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Dinosaurier auf der Leinwand

Frühe Tricksaurier | Dinomonster | Gummisaurier | Dinomanie

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Frühe Tricksaurier

Praktisch seit den Anfangstagen des Kinos wurde immer wieder versucht, mit verschiedenen Mitteln der Tricktechnik Dinosaurier auf der Leinwand zum Leben zu erwecken. Schon ab 1909 unternahm Winsor McCay, einer der Pioniere des Zeichentrickfilms, erste Gehversuche mit der Brontosaurierdame Gertie the Dinosaur. Kurz darauf begann Willis O'Brien mit der Technik der Stop Motion zu experimentieren. In Stummfilmen wie The Ghost of Slumber Mountain (USA 1919) und Die verlorene Welt (The Lost World • USA 1925) demonstrierte er seine verblüffend realistische Methode, die er mit den Dinosauriern im Tonfilm-Kassenschlager King Kong und die weiße Frau (King Kong • USA 1933) perfektionierte.

Im Jahr 1940 kamen gleich zwei, wenn auch völlig unterschiedlich gestaltete Dinosaurierfilme heraus: In Walt Disneys Fantasia (Fantasia • USA 1940) bewegten sich Zeichentrick-Saurier zur Musik von Igor Strawinsky, und in Tumak, der Herr des Urwalds (One Million B. C. • USA 1940), ein Remake des Stummfilms Man's Genesis (USA 1912) von D. W. Griffith, wurden lebende Echsen per Rückprojektion vergrößert. Diese Szenen fanden in den folgenden Jahrzehnten immer wieder in zahlreichen Billigproduktionen Verwendung.

Dinosaurierfilm.jpg (9708 Byte)

Dinomonster

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die große Zeit des Trickexperten Ray Harryhausen. Durch die Wiederaufführung von King Kong im Jahre 1952 und den Film Panik in New York (The Beast from 20,000 Fathoms • USA 1953) mit dem »Rhedosaurus« aus der Werkstatt Harryhausens wurde in den fünfziger Jahren eine ganze Serie von Monsterfilmen ausgelöst, die sich gegenseitig mit spektakulären Vernichtungsorgien zu übertreffen versuchten. Nur so ist es zu erklären, daß das »Monster on the Loose« im Laufe der Filmgeschichte immer aggressiver wurde. Hatte Willis O'Brien den Pterodactylus aus Arthur Conan Doyles Die verlorene Welt (The Lost World • USA 1912) in der Verfilmung Die verlorene Welt (The Lost World • USA 1925) bereits zu einem Brontosaurus gesteigert, richtete King Kong in New York schon viel schwerere Verwüstungen an, während Godzilla und seine Kollegen ab den fünfziger Jahren immer wieder halb Japan in Schutt und Asche legten.

Viele der zum Teil mit billigsten Mitteln gestalteten Monster, die in den folgenden Jahren in die Kinos kamen, sind von eher zweifelhaftem prähistorischem Ursprung, wie auch der Kiemenmann in Jack Arnolds ansonsten gelungenem Film Der Schrecken vom Amazonas (Creature from the Black Lagoon • USA 1954) mit zwei Fortsetzungen und mehreren Nachahmungen. Auf der Suche nach »unverbrauchten« Themen schreckten die Filmemacher nicht einmal davor zurück, eine gigantische Gottesanbeterin aus ihrem jahrmillionenlangen Kälteschlaf in der Arktis zu wecken - so in The Deadly Mantis (USA 1957) von Nathan Juran.

Einen letzten Höhepunkt erreichte die Monsterfilmwelle zu Anfang der sechziger Jahre. Während in Dinosaurus (Dinosaurus! • USA 1960) mit Stop Motion gearbeit wurde, wankt in Gorgo - Die tödliche Bedrohung (Gorgo • GB 1960) nach japanischem Vorbild ein Saurierdarsteller im Gummikostüm über die Leinwand. Irwin Allens Versunkene Welt (The Lost World • USA 1960) war das enttäuschende Remake des Stummfilm-Klassikers von 1925 nach Arthur Conan Doyle. Zum unvermeidlichen Saurierkampf hetzte man wieder einmal lebende Echsen aufeinander, die Allen in den sechziger Jahren häufig wiederverwertete, um ein neues Medium zu erschließen und Dinosaurier im Fernsehen zu zeigen.


