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Code 46

Code 46 • GB 2003


Handlung

In einer nicht allzu fernen Zukunft lebt ein privilegierter Teil der Menschheit in hermetisch von der Außenwelt abgesicherten High-Tech-Oasen.

William Geld (Tim Robbins) ist Versicherungsagent, der in Seattle ein normalbürgerliches Familiendasein verbringt. Bei einer Dienstreise nach Schanghai soll er Betrugsfälle an »Papelles« aufklären. Bei diesen handelt es sich um eine Art Pflichtversicherung, ohne die Angehörige der Oberklasse die »al fuera«, die ökologisch verwüsteten Randgebiete nicht betreten dürfen, in denen der Rest der Menschheit mehr schlecht als recht vor sich hin vegetiert.

Vor Ort angekommen, identifiziert William mittels seiner (medikamentös hergestellten) telepathischen Fähigkeiten die Konzernangestellte Maria (Samantha Morton) als Täterin. Unerwartetes geschieht: Er verliebt sich in das Mädchen und bezichtigt statt ihrer einen anderen Angestellten der Tat. Im Verlauf der Liebesaffäre wird Maria schwanger. Es stellt sich heraus, dass dies einen Verstoß gegen den »Code 46« darstellt, der verbietet, dass Menschen mit ähnlichen Genen Nachkommen zeugen. Was William vorher nicht wußte: Maria wurde aus den Erbinformationen seiner Mutter geklont ...


Foto: Tiberius

Kritik

Es ist natürlich immer wieder reizvoll, die aus der Antike überlieferte Ödipus-Geschichte in die Gegenwart (bzw. wie hier in eine nahe Zukunft) zu adaptieren. Ein verdienstvolles Anliegen ist es auch, aktuelle soziale und ökologische Probleme weiterzuverfolgen und in einer düsteren Zukunftsvision auf die Spitze zu treiben. Doch was Ridley Scotts Blade Runner und Terry Gilliams Brazil binnen kurzem zu Kultfilmen machte, funktioniert hier leider nicht.

Dies kann nur bedingt dem begrenzten Etat der Produktionfirma zugeschrieben werden, der den Aufbau aufwendiger futuristischer Studiobauten unmöglich machte. Durch geschickte Zusammenstellung aktueller Filmaufnahmen von urbanen Ballungsgebieten und verödeten Wüstenregionen werden für den Zuschauer auch ohne Riesen-Budget die High-Tech-Gebiete und die heruntergekommenen Elendsregionen der Zukunft glaubwürdig simuliert.

Das Problem des Filmes ist vielmehr im unausgegorenen Drehbuch zu suchen: Zum Ersten wird das Problem der Abschottung nicht aus der Sicht der Bewohner der desaströsen »al fuera« geschildert, die am Rand der urbanen Zentren gehindert werden, diese zu betreten; die illegale Grenzüberwindung wird als eine Art Versicherungsbetrug dargestellt und somit sozial entschärft. Zum Zweiten gelang es den Filmemachern nicht, die Beziehung zwischen den beiden Helden mehr als nur zu behaupten. Tim Robbins gibt hervorragend den subalternen Manager – doch man versteht nicht, was ihn zu der Affäre mit einem nur halb so alten Teenie treibt. Der ödipale Konflikt bleibt unaufgearbeitet. Endlose Sexszenen verstärken die Einfallslosigkeit noch ins Peinliche.

Hauptmangel des Filmes ist jedoch das vollständige Fehlen eines greifbaren Gegenspielers. Die beiden Helden irren wie verlorene Schafe in einer Welt herum, die sie selbst kaum verstehen. Anfangs noch vorhandenes Interesse der Zuschauer schlägt so sehr schnell in Langeweile um. Und der schließlich doch unternommene Fluchtversuch vor einer anonymen Bedrohung scheitert banalerweise an einer Herde Kamele.

Anliegen der Filmemacher war wohl ursprünglich die Vision einer zukünftigen Welt, die nicht viel anders sein wird als die heutige, aber noch schlimmer. Weniger durch die banale Handlung als vielmehr durch eine Atmosphäre der Düsternis und Frustration vermittelt der Film Unbehagen vor dieser Welt. Nicht mehr.

• Gerd Bedszent

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Credits

Originaltitel:Code 46
deutscher Titel:Code 46
Land und Jahr:GB 2003
Regie:Michael Winterbottom
Buch:Frank Cottrell Boyce
Aufnahmeleitung:Rosa Romero
Kamera:Alwin H. Kuchler
Marcel Zyskind
Schnitt:Peter Christelis
Musik:Joshua Hyams
Mark Revel
Produktionsdesign:Mark Tildesley
Art Director:Marc Digby
Visual Effects:Jon Berridge
Kostüme:Natalie Ward
Produktion:Andrew Eaton
Ausführende Produzenten:Robert Jones
David M. Thompson
deutscher Kinostart:3.3.2005 (Tiberius)
Länge:93 min.
FSK:ab 12 Jahre

Darsteller

William:Tim Robbins
Maria:Samantha Morton
Backland:Om Puri
Sylvie:Jeanne Balibar
Fahrer:Togo Igawa
Ärztin:Essie Davis
Wole:Nina Fog
Bikku:Bruno Lastra
Mohan:Emil Marwa
Jack:Taro Sherabayani
Paul:Christopher Simpson
Mediziner:Benedict Wong
Anya:Nina Sosanya
Damian Alekan:David Fahm
Williams Boss:Shelley King
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