dem Erscheinen des ersten Buches machte Fleming sich daran, eine Verfilmung seiner Werke zu betreiben. Der erste Bond-Darsteller hieß nicht Sean Connery sondern Barry Nelson. Er kämpfte 1954 für eine Dreiviertelstunde in der CBS-Fernseh-Anthologie The Mystery Climax Theatre gegen Peter Lorre in der Rolle des feindlichen Agenten Le Chiffre. Erstes Bond-Girl war Linda Christian als »Valerie Mathis«. Wer dieses ärmliche Fernsehstück mit den heutigen aufwändigen Filmen vergleicht, muss sich peinlich berührt vorkommen. Weil Fleming für diese TV-Episode die Rechte an Casino Royale verkauft hat, konnte der erste Bond-Roman später in der »offiziellen« Filmreihe nicht umgesetzt werden. Stattdessen entstand 1966 eine unsägliche Filmparodie mit dem Fleming-Freund David Niven in der Hauptrolle. Für spätere Fernseh- und Filmprojekte, die allesamt nicht verwirklicht wurden, entwickelte Ian Fleming die Grundideen für Dr. No und die acht James Bond-Kurzgeschichten. Zusammen mit dem Regisseur Kevin McClory und dem Drehbuchautor Jack Wittingham arbeitete Fleming ab 1958 an dem Skript für Feuerball. Weil er den Entwurf ungefragt für seinen achten Roman nutzte, kam es zu einem Rechtsstreit, der dieses Projekt blockierte. McClory einigte sich später mit den Produzenten der neuen Film-Reihe. 1983 verwirklichte er zusammen mit dem schon zurückgetretenen Bond-Darsteller Sean Connery das Feuerball-Remake Sag niemals nie. Mit Albert R. Broccoli und Harry Saltzman fand Fleming schließlich zwei Produzenten, die die Anziehungskraft des Stoffes wittern konnten. Sean Connery überzeugte beide Produzenten und auch Broccolis Ehefrau, die ihn »attraktiv« fand, ganz anders als Fleming, der in ihm anfangs einen »schlurfenden Lastwagenfahrer« sah. Doch selbst der Autor war von James Bond jagt Dr. No letztendlich begeistert. Bond versprach, eine respektable Filmreihe zu werden, so wie es schon andere gegeben hatte. Saltzman und Broccoli verfilmten die zur Verfügung stehenden Romane wie es ihnen gerade passte, ohne auf die Reihenfolge der Bücher zu achten. 1964 war Goldfinger dran und sorgte für eine tiefgreifende Neu-Orientierung. Guy Hamilton übernahm die Regie von Terence Young. Die noch relativ realistischen Intrigen aus dem vorher abgedrehten Liebesgrüße aus Moskau hatten nach Goldfinger keine Chance mehr. Die telegene Technik im Aston Martin DB5, Gert Fröbe in der Rolle des größenwahnsinnigen Millionärs, der skurrile koreanische Killer »Odd Job«, die völlig übertriebene Größenordnung des Verbrechens - das alles wurde zur Blaupause für alle weiteren Bond-Filme. Nach Goldfinger gab es kein Zurück mehr zum ernsthaften Kern der Bücher, der Grimmigkeit der transformierten Kriegs-Erinnerungen. Die Technik wurde immer wichtiger, bis sie mit dem eindeutigen Science-Fiction-Film Moonraker anfing, die Grundidee vom furchtlosen britischen Agenten zu erdrücken. Mehrere Drehbücher versuchten eine Abkehr von diesem Trend: melancholisch mit dem werkgetreuen Im Geheimdienst Ihrer Majestät, originell mit In tödlicher Mission, romantisch mit Der Hauch des Todes. Natürlich richtete sich der Charakter der Figur auch nach dem jeweiligen Schauspieler: War Sean Connery noch der rauhbeinige Macho und George Lazenby ein talentloser Lückenbüßer, interpretierte Roger Moore die Rolle mit mehr ironischem Humor. Timothy Dalton schließlich versuchte tatsächlich, die sanften Seiten der Romanfigur einzubringen.
Schon für James Bond jagt Dr. No hatten die Drehbuchautoren die gelegentliche Nachdenklichkeit des Romanhelden über Bord geworfen, um ihn als leichte, humorvolle Figur darzustellen, einen schwungvollen Helden, der im richtigen Augenblick das richtige Bon(d)-Mot vom Stapel lässt. So verlor Bond nach und nach alle realistischen menschlichen Eigenschaften, in den Filmen, den Comics und in den neuen Romanen von John Gardner und Raymond Benson. Wir bewundern ihn ja sowieso, weil er keine Angst hat. Er kennt kein menschliches Zögern; keine Gefühle, die über das Oberflächliche hinausgehen, damit er sich immer wieder neu verlieben kann. Er hat keine Familie, die Komplexitäten verursachen könnte. Seine Liebe zum Vaterland ist eine Selbstverständlichkeit, die nicht weiter reflektiert wird. Vor allem aber hat die unverhoffte Langlebigkeit der Filmserie den ewigen Mitt-Dreißiger alterslos und unsterblich gemacht und damit eindeutig nicht-menschlich. Mit dem indischen Kriegsgott Krishna dürfte er heute mehr gemein haben als mit den Fleming-Brüdern. Ohne das sein Schöpfer auch nur im Entferntesten daran denken konnte, ist Bond die Folie geworden, auf der wir bis heute unsere Wunschvorstellungen projezieren. Eine ungewöhnlich gut gelungene Mischung aus Spannung, Gewalt, Sex, Luxus, Eleganz, gefährlichen Waffen und schnellen Autos hat eine Gestalt hervorgebracht, die man heute als mythisch bezeichnen muss. Und mit echten Menschen haben mythische Figuren nun einmal nichts zu tun. Viele schreiben, dass Pierce Brosnan die Figur in die Neunziger Jahre hinübergerettet hat, ohne sich im Klaren zu sein, wie er das eigentlich gemacht hat. Die Brosnan-Bonds haben den Gegensatz zwischen den letzten menschlichen Facetten und der Bildmacht der Technik Schritt für Schritt aufgelöst. Das hat mit dem Darsteller zu tun, der mehr als alle anderen vor ihm Eleganz und Härte miteinander verbinden kann. Eine beinharte Zweikampf-Szene, die wir Roger Moore nicht abgekauft hätten, steht problemlos neben einer Raketenwerferschlacht im ewigen Eis. Die vielen kleinen Konflikte, die jetzt an die Stelle des Kalten Krieges getreten sind, bieten Bond ein vielseitiges Schlachtfeld in dem die Figur ihre kriegerischen Tugenden ausleben kann. Es scheint, als ob der versprengte Soldat aus dem Zweiten Weltkrieg in seiner Heimat angekommen ist. So gesehen ist nicht abzusehen, wann Bond jemals aufhören sollte, unsere Vorstellungskraft zu beschäftigen. Auf die Fleming-Stoffe musste die Produktionsfirma Eon schon nach 1989 verzichten. Seitdem werden immer wieder völlig neue Abenteuer geschrieben. Bond ist zur berühmtesten Heldengestalt in der populären Kultur der westlichen Welt geworden. Diese Welt müsste schon in eine existentielle Krise geraten, ehe Bond von der Leinwand verschwindet. Und um genau das zu verhindern, ist er ja schließlich da. |
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