Erfolgreiche Reptilien | Saurischia und Ornithischia | Das Ende der Dinosaurier
| DinoMedia >
Dinosaurier Lexikon |
|
Erfolgreiche ReptilienAls »Dinosaurier« wird eine Gruppe recht unterschiedlicher Reptilien bezeichnet, die von der Trias bis zum Ende der Kreidezeit - also etwa 170 Millionen Jahre lang - die dominierende Gruppe der Landwirbeltiere bildete. Sie entwickelten sich in der Trias aus den Thecodontiern, einer Ordnung der Archosaurier, von denen auch die Krokodile abstammen. Der kleine zweibeinige Lagosuchus aus dieser Zeit steht dem gemeinsamen Vorfahren aller Dinosaurier sehr nahe. Die ältesten echten Dinosaurier, die Protodinosaurier, lebten vor 225 Millionen Jahren und wurden im Triasgestein von Argentinien gefunden. Zu ihnen gehören die Jäger Eoraptor und Herrerasaurus und der Pflanzenfresser Pisanosaurus. Der große Erfolg der Dinosaurier läßt sich auf einen wesentlichen Grund zurückführen: Sie konnten besser laufen. Im Gegensatz zu anderen Reptilien waren bei den Dinosauriern die Beine nicht seitlich, sondern unter dem Körper angebracht. Dadurch mußten sie nicht mehr kriechen, sondern konnten sich schneller und kraftsparender vorwärtsbewegen, und die Beine hielten ein größeres Körpergewicht aus. Damit übertrumpften sie die Therapsiden, die säugetierähnlichen Reptilien, die bis zur Trias vorherrschten und bis auf einen winzigen Seitenzweig, aus dem später die Säugetiere hervorgingen, völlig ausstarben. Dinosaurier lebten ausschließlich auf dem Land - die schwimmenden Ichthyosaurier und die fliegenden Pterosaurier gehörten zu anderen Reptiliengruppen. Heute geht man davon aus, daß die meisten Dinosaurier nicht wie die übrigen Reptilien kaltblütig bzw. wechselwarm, sondern ähnlich wie Vögel und Säugetiere warmblütig waren. Warum die Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren am Übergang von der Kreide- zur Tertiärzeit urplötzlich verschwanden, ist eins der verblüffendsten Rätsel der Evolutionsgeschichte. Durch Fossilfunde sind heute etwa 500 Dinosaurierarten beschrieben worden - was nur ein winziger Bruchteil ihrer tatsächlichen Artenvielfalt sein kann. Zum Vergleich: die heute lebenden Reptilien und Säugetiere umfassen jeweils etwa 6000 Arten. |
||
![]() Lagosuchus, der Urahn der Dinosaurier Abb.: Corel |
|
|
Saurischia und OrnithischiaZu den Dinosauriern gehören Tiere wie der 60 cm lange, hühnergroße Compsognathus und die bis zu 30 Meter langen Sauropoden, die größten Landwirbeltiere, die jemals auf der Erde lebten. Diese zwei Typen sind repräsentativ für eine große Aufspaltung in der Dinosaurierverwandtschaft - einerseits flinke zweibeinige Jäger, andererseits riesige vierbeinige Pflanzenfresser. Die Paläontologen haben für diese Unterscheidung die zwei zoologischen Ordnungen Saurischia und Ornithischia eingeführt. Bei den Saurischia oder »Echsenbeckensauriern« ist das Becken ähnlich wie bei sonstigen Echsen aufgebaut. Man erkennt sie daran, daß das Schambein nach vorne gerichtet ist. Zu den Saurischiern gehören die Theropoden mit den Coelurosauriern (Coelurus, Compsognathus, Archaeopteryx), den Carnosauriern (Tyrannosaurus, Allosaurus, Megalosaurus - vor allem in der Jura), den Deinonychosauriern, Ornithomimosauriern und Oviraptorsauriern. Alle Theropoden waren zweibeinige Fleischfresser. Die Segnosaurier werden von einigen Palänontologen als eigene Gruppe neben die Theropoden gestellt. Die zweite Untergruppe der Saurischer waren die Sauropodomorpha mit den großen vierbeinigen Sauropoden der späten