Batman BeginsEine entfesselte Gefängnisschlägerei in den Bergen von Bhutan endet für einen Gefangenen kurz vor seiner Entlassung mit Einzelhaft. Dort wird er von einem mysteriösen Fremden als Bruce Wayne entlarvt, der seit sieben Jahren als verschollen gilt. Der Fremde, der sich als Ducard vorstellt, bietet Bruce an, ihn als Schüler in die Gesellschaft der Schatten aufzunehmen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, alles Böse in der Welt zu bekämpfen.
Angetrieben vom Zorn auf den Mörder seiner Eltern, tritt Bruce seine Lehrzeit an. In einem Kloster wird er neben verschiedenen anderen Kampfschulen vor allem mit dem Handwerk der Ninja vertraut gemacht. Ducard führt ihn schrittweise in seine eigene Vergangenheit und lehrt ihn, seine Ängste zu beherrschen und in Zorn umzuwandeln, um damit die Schurken besiegen zu können.
Als die Ausbildung abgeschlossen ist, deckt Ducard seine wahren Pläne auf. Er will, dass Bruce als Anführer einer Ninja-Armee nach Gotham zurückkehrt, um die Stadt vollständig zu zerstören. Doch während Ducard nur die verrohten Zustände einer dekadenten Stadt vor Augen hat, die es gnadenlos auszumerzen gilt, hegt Bruce Hoffnung für Gotham und hält an seinem Ideal der Gerechtigkeit fest. Nach einem letzten Kampf der für den Anführer der Schatten-Gesellschaft tödlich endet,, gelingt ihm die Flucht.
In seine Heimat zurückkehrt, beginnt Wayne mit Hilfe seines Butlers und eines Firmen-Angestellten seine Lektionen umzusetzen. Er erschafft eine Symbolfigur: Batman erwacht zu Leben.
Zunächst nimmt er sich den lang gesuchten und von allen gefürchteten Carmine Falcone, den Patron von Gotham vor. In einer spektakulären Aktion liefert Batman den Paten an Polizei und Justiz aus vertreten durch Cop Jim Gordon und der Staatsanwältin Rachel Dawst, einer unbestechlichen Freundin aus alten Kindertagen.
Kurz vor der Verhandlung wird Falcone jedoch, wie schon vorher seine Hilfsschläger, durch Machenschaften des Psychiaters Jonatahan Crane in das Arkham Asylum überstellt und damit der Rechtsprechung entzogen. Als Rachel dort Nachforschungen anstellen will, wird sie von Crane mittels eines gasförmigen, angstauslösenden Halluzinogens vergiftet. Nachdem Batman sie aus Lebensgefahr rettet, trifft er auf das tatsächliche Gehirn der Unterwelt von Gotham, der ihm seinen Plan enthüllt: Das Halluzinogen, seit Wochen dem Trinkwasser von Gotham beigemischt, soll mit Hilfe eines Mikrowellensenders freigesetzt werden und somit die Stadt in Angst und Panik versetzen. Um das zu verhindern muss der frischgebacken Held in seinen bisher härtesten Kampf ziehen ...

Foto: Warner Bros.
Anders als die kunterbunten Bonbonfilme von Joel Schuhmacher, nimmt Chris Nolan die Figuren und das Publikum ernst. Entstanden ist eine Geschichte, die in jeder Minute durch psychologische Authentizität, Logik und Nachvollziehbarkeit glänzt.
Da wäre zum einen die Entwicklung des Bruce Wayne, die in eindringlichen Rückblenden erzählt wird:
Das Ineinandergreifen verschiedener Traumata der Angriff der Fledermäuse nach einem Sturz in den Brunnen, die Ermordung seiner Eltern, das Gefühl, daran Schuld zu tragen, später der Wunsch nach Rache und die Hilflosigkeit, als ihm selbst diese Möglichkeit genommen wird machen aus einem anfangs fröhlichen Kind einen jungen Mann, der sich nur noch durch seinen Zorn wahrnehmen kann und mit dem Ducard anfänglich sein leichtes Spiel hat.
Als er Bruce jedoch lehrt, sich seinen Ängsten zu stellen, verliert Ducard seinen Einfluss. Auch dies ist nachvollziehbar, denn sobald sich Gedanken nicht mehr um Ängste drehen, wird der Kopf wieder frei. Stattdessen greifen die Werte des liebevollen Butlers und Vormunds Alfred und die Ideale, die Bruce` Eltern ihm vermittelt haben.
