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Dinosaurier-Geschichten

Science Fiction > DinoMedia | Lexikon
In den meisten Geschichten, die erzählt, geschrieben, gezeichnet oder verfilmt werden, spielen Menschen die Hauptrolle. Auch wenn es in einer Geschichte vordergründig um etwas anderes geht, ob leblose Dinge oder Tiere, stehen meistens die Erlebnisse und Reaktionen, die Gedanken und Gefühle von Menschen im Vordergrund. Geschichten, in denen Dinosaurier auftreten, seien es Romane, Filme oder Comics, müssen sich verschiedener phantastischer Kunstgriffe bedienen, da sich Menschen und Saurier unter gewöhnlichen Umständen bekanntlich niemals begegnen können.

Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, in einer Geschichte auf Menschen zu verzichten und die Dinosaurier in ihrer angestammten Umwelt zu Trägern der Handlung zu machen. Solche reinen Tiergeschichten haben zum Beispiel Lothar Streblow mit Duna, der Dinosaurier (1989) oder Robert T. Bakker mit Raptor Red (1995) geschrieben. Es ist sehr schwierig, die Erlebniswelt eines Dinosauriers zu beschreiben, ohne Langeweile zu verbreiten, da ein Tier weniger Charakter und dramatisches Personal als ein Mensch besitzt. Dieses Manko läßt sich umgehen, wenn der Autor die Tiere mit menschlichen Regungen ausstattet und sie wie Menschen sprechen läßt. Solche »Tiermärchen« sind zum Beispiel Homchen (1902) von Kurd Laßwitz, der Zeichentrickfilm In einem Land vor unserer Zeit (The Land Before Time • USA 1988) von Don Bluth oder die computeranimierten Dinosaurier (Dinosaur • USA 2000) aus dem Hause Disney.

Wesentlich spannendere Geschichten ergeben sich, wenn Menschen mit Dinosauriern konfrontiert werden. Da eine solche Begegnung durch den zeitlichen Abstand von mehr als 60 Millionen Jahren nach wissenschaftlichem Verständnis unmöglich ist, benutzen die Autoren verschiedene Tricks, um Menschen und Dinosaurier in einer Geschichte zusammenbringen.

Die einfachste Möglichkeit besteht darin, auf wissenschaftliche Erkenntnisse zu pfeifen und die menschliche Vorzeit mit Dinosauriern zu bevölkern. Diese Methode ist vor allem in der Filmbranche sehr beliebt und wurde von der Stummfilmzeit bis zu Eine Million Jahre vor unserer Zeit (One Million Years B. C. • GB 1966) immer wieder gerne angewendet. Als komisches Element wurde dieses Motiv in der Zeichentrickserie Familie Feuerstein (The Flintstones • USA 1960-66) und im Klamaukfilm Caveman - Der aus der Höhle kam (Caveman • USA 1981) eingesetzt.

Als zweite Möglichkeit kann man behaupten, daß die Saurier gar nicht ausgestorben sind - zumindest nicht überall auf der Welt. Um die Sache etwas glaubwürdiger zu machen, siedelt der Erzähler sie meistens in einem unzugänglichen Refugium an, wo sie bis heute überlebt haben. Das kann eine einsame Insel sein, ein Hochplateau mit steilen Wänden oder ein Tal, das von hohen Bergen umschlossen ist. Seit Arthur Conan Doyle 1912 mit seinem Roman Die verlorene Welt (The Lost World) das Paradebeispiel für eine solche Geschichte veröffentlichte, werden solche urzeitlichen Biotope auch als »Lost Worlds« bezeichnet, als »verlorene« oder »vergessene Welten«. Nachdem unser Planet mittlerweile fast restlos erforscht ist, siedeln die Autoren ihre Dinosaurier gelegentlich auf fremden Planeten an, wie zum Beispiel Anne McCaffrey in Dinosaurier-Planet (Dinosaur Planet • 1978) und der Fortsetzung Die Überlebenden (The Survivors • 1984). Ein modernes Beispiel für die klassische Form dieses Subgenres ist James Gurneys Bildergeschichte Dinotopia (Dinotopia • 1992).

In vielen Geschichten geht es dagegen nur um ein einziges Dinosaurier-Exemplar, das in der heutigen Zeit vorwiegend in Großstädten sein Unwesen treibt. Es kann aus einer »Lost World« in die Zivilsation geholt werden, aber auch aus dem Eis aufgetaut oder durch fossile DNS geklont werden. Da sich ein solches »Monster on the Loose« in den seltensten Fällen friedlich verhält, wird es in den meisten Fällen zu einer lebensgefährlichen Bedrohung für die Beteiligten oder legt ganze Städte in Schutt und Asche, bevor es auf irgendeine Weise überwältigt werden kann. Seit der Kurzgeschichte »Das Nebelhorn« (»The Fog Horn« • 1951) von Ray Bradbury und der Filmversion Panik in New York (The Beast from 20,000 Fathoms • 1953) erfreute sich dieses Motiv im amerikanischen und vor allem im japanischen Kino mit Godzilla bis in die siebziger Jahre großer Popularität.

Eine weitere Möglichkeit der Begegnung zwischen Menschen und Dinosauriern ist die Zeitreise. Dabei wird der Spieß sozusagen umgedreht, indem Menschen per Zeitmaschine oder nicht näher beschriebene Umstände in die tiefste Vergangenheit befördert werden. Dieser Kniff wurde vor allem in zahlreichen Science-Fiction-Kurzgeschichten wie Ray Bradburys »Ferner Donner« (»A Sound of Thunder« • 1952) angewendet, aber auch im tschechischen Film Reise in die Urzeit (Cesta do Praveku • CS 1955).

Darüber hinaus gibt es nur sehr wenige Geschichten, die von diesen vier großen Erzählmustern - Tiergeschichte, Lost World, Monster on the Loose und Zeitreise - abweichen. Meistens handelt es sich um Erzählungen, die diese Muster auf ungewöhnliche Weise kombinieren, wie es Harry Harrison in der Eden-Trilogie (1984-88) oder auch Michael Crichton in DinoPark (Jurassic Park • 1990) getan haben.

Bernhard Kempen


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21.05.06 • 10.06.06