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Vom Luftschiff zum CargoLifter

Luftfahrt

Mit dem Unglück der Hindenburg 1937 im amerikanischen Lakehurst endete der Traum von der Luftschiffahrt in einer Katastrophe. Doch heute, sechzig Jahre später, steigt das fast in Vergessenheit geratene Fluggerät wie Phönix aus der Asche: 1997 stieg in Friedrichshafen der neue Passagier-Zeppelin NT zu seinem Jungfernflug auf. Seine Füllung: statt des hochexplosiven Wasserstoffs, nichtbrennbares Helium. Und pünktlich zur Jahrtausendwende dann die Sensation: der CargoLifter wird in neue Dimensionen des Transports vorstoßen. Das Luftschiff wird mit 260 Metern Länge, einem Durchmesser von 65 Metern, rund 550.000 Kubikmetern Helium und einer Frachtleistung von 160 Tonnen ein neues Transport-System.

Der Traum vom Fliegen ist so alt wie die Menschheit. Viele spektakuläre Versuche erfolgten - und ebenso viele Fehlschläge. Doch vor etwa zwei Jahrhunderten fing der Traum an, Wirklichkeit zu werden - mit dem Lighter-than-air-Prinzip. 1783 gelang den Brüdern Montgolfier in Versailles der erste erfolgreiche Flug mit einem Ballon. Die Passagiere: eine Ente, ein Lamm und ein Hahn. 70 Jahre später hob Motorkraft den Ballon in die Höhe: mit einer einfachen Dampfmaschine von drei Pferdestärken gelang es dem Franzosen Henri Giffard seinen Ballon nicht nur in die Luft, sondern auch in die gewünschte Richtung zu bringen. Das lenkbare Luftschiff war geboren - zumindest der Idee nach.


Am 1. Dezember 1783 unternahmen Jacques Alexandre César und Nicolas-Louis Robert den ersten bemannten Flug mit einem Wasserstoffballon. Bei der Landung, zwei Stunden nach dem Start in Paris, werden die beiden Ballonpioniere von Herzog de Chartres begrüßt.

Der rasante technische und wissenschaftliche Fortschritt des 20. Jahrhunderts führte schließlich zur Entwicklung des ersten praktisch nutzbaren Luftschiffs. Sein Konstrukteur: Ferdinand Graf Zeppelin. Schon seit 1874 beschäftigte sich der Graf intensiv mit der Entwicklung eines von Motoren angetriebenen, lenkbaren Luftschiffes. Um Lenkbarkeit und Flugstabilität zu gewährleisten, brauchte das Luftschiff einen festen, starren Rumpf, der - anders als der Ballon - seine symmetrische Gestalt behielt. Am 2. Juli 1900 war es soweit. Mit 125 Meter Länge hob das Luftschiff Zeppelin 1, kurz: LZ 1, am Bodensee erfolgreich von der Erde ab. Der Archetyp aller Groß-Luftschiffe startete zu seiner ersten Reise.

Nationalspende sichert Kapital

Erfolgreich waren die »fliegenden Zigarren« zunächst in der zivilen Luftfahrt. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges endete die zivile Nutzung »der Kolosse der Luft« - vorläufig. Dafür brachte der militärische Einsatz in den Kriegsjahren gewaltige technische Fortschritte: bei Zeppelin in Friedrichshafen produzierten mehrere Tausend Beschäftigte 84 Starr-Luftschiffe. Das Ende des Ersten Weltkrieges schien gleichzeitig das Ende des Luftschiffbaus zu sein. Im Vertrag von Versailles wurde Deutschland sowohl die Produktion für militärische als auch zivile Zwecke untersagt. Wenige Jahre nach dem Ersten Weltkrieg ließen die USA im Rahmen der Reparationsleistungen von deutschen Konstrukteuren ein Luftschiff für die US-Navy bauen. Zeppelin baute daraufhin 1922 das LZ 126 »Los Angeles«, das größte bis dahin gebaute Luftschiff der Welt. Noch im selben Jahr entstand das bahnbrechende LZ 127, zu Ehren seines Konstrukteurs »Graf Zeppelin« genannt.

Nach dem Höhenflug der Fall

Das Jahr 1936 erlebte die Taufe des wohl berühmtesten aller Luftschiffe: das LZ 129, die »Hindenburg«. Nur ein Jahr später, am 6. Mai 1937, flog die Hindenburg in die größte Tragödie der damaligen Geschichte der zivilen Luftfahrt. Bei der Landung in Lakehurst im US-Staat New Jersey fing das Luftschiff Feuer. 36 Menschen starben. Die Ursache der Katastrophe: Luftschiffe flogen zwar seit 1930 mit nichtbrennbarem Helium, doch das ungefährliche Gas war wegen eines Wirtschaftsembargos und des damaligen US-Monopols in Deutschland nicht zu bekommen - und die Hindenburg fuhr mit brennbarem Wasserstoff. Der Schock der Hindenburg-Katastrophe saß tief. Die Luftschiffe und mit ihnen das Lighter-Than-Air-Prinzip verschwanden vom Himmel, nur die amerikanischen »Blimps« flogen weiter.

Werbewirksamer Neustart

Erst Jahrzehnte später waren vereinzelt wieder Luftschiffe zu sehen. Seit einigen Jahren gelangen kleinere Versionen der Riesenluftschiffe zum Einsatz, um in den Sommermonaten alle Blicke auf ihre Werbe-Botschaften zu lenken. Seit 1997 gibt es auch wieder große Brüder der Werbe-Luftschiffe: Genau 60 Jahre nach der Brandkatastrophe von Lakehurst nahm der Zeppelin NT am Traditions-Standort Friedrichshafen die Fahrt wieder auf. Diese Luftschiffe stehen im Dienst von Wissenschaft und Tourismus.

Eine faszinierende Vision

Neue Wege geht die CargoLifter AG. Mit der Jahrtausendwende, also genau einhundert Jahre nach dem Jungfernflug des LZ 1, schlägt der CargoLifter CL 160 ein neues Kapitel der Luftschiffahrt auf: Beförderung komplexer Schwer- und Großtransporte. Die geplanten Eckdaten sprechen für sich: Mit rund 550.000 Kubikmetern Helium bei 260 Metern Länge und 65 Metern Durchmesser wird der CL 160 vom Volumen her das größte Transportmittel sein. »Zur Lösung eines dringenden Transportproblems holen wir ein faszinierendes, jahrhundertealtes Prinzip in die Gegenwart und machen seine Vorzüge mit modernster Technik nutzbar«, so der CargoLifter-Vorstand Dr. Carl von Gablenz. »Die Lighter-Than-Air-Technologie paßt in unsere Zeit. Sie ist die Voraussetzung, um die Globalisierung der Märkte voranzutreiben.« Der CargoLifter ist zudem wesentlich ernergiesparender als herkömmliche Transportmittel und er benötigt keine aufwendige, landverbrauchende und damit teure Infrastruktur. »Im Prinzip reichen für das Be- und Entladen eine Fläche, die etwas größer als ein Fußballfeld ist mit vier Haken im Boden«, so von Gablenz. Wie ein schwebender Kran wird er bis zu 160 Tonnen Fracht nonstop an seinen Zielort befördern. Nachfolgemodelle sollen sogar bis zu 450 Tonnen transportieren. Damit wird nicht nur ein Traum von gestern heute Wirklichkeit, sondern eine Vision erobert die Zukunft.

• Quelle: CargoLifter AG


Foto: CargoLifter AG


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21.05.06 • 10.06.06