| MEDIEN-SHOP |
![]() |
| Science Fiction > Invasion des Wahnsinns | Film |
»Mrs. Peel, wir werden gebraucht«
| Eine
Wissenschaftlerin arbeitet an einer Erfindung, mit deren Hilfe das Wetter beeinflußt
werden kann, selbstverständlich zum Wohl der Menschheit. Natürlich gibt es einen
Schurken, der diese Erfindung für seine finsteren Pläne zweckentfremdet und mit einer
Schlechtwetterfront, die selbst die Kummer gewöhnten Engländer kaltstellt, die gesamte
Erde unter einer Eisschicht begräbt und damit alle Regierungen erpreßt, ihm ein
königliches Lösegeld zu zahlen. Natürlich gewinnen die »Guten« nach einem
stürmischen Zweikampf, so daß zum Schluß die Sonne wieder scheint. Wenn sich Hollywood mangels neuer Ideen wieder einmal darauf verlegt, erfolgreiche Filme oder frühere Serien als abendfüllende Tinseltown-Version nachzudrehen, kann es durchaus funktionieren, doch manchmal geht es gewaltig daneben. Bei Dick Tracy konnte man wenigstens im Kino einschlafen, doch im Fall von The Avengers, der Neufassung der der berühmten Serie Mit Schirm, Charme und Melone (The Avengers GB 1961-69) mit Emma Peel und John Steed, wird diese Möglichkeit effektiv durch die dröhnende Geräuschkulisse des Films vereitelt. Eine Story ist nur in Ansätzen vorhanden, ansonsten stellt der Film eine Ansammlung von kruden Special Effects dar, die durch einige Gags und Anspielungen aufgelockert werden, um die Fans der TV-Serie glücklich zu machen. Einzelheiten des Plots erschöpfen sich darin, einen künstlichen Bienenschwarm hinter Mrs. Peel und Mr. Steed herzuschicken, damit die Pyrotechniker wenigstens etwas zu tun bekommen. Die größte Bedrohung, die über der völlig menschenleeren (!) London-Kulisse schwebt, sind naßkalte Wolken und Schneestürme, die sofort als künstlich und aus Styropor zu identifizieren sind. Die Kultfigur Emma Peel, die hier nicht mehr Geheimagentin, sondern Wissenschaftlerin ist, wird von Uma Thurman gespielt, die zudem in einer zweiten Rolle als geklonte Böse auftritt. Ihre Erfahrungen aus Pulp Fiction und Batman & Robin, wo sie als Poison Ivy zur Unkenntlichkeit geschminkt wurde, halfen ihr nicht, in Lackstiefeln eine gute Figur zu machen. Sie kann dem Sexappeal von Diana Rigg einfach nicht das Wasser reichen. Ralph Fiennes bemüht sich, John Steed verkörpern, scheitert jedoch kläglich. Vielleicht hatte sein Englischer Patient die Produzenten überzeugt, er könne den perfekten Gentleman darstellen, doch er agiert nicht elegant, sondern steif und unbeholfen. Sein Rollenvorbild Patrick Macnee wiederum spielt im Film eine kleine Rolle, ist jedoch unsichtbar und erhält kaum die Chance, sein Können zu zeigen. Ein direkter Vergleich zwischen den beiden Darstellern wäre wohl zu peinlich. Der einzige namhafte Schauspieler ist Sean Connery, der hier deutlich unterfordert ist. Seine Perücke sitzt schlecht, sein Mord an einigen Wetter-Wissenschaftlern, die als Teddybären verkleidet sind, ist einfach nur lächerlich. Nur bedingt komisch sind »Mother«, der männliche Chef des Geheimdienstes, und »Father«, seine weibliche zweite Hand, in Wirklichkeit ein Transvestit und der Gehilfe des Bösen, der obendrein dumm, böse und technisch unbegabt ist. Selten so gelacht ... The Avengers ist eine Enttäuschung auf der ganzen Linie. Allen Fans der Serie sei dringend angeraten, sich lieber eine der alten Folgen zum x-ten Male anzusehen. Anita Winkler PS: Angesichts des Schlachtfestes, das die Kritiker zweifellos anrichten würden, wollte der Verleih (Warner Bros.) den Film ursprünglich gar nicht der Presse zeigen, bis im letzten Moment doch noch Vorführungen für die kritische Zunft anberaumt wurden. Außerdem war er für den deutschen Markt zuerst unter dem Originaltitel The Avengers angkündigt worden, bis irgendwer den anglophilen Kinofilmtitelgestaltern gesteckt haben muß, daß der Titel Mit Schirm, Charme und Melone hierzulande einen wesentlich höheren Wiedererkennungswert besitzen dürfte - abgesehen von den glühenden Fans der Fernsehserie, von denen man ohnehin keine Gnade erhoffen konnte. |
![]() |
|
Anzeige |
![]() |
Das Buch zur Web-Site: Rolf Giesen und Bernhard Kempen: Invasion des Wahnsinns Die schlechtesten Science-Fiction-Filme Auch als eBook lieferbar. |
![]() |
| Originaltitel: | The Avengers |
| deutscher Titel: | Mit Schirm, Charme und Melone |
| Land und Jahr: | USA 1998 |
| Regie: | Jeremiah Chechik |
| Drehbuch: | Don MacPherson |
| Vorlage: | Mit Schirm, Charme und Melone (The Avengers GB 1961-69) |
| Kamera: | Roger Pratt |
| Schnitt: | Mick Audsley |
| Musik: | Joel McNeely |
| Produktion: | Warner Bros. Jerry Weintraub |
| deutscher Kinostart: | 27.8.1998 (Warner) |
| Länge: | 136 Minuten |
| | FSK ab 12 Jahre |
| John Steed: | Ralph Fiennes |
| Dr. Emma Peel: | Uma Thurman |
| Sir August de Wynter: | Sean Connery |
| Invisible Jones: | Patrick Macnee |
| Father: | Jim Broadbent |
| Mother: | Fiona Shaw |
| Bailey: | Eddie Izzard |
| Alice: | Eileen Atkins |
| © copyright
1990-2010 by EPILOGmedia Alle Rechte vorbehalten eMail: dialog@epilog.de 25.05.06 02.09.10 |
|