Doch der Film ruht sich hier nicht auf den psychologischen Leistungen aus auch Ausstattung und Technik des Helden kommen nicht zu kurz. So ist allein die Herstellung des Kostüms eine logische und logistische Meisterleistung, die der Zuschauer mitverfolgen kann. Es sind keine quasi magischen Gegenstände mehr, die, wie bisher, mit flinker Hand aus dem Hut gezaubert werden. Stattdessen stellt die Technik, die hinter Batman steht, eine kluge Kombination verschiedener Komponenten dar. Auch das Setting an sich scheint vertraut, so dass Gotham City selbst zu einem Schauplatz wird, in den man sich hinein versetzen kann.
Die Überzeugungskraft dieses Films kommt insbesondere durch die Schauspieler zustande, die es verstehen, ihren Rollen Profil und Persönlichkeit zu geben. Christian Bale glänzt mit seiner Wandlungsfähigkeit als Bruce Wayne und als Batman. Michael Caine mimt gewohnt sicher den Butlers per se und dies gepaart mit einer tief sitzenden Menschenliebe und einem teilweise augenzwinkernden Pragmatismus. Nahtlos anschließen kann man hier die Rolle von Lucius Fox, dem Mann, der Bruce mit allen technischen Komponenten versorgt, und die mit Morgan Freeman brillant besetzt ist.
Auf der Seite der Bösen überrascht Liam Neeson mit seiner Vorstellung des charismatischen Ducard, der zwischen gnadenloser Konsequenz und einer heilsbringenden Weltsicht balanciert.
Tom Wilkinson als Carmine Falcone gibt den stereotypen Bösewicht, der sich in seiner Überlegenheit und Unantastbarkeit absolut sicher fühlt. Besonders erwähnenswert ist Cillian Murphys Darstellung des Dr. Jonathan Crane, des unmenschlichen Wissenschaftlers, der im Glauben an seine eigene Wichtigkeit und an den Schutz durch seinen Auftraggeber, Arroganz und Zynismus voll auslebt. Katie Holmes kann als einzige in der Rolle der Rachel Dawst nicht vollständig überzeugen, wobei dies vielleicht auch an der Rolle liegt, die von den Autoren leicht vernachlässigt wurde. Man kann ihr die innere Stärke, die die Rolle verlangt, nicht abnehmen.
Batman Begins ist mehr als eine reine Comicverfilmung und mehr als ein simpler Actionstreifen. Er ist ein beeindruckendes Portrait, das dem Zuschauer gleich mehrere starke Figuren zu bieten hat.
Gabriele Reinecke
| Originaltitel: | Batman Begins |
| deutscher Titel: | Batman Begins |
| Land und Jahr: | USA 2005 |
| Regie: | Christopher Nolan |
| Buch: | Christopher Nolan David S. Goyer |
| Story: | David S. Goyer (nach den Figuren von Bob Kane) |
| Kamera: | Wally Pfister |
| Schnitt: | Lee Smith |
| Musik: | Hans Zimmer James Newton Howard |
| Produktionsdesign: | Nathan Crowley |
| Kostüme: | Lindy Hemming |
| Visuelle Effekte: | Janek Sirrs Dan Glass |
| Produktion: | Charles Roven Emma Thomas Larry Franco |
| Ausführende Produzenten: | Benjamin Melniker Michael E. Uslan |
| deutscher Kinostart: | 16.6.2005 (Warner Bros.) |
| Länge: | 140 min. |
| FSK: | ab 12 Jahre |
| Bruce Wayne/Batman: | Christian Bale |
| Alfred: | Michael Caine |
| Ducard: | Liam Neeson |
| Rachel Dawes: | Katie Holmes |
| Jim Gordon: | Gary Oldman |
| Dr. Jonathan Crane: | Cillian Murphy |
| Carmine Falcone: | Tom Wilkinson |
| Earle: | Rutger Hauer |
| Ra’s Al Ghul: | Ken Watanabe |
| Flass: | Mark Boone Junior |
| Thomas Wayne: | Linus Roache |
| Lucius Fox: | Morgan Freeman |
| Finch: | Larry Holden |
| Judge Faden: | Gerard Murphy |