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Krieg der Welten

War of the Worlds • USA 2005

Handlung | Kritik | Credits | Darsteller

Science Fiction > Alien Contact | Film

Handlung

Der Dockarbeiter Ray Ferrier (Tom Cruise) weiß noch nicht, dass er seit seiner Geburt beobachtet wird – er und alle anderen Menschen auf der Erde. Außerdem hat er zu Beginn des Films unmittelbarere Probleme: Seine beiden Kinder aus geschiedener Ehe verbringen die Woche bei ihm, und er ist alles andere als der ideale Vater. Ein heraufziehender Gewittersturm reißt ihn und den Rest der Menschheit jedoch schnell aus der ihnen vertrauten Welt. Blitze schlagen in den Boden ein, und aus den Tiefen der Erde erheben sich gewaltige, dreibeinige Kampfmaschinen, die ihr gnadenloses Zerstörungswerk beginnen. Mit Sohn Robbie (Justin Chatwin) und Tochter Rachel (Dakota Fanning) flieht Ray durch das verwüstete, in Panik versinkende Amerika. Schnell wird deutlich, dass die außerirdischen Angreifer nicht weniger im Sinn haben als die Ausrottung der Menschheit ...


Foto: UIP

Kritik

Mit Krieg der Welten ist Spielberg endlich wieder auf dem Höhepunkt – die freie Adaption des Romans von H. G. Wells gehört sicher zum besten, was der Starregisseur bislang geboten hat. Spielberg erzählt den Film konsequent in der ersten Person, also aus der Perspektive Ray Ferriers (einzige Ausnahme bildet hier die Erzählerstimme, die zu Beginn und am Ende des Films Passagen aus Wells’ Roman zum Besten gibt). Statt die Kämpfe gegen die Invasoren aus erhabener Vogelperspektive zu beobachten, werden wir gemeinsam mit den panischen Massen ins Schlachtgeschehen geworfen. Und von einem Schlachtgeschehen kann tatsächlich die Rede sein, denn obwohl der Film es offenbar auf eine PG-Altersfreigabe anlegt (was für deutsche Kinos etwa ab 12 heißt), sind die Aliens alles andere als zimperlich. Die von ihren Strahlen verdampften Menschen wirbeln als Aschefetzen durch die Luft und bedecken Ray Ferrier mit einer dicken weißen Schicht, und später im Film wird das menschliche Blut recht anschaulich als Dünger für die roten Flechten missbraucht, mit denen die Aliens die Erde überziehen. Der Film lässt keinen Zweifel daran, was die mitleidlosen Invasoren beabsichtigen. Trotzdem erhalten wir keine Erklärung – wir wissen nicht, wo die Wesen herkommen und was sie antreibt, sie erhalten keinen Namen, und im ganzen Film taucht nicht ein einziges Mal ein Wissenschaftler auf, um uns ihr Verhalten oder ihre Anatomie zu erklären, wie wir es aus anderen Varianten des Stoffes gewohnt sind. Als Zuschauer wissen wir nicht mehr als der hilflos fliehende Ray.

Überhaupt ist »Flucht« hier die Antwort auf die Frage, wie man in einer Situation absoluter Macht- und Hoffnungslosigkeit seine Menschlichkeit bewahren kann. Ray ist kein Actionheld. Interessanterweise spielt der Film zwei klassische Ideale des Hollywoodkinos gegeneinander aus: Familiensinn und Patriotismus. Ray wird von seinem unbedingten Willen, sich und seine Kinder in Sicherheit zu bringen, angetrieben. Mit dem leicht irren Redneck Ogilvy und seinem eigenen halb rebellischen, halb Bestätigung suchenden Sohn Robbie werden ihm antithetische Figuren gegenübergestellt. Diese »Patrioten« fliehen nach vorne und erscheinen in ihrem Kampfeswillen letztlich vor allem todessehnsüchtig. Ray dagegen will lieber leben als ein Held sein – und das Gleiche wünscht er sich für seine Kinder. Spielberg bearbeitet die emotionale Klaviatur meisterhaft. An Stellen, wo der Film ins Kitschige abzudriften droht, steuert er mit teilweise unerträglichem Suspense gegen. Der Spannungshöhepunkt des Films dürfte wohl die nahezu spezialeffektfreie Szene sein, in der Ray Rachel aus einem von einer panischen Menschenmasse umlagerten Auto holt.

