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Der produktivste Autor der WeltObwohl Isaac Asimov inzwischen seit mehreren Jahren tot ist, erscheinen nach wie vor Bücher, die seinen Namen tragen. Schon vor Jahrzehnten war der Name des enorm fleißigen Schriftstellers ein Garant für überdurchschnittliche Verkaufszahlen eines Titels, und daran, so hoffen die Verlage, wird sich so bald nichts ändern. Da haben wir die Unsterblichkeit, über die viele Science-Fiction-Autoren immer wieder schreiben. Seit seinem Tod sind allein in Deutschland über ein Dutzend Bücher von ihm erschienen, darunter zwei Story- und Essaycollections, der zehnbändige Foundation-Zyklus im Hardcover, einige Sachbücher und natürlich mehrere Anthologiebände, die seinen Namen tragen. Isaac Asimov hat in seinem Leben knapp 500 Bücher veröffentlicht. Allerdings ist die Mehrzahl davon keine Science Fiction sondern Sachliteratur. Wenn man berücksichtigt, daß der größte Teil seiner Bücher nach 1959 veröffentlicht wurde, so kommt man auf eine durchschnittliche Menge von ca. 13 Büchern pro Jahr. Bei näherer Betrachtung stellt man jedoch fest, daß Asimov für eine große Anzahl der Bücher nicht viel schreiben brauchte, denn ein großer Teil der Collections enthalten Texte, die sich in anderen Collections wiederholen. Dennoch dürfte er wohl zu den produktivsten Autoren der Welt gehören. Seine »Besessenheit« formulierte er selbst bereits 1965: »Ich liebe das Schreiben. Ich bin niemals so glücklich, wie wenn ich vor der Schreibmaschine sitze.« Und einige Jahre später schrieb er: »Alles außer Schreiben ist eine Unterbrechung.« Doch wann kam er dazu, für seine zahlreichen Bücher zu recherchieren, wenn er immer nur schrieb? Seine Antwort lautete: »Ich recherchiere zwischendurch: ich lese während des Essens oder im Bad oder im Bett oder während ich fernsehe. Glücklicherweise erinnere ich mich an alles, was ich lese, und kann es auf unbegrenzte Zeit nutzen...« Und das alles allein? »Ich bin ein Ein-Mann-Betrieb. Ich habe keine Schreibkraft, keine Sekretärin, keinen Partner, niemanden der recherchiert, keinen Agenten. Ich mache alles selbst, die ersten Entwürfe, die Endfassungen, Recherche, Druckfahnen lesen, Verzeichnisse erstellen - alles. ... Ich verfasse Texte schneller als ich schreibe, und ich schreibe 90 Worte pro Minute.« Hut ab! (alle Zitate aus Yours, Isaac Asimov. A Lifetime in Letters) Die Frage, warum Asimov so populär ist, läßt sich relativ einfach beantworten. Er hatte nie den Anspruch, ein tiefgründiger Schriftsteller zu sein. Stattdessen wollte er, daß möglichst jeder seine Bücher versteht. Die Folge davon ist, daß man Asimov auch mit weniger fortgeschrittenen Englischkenntnissen im Original lesen kann. Typisch für ihn sind didaktisch aufgebaute Texte und kurze Sätze. Also war er ganz besonders geeignet, Sachbücher zu verfassen. Aber warum ist er als Science Fiction-Autor so beliebt und bekannt, daß sein Tod im Jahre 1992 sogar von der Tagesschau gemeldet wurde? Denn seine wichtigsten SF-Werke entstanden alle bereits in den vierziger Jahren. Robotik und PositronikAls John W. Campbell jr. im Jahr 1939 die Herausgabe des Magazins ASTOUNDING übernahm, brach für die Science Fiction ein neues Zeitalter an. Campbell forderte von seinen Autoren wissenschaftliche Hintergründe und glaubhafte Charaktere. Die Zeit der wilden Weltraumabenteuer und glotzäugigen Monster sollte vorbei sein, von nun an sollte Logik und Rationalität federführend sein. Er ermutigte auch viele junge Autoren und gab ihnen Anregungen, die das Bild der neuen SF prägten. Einer von ihnen war Isaac Asimov, der kurz darauf mit seinen streng logisch aufgebauten Robotergeschichten Aufsehen erregte. Er prägte nicht nur die allseits bekannten Robotergesetze, sondern erfand auch Begriffe, die heute allgemein in die SF eingeflossen sind. So zum Beispiel »positronisch« als Gegensatz zu elektronisch (erstmals erwähnt in »Reason«, April 1941 in ASTOUNDING) oder »Robotik« (erstmals in »Runaround«, März 1942 in ASTOUNDING). Durch den Erfolg seiner Robotergeschichten ermutigt schrieb Asimov im Laufe der Jahre eine Unzahl weiterer Geschichten zum Thema, wobei er sich selten wiederholte und immer wieder einen neuen Aspekt im Leben mit Robotern entdeckte. Foundation und PsychohistorieBereits im Mai 1942 erschien der Auftakt von Asimovs bekanntester SF-Serie in Astounding: Foundation. Hierfür