Jura wie Apatosaurus, Brachiosaurus oder Diplodocus, die in der Kreide durch etwas kleinere Formen abgelöst wurden. Die Ornithischia oder »Vogelbeckensaurier« besitzen ein Becken, bei dem das Schambein nach hinten zeigt und am Sitzbein anliegt. Diese Anordnung erinnert an den Knochenbau der Vögel, die jedoch von den Saurischiern abstammen, um die Verwirrung perfekt zu machen. Die Ornithischier waren ausschließlich Pflanzenfresser mit einem typischen Hornschnabel und erlebten ihre Blützeit erst in der Kreidezeit. Die größte Unterordnung waren die Ornithopoden mit dem Iguanodon, den Entenschnabelsauriern und dem Parasaurolophus mit auffälligem Kopfkamm. Weitere Gruppen waren die Sceliodosaurier, Stegosaurier, Ankylosaurier, Pachycephalosaurier und die Ceratopsia (Triceratops), die erst am Ende der Kreidezeit auftraten. Nach der heute üblichen Klassifikation gibt es demnach gar keine Dinosaurier mehr. Die Ordnung der »Dinosauria« wurde 1841 von Richard Owen eingeführt und bereits 1888 wieder aufgegeben, als man beschloß, nur noch von Saurischia oder Ornithischia zu sprechen, die zusammen mit den Ordnungen Crocodilia, Pterosauria und Thecodontia die Überordnung Archosauria bilden. Allerdings gab es 1974 den Vorschlag, die Dinosauria als neue Klasse zu betrachten, die die Saurischia, Ornithischia und Aves (Vögel) umfaßt. Und jede neue wissenschaftliche Entdeckung könnte zu einem weiteren Umsturz der systematischen Einteilung führen. Die Bezeichnung »Dinosaurus« wurde übrigens zeitweise als wissenschaftlicher Name für den Plateosaurus verwendet. |
||
| Hüftklassifizierung bei Dinosauriern | ||
![]() Saurischier |
![]() Ornithischier |
|
Das Ende der DinosaurierFür das plötzliche Aussterben der Dinosaurier am Ende der Kreidezeit wurden verschiedene Erklärungen vorgeschlagen. Eine Gruppe von Theorien läuft darauf hinaus, daß sie allmählich durch die Säugetiere verdrängt wurden, sei es durch Klimaveränderungen, die Entwicklung der Blütenpflanzen oder andere Umweltfaktoren, an die sie nicht genügend angepaßt waren. Heute wird die Theorie favorisiert, nach der vor 65 Millionen Jahren der Einschlag eines großen Meteoriten - vermutlich auf der mexikanischen Halbinsel Yukatan - zu einem katastrophalen Klimawechsel führte, den die großen Landwirbeltiere nicht überlebten. Die Debatte geht jedoch weiter, da noch viele Fragen ungeklärt sind, warum zum Beispiel gleichzeitig die Ammoniten ausstarben, aber die Vögel überlebten. Die Entwicklung der Vögel läßt die Geschichte der Dinosaurier überhaupt in einem ganz anderen Licht erscheinen, da sie letztlich nicht mehr als ein Seitenzweig früher Saurischier sind, die sich irgendwann ein Federkleid zulegten. Das bekannteste Bindeglied zwischen Dinosauriern und Vögeln ist zweifellos der Archaeopteryx, der bereits im späten Jura lebte und sich im Knochenbau kaum von Coelurosauriern unterschied. Erst vor wenigen Jahren wurde mit dem Protoavis ein noch früherer Vorfahr aus der Trias entdeckt. Manche Wissenschaftler haben sogar die Vermutung geäußert, daß der mächtige Tyrannosaurus Federn besessen haben könnte und so etwas wie ein riesiges fleischfressendes Huhn mit Zähnen war. Eindeutig nachgewiesen ist, daß Vogelgruppen wie Reiher und Möwen bereits in der Kreidezeit existierten und demnach Zeitgenossen des Tyrannosaurus waren. Also sind die Dinosaurier gar nicht ausgestorben, sondern haben sich nur zu Straußen, Pinguinen, Papageien und Spatzen weiterentwickelt. |
![]() Der letzte Dinosaurier? Abb.: Corel |
|