HandlungIn einer nicht allzu fernen Zukunft lebt ein privilegierter Teil der Menschheit in hermetisch von der Außenwelt abgesicherten High-Tech-Oasen. William Geld (Tim Robbins) ist Versicherungsagent, der in Seattle ein normalbürgerliches Familiendasein verbringt. Bei einer Dienstreise nach Schanghai soll er Betrugsfälle an »Papelles« aufklären. Bei diesen handelt es sich um eine Art Pflichtversicherung, ohne die Angehörige der Oberklasse die »al fuera«, die ökologisch verwüsteten Randgebiete nicht betreten dürfen, in denen der Rest der Menschheit mehr schlecht als recht vor sich hin vegetiert. Vor Ort angekommen, identifiziert William mittels seiner (medikamentös hergestellten) telepathischen Fähigkeiten die Konzernangestellte Maria (Samantha Morton) als Täterin. Unerwartetes geschieht: Er verliebt sich in das Mädchen und bezichtigt statt ihrer einen anderen Angestellten der Tat. Im Verlauf der Liebesaffäre wird Maria schwanger. Es stellt sich heraus, dass dies einen Verstoß gegen den »Code 46« darstellt, der verbietet, dass Menschen mit ähnlichen Genen Nachkommen zeugen. Was William vorher nicht wußte: Maria wurde aus den Erbinformationen seiner Mutter geklont ... |
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![]() Foto: Tiberius |
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KritikEs ist natürlich immer wieder reizvoll, die aus der Antike überlieferte Ödipus-Geschichte in die Gegenwart (bzw. wie hier in eine nahe Zukunft) zu adaptieren. Ein verdienstvolles Anliegen ist es auch, aktuelle soziale und ökologische Probleme weiterzuverfolgen und in einer düsteren Zukunftsvision auf die Spitze zu treiben. Doch was Ridley Scotts Blade Runner und Terry Gilliams Brazil binnen kurzem zu Kultfilmen machte, funktioniert hier leider nicht. Dies kann nur bedingt dem begrenzten Etat der Produktionfirma zugeschrieben werden, der den Aufbau aufwendiger futuristischer Studiobauten unmöglich machte. Durch geschickte Zusammenstellung aktueller Filmaufnahmen von urbanen Ballungsgebieten und verödeten Wüstenregionen werden für den Zuschauer auch ohne Riesen-Budget die High-Tech-Gebiete und die heruntergekommenen Elendsregionen der Zukunft glaubwürdig simuliert. Das Problem des Filmes ist vielmehr im unausgegorenen Drehbuch zu suchen: Zum Ersten wird das Problem der Abschottung nicht aus der Sicht der Bewohner der desaströsen »al fuera« geschildert, die am Rand der urbanen Zentren gehindert werden, diese zu betreten; die illegale Grenzüberwindung wird als eine Art Versicherungsbetrug dargestellt und somit sozial entschärft. Zum Zweiten gelang es den Filmemachern nicht, die Beziehung zwischen den beiden Helden mehr als nur zu behaupten. Tim Robbins gibt hervorragend den subalternen Manager doch man versteht nicht, was ihn zu der Affäre mit einem nur halb so alten Teenie treibt. Der ödipale Konflikt bleibt unaufgearbeitet. Endlose Sexszenen verstärken die Einfallslosigkeit noch ins Peinliche. Hauptmangel des Filmes ist jedoch das vollständige Fehlen eines greifbaren Gegenspielers. Die beiden Helden irren wie verlorene Schafe in einer Welt herum, die sie selbst kaum verstehen. Anfangs noch vorhandenes Interesse der Zuschauer schlägt so sehr schnell in Langeweile um. Und der schließlich doch unternommene Fluchtversuch vor einer anonymen Bedrohung scheitert banalerweise an einer Herde Kamele. Anliegen der Filmemacher war wohl ursprünglich die Vision einer zukünftigen Welt, die nicht viel anders sein wird als die heutige, aber noch schlimmer. Weniger durch die banale Handlung als vielmehr durch eine Atmosphäre der Düsternis und Frustration vermittelt der Film Unbehagen vor dieser Welt. Nicht mehr. Gerd Bedszent |
| Originaltitel: | Code 46 |
| deutscher Titel: | Code 46 |
| Land und Jahr: | GB 2003 |
| Regie: | Michael Winterbottom |
| Buch: | Frank Cottrell Boyce |
| Aufnahmeleitung: | Rosa Romero |
| Kamera: | Alwin H. Kuchler Marcel Zyskind |
| Schnitt: | Peter Christelis |
| Musik: | Joshua Hyams Mark Revel |
| Produktionsdesign: | Mark Tildesley |
| Art Director: | Marc Digby |
| Visual Effects: | Jon Berridge |
| Kostüme: | Natalie Ward |
| Produktion: | Andrew Eaton |
| Ausführende Produzenten: | Robert Jones David M. Thompson |
| deutscher Kinostart: | 3.3.2005 (Tiberius) |
| Länge: | 93 min. |
| FSK: | ab 12 Jahre |
| William: | Tim Robbins |
| Maria: | Samantha Morton |
| Backland: | Om Puri |
| Sylvie: | Jeanne Balibar |
| Fahrer: | Togo Igawa |
| Ärztin: | Essie Davis |
| Wole: | Nina Fog |
| Bikku: | Bruno Lastra |
| Mohan: | Emil Marwa |
| Jack: | Taro Sherabayani |
| Paul: | Christopher Simpson |
| Mediziner: | Benedict Wong |
| Anya: | Nina Sosanya |
| Damian Alekan: | David Fahm |
| Williams Boss: | Shelley King |