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Karl Michael Armer

Die Asche des Paradieses

Shayol | Stories und Romane
Das 21. Christliche Bombergeschwader kam in der Dämmerung von einem sehr erfolgreichen Einsatz zurück. Es hatte 400.000 Heiden getötet.
   Ich beobachtete, wie die schweren Maschinen nacheinander auf dem Militärflughafen von Alexandria landeten und von Feldkardinal Pontini begrüßt wurden. Er stand auf einem Empfangspodium unter einem riesigen, von Flakscheinwerfern angestrahlten Kreuz und segnete jedes Flugzeug, das an ihm vorbeirollte. Er hatte alles aufgeboten, was ihm zur Verfügung stand: Glocken läuteten, Fahnen wurden geschwenkt, Chöre jubelten, das ganze Programm. Gute Inszenierung für die Abendnachrichten.
   Das Geschwader hatte Ziele in der Küstenregion von Tansania angegriffen. Dort gab es größere Städte, die noch bewohnt waren. Militärisch nicht sehr wichtig, aber es war auch mehr eine psychologische Geste. So ein massiver Schlag ist immer schlecht für die Moral des Feindes.
   Mit einer müden Bewegung schaltete ich die Aufzeichnung vom Vortag ab. Das Bild auf dem heruntergeklappten Visier meines Com-Helms erlosch, die Scheibe wurde wieder transparent und zeigte mir die unglaubliche Schönheit meiner Umgebung. Ich saß in einem Meer aus gelben Blumen, das sich bis zum Horizont erstreckte. Die Blumen waren hüfthoch, sodass ich gerade darüber hinweg sehen konnte. Es war wie ein Ozean, der im Wind wogte. Und mitten in diesem Ozean lag mein Bataillon. Das 2. Bataillon der 4. Polnischen Luftkavalleriedivision, der »Marien-Division«.
   »Rittmeister Sikorski? Sir?«
   Marek, mein Adjutant.
   »Sollen wir Stellungen graben, Sir?«
   »Nein«, sagte ich. Ich wusste, wie müde meine Männer waren. Seit Wochen zogen wir durch Usbekistan. Und vorher durch Kaschmir. Und Aserbeidschan. Eritrea. Tschad. Marokko. Jahre waren wir unterwegs, Kämpfer im Zeichen des Kreuzes. Gegen die Ungläubigen und ihren Dschihad. Ab und zu im Helikopter, immerhin waren wir die Luftkavallerie, aber meistens zu Fuß. Mit über 20 Kilo Ausrüstung, Gewehren, Munition, Mörsern, Minen, Verbandskästen, Feldaltären, Bibeln, Flakwesten, Helmen. Unter einer Sonne, die von Jahr zu Jahr mörderischer zu werden schien. Wir waren fertig.
   »Nein«, sagte ich noch einmal. »Hier ist es sicher. Wir haben alles bis zur letzten Küchenschabe ausgerottet.«
   Marek sah mich seltsam an, dann salutierte er und machte eine zackige Kehrtwendung, um meinen Befehl weiterzugeben.
   Ich dachte an Pontini, dieses fette, mediengeile Etappenschwein mit seiner sinnlosen Bombardiererei. Afrika war erledigt. Afrika gehörte uns, und was nicht uns gehörte, war tot. Kaputt. Wehrlos. Aber für Pontini gab es nichts Schöneres als Wehrlose, denen er seine Macht zeigen konnte. Bombardierte fünfmal dieselbe zerstörte Stadt. Und bei uns an der Ostfront fehlte die Munition. Afghanistan, Pakistan, Usbekistan, Tadschikistan, das war immer noch die Hölle für uns. Dieses durchlöcherte Bergland mit seinen beschissenen Tunnels und Höhlen, wo wir in einen Hinterhalt nach dem anderen tappten, seit die Satellitenüberwachung zusammengebrochen war.
   Unser Bataillon war zum Glück nicht mehr in den Bergen. Wir marschierten durch gesäubertes Gebiet, Richtung Samarkand. Der reinste Urlaub, und unser Nachtlager hier war wie ein Feriencamp. Meine Soldaten alberten zwischen den Zelten und den Kreuzen herum und verwandelten das Blütenmeer in einen Saustall. Das war normal. Wir verwandelten jeden Ort, an dem wir waren, in einen Saustall. Der Lärm von Boomboxen pulsierte in den sanft rosa leuchtenden Abendhimmel, es wurde gesoffen, der Weihrauch ging rund, ein paar prügelten sich, ein paar beteten. Ein wilder Haufen frommer Polen, fern der Heimat auf einem Kreuzzug, der nie endete.
   Einige wollten sogar gegen meinen Befehl Verteidigungsgräben ausheben, aber als ich genauer hinsah, bemerkte ich, dass sie ein Loch für eine Latrine gruben. Ich musste grinsen. Es war so typisch für diesen Krieg, der voller Paradoxa war. Wir hatten Internet, GPS, Infrarot und eine Rechnerleistung in unseren Kampfanzügen, mit der man noch vor Jahrzehnten eine Marsexpedition gesteuert hätte, aber wir mussten täglich Scheißhäuser bauen. Wir waren Polen, aber unsere Sprache war vollgestopft mit amerikanischem Pidginslang – wow, fuck, cool, man, shit, Sir, easy, okydoky –, was um so seltsamer war, als es Amerika nicht mehr gab, jedenfalls nicht so, wie wir es aus den Filmen kannten. Ich war ein Rittmeister, der nie in seinem Leben auf einem Pferd saß. Und die zwei größten Religionen der Erde vernichteten sich gegenseitig, weil sie sich nicht einigen konnten, wer den besseren Weg ins Paradies verkündete. Heiliger Wahnsinn.
   Nein, ich wollte so nicht leben. Wrong place, wrong time. Aber ich fand keine Lösung, ich wusste keinen Ausweg.
   Und so ließ ich mich fallen in den Frieden der großen gelben Wiese.

