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The Day After Tomorrow

The Day After Tomorrow • USA 2004


Handlung

Jack Hall weiß, dass die Welt im Eis versinken wird. Die Warnungen des Polar- und Klimaforschers stoßen jedoch auf taube Ohren. Dem amerikanischen Vize-Präsidenten Becker sind die Interessen der Wirtschaft wichtiger als das Kyoto-Protokoll. Nur kurze Zeit, nachdem Becker Maßnahmen gegen den CO2-Ausstoß abgelehnt hat, beginnt die Klima-Katastrophe - 100 Jahre früher und wesentlich heftiger als vorhergesagt. Los Angeles wird von Tornados verwüstet, New York überschwemmt. Dann kommt die Kälte: Hubschrauber und Flugzeuge stürzen ab, weil die Hydraulikleitungen zufrieren. Hagelkörner in der Größe von Orangen fallen vom Himmel. In den Städten bricht Panik aus. Schnee und Eis überziehen die nördliche Hemisphäre.

Hall empfiehlt, die Bevölkerung der gesamten Südhälfte der USA nach Texas, Florida und vor allem Mexiko zu evakuieren. In der Nordhälfte müssen die Menschen in ihren Häusern ausharren, weil die tiefen Außentemperaturen für sie tödlich wären. Zu diesen Unglücklichen gehört auch Jacks Sohn, der mit Klassenkameraden in New York auf Rettung wartet. Mit seiner Polarausrüstung macht Jack Hall sich auf, seinen Sohn zu suchen ...


Foto: 20th Century Fox

Kritik

Dieser Film besticht durch seine brillanten Effekte. Etwas anderes war von Roland Emmerich auch kaum zu erwarten. Ausschnitte werden in den kommenden Jahrzehnten wahrscheinlich ständig in Dokumentationen zum Klima-Wandel zu sehen sein. Insofern kann sich der Film zugute halten, einen Beitrag zum Klimaschutz geleistet zu haben. Die Katastrophe kommt zwar drehbuchgemäß viel früher und heftiger als von Klimatologen vorhergesagt. Außerdem wäre hauptsächlich Europa und nicht Amerika betroffen. Diese Einwände werden das Publikum aber lange nicht so beeindrucken wie die zuverlässige Macht der Bilder. Die größten Energieverbraucher und CO2-Produzenten der Welt auf diese Weise zu erschrecken kann sich noch als nutzbringend erweisen.

Trotzdem – dieser Film ist nicht von einem notorischen Kritiker amerikanischer Systeme gedreht worden. In den Credits steht bei »Regie« nicht Altman, Redford oder Michael Moore sondern Roland Emmerich. Zusammen mit Arnold Schwarzenegger und Wolfgang Petersen bildet er in Kalifornien nach wie vor die Fraktion der deutschsprachigen Amerika-Fans, die fern der historisch belasteten Heimat endlich ihrem latenten Nationalismus frönen können. So auch hier: Die US-Flagge ist das erste Zeichen menschlicher Aktivität, das gezeigt wird. Windgepeitscht, überschattet, durchnässt, vereist und letztlich unversehrt dient sie dem Regisseur ständig als Messbarometer für den augenblicklichen Ernst der Lage. Die Freiheitsstatue trotzt unglaublicherweise den gewaltigen Fluten ebenso wie Eis und Stürmen – und das Haar sitzt. Die Gefahr wird so von Anfang an als nationale und nicht als globale definiert. Ein kurzer Ausflug ins verhagelte Tokio muss ausreichen. Am meisten muss jedoch stören, dass die Katastrophe als eine Herausforderung dargestellt wird, die von der amerikanischen Regierung durchaus bewältigt werden kann.

