Entdeckung | Wiederauferstehung | Faszination
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Die Entdeckung der DinosaurierNachdem etwa 65 Millionen Jahre lang niemand etwas von der Existenz der Dinosaurier ahnte, untersuchte im Jahre 1822 der Arzt Gideon Mantell ein paar versteinerte Knochen, die seine Frau an der südenglischen Küste gefunden hatte. Durch Vergleich mit den Knochen lebender Tierarten kam er darauf, daß einst ein gigantisches Reptil in der Grafschaft Sussex gelebt haben mußte. Mantell nannte das Tier Iguanodon, eine griechische Wortschöpfung, die »Leguanzahn« bedeutet. Im Laufe der nächsten Jahre wurden weitere Fossilien entdeckt, die offensichtlich zu Riesenechsen gehörten, so daß der Paläontologe Richard Owen 1841 den Namen »Dinosaurier« (»schreckliche Echsen«) prägte, um eine Gruppe ausgestorbener Reptilien zu benennen. Das Aussehen dieser Lebewesen wurde in phantasievollen Zeichnungen rekonstruiert, und 1854 wurden zur Eröffnung des Londoner Crystal Palace Park lebensgroße Dinosaurier-Skulpturen des Bildhauers Benjamin Waterhouse Hawkins aufgestellt. Um das Jahr 1870 begann zwischen den verfeindeten Paläontologen Edward Drinker Cope und Othniel Charles Marsh in Nordamerika ein Wettlauf um die Entdeckung neuer Dinosaurier. Dieser Knochenkrieg (»bone war«) wurde sogar unter Einsatz von Waffengewalt ausgetragen. Diese und andere Ausgrabungen um die letzte Jahrhundertwende legten den Grundstock für viele große Naturkundemuseen wie die in New York, London oder Berlin. Im Laufe des 20. Jahrhunderts begann sich das Bild der Dinosaurier zu wandeln. Hatte man sie zuvor als Riesenechsen dargestellt, die mühsam über den Boden krochen, erkannte man nun, daß sie durchaus schnelle und agile Jäger und Gejagte gewesen waren, die den modernen Säugetieren und Vögeln in nichts nachstanden. Um so interessanter wurde die Frage, warum sie am Ende der Kreidezeit urplötzlich von der Erdoberfläche verschwanden. Bis heute wurden verschiedenste Theorien über das Aussterben der Dinosaurier entwickelt, nach denen sie sich nicht an veränderte klimatische oder ökologische Bedingungen anpassen konnten und allmählich verdrängt wurden, während die zur Zeit populärste These vom Einschlag eines riesigen Meteoriten ausgeht, der das Sauriergeschlecht mit einem Donnerschlag hinwegraffte. |
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Die Wiederauferstehung der DinosaurierFür den Wissenschaftler spricht ein versteinerter Knochen Bände, doch der Laie steht oftmals verständnislos vor den beeindruckenden, aber eben leblosen Dinosaurierknochen in den Museen. Daher übt es einen besonderen Reiz aus, sich mit den Mitteln der Kunst ein deutlicheres Bild vom Leben und Sterben dieser Geschöpfe zu machen. Einen wesentlichen Beitrag zur Veranschaulichung lieferten die Rekonstruktionen von Bildhauern und Malern wie Charles R. Knight, Zdenek Burian oder John Sibbick, die das Aussehen der ausgestorbenen Geschöpfe und ihrer verschwundenen Umwelt auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse nachzubilden versuchten. Bereits zu einem frühen Zeitpunkt beschäftigten sich auch Schriftsteller mit den geheimnisvollen Tieren und versuchten, sie im Rahmen spannender Dinosaurier-Geschichten wieder zum Leben zu erwecken. Jules Verne schilderte in seiner Reise zum Mittelpunkt der Erde (Voyage au centre de la terre 1864) den Kampf zweier Riesenechsen, und Viktor Scheffel besang in seinem Gedicht »Der Ichthyosaurus« (1868) das Aussterben der Saurier, die »zu tief in die Kreide« kamen. 