Ich weiß nicht, warum ich mich ausgerechnet an diesen Tag in Usbekistan erinnere. Es war ein absolut ereignisloser Tag. Aber ich erinnere mich noch gut an dieses überwältigende Gefühl der Vergeblichkeit. Vielleicht war es der erste Tag, an dem ich beschloss, etwas dagegen zu tun? Vielleicht war es der Gedanke an Samarkand? Vor langer Zeit, bevor man mich zum Kreuzritter machte, damals, als ich mein Studium begonnen hatte und davon träumte, ein großer Architekt zu werden, gab es Städte, die einen magischen Klang für mich hatten: Isfahan, Buchara, Samarkand. Welcher Zauber lag in diesen Namen! Und welch herrliche Moscheen standen da, die schönsten Gotteshäuser auf unserem Planeten. Ich konnte mich gar nicht satt genug sehen an ihren Kuppeln, ihren Portalen, dem Glanz ihrer farbigen Kacheln. Jetzt waren sie alle zerstört, und ich kam mit jenen, die sie zerstört hatten.
   Der Platz, an dem ich jetzt sitze, ist auch schön, auf seine Art. Es ist ein schmaler Rundgang um die Laterne auf der Kuppel des Vaticano Nuovo, dreihundert Meter über dem Erdboden. Der Blick auf das Meer zerreißt einem das Herz in seiner Schönheit. Ein schimmernder, zitternder goldener Spiegel, am Horizont begrenzt von einer gleißenden Linie puren Feuers. Es ist noch früh am Tag. Die Luft ist klar und kühl, und der Himmel ist von jenem transparenten, fast mystischen Blau, das alles verheißt, so frisch, so unschuldig, eine Ahnung von dem, wie es sein könnte, das große Glück, die Erfüllung. Dieses grausame Blau, das dich verspottet, weil es dich nach oben zieht, doch du weißt, dass die Schwerkraft deines erbärmlichen Daseins, deiner Ängste und Routinen und faulen Kompromisse stärker sein wird. Die Verheißung ist da, aber ihre Erfüllung ist unerreichbar.
   Seltsam, es ist genau das Blau, das die Umhänge der Mariendivision zu Ehren unserer Namenspatronin hatten. Das war in den ersten Kriegsjahren. Da stattete man uns mit diesen wallenden Umhängen aus. Sollte wohl eine optische Reminiszenz an die edlen Ritter sein, die vor rund 1000 Jahren zum Kreuzzug nach Jerusalem aufgebrochen waren. Die Umhänge sahen aus wie aus einem Historienschinken entlehnt und waren eher für die baldige Siegesfeier gedacht. Die kam aber nie. Der Krieg dauert länger als geplant, wie Kriege das so an sich haben. Im Lauf der Jahre mutierten unsere stolzen Umhänge zu zerrissenen kleinen Fetzen, die wir als Halstücher trugen und mit denen wir uns Blut, Schweiß und Tränen aus den Gesichtern wischten.
   Inzwischen bin ich in der Militärhierarchie aufgestiegen. Ich bin nicht mehr an der Front. Ich bin im Zentrum der Macht. Im Neuen Vatikan, dieser gewaltigen Kirchenstadt, die ganz Malta mit ihrem neobarocken Prunk überkrustet. Endlich bin ich da, wo ich immer hin wollte, in der Schaltzentrale des Großen Krieges, aber ich habe mich auf dem Weg hierher verändert. Vom feurigen Fanatiker wurde ich zum bloßen Befürworter, dann zum Kritiker, zum Gegner und schließlich zum erbitterten Feind des Systems, für das ich kämpfe.
   Am Anfang glaubte ich noch an meine Sache. Ich musste meine Welt und unsere abendländischen Werte – ha! – gegen den Dschihad eines Amok laufenden Islam verteidigen. Das erste Opfer waren natürlich die abendländischen Werte. Erst verteidigst du dich, wenn du angegriffen wirst. Dann verteidigst du dich, bevor du angegriffen wirst. Und dann brechen alle Dämme, und du radierst alles aus, was sich dir in den Weg stellt. Du bist zur Verkörperung all dessen geworden, wogegen du ursprünglich gekämpft hast.
   Du merkst es nicht. Du bist jung und weißt noch nicht, was der Krieg aus dir machen kann. Den einen Tag sitzt du im Café und denkst über die Proportionen der Renaissancearchitektur nach und die Proportionen des Mädchens am Nebentisch, die du gern näher studieren würdest, und am nächsten Tag bist du in der Kampfzone, schießen Männer auf dich und verwandeln deine Kameraden mit Flammenwerfern in schreiende Fackeln.
   Und das ist erst der Anfang. Bald ist alles nur noch ein Morast aus saugendem Wahnsinn. Türen, die du aufstößt und hinter denen Zimmer voller toter Frauen und Kinder liegen, immer wieder Zimmer voller Leichen, immer wieder die verquollenen, zerlaufenen Gesichter nach den Bioangriffen, die Schreie, die Explosionen, die geköpften, verstümmelten Leichen, der Feind macht keine Gefangenen, abends Wodka, bunte Pillen, Rachephantasien. Irgendwann bist du so verrückt, dass du auf dein eigenes Schnaufen in der Gasmaske schießen willst. Irgendwann, wenn du noch einen Rest von Vernunft behältst, hast du nicht mehr Angst vor dem Gegner, sondern nur noch vor dir selbst.
   Ich weiß nicht einmal mehr, in welchem Jahr es war. Ich weiß nur noch, dass ich damals Leutnant war. Und dass es der 25. Dezember war. Weihnachten. Ein Dorf mit weiß verputzten Häusern. Wahrscheinlich im Norden von Marokko. Keine Ahnung, wir waren damals alle wie von Sinnen.

»Mann, dieses Dorf ist echt im Arsch«, schrie Konarski. Seit er als Einziger einen Volltreffer auf seinen Bunker überlebt hatte, schrie er nur noch, um das Pfeifen in seinen Ohren zu übertönen.
   Wir tasteten uns zu dritt durch die schmalen Straßen des Dorfes. Konarski sicherte nach links, ich nach rechts, Brych nach hinten. Wir waren nervös und bis in die Haarspitzen geladen. Wir hatten unsere Einheit verloren. Seit drei Tagen hatten wir nicht geschlafen.
   Konarski hatte Recht. Das Dorf war im Arsch. Es standen nur noch ein paar Mauern. Alles andere war Geröll. Dazwischen lag menschlicher Restmüll. Es waren keine Körper mehr, nur noch vereinzelte Fragmente und schwarze Fladen.
   »Different day, same shit«, sagte Brych.
   Plötzlich hörten wir lautes Geschrei. Wir spritzten auseinander, warfen uns zu Boden, lauschten mit hämmerndem Herzen. Aber es kam nichts. Wir rappelten uns wieder auf. Das Geschrei ging weiter. Schließlich, nach langer Zeit, denn du bewegst dich langsam, wenn überall Minen lauern, die dich als Hackfleischfontäne in den Himmel schießen können, fanden wir am Ortsrand hinter einem Felsblock eine fast unversehrte Krippe mit einem Baby darin.
   Ich erinnere mich noch, dass es ein blaues Mützchen auf dem Kopf hatte und ein rotes Gesicht vom Schreien.
   Es hätte so eine schöne rührselige Weihnachtsgeschichte geben können, das Kindlein in der Krippe, die Drei Könige aus dem Abendland, die es in ihre Arme schließen und in gute Obhut bringen am Fest der Gnade.
   Aber der Kleine schrie sich die Lunge aus dem Leib. Da erschoss ihn einer der Drei Könige aus dem Abendland mit seiner M-84.
   Danach war es lange Zeit still, bis Konarski schrie: »Ich konnte das Geschrei nicht ertragen.« Wir nickten. Jeden Tag jahrein, jahraus dieses Geschrei, dieses Jammern, dieses Flehen. Irgendwann willst du einfach Ruhe haben. Wenigstens an Weihnachten.