Mit hübscher Ironie wird geschildert, wie Amerikaner als illegale Einwanderer über den Rio Grande nach Mexiko strömen. Ansonsten scheint bei der Evakuierung von etwa 140 Millionen Menschen alles glatt zu gehen. Die Story konzentriert sich auf die Menschen in der Nordhälfte. Hier wird wiederum nicht klar, warum die Temperaturen am Ende wieder leicht steigen und wie viele Millionen Menschen erfroren sind. Schließlich werden die Verhältnisse in Mexiko sträflich idealisiert: Der Vize-Präsident sieht seinen Irrtum allzu bereitwillig ein. Die anfangs so renitente mexikanische Regierung erweist sich als verblüffend gastfreundlich. Noch verblüffender ist, dass sich die Amerikaner auf eine bereitwillige Aufnahme durch den kleineren südlichen Nachbarn verlassen haben. Nach Ende der Katastrophe ist das Gebiet der USA unbewohnbar geworden. Sie existieren faktisch nicht mehr. Man muss wirklich nicht besonders zynisch sein, um sich vorzustellen, dass die US-Regierung sich in einer solchen Lage den Zugang nach Mexiko mit militärischer Gewalt sichern und anschließend im »Gastland« die Kontrolle an sich reißen würde. Die Konflikte, die zwischen den Völkern aus den Folgen des Klimawandels entstehen könnten, werden von der CIA in der Wirklichkeit als größte Gefahr für die Sicherheit der USA angesehen. Genau dieser Aspekt des Themas wird im Film völlig ausgeblendet.

In Interviews hatte Roland Emmerich einen Film »ohne Happy End« versprochen. Der ehemalige Parteigänger der schwäbischen Grünen scheint das selbst geschaffene Korsett aber nicht mehr verlassen zu können. Auch dieses Thema und diese Geschichte kann er nur als Loblied auf die heroischen amerikanischen Tugenden inszenieren, die selbst nach einer finalen Katastrophe das Allerschlimmste verhindern. Mag sein, dass die kommerziellen Zwänge, denen eine Groß-Produktion unterliegt, keine andere Möglichkeit lassen. Mag auch sein, dass das amerikanische Massenpublikum nur in Form einer so schmeichelhaften und ich-bezogenen Darstellung erreicht werden kann. Sein kann aber auch, dass andere Autoren, Produzenten und Regisseure den Ball aufnehmen und uns noch mit ganz anderen, realistischeren Bildern der Katastrophe und ihrer Nachwirkungen versorgen werden. Möglicherweise hat Roland Emmerich eine Tür geöffnet, durch die noch andere Zugang zur öffentlichen Debatte erhalten werden, um die Bevölkerung der nördlichen Halbkugel stärker wachzurütteln. Nötig wäre es allemal.

Arno BehrendALIEN CONTACT

Siehe auch
www.the-day-after-tomorrow.de
Nur Du kannst den Golfstrom retten!
Leser-Service
Buch zum Film
Soundtrack

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Credits

Originaltitel:The Day After Tomorrow
deutscher Titel:The Day After Tomorrow
Land und Jahr:USA 2004
Regie:Roland Emmerich
Buch:Roland Emmerich
Jeffrey Nachmanoff
Kamera:Ueli Steiger
Schnitt:David Brenner
Musik:Harald Kloser
Produktionsdesign:Barry Chusid
Effekte:Karen E. Goulekas
Kostüme:Renee April
Produktion:Mark Gordon
Roland Emmerich
Ausführende Produzenten:Ute Emmerich
Kelly Van Horn
Stephanie Germain
Co-Produktion:Thomas M. Hammel
deutscher Kinostart:27.5.2004 (CentFox)
Länge:124 min.
FSK:ab 12 Jahre

Darsteller

Jack Hall:Dennis Quaid
Sam Hall:Jake Gyllenhaal
Laura Chapman:Emmy Rossum
Jason Evans:Dash Mihok
Frank Harris:Jay O. Sanders
Dr. Lucy Hall:Sela Ward
J. D.:Austin Nichols
Brian Parks:Arjay Smith
Janet Tokada:Tamlyn Tomita
Parker:Sasha Roiz
Terry Rapson:Ian Holm
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