1912 ließ Sir Arthur Conan Doyle die Dinosaurier in seinem Roman Die verlorene Welt (The Lost World) auf einem südamerikanischen Hochplateau wieder auferstehen. Dann wurde es mit dem neuen Medium des Films möglich, die Anschaulichkeit visueller Bilder mit der Dynamik einer lebendig erzählten Geschichte zu verbinden. Von Anfang an stellte es für die Filmpioniere eine besondere Herausforderung dar, Dinosaurier auf der Leinwand zum Leben zu erwecken. Seit den ersten Gehversuchen von Gertie the Dinosaur (USA 1909-14) haben die Urzeitmonster aus der Filmversion Die verlorene Welt (The Lost World USA 1925), die Saurier-Kollegen von King Kong und die weiße Frau (King Kong USA 1933), der »Rhedosaurus« aus Panik in New York (The Beast from 20,000 Fathoms USA 1953) oder das Japan-Monster Godzilla (seit 1954) immer wieder neue Generationen von Kinogängern in ihren Bann geschlagen. Der Beginn der gegenwärtigen Dinosaurier-Welle läßt sich auf das Jahr 1988 datieren, als Steven Spielberg und Don Bluth den Zeichentrickfilm In einem Land vor unserer Zeit (The Land Before Time USA 1988) in die Kinos brachte. Einen erheblichen Anteil am Erfolg der Dino-Babys hatte das folgende Merchandising, das die Kinderzimmer mit Dino-Modellen in sämtlichen Größen, Formen und Gestalten überschwemmte. 1990 veröffentlichte der Autor Michael Crichton seinen Bestseller DinoPark (Jurassic Park 1990), in dem sich genetisch rekonstruierte Dinosaurier in einem modernen Vergnügungspark tummeln. Dann ging Steven Spielberg mit seiner Verfilmung Jurassic Park (Jurassic Park USA 1993) einen Schritt weiter und ließ die Dinosaurier auf beeindruckende Weise mit modernster Computertechnik wiederbeleben. Gleichzeitig rollte eine neue Vermarktungswelle heran, so daß uns die urzeitlichen Geschöpfe mittlerweile in Comics, in der Musik, in Spielen, in der Werbung, als Spielzeugmodelle, auf Briefmarken und als Dekoration von Gebrauchsgegenständen begegnen. |
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Die Faszination der DinosaurierWarum fasziniert es uns so sehr, die ausgestorbenen Urzeitechsen in der Phantasie wieder zum Leben zu erwecken? Warum sind wir nicht im Gegenteil froh, daß Tyrannosaurus Rex, das größte Raubtier aller Zeiten, das einen ausgewachsenen Menschen mit einem Happen verschlungen hätte, für uns keine Gefahr mehr darstellt? In Michael Crichtons Roman DinoPark überlegt der Paläontologe Dr. Grant, warum ausgerechnet Kinder so sehr von Dinosauriern fasziniert sind:
Brigitte Zander bemerkte zu diesem Thema in ihrem Artikel »Dinos vertreiben Hexen und Vampire« in der Zeitschrift Stern (46/1990, S. 292-295):
Menschen haben zu allen Zeiten Geschichten über Drachen, Werwölfe, Vampire und andere lebensbedrohende Monstren erfunden und ihnen mit schauriger Faszination gelauscht. Das Besondere an den Dinosauriern ist jedoch der Umstand, daß sie nachweislich wirklich gelebt haben. Es sind keine Ungeheuer, die aus der unbewußten Phantasie eines Alptraums geboren wurden, sondern sie sind »echte« Monster, eine Tatsache, die man nicht als Hirngespinst abtun kann. Die Dinosaurier haben 150 Millionen Jahre lang »unsere« Erde beherrscht, bis sie quasi über Nacht von der Bildfläche verschwanden. Ausnahmsweise sind wir Menschen nicht für das Aussterben der Dinosaurier verantwortlich. Im Gegenteil - wir haben keinen Grund, uns den Dinosauriern in irgendeiner Hinsicht überlegen zu fühlen. Diese aggressiven, vor Leben strotzenden und mit harten Schuppen gepanzerten Wesen wurden von einer unvorstellbaren Katastrophe dahingerafft. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob ihr Ende auf einen plötzlichen Meteoriteneinschlag oder eine allmähliche ökologische Umwälzung zurückzuführen ist. Es muß ein Ereignis gewesen sein, dem auch wir Menschen hilflos ausgeliefert wären. Die Dinosaurier erinnern uns daran, daß sich auch die Spuren der menschlichen Zivilisation eines Tages nur noch in einer vermutlich recht dünnen geologischen Ablagerungsschicht finden werden. Doch es liegt nicht in der Natur des Menschen, sich durch solche mahnenden Beispiele beirren zu lassen. Am Ende des Romans DinoPark faßt John Hammond, der Gründer des Saurierzoos, zusammen, warum er solche Anstrengungen unternommen hat, um sein aberwitziges Projekt zu verwirklichen, und welche Voraussetzungen dazu nötig sind:
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![]() Foto: Bernhard Hoppe |