Die Leute, die einen Krieg anzetteln, machen sich keine Vorstellung davon, was sie anrichten. Nicht nur diejenigen, die im Krieg sterben, bleiben als Opfer zurück, sondern auch jene, die den Krieg überleben und fortan mit der Erinnerung daran leben müssen, was sie im Krieg gesehen haben und vor allem, was sie getan haben.
   Es ist unglaublich, was du im Krieg tust. Du erkennst dich selbst nicht mehr. Konarski war der harmloseste, gutmütigste Mensch, den man sich vorstellen kann. Niemals hätte er im normalen Leben einem anderen Lebewesen, Mensch oder Tier, ein Leid zugefügt. Aber dies war der Krieg. Konarski war nicht mehr der Mensch, wie Gott ihn geschaffen hatte. Er war der Mensch, den der Krieg aus ihm gemacht hatte. Ein Verrückter. Ein Sünder. Ein Büßer. Ich habe selbst gesehen, wie er bei Durchsuchungen Türen, die er aufgerissen hatte und hinter denen furchtsame Gestalten kauerten, danach wieder zuschmetterte und schrie: »Leer! Weiter!« Bis ihn eines Tages einer, den er verschont hatte, in den Rücken schoss.
   All das ist weit weg, hier in den heiligen Hallen des Vatikans. Ich werfe einen letzten Blick auf die Kuppeln und Dächer und Plätze dieses gigantomanischen Kirchenpalasts, der in nur einem Jahrzehnt aus dem Boden gestampft wurde. Er sieht aus, als hätte Albert Speer seine maßlosen Pläne für Hitler doch noch realisieren dürfen. Papst Urban IX. liebt den großen Maßstab und die große Geste. Als Stellvertreter Gottes auf Erden steht es ihm zu, als Weltenbauer aufzutreten. So sieht er es, und Sully-Poincaré hat ihm diesen Traum verwirklicht. Ein Kriecher, aber ein genialer Architekt. Nur La Valletta ließ er stehen, den Rest der Insel überbaute er mit seiner barocken Gottesstadt aus hellem Sandstein, eine piranesihafte Mischung aus Prunk und Labyrinth, in der die Menschen wie Ameisen wirken. Aber vom Meer her sieht es erhaben aus, wie eine Vision, wie die Himmelfahrt einer ganzen Stadt.
   Ich beginne meinen Abstieg, durch schmale Gänge innerhalb der Kuppelschale des Duomo Massimo. Hinunter ins Herz der Finsternis. In den Audienzsaal des Mannes, den der Krieg zum mächtigsten Menschen unter dem Himmel gemacht hat.

Als ich Urban IX. zum ersten Mal sah, war er gerade zum Papst gewählt worden. Es war mein erstes Kriegsjahr. Unsere Einheit, damals noch unter NATO-Befehl, war drei Tage zuvor an die Front verlegt worden. Wir lagen in der Nähe von Kairouan. Als Offiziersanwärter hatte ich einen Com- Helm, mit dem ich auch die TV-Nachrichten des Militärintranets empfangen konnte.
   Die Übertragung kam aus dem Escorial, dem spanischen Königspalast. Dort hatte die Führung der katholischen Kirche Zuflucht gefunden, oder das, was noch von ihr übrig war, nachdem die Dschihad-Brigaden von al-Mansur, dem Siegreichen, Rom zerstört und Papst Pius XIII. und die gesamte Kurie getötet hatten.
   Auf dem Konzil von Ravenna war Santiago Ortega, Erzbischof von Toledo, zum Papst gewählt worden. Er trat sein Pontifikat unter dem Namen Urban IX. an, zur Erinnerung, wie er sagte, an Urban II., der 1095 zum ersten Kreuzzug aufgerufen hatte, und an Urban VIII., der 1626 die Peterskirche einweihte.
   Der Ortega-Papst war ein charismatischer Anführer, wie man ihn nur selten findet. Ein Mann von brennendem Ehrgeiz, der sich aus einfachsten Verhältnissen nach oben gekämpft hatte. Ein paar Minuten Fernsehen genügten, um zu erkennen, was er war: ein Fanatiker. Ein Dogmatiker. Ein Wiedergänger des Großinquisitors, angefeuert von der Selbstgerechtigkeit dessen, der angegriffen wurde und nun das eherne Recht fühlt, den Angreifer zu zerstören.
   »Diese Welt wird eine andere werden«, sagte er mit kaltem Hass in der Stimme. »Es wird eine Welt sein, in der gute Christen nicht mehr heimtückisch von Heiden getötet werden können. Denn es wird keine Heiden mehr geben. Wir werden sie ausrotten mit Stumpf und mit Stiel. Mein ist die Rache, spricht der Herr, und das werden sie zu spüren bekommen.«
   Als ich die Aufzeichnung später den Soldaten meines Zuges auf dem Laptop vorspielte, jubelten ein paar, doch die meisten schwiegen beeindruckt. Die düstere, kompromisslose Härte, die fast körperlich fühlbare Unbarmherzigkeit dieses Mannes war selbst ihnen in die Knochen gefahren.
   Mankiewicz kauerte sich in seine Flakweste, als suchte er Schutz. »Das wird übel. Richtig übel.«
   »Holy Shit«, flüsterte Brych.
   »Das kannst du laut sagen«, sagte ich.

Heute wissen wir, dass alles noch viel schlimmer kam, als wir es uns je vorstellen konnten. Die Erde ist wieder auf die Alte Welt zusammengeschrumpft, auf die alten Kulturen. Europa, Ägypten, Mesopotamien. Der Rest liegt in postapokalyptischer Agonie. Die Neue Welt ist Mad-Max-Country. Südamerika und Russland nach endlosen Bürgerkriegen ein Chaos auf dem Weg zum Mittelalter, Asien ein Leichenhaus. Nur Australien ist noch relativ unversehrt, ein kümmerlicher Viehzüchterstaat in splendid isolation.
   Lange werden wir unsere Zivilisation nicht mehr halten können. Unsere Technik ist in weiten Bereichen schon auf den Stand des 20. Jahrhunderts zurückgefallen. Nicht mehr lange, und wir werden wieder im 19. Jahrhundert sein, und dann geht es immer weiter rückwärts in der Zeit. In nicht allzu ferner Zukunft werden wir wieder mit Musketen schießen und gläserne Phiolen mit Pest in die Länder unserer Feinde tragen, tödliche Erreger, gegen die wir uns selbst nicht wehren können. Aber was bedeutet schon das eigene Leben, wenn es um das Seelenheil und die Ziele der glorreichen Mutter Kirche geht?
   Schau sie dir an, wie sie durch die Wandelgänge des Vatikans gleiten, wie auf Rollen unter ihren langen Kutten. Kontemplatives business as usual. Wissen sie überhaupt, was sie draußen angerichtet haben? Doch, sie wissen es. All die Verwüstung ohne den Hauch eines schlechten Gewissens. Im wohligen Gefühl der göttlichen Gnade.