erfand der gerade einmal 22jährige eine Pseudowissenschaft namens »Psychohistorie«, die sich mit dem gesetzmäßigen Verhalten der gesamten Menschheit beschäftigte. Das Gemisch aus Wissenschaftsbegeisterung und Gigantomanie (Asimovs Imperium besteht immerhin aus 25 Millionen bewohnten Planeten) war wahrscheinlich der Auslöser für den anhaltenden Erfolg der Serie. Sicherlich war Asimov in späteren Jahren ein hervorragender Publizist, der komplizierte Zusammenhänge so weit vereinfachen konnte, daß selbst ein amerikanischer Teenager sie begreift (zahlreiche seiner Sachbücher zeugen davon), im Fall der Psychohistorie ist diese Vereinfachung jedoch eher die naive Phantasie eines Jungautoren der vierziger Jahre. In den Romanen funktioniert sie zwar, dennoch hat die Geschichte gezeigt, wie trügerisch eine wissenschaftliche Gesellschaftsanalyse (nicht nur bei Marx) und deren logische Fortentwicklung sein kann. Trotzdem darf man nicht vergessen, daß Asimov einer der wichtigen Autoren war, die die Wissenschaft zur Science Fiction hinzugefügt haben und dabei halfen, die SF zu dem zu machen, was sie heute ist: ein ernstzunehmendes Genre, in dem Wissenschaft, Spekulation und Phantasie gleichbereichtigt nebeneinander stehen. Die ursprünglichen neun Foundation-Stories und -Novellen entstanden allesamt in den vierziger Jahren. Nach ihrer Veröffentlichung in Buchform wurden sie zu einem Bestseller, der regelmäßig neu aufgelegt wurde. Schließlich erweiterte Asimov den Zyklus um einige Romane und führte sie mit den Robotergeschichten zusammen.
Vor kurzem ist in Deutschland erstmals eine einheitlich aufgemachte Hardcover-Gesamtausgabe in zehn Bänden beim Heyne-Verlag erschienen. Verlegerisch sicher eine mutige Tat, denn der Asimov-interessierte SF-Leser wird die früheren Ausgaben sicherlich bereits besitzen. Andererseits sind einige Titel seit Jahren nicht mehr verfügbar, und so erhält man nun die frühen Robotergeschichten (Meine Freunde, die Roboter), die beiden Roboterromane Die nackte Sonne und Die Stahlhöhlen (zusammen in einem Band), die drei Romane, in denen Asimov die Vorgeschichte seines Galaktischen Imperiums erzählt und die den Foundation- mit dem Roboterzylkus zusammenführen (Der Aufbruch zu den Sternen, Das galaktische Imperium und Das Foundation-Projekt), die sogenannte frühe Foundation-Trilogie (bisher bekannt unter den Titeln Radioaktiv...!, Der fiebernde Planet und Sterne wie Staub - zusammen in einem Band), Die Rettung des Imperiums, die ursprüngliche Foundation-Trilogie (alle drei Romane in einem Band) und die beiden abschließenden Bücher Die Suche nach der Erde sowie Die Rückkehr zur Erde. Eines der schönsten SF-Bücher Asimovs gehört leider nicht zum Zyklus und ist seit Jahren nicht neu aufgelegt worden. Das Ende der Ewigkeit (The End of Eternity 1955) ist ein sehr stimmungsvoller und logischer Zeitreiseroman, der Asimov von einer anderen Seite zeigt. Aber wenn Foundation bei Heyne Erfolg beschieden ist, vielleicht entschließt sich Wolfgang Jeschke auch hier zu einer Nachauflage. Immerhin zählte der englische Kritiker David Pringle Das Ende der Ewigkeit zu den hundert besten SF-Romanen. Wer war dieser Mann?Wie bereits eingangs erwähnt waren die SF-Bücher nur ein kleiner Teil von Asimovs Gesamtschaffen. Wer sich für den Autor als Person interessiert, dem seien die leider nicht auf Deutsch erschienenen Bücher I. Asimov und Yours, Isaac Asimov. A Lifetime in Letters empfohlen. Ersteres ist eine Autobiographie, die erst zwei Jahre nach seinem Tod erschien und 1995 den Hugo Award als Best Non-Fiction Book erhielt. Auf sehr unterhaltsame Weise erzählt Asimov von seiner Kindheit, seinen ersten Geschichten, seinen Freunden usw. In Yours, Isaac Asimov hat Stanley Asimov Hunderte von Zitaten und Statements aus den unzähligen Briefen des Workoholics zusammengetragen. Mal selbstironisch, mal plakativ, mal tiefsinnig äußerte sich der Autor über verschiedene Themen wie das Schreiben, die Science Fiction, seine Schriftstellerkollegen, über Wissenschaft, Fans, Star Trek, Zensur und vieles andere. Wer jedoch deutsche Übersetzungen bevorzugt, der kann in den Bänden Gold und Zauberland (beide Bastei) insgesamt über 400 Seiten Artikel und Essays von Asimov lesen. Auch wenn man zuweilen über seine Ansichten schmunzeln muß, interessant sind sie auf jeden Fall.
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