Die verlorene Welt (The Lost World, 1925)


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Gummisaurier

Während die japanische Produktionsfirma Toho einen Godzilla-Streifen nach dem anderen auf das Kinopublikum losließ, wagten sich in den sechziger Jahren die britischen Hammer-Studios mit dem Steinzeit-Melodram Eine Million Jahre vor unserer Zeit (One Million Years B. C. • GB 1966) an ein Remake von Tumak, der Herr des Urwalds, diesmal mit Stop-Motion-Dinosauriern von Ray Harryhausen. Da Harryhausen anschließend am Dinosaurierwestern Gwangis Rache (The Valley of Gwangi • USA 1969) arbeitete, erhielt nun der junge Tricktechniker Jim Danforth seine große Chance, sich mit dem zweiten Hammer-Film Als Dinosaurier die Erde beherrschten (When Dinosaurs Ruled the Earth • GB 1969) zu profilieren, während im letzten Teil Sex vor sechs Millionen Jahren (Creatures the World Forgot • GB 1969) aus Kostengründen ganz auf Tricksaurier verzichtet wurde.

Ebenfalls aus Großbritannien kamen die mit primitivsten Mitteln realisierten Filme Caprona - Das vergessene Land (The Land That Time Forgot • GB 1975), Der sechste Kontinent (At the Earth's Core • GB 1976) und Caprona, 2. Teil (The People That Time Forgot • GB 1977), die allesamt nach Romanen des Tarzan-Autors Edgar Rice Burroughs entstanden. In diese Zeit fällt auch das enttäuschende Remake King Kong (King Kong • USA 1976) mit einem wenig überzeugenden Darsteller im Affenkostüm und ohne Dinosaurier.

Letzte Ausläufer der Monsterwelle waren die zumindest tricktechnisch hervorragenden Filme wie Planet der Monster (Planet of Dinosaurs • USA 1978) und Caveman - Der aus der Höhle kam (Caveman • USA 1981). Einer der ersten Filmsaurier, der die verniedlichende Bezeichnung »Dino« verdient, war in der Disney-Produktion Baby - Das Geheimnis einer verlorenen Legende (Baby - Secret of the Lost Legend • USA 1985) zu sehen. Die kleinen und großen Brontosaurier aus dem afrikanischen Dschungel bewegten sich noch etwas ungeschickt, aber sie brachten die Entwicklung lebensgroßer ferngesteuerter Roboter-Modelle einen großen Schritt voran.


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Dinomanie

Mit dem Zeichentrickfilm In einem Land vor unserer Zeit (The Land Before Time • USA 1988) begann dann das eigentliche »Dino-Fieber«, das seinen Höhepunkt mit Steven Spielbergs Jurassic Park (Jurassic Park • USA 1993) erreichte, in dem erstmals durch Computeranimation belebte Dinosaurier zu bestaunen waren.

Neben neuen Godzilla-Filmen aus Japan machten während der letzten Jahre Urzeitmonstren in Carnosaurus (Carnosaur • USA 1993), Dino Kids (Prehysteria • USA 1993), 4 Dinos in New York (We're Back • USA 1994) oder The Flintstones - Die Familie Feuerstein (The Flintstones • USA 1994) die Kinos unsicher. Ein Ende der Dinofilmwelle ist nicht abzusehen, seit Steven Spielberg mit Vergessene Welt: Jurassic Park (The Lost World: Jurassic Park • USA 1997) die Fortsetzung seines Erfolges von 1993 und Roland Emmerich die aufwendige Hollywood-Neuverfilmung Godzilla (Godzilla • USA 1998) auf die Leinwand brachten. Neue Maßstäbe für die Computeranimation setzten die Imax-Produktion T-Rex 3D (T-Rex: Back to the Cretaceous • Kan/USA 1998) und das Walt-Disney-Abenteuer Dinosaurier (Dinosaur • USA 2000).

Bernhard Kempen

Siehe auch:
Film-Index • Dinosaurier • Prähistorik
epilog Lexikon • Kaiju Eiga - Der japanische Monsterfilm
DinoMedia • Dinosaurier in Literatur, Film und anderen Medien
Prehistoric News • Magazin für prähistorische Motive in den Medien
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21.05.06 • 10.06.06