»Ja, wir haben große Teile der Erde in eine Wüste verwandelt«, sagte Kardinalmarschall Menninger und breitete in einer großen liturgischen Geste die Arme aus. »Haben wir damit Unrecht begangen? Nein, sage ich! Bei Gott, nein! Christus, Johannes der Täufer, viele Heilige und Propheten gingen in die Wüste, um den Weg zu Gott zu finden. Dort, in der Einsamkeit, empfingen sie Visionen, fanden sie Erleuchtung. Es ist gut für den Glauben, Wüsten zu schaffen!«
   Ich schwieg. Mehr Kritik wagte ich damals als junger Stabsoffizier nicht zu äußern.
   Der Oberbefehlshaber der christlichen Truppen sah mich aus olympischen Höhen unendlicher Überlegenheit spöttisch an. »Und, mehr haben Sie dazu nicht zu sagen?«
   »Ich weiß nicht«, stammelte ich, »ich weiß nicht, ob es richtig ist, für seinen Glauben zu töten.«
   »Nur ein Glaube, für den man zu töten bereit ist, ist der richtige«, donnerte der Kardinalmarschall in routinierter Dialektik. »Und merken Sie sich auch das noch: Wenn man das irdische Paradies schaffen will, muss man dessen Feinde, die Ungläubigen, vernichten. Asche war schon immer der fruchtbarste Boden für Neues. Aus der Asche des Alten wird das Neue Paradies wachsen!«
   Als er dabei beschwörend die Arme zum Himmel streckte, rutschte sein Ärmel nach unten. Ich sah, dass er eine Rolex trug.

Wenn Christus heute lebte – würde er eine Rolex tragen?
   Was wäre geschehen, wenn die Inquisition Atomwaffen gehabt hätte?
   Seltsame Gedanken. Geboren in seltsamen Zeiten. Ich bin am Ende meines Lebens und werde bald sterben. Da steht es mir zu, dass meine Gedanken seltsame Wege gehen. Die Zeit hat keine große Macht mehr über mich. Ich kümmere mich nicht mehr um sie. Ich hebe sie auf. Vergangenheit, Gegenwart, alles ist gleichzeitig, alles ist möglich.
   Mein Blick fällt in eine kleine Seitenkapelle. Dunkel, ein kleiner Altar, ein paar Kerzen, ein kaum sichtbares Kreuz, an dem eine fahl schimmernde Figur hängt. Ich erinnere mich. Ich habe Jesus im Krieg getroffen. Es war an einer Kreuzung im Färberviertel von Marrakesch. Jeder von uns kam aus einer anderen Gasse.

»Fuck«, sagte Brych.
   Es war das letzte, was er in seinem Leben sagte.
   Er hatte das leichte Zupfen des Stolperdrahts an seinem Bein bemerkt. Mit einem Ausdruck schmerzlicher Überraschung und großer Demut sah er mich an, dann riss ihn die Mine nach oben. Als würde er an Schnüren gezogen, flog er drei, vier Meter in die Höhe, mit ausgebreiteten Armen, wie ein Gekreuzigter ohne Kreuz, und dann fiel er in Einzelteilen wieder herunter.

Das Bild, wie er emporfliegt, hat sich in einer Super-Slowmotion in mein Gedächtnis eingebrannt, das es alle paar Tage abspielt. Brych. Mein Jesus von Marrakesch. Er starb für mich. Ohne ihn wäre ich auf die Mine getreten.
   Brych mit dem entwaffnenden Lächeln. Brych, der Arzt werden wollte. Brych, der Gedichteschreiber. Brych, der Vergeudete.
   Vergeudet in einem absurden Glaubenskrieg. Mitten im 21. Jahrhundert hat das finsterste Mittelalter wieder sein Haupt erhoben. Wie ist es nur zu diesem Wahnsinn gekommen?
   Im Nachhinein ist alles ganz schlüssig. Die Zündschnüre schwelten lange genug, doch statt sie auszutreten, wurde Jahr für Jahr neuer Sprengstoff ins Pulverfass geschüttet. Der immer aggressiver werdende Islamismus war die ins Theologische verlagerte Antwort auf die Überheblichkeit des Westens, aber auch auf das eigene Versagen der muslimischen Staaten, ihr großes Potential sinnvoll zu nutzen. Die Demütigungen des Irakkrieges schürten Hass und Gegenhass. Als der Islam seine Grenzen in Afrika immer weiter nach Süden schob, antworteten christliche Fundamentalisten mit Evangelisierungsfeldzügen, aus denen bald wirkliche Feldzüge wurden. Schon 2004 kam es in Nigeria zwischen Christen und Moslems zu ersten Auseinandersetzungen und wechselseitigen Pogromen, die Tausende von Opfern forderten. Die Weltöffentlichkeit beachtete es nicht. War ja nur in Afrika.
   Durch zunehmend an Routine gewinnendes Krisenmanagement und den Einfluss des liberalen kanadischen Papstes Gregor XVII. entspannte sich die Lage danach wieder. Dann, nach einer trügerischen, langjährigen Pause kam der Big Bang: Die zeitgleichen Bio- und Nuklearattentate auf Washington, New York, Boston, Chicago, Denver, Seattle, San Francisco, Los Angeles, Houston und Miami und die Zerstörung mehrerer Atomkraftwerke löschten die USA auf einen Schlag von der politischen Landkarte. Rom und der Vatikan wurden am selben Tag zerstört.
   Europa reagierte mit der üblichen Lähmung. Einige Staaten wollten nichts unternehmen, um nicht selbst in die Schusslinie zu kommen. Andere plädierten für einen Gegenschlag, allerdings gab es kein rechtes Ziel. Das Kommando von al-Mansur, das die Verantwortung übernahm, existierte quasi nur im Internet. Wie soll man einen virtuellen Gegner angreifen?
   Urban IX., damals noch ein junger Mann von vierzig Jahren, nutzte das Vakuum und riss die Führung an sich. Er hatte eine einfache Botschaft: Das christliche Europa würde das nächste Angriffsziel sein. Dagegen gab es nur eine Strategie: sofortiger, massiver Gegenschlag. Rachezug und Kreuzzug in einem. Flächendeckend gegen die gesamte islamische Region. Alle zusammen unter einer starken Führung. Nämlich seiner. Genauso geschah es. Aus allen europäischen Ländern eilten sie herbei, um dem Aufruf des charismatischen Papstes zu folgen und gegen die Ungläubigen zu ziehen. Je katholischer das Land, um so größer die Truppenkontingente. So wurden wir Polen einer der Grundpfeiler der christlichen Armee.
   Anfangs waren wir sehr erfolgreich, denn unser Gegner hatte kaum militärische Macht, nur unbändigen Kampfeswillen. Aber je mehr sie mit gezielten Anschlägen unsere Infrastruktur, Forschungs- und Produktionsstätten zerstörten und ganze Landstriche verseuchten, um so schwächer wurden auch wir. Inzwischen ist es ein ganz konventioneller Abnützungs- und Guerillakrieg geworden, der schon vier Jahrzehnte dauert, ohne Aussicht auf ein Ende.
   Das vatikanische Labyrinth führt mich in einen Säulengang, der einen Hof auf drei Seiten umläuft. Den Abschluss auf der vierten Seite bildet die Fassade von Santa Maria Maggiore. Aus dem offenen Portal klingen die düsterschönen Melodien von Brahms’ Deutschem Requiem.
   »Und alles Fleisch, es ist wie Gras.«
   Wie wahr, wie wahr. Besser kann man diesen Krieg nicht beschreiben. Welche Mengen an Gras allein unsere Division geschnitten hat.

