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Invasion des Wahnsinns

Mit Schirm, Charme und Melone

The Avengers • USA 1998

Credits | Darsteller

Science Fiction > Invasion des Wahnsinns | Film

»Mrs. Peel, wir werden gebraucht«

Eine Wissenschaftlerin arbeitet an einer Erfindung, mit deren Hilfe das Wetter beeinflußt werden kann, selbstverständlich zum Wohl der Menschheit. Natürlich gibt es einen Schurken, der diese Erfindung für seine finsteren Pläne zweckentfremdet und mit einer Schlechtwetterfront, die selbst die Kummer gewöhnten Engländer kaltstellt, die gesamte Erde unter einer Eisschicht begräbt und damit alle Regierungen erpreßt, ihm ein königliches Lösegeld zu zahlen. Natürlich gewinnen die »Guten« nach einem stürmischen Zweikampf, so daß zum Schluß die Sonne wieder scheint.

Wenn sich Hollywood mangels neuer Ideen wieder einmal darauf verlegt, erfolgreiche Filme oder frühere Serien als abendfüllende Tinseltown-Version nachzudrehen, kann es durchaus funktionieren, doch manchmal geht es gewaltig daneben. Bei Dick Tracy konnte man wenigstens im Kino einschlafen, doch im Fall von The Avengers, der Neufassung der der berühmten Serie Mit Schirm, Charme und Melone (The Avengers • GB 1961-69) mit Emma Peel und John Steed, wird diese Möglichkeit effektiv durch die dröhnende Geräuschkulisse des Films vereitelt.

Eine Story ist nur in Ansätzen vorhanden, ansonsten stellt der Film eine Ansammlung von kruden Special Effects dar, die durch einige Gags und Anspielungen aufgelockert werden, um die Fans der TV-Serie glücklich zu machen. Einzelheiten des Plots erschöpfen sich darin, einen künstlichen Bienenschwarm hinter Mrs. Peel und Mr. Steed herzuschicken, damit die Pyrotechniker wenigstens etwas zu tun bekommen. Die größte Bedrohung, die über der völlig menschenleeren (!) London-Kulisse schwebt, sind naßkalte Wolken und Schneestürme, die sofort als künstlich und aus Styropor zu identifizieren sind.

Die Kultfigur Emma Peel, die hier nicht mehr Geheimagentin, sondern Wissenschaftlerin ist, wird von Uma Thurman gespielt, die zudem in einer zweiten Rolle als geklonte Böse auftritt. Ihre Erfahrungen aus Pulp Fiction und Batman & Robin, wo sie als Poison Ivy zur Unkenntlichkeit geschminkt wurde, halfen ihr nicht, in Lackstiefeln eine gute Figur zu machen. Sie kann dem Sexappeal von Diana Rigg einfach nicht das Wasser reichen.

Ralph Fiennes bemüht sich, John Steed verkörpern, scheitert jedoch kläglich. Vielleicht hatte sein Englischer Patient die Produzenten überzeugt, er könne den perfekten Gentleman darstellen, doch er agiert nicht elegant, sondern steif und unbeholfen. Sein Rollenvorbild Patrick Macnee wiederum spielt im Film eine kleine Rolle, ist jedoch unsichtbar und erhält kaum die Chance, sein Können zu zeigen. Ein direkter Vergleich zwischen den beiden Darstellern wäre wohl zu peinlich.

Der einzige namhafte Schauspieler ist Sean Connery, der hier deutlich unterfordert ist. Seine Perücke sitzt schlecht, sein Mord an einigen Wetter-Wissenschaftlern, die als Teddybären verkleidet sind, ist einfach nur lächerlich. Nur bedingt komisch sind »Mother«, der männliche Chef des Geheimdienstes, und »Father«, seine weibliche zweite Hand, in Wirklichkeit ein Transvestit und der Gehilfe des Bösen, der obendrein dumm, böse und technisch unbegabt ist. Selten so gelacht ...

The Avengers ist eine Enttäuschung auf der ganzen Linie. Allen Fans der Serie sei dringend angeraten, sich lieber eine der alten Folgen zum x-ten Male anzusehen.

Anita Winkler

PS: Angesichts des Schlachtfestes, das die Kritiker zweifellos anrichten würden, wollte der Verleih (Warner Bros.) den Film ursprünglich gar nicht der Presse zeigen, bis im letzten Moment doch noch Vorführungen für die kritische Zunft anberaumt wurden. Außerdem war er für den deutschen Markt zuerst unter dem Originaltitel The Avengers angkündigt worden, bis irgendwer den anglophilen Kinofilmtitelgestaltern gesteckt haben muß, daß der Titel Mit Schirm, Charme und Melone hierzulande einen wesentlich höheren Wiedererkennungswert besitzen dürfte - abgesehen von den glühenden Fans der Fernsehserie, von denen man ohnehin keine Gnade erhoffen konnte.


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Credits

Originaltitel: The Avengers
deutscher Titel: Mit Schirm, Charme und Melone
Land und Jahr: USA 1998
Regie: Jeremiah Chechik
Drehbuch: Don MacPherson
Vorlage: Mit Schirm, Charme und Melone (The Avengers • GB 1961-69)
Kamera: Roger Pratt
Schnitt: Mick Audsley
Musik: Joel McNeely
Produktion: Warner Bros.
Jerry Weintraub
deutscher Kinostart: 27.8.1998 (Warner)
Länge: 136 Minuten
FSK ab 12 Jahre

 

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Darsteller

John Steed: Ralph Fiennes
Dr. Emma Peel: Uma Thurman
Sir August de Wynter: Sean Connery
Invisible Jones: Patrick Macnee
Father: Jim Broadbent
Mother: Fiona Shaw
Bailey: Eddie Izzard
Alice: Eileen Atkins

 

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25.05.06 • 02.09.10