Visuell weckt der Film vor allem die Angst vor dem Verschwinden in der Masse, vor ihrer trampelnden, kopflosen Macht. Als Zuschauer sucht man in den panischen Menschenmassen oft verzweifelt nach den Hauptfiguren und findet sie erst nach Sekunden in einem Bildausschnitt wieder, in dem sie nicht mehr sind als drei von fünfzig oder hundert Gesichtern. Auf Anhieb fallen einem kaum Filme ein, die eine so ausgesprochen individualistische Botschaft so deutlich mit einer Hauptfigur verbinden, die nicht mehr ist als eine von Millionen, ein zufällig Überlebender. Die Ent-Individualisierung wird in der industriellen Tötungspraxis der Aliens auf die Spitze getrieben, in der Menschen nicht mehr sind als gleichförmiges Maschinenfutter.

Nicht einmal, als Ray gegen Ende für einen kurzen Augenblick Held sein darf und den Sieg über einen Dreibeiner in die Wege leitet, kommt echtes Action-Hochgefühl auf. Zu zufällig ist dieser Sieg und zu unbedeutend angesichts der ungeheuren Ausmaße der Invasion. Wenn die Außerirdischen dann schließlich durch einen »Deus ex natura« gestoppt werden, gönnt der Film einem zum ersten und letzten Mal eine Verschnaufpause, und jetzt wird es tatsächlich ein wenig kitschig – was hätten wir auch anderes erwartet?

Schließlich lässt sich von Krieg der Welten tatsächlich einmal sagen, dass die großartigen Spezialeffekte der Geschichte an jeder Stelle zu Diensten sind. Kein Feuerwerk wird hier um seiner selbst willen abgebrannt, alles ist Teil jenes zunehmend surrealen, aber schlüssigen Alptraums, in dem Ray sich wiederfindet. Und auch die schauspielerischen Leistungen sind adäquat, einzig Justin Chatwin müht sich streckenweise mit seiner undankbaren Rolle als nörgelnder Teenager.

Insgesamt muss Spielbergs Film so kein Stück hinter Byron Haskins beeindruckender Version von 1953 zurückstehen – abgesehen von einigen Bildern, die der Film aufnimmt, bestehen ohnehin nur geringe Ähnlichkeiten, sodass ein Vergleich kaum sinnvoll erscheint. Lange gab es keinen SF-Film mehr, von dem man sich so gerne und bereitwillig mitreißen lässt.

• Jakob Schmidt • ALIEN CONTACT


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Credits

Originaltitel: War of the Worlds
deutscher Titel: Krieg der Welten
Land und Jahr: USA 2005
Regie: Steven Spielberg
Buch: David Koepp
Vorlage: H. G. Wells,
Der Krieg der Welten
(The War of the Worlds • 1898)
Kamera: Janusz Kaminski
Schnitt: Michael Kahn
Musik: John Williams
Produktionsdesign: Rick Carter
Kostüme: Joanna Johnston
Effekte: Dennis Muren
Produktion: Kathleen Kennedy, Colin Wilson
Ausführender Produzent: Paula Wagner
deutscher Kinostart: 29.6.2005 (UIP)
Länge: 116 min.
FSK ab 12 Jahre

 

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Darsteller

Ray Ferrier: Tom Cruise
Robbie Ferrier: Justin Chatwin
Rachel Ferrier: Dakota Fanning
Ogilvy: Tim Robbins
Mary Ann Ferrier: Miranda Otto

 

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