»Herr, segne unsere Waffen, die dein Reich auf Erden schaffen.«
   Das war unser tägliches Morgengebet. Unser tägliches Abendgebet. Und jetzt war es unser Gebet vor dem Sturmangriff.
   Wir sammelten uns noch einen Augenblick, bekreuzigten uns, und dann stürmten wir los gegen die Mauern des jemenitischen Bergnests, durch das Stadttor, in die Häuser, schießend, Handgranaten durch Türen und Fenster werfend. Ich feuerte, ich schrie, ich johlte, ein Sklave meines Adrenalins, ein erbarmungsloser Söldner meines Überlebenswillens.
   Nach einer halben Stunde wussten wir, dass wir wieder einmal fast nur Frauen und Kinder getötet hatten. Wir saßen in den Ruinen und begriffen jetzt erst, wie wenig Gegenwehr wir bekommen hatten. Und während wir das begriffen, krachten schon die ersten Mörsereinschläge. Wir waren in eine Falle gelaufen.
   Die Granaten zerfetzten alles, was da war, Stein, Fleisch, Knochen. Sie heulten infernalisch, bevor sie einschlugen. Verletzte Soldaten schrien wie Tiere auf der Schlachtbank. Ich lag in einem Krater, hatte nur noch einen Gedanken: Das ist es. Das ist das Ende. Dann sah ich zur Seite und hatte eine Marienerscheinung.
   Sie war auf Kolleks Maschinengewehr, das direkt neben mir lag. Kollek hatte ein Bild der Muttergottes auf sein M-911 geklebt. Das Klebebild hatte Blasen geworfen, als sich der Lauf erhitzte. Kollek war ein freigiebiger Schütze. Er verballerte immer seine ganze Munition, bis der Lauf glühte.
   Das blaue Gewand sah verschmutzt aus, befleckt. Du siehst solche Sachen nur im Krieg. Wenn du nicht mehr glaubst, dass du da heil rauskommst. Weil jeder Moment dein letzter sein könnte, versuchst du ihn festzuhalten. Egal wie absurd es ist, was du siehst. Am letzten Tag deines Lebens – und das könnte heute sein – gibt es nichts Unwichtiges.
   Du wirfst dich in Deckung, und da liegt ein Blatt. Ein ganz gewöhnliches Blatt. Aber dieses Blatt ist vielleicht das letzte, was du in deinem Leben siehst. Also siehst du es genau an. Es ist das schönste Blatt der Welt. Grün, an den Rändern etwas verschrumpelt, mit roten Adern, die zum Rand hin gelb werden. Noch in drei Jahren könntest du es aus dem Gedächtnis malen.
   Genau wie diese sanfte Frau in dem blauen, verdreckten, angesengten Umhang. Unvergesslich. Eine segnende Muttergottes auf dem Lauf eines MGs. Die Welt ist voller Wunder.
   Dann war der Augenblick vorbei. Die angehaltene Zeit lief wieder weiter. Der Lärm der Schlacht kam in doppelter Lautstärke zurück.
   Und ich überlebte, aus welchen Gründen auch immer.

Welch marmorkühler Prunk hier herrscht, in den langen Fluren des Vaticano Nuovo, in den zahllosen Kirchen und Kapellen. All die Heiligen. All die segnenden Hände. Kaum zu glauben, dass hier der Tod von Milliarden Menschen geplant wurde.
   Gestalten in schwarzen Talaren huschen vorbei. Je näher man dem Allerheiligsten kommt, dem Audienzsaal, desto gebeugter und lautloser werden sie, Roboter der Unterwürfigkeit.
   Ich würde ihre Demut achten, wenn sie auf das rechte Ziel gerichtet wäre. Aber es ist Demut vor dem Hochmut.
   Urban IX. ist inzwischen alt und gebrechlich geworden. Er hat einen Großteil seiner Macht an den Oberbefehlshaber der Christlichen Streitkräfte delegiert. Bei Kardinalmarschall Menninger weiß er seine Politik der Reconquista in besten Händen.
   Menninger ist absolut skrupellos gegenüber allen, die nicht den rechten Glauben haben. Vor einigen Jahren verursachte er den wohl größten Kollateralschaden, den es je in einer militärischen Auseinandersetzung gegeben hat. Er ließ einen von seinen Biochemikern gebastelten Virus von der Leine, obwohl – oder weil? – die Bestände des Gegenmittels nur für die europäischen Länder ausreichten.
   Wie die Reiter der Apokalypse galoppierte die Seuche durch Asien, das sich bisher aus den Kampfhandlungen weitgehend herausgehalten hatte. Sie raffte vier Milliarden Menschen dahin. Asien ging unter. Als letzten Racheakt schickte China noch seine gesamten atomaren Langstreckenraketen nach Europa. Da war Polen doch verloren. Und Tschechien, Österreich und Teile Deutschlands.
   Menninger bezeichnet die Seuche in kleinem Kreis gern als die Asiengrippe. Das Ganze ist einfach unvorstellbar. Vier Milliarden Tote. Viertausend Millionen.
   Wenn ich für jeden Toten ein Kreuz schlagen würde, ein Kreuz pro Sekunde, wäre ich nach 127 Jahren fertig. Diese Rechnung ist nicht von mir. Sie ist vom Kardinalmarschall selbst. Er hat mir das vorgerechnet, mit mildem Spott in seinen blauen Augen. »127 Jahre! So viel Zeit habe ich nicht.«
   Was für ein Wahnsinn! Vielleicht war ich deshalb so dankbar für die paar Hoffnungszeichen, die es gab.

Der Krieg war alt geworden und ich mit ihm. Ich war jetzt ein Veteran, hochdekoriert, Oberst im Generalskollegium. Es hatte seine Vorteile. Ich wurde jetzt im Hubschrauber herumgeflogen und war immer weit vom Schuss. Wir Sandkastenstrategen lieben die Front nur als abstrakte Vorstellung, das Schießen und Töten und Verstümmeltwerden überlassen wir den Jungen. Kein Tropfen Blut auf unserem Kartentisch. Ein sauberer Job in klimatisierten Räumen.
   Wir flogen über Bergland im Norden Iraks. Eine der ältesten Kampfzonen, so hart umkämpft, dass sie inzwischen fast menschenleer war. Alles umgepflügt, zerstört, nur Ruinen und eine Natur, die die Abwesenheit des Menschen nutzte und sich das Land zurückeroberte.
   Von oben war es ein Anblick von verschwenderischer Pracht. Die Berge waren nackt und kahl wie am ersten Schöpfungstag. Die Täler dazwischen waren von einem Ende zum anderen mit riesigen Blumenfeldern bedeckt, die in allen Farben leuchteten, vor allem aber in Blau. Es sah aus wie abstrakte Ornamente. Wie die Muster auf den Fassaden der großen Moschee von Samarkand, Arabesken in Türkis und Lapislazuli.
   Es war unglaublich, wie sich diese Blumenmeere verbreiteten. Als hätte die Natur nur darauf gewartet, dass der Mensch verschwindet, damit sie dann in aller Schönheit und Unschuld wiederauferstehen konnte. Die Renaissance des Garten Eden. Wenn man über diese Landschaft flog, konnte man zusehen, wie das Buch Genesis neu geschrieben wurde, mit deutlichen Verbesserungen gegenüber der ersten Auflage.
   Ich gab dem Piloten ein Zeichen runterzugehen. Wir landeten am Rand einer der Blumenwiesen. Der Luftdruck der Rotorblätter mähte eine kreisförmige Lichtung in das blaue Wunder. »Kill it«, sagte ich zu dem Piloten. Er schaltete den Rotor aus. Als das belfernde Pochen verstummt war, stieg ich aus und lief durch die Wiese, einer Krümmung des Tals folgend, bis der Chopper aus meinem Blickfeld verschwand.
   Welch eine Stille. Welch ein Frieden. Ich sah mich um. Außer der Spur, die meine Stiefel durch den Blumenteppich gezogen hatten, gab es nichts, was auf die Anwesenheit von Menschen oder anderen Raubtieren hingedeutet hätte. Es war, als hätte man mir eine Morphinspritze gesetzt. Tiefes Behagen durchströmte mich. Die Schreie, die Detonationen, die seit Jahren in meinem Kopf waren, verstummten. Die Bilder, die ich nicht sehen wollte, verblassten. Ich war zum dritten oder vierten Mal in meinem Leben zutiefst glücklich.
   Der Duft der Blumen erinnerte mich an eine andere Wiese, in Masuren, vor vielen Jahren. Maria. Ihre Augen. Graues Grün. Grünes Grau. Ihre langen blonden Haare, die über mein Gesicht wehten. Ihre Hand auf meiner nackten Brust. Dieser Augenblick, in dem ich allwissend, unbesiegbar und allmächtig war.
   »Ryszard.« So lange her, und doch klang es in meinem Ohr, als läge sie direkt neben mir. Hier und jetzt. Und wieder ließ ich mich in den Frieden der großen Wiese fallen. Ich wusste, dass Maria tot war, aber das war aufgehoben. Sie war bei mir. Hier und jetzt. Ich schloss die Augen.
   Als ich sie wieder öffnete, stand ein kleines Mädchen vor mir. Es war etwa zehn Jahre alt, trug eine Art von Sari aus maisgelbem Leinen und hielt einen Blumenstrauß in der Hand, den sie mir entgegenstreckte.
   Sie sprach ein paar Worte, die ich nicht verstand, doch nach etwa einer Sekunde hatte der Autotranslator in meiner Flakweste die Sprache analysiert, und das Audioimplantat in meinem rechten Ohr sagte: »Willkommen. Sei unser Gast.«
   »Wer bist du?«, fragte ich entgeistert. »Woher kommst du?« Mein Com-Helm wiederholte die Worte in ihrer Sprache. Der Lautsprecher quäkte ein bisschen, was sie zum Lachen brachte.
   »Ich lebe hier«, sagte sie. »Mit meinen Schwestern und Brüdern.«
   Sie kicherte und winkte mit der freien Hand. An einem Berghang in der Nähe entstand Bewegung. Kleine Gestalten krochen aus einer Höhle, die mir vorher nicht aufgefallen war, kamen wie eine Hobbit-Patrouille in einer Reihe den Hang herunter und stellten sich im Halbkreis um ihre Anführerin.
   Es waren etwa fünfzig bis sechzig Kinder. Sie trugen ein wildes Sortiment der seltsamsten Kleidungsstücke. Saris, Pluderhosen, Grasröcke, Felljacken. Armeehosen, Uniformreste, Trainingsjacken mit russischen Buchstaben. Ein Mädchen trug eine Art Reifrock, aus jungen Zweigen geflochten. Auf dem zerfransten T-Shirt des Jungen neben ihr prangte ein Linux-Pinguin.
   Die nächste Stunde war eine der unvergesslichsten in meinem Leben. Was aussah wie eine surrealistische Kindertheateraufführung, war eine Gemeinschaft von Waisen, die allein und auf sich gestellt in diesem Tal lebte, ein vom Rest der Welt abgeschiedener Kleinstaat ohne Erwachsene. Die Großen, von denen es nicht viele gegeben hatte, waren nacheinander aufgebrochen, um Hilfe zu holen oder was auch immer. Keiner von ihnen war je zurückgekommen.
   »Und wovon lebt ihr?«, fragte ich. Beeren, sagten sie. Früchte. Honig. Und natürlich vom Tausch. So erfuhr ich, dass fast in jedem dieser Gebirgstäler ein Stamm von Waisen lebte, in kleinen Gemeinschaften, die untereinander Handel betrieben. Das wichtigste und teuerste Handelsgut waren Kleidungsstücke, denn die konnten sie nicht selbst herstellen.
   »Zum Glück sind die Winter nicht mehr so hart«, sagte das Mädchen. »Uns gefällt es hier.« Sie machte mit der Hand einen großen Schwenk um sich herum. »Es ist schön hier. Wir nennen uns die Blumenkinder.«
   Blumenkinder! Welch eine Laune der Geschichte. Ohne es zu wissen, hatten diese Kriegswaisen einen Begriff wiedergeboren, der schon einmal für eine hoffnungsvolle Zukunft gestanden hatte. Love & Peace. All you need is love.
   Das Mädchen lächelte mich an, als hätte es meine Gedanken erraten. Mir fiel auf, wie viel natürliche Würde und Autorität sie ausstrahlte. Wirklich erstaunlich für eine Zehnjährige.
   »Wie heißt du?« fragte ich sie noch einmal.
   »Fatima«, antwortete sie.
   Fatima! Der Name fuhr in mich wie ein Blitz. Jeder gute Christ kannte diesen Wallfahrtsort in Portugal. Die Heilige Muttergottes von Fatima war ein Inbegriff unseres Glaubens. Und für die Moslems war Fatima die Tochter Mohammeds, von der alle männlichen Nachkommen des Propheten abstammten. Für beide Parteien unseres Glaubenskriegs war Fatima ein heiliger Name. Ein Aufruf, die Kluft zu überwinden und die Gemeinsamkeit des Glaubens zu entdecken. Wer da vor mir stand, war ein Symbol. Eine Erscheinung.
   Ich weiß nicht, wie es geschah, dass ich das Knie vor ihr beugte. War es die Müdigkeit eines alten Soldaten? Wollte ich einfach nur auf gleiche Augenhöhe mit diesem Kind kommen? Wollte ich ihrer klugen, freundlichen Art Respekt zollen? Oder war es mehr?
   Sie bemerkte, wie aufgewühlt ich war, und legte mit der größten Selbstverständlichkeit tröstend ihre Hand auf meinen Kopf. Eine Geste, die ich aus vielen Altarbildern in unseren Kirchen kannte.

Oh Fatima, ich habe einen großen Fehler begangen. Ich habe über die Sache gesprochen. Wollte, dass man euch Vorräte für den Winter schickt. Sie schickten euch etwas anderes.
   Urban IX. sprach mich selbst darauf an, am Ende einer Privataudienz für das Generalskollegium.
   »Oberst Sikorski«, sagte er sanft. »Diese Gruppe, die Sie da im Nordirak aufgestöbert haben ...«
   Es durchlief mich eiskalt. »Ja, was ist damit?«
   »Wir haben«, sagte er, und seine Augen waren so fern und kalt wie der Weltraum, »wir haben dieses Widerstandsnest eliminiert.«
   Ich dachte an die große blaue Blumenwiese, an die Beeren, die Früchte, den Honig. Ich dachte an die Kinder, die in der Wiese standen wie Elfen aus einem Märchenland, und ich spürte, wie etwas in mir nachgab. Der dünne Faden des Glaubens, dass alles auf der Welt so ist, wie es sein soll, dass trotz Schmerz und Ungerechtigkeit der Große Plan seinen tiefen Sinn hat und am Ende alles gut wird – dieser Faden zerriss in jener Sekunde im Audienzsaal des mächtigsten Mannes der Christenheit.
   »Aber ... Ortega«, sagte ich, fast rasend vor Zorn und Frustration, »es waren nur Kinder.«
   »Heiden«, sagte er und machte eine Handbewegung, als verscheuche er eine Fliege. »Alles Heiden. Nicht der Rede wert.«

Eigentlich war es im Kaschmir zu gefährlich, so tief zu fliegen. Aber das war mir egal. Seit dem Tod von Fatimas Blumenkindern fand ich eine morbide Freude darin, den Tod herauszufordern. Was konnte schon geschehen? Eine Kugel konnte mein sinnloses, an den Krieg vergeudetes Leben beenden. So what? Insgeheim sehnte ich mich nach dem Ende.
   Der Schatten des Hubschraubers zitterte wie ein urzeitliches Rieseninsekt über die üppig strotzende Landschaft, einem Dschungel aus Gräsern und Büschen und Bäumen, der in mehreren Etagen übereinanderwuchs. Es schien tatsächlich so, als würde im Kampf zwischen Mutter Kirche und Mutter Natur die Natur gewinnen. Der Gedanke erfüllte mich mit tiefer Befriedigung. Vielleicht verwandelte sich unser Planet wieder in den Paradiesgarten vom Anfang der Schöpfung zurück, bevölkert von sanften Menschen, die im Einklang mit der Natur lebten und des Tötens überdrüssig waren.
   Aus heiterem Himmel wölbte sich die Kanzel nach innen, Glassplitter schwebten auf mich zu und färbten sich rot. Dann erst kam das Bersten des Einschlags, das Aufheulen des Rotors, der Schmerz.
   Der Helikopter kippte nach unten weg, taumelte, richtete sich auf, schlug kreischend eine Schneise in den Dschungel. Ich wurde nach vorn geschleudert. Ein schwarzer Sack fiel über mich.
   Als ich wieder zu mir kam, saß mir ein prachtvoll gewandeter Emir gegenüber. Wir befanden uns in einem Raum, der kreisförmig von Säulen und Pfeilern umgeben war, hinter denen weitere Säulen und Pfeiler ein Oktogon bildeten.
   Ich kannte diesen Ort. Er war mit Jerusalem untergegangen, wie fast ganz Israel. Dort gab es jetzt nur noch ein großflächig erweitertes Totes Meer.
   »Der Felsendom«, sagte ich spöttisch. »Glauben Sie, damit könnten Sie mich bluffen?«
   Die Säulen stürzten in einem Chaos aus flirrenden Pixeln zusammen. Ein Gefühl, als würde jemand mein Gehirn mit einem Löffel umrühren, Schwindel, Übelkeit – dann saß ich in einer armseligen, nur mit ein paar Teppichen geschmückten Kammer.
   »Gute Virtual-Reality-Maschine«, sagte ich zu meinem Gegenüber. »Kompliment. Wenn ich nicht wüsste, dass all euere herrlichen Moscheen und heili- gen Stätten zerstört sind, hätte ich mich täuschen lassen. Es war absolut echt.«
   »Euere herrlichen Moscheen«, wiederholte der Mann, der nun ein schlichtes weißes Gewand trug. »Ungewöhnliche Worte für einen Christen.«
   »Und Sie sprechen ungewöhnlich gut Englisch für einen muslimischen Feldkommandanten«, erwiderte ich.
   »Ich habe in Oxford studiert«, sagt er, und ich glaubte einen Hauch Wehmut in seiner Stimme zu spüren. »Ich wäre gern dort geblieben. Vermutlich wäre ich heute Professor für Computertechnik, wenn nicht ...« Er räusperte sich und wies auf die erbärmliche Kammer. »Stattdessen ...«
   Ich sah ihn an. Er war ein müder alter Mann. Wie ich.
   Er straffte sich. »Man nennt mich Saladin.«
   Das war also der berühmte islamische Feldherr, das strategische Genie, das die Niederlage seiner Seite abgewendet hatte und nun immer mehr Druck auf uns aufbaute. Seit Jahrzehnten auf der Flucht, überall und nirgends anzutreffen.
   »Sikorski«, sagte ich.
   »Ah, Oberst Sikorski. Ich habe von Ihnen gehört.« Er vertiefte das Thema nicht. »Ich habe gehofft, Sie eines Tages zu treffen.«
   Lange musterten wir uns gegenseitig. Wir waren beide etwa gleich alt. Wir waren beide dieses Lebens überdrüssig, das nichts von dem gebracht hatte, was wir uns in jungen Jahren erträumt hatten. Wir suchten beide nach der letzten großen Geste, der Wiedergutmachung, angesichts derer wir doch noch sagen konnten: Ja, es hat alles seinen Sinn gehabt.
   Und auf einmal war da der Moment, in dem alle Dämme brachen. Wir sprachen über den Glanz der islamischen Architektur, die Moscheen von Cordoba, Damaskus, Isfahan. Die efeuüberwachsenen Innenhöfe englischer Colleges. Die sorglosen Tage vor dem Krieg. Die Menschen, die wir verloren hatten. Die Zukunft, die wir einst vor uns hatten und die nun Vergangenheit war, ohne je Gegenwart geworden zu sein. Fatima und die Blumen.
   Irgendwann nach vielen Stunden fragte Saladin plötzlich: »Glaubst du, dass dieser Krieg bald zu Ende gehen wird?«
   »Nein«, sagte ich. »Nicht in Jahrzehnten. Zu viel Fanatismus.«
   Er schwieg. »Einer muss den Frieden anfangen, so wie einer den Krieg anfängt«, sagte er schließlich gedankenverloren. »Das ist von einem von euch. Ein deutscher Schriftsteller. Stefan Zweig.«
   »Schön und gut«, sagte ich. »Aber wie?«
   »Wir haben keine klassische Armee mit Panzern und Flugzeugen. Aber wir sind sehr gut in der elektronischen Kriegsführung.«
   Ich nickte. »Ich weiß. Ihr habt fast alle unsere Satelliten unter Kontrolle gebracht.«
   »Gekapert, ja. Wir haben viele hervorragende Software-Entwickler aus Indien auf unserer Seite. Keine Moslems, aber Indien verhungert, und so landen viele Hindus bei uns. Wir geben ihnen zu essen. Natürlich nur den Begabtesten, denn wir haben selbst nicht viel.« Ein Spur Stolz überlagerte die Melancholie in Saladins Gesicht. »Wir haben große unterirdische Entwicklungskomplexe. Tief im Berg. Nicht zu finden. Völlig autark. Ein Lob der Brennstoffzelle.«
   »Und – was bringt das für den Frieden?«
   »Wir haben einen Virus entwickelt, der euer gesamtes Datenverarbeitungsnetz irreparabel zerstören wird. Binnen zehn Minuten wird auch das letzte Peripheriegerät funktionsunfähig sein. Vorausgesetzt ...« Er machte eine lange Pause. »Vorausgesetzt, jemand schmuggelt den Virus an eurer Dreifach-Firewall vorbei.«
   Ich brauchte nicht lange, um mich zu entscheiden. »Okay«, sagte ich, »her damit.«
   Alles, was diese Amok laufende Kriegsmaschinerie aufhalten konnte, war gut.
   Ich würde der weiße Ritter sein, der dem Wahnsinn Einhalt gebot.
   Bald ist meine Mission erfüllt. Ich gehe in das kleine Sekretariat neben dem Audienzsaal. Es ist nur bei Audienzen besetzt. Jetzt ist es leer. Natürlich kommt da nicht jeder rein. Ich weiß, dass ich vom Öffnen der Tür bis zur Eingabe des Codewortes ungefähr zehn Kontrollen durchlaufen habe, Telematikgeräte, Scanner, Analyzer und was sonst noch. Kein Problem, ich habe die zweithöchste Zugangspriorität, und das reicht für meine Zwecke.
   Ich docke die mobile Speichereinheit mit Saladins Virus an das System an. Der Rest geschieht automatisch.
   Kaum habe ich das Sekretariat wieder verlassen, beginnen die Glocken zu läuten. Erst denke ich erschrocken an einen Alarm, dann begreife ich, dass dies ein akustisches Signal für den Zusammenbruch des Systems ist.
   Die Glocken im ganzen Vatikan sind elektronisch gesteuert. Wie ein sterbendes Gehirn feuert das kollabierende Datennetz sinnlose Befehle ab und hat alle Glocken aktiviert. Es müssen Tausende und Abertausende sein. Die ganze Insel erbebt unter dem dröhnenden Klang dunkel hallenden Erzes. Es ist ein unfassbarer, die Sinne überwältigender Lärm, eine machtvolle Tonkaskade, die wie eine Sintflut über uns hereinbricht. Die Wände zittern, selbst die Luft scheint zu vibrieren. So habe ich es mir immer vorgestellt, wenn zum Jüngsten Gericht geläutet wird.
   Wird es ja auch.

Menninger platzte fast vor Stolz. Er hatte mich hinüber in seine Kommandozentrale bestellt, jenen unterirdischen Komplex im Westen der Insel, den sie das Pentagon nennen.
   »Das ist sie«, sagte er mit Ehrfurcht. »Die Mutter aller Bomben. Der Große Schnitter.«
   Die Mutter aller Bomben sah unspektakulär aus. Im Grunde wie eine große, längliche Metalltruhe. Oder ein Sarg.
   »Eine Neutronenbombe der neuesten Generation«, begeisterte sich der Kardinalmarschall. »Tötet jede lebende Zelle in einem Radius von 30 Kilometern. Durchdringt jede Materie. Damit kriegen wir sie auch in den tiefsten Löchern in den Bergen. So tief können sie sich gar nicht hineinwühlen.«
   Er schwenkte eine Fernbedienung. Es war lächerlich. Für einen Augenblick glaubte ich, er wolle vor Freude tanzen.
   »Die Heiden sind damit quasi Geschichte, Sikorski. Und dann«, er konnte sich nur mühsam beherrschen, »sollten wir uns mal um die Protestanten kümmern. Sie haben unseren Kampf nur halbherzig unterstützt, diese Häretiker.«
   Ich überlegte, was das in Menschenleben bedeutete. Zehn Millionen Opfer? Hundert Millionen? Noch mehr? Ich dachte an die Asiengrippe. Wenn sie eine Waffe hatten, setzten sie sie auch ein.
   Meine Entscheidung war logisch, kühl und klar. Ich schlug Menninger nieder, mit den bloßen Fäusten. Es war einfach, er hatte nicht damit gerechnet. Er fiel nach hinten gegen eine Schreibtischkante und brach sich das Genick.
   Ich verließ den Raum und gab draußen Order, dass Kardinalmarschall Menninger nicht gestört werden wollte.
   Sie würden sich daran halten. Gehorsam war hier das oberste Gebot.

Der Lärm der Glocken ist immer noch infernalisch. Es ist, als würde man im Inneren einer einzigen großen Glocke sitzen, die einen selbst in Schwingung versetzt. Die elektronischen Spieltische der großen Orgeln haben sich selbständig gemacht und mischen sich in den Lärm. Die Orgelpfeifen wummern, schrillen, tröten, kreischen wie waidwunde Saurier.
   Menschen rennen in Panik hin und her, bekreuzigen sich. Sie begreifen nicht, was hier vor sich geht, aber auf ihren Gesichtern liegt eine schreckliche Ahnung.
   Ich knie vor dem Hauptaltar von Santa Maria Maggiore. Meine Gedanken rasen, springen hin und her zwischen völliger Wirrheit und völliger Klarheit.
   Es ist 58 Minuten her, seit ich Menninger niedergeschlagen habe. Vor drei Minuten habe ich den Computervirus aktiviert. Jetzt kann ich nur noch warten.
   Ich will diesen Wahnsinn beenden. Ich will Millionen von Menschen retten. Ich muss dieser Tyrannei ein Ende machen.
   Es ist der letzte Ausweg. Tyrannenmord. Früher war das einfach. Man hat den Kaiser, den König, den Diktator getötet, und alles brach zusammen. Heute, in einer vernetzten Welt, ist das anders. Unrecht geschieht gleichzeitig und überall, ganz systematisch. Das System ist der Tyrann, nicht ein einzelner. Also musst du das System zerstören. Die Adern, durch die das Gift fließt. Die Datennetze. Und den Kopf. Du musst das ganze System enthaupten. Radikal, sonst ist es bald wieder so, wie es war.
   Ja, ich habe es getan. Ich habe die Zeitschaltuhr des Großen Schnitters auf eine Stunde gestellt. Ich werde Zehntausende töten, um Millionen zu retten. Ich töte für das höhere Wohl Menschen, die ich für schuldig halte. Ich nehme dabei den Tod Unschuldiger in Kauf. Wie ein ganz gewöhnlicher Terrorist. Was unterscheidet mich von einem x-beliebigen Selbstmordattentäter? Was gibt mir die Gewissheit, dass dieser etwas Falsches tut und ich etwas Richtiges? Welcher Hochmut! Was maße ich mir an?
   Aber einer muss es doch tun. Für Kinder wie Fatima. Für all die Unschuldigen, die sonst getötet würden. Für die Zukunft.
   Ich weiß keinen anderen Weg. Der Gordische Knoten. Der Große Schnitter.
   Mein Gott, steh mir bei. Gott vergib mir. Gib, dass ich das Richtige getan habe. Steh mir bei. Vergib mir.
   Steh mir bei. Vergib mir. Und alles Fleisch, es ist wie Gras.
   Noch zwanzig Sekunden.

© 2004 by Karl Michael Armer
Entnommen aus: Helmuth W. Mommers (Hrsg.): Der Atem Gottes und andere Visionen 2004 (Berlin: Shayol, 2004)

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Originalausgabe
Helmuth W. Mommers (Hrsg.): Der Atem Gottes und andere Visionen 2004
(Berlin: Shayol-Verlag, 2004) 3-926126-42-6 Bestellen
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28.08.10 • 02.09.10