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ALIEN CONTACT

Stefano Benni

Baol - Die magischen Abenteuer einer fieberhaften Samstagnacht

Baol. Una tranquilla notte di regime • 1990

Science Fiction > Alien Contact | Buch-Tips
Sobald ein Fantasy- oder Science-Fiction-Roman auch nur ansatzweise humorvoll ist, steht fast garantiert auf dem Backcover: »mindestens so komisch wie Terry Pratchett« oder »eine wahnsinnig witzige Mischung aus Douglas Adams und Robert Asprin« oder Ähnliches. Auf dem Umschlag von Baol von Stefano Benni, fehlen jedoch derartige nichtssagende und überflüssige Vergleiche. Dies mag zum einen damit zu tun haben, daß Baol in einem Verlag herausgekommen ist, der wenig mit phantastischer Literatur zu tun hat, zum anderen damit, daß es sich hier um ein wesentlich ausgeflippteres und schwerer einzuordnendes Werk handelt als die meisten Fantasy-Humoresken, mit denen der Markt ansonsten überschwemmt wird.

Die Handlung an sich ist schnell skizziert: Bedrosian Baol, einer der legendären Baol-Zauberer lebt in irgendeiner Großstadt in irgendeinem Land zu einer Zeit, die unserer eigenen nicht unähnlich ist. Ein diktatorisches Regime zerstört durch den geschickten Einsatz der Medien die »primäre« Realität und ersetzt sie durch eine fiktive »sekundäre«. Dadurch werden sämtliche individualistischen Tendenzen unmöglich gemacht und das Volk einer Art kollektiver Gehirnwäsche unterzogen. Kein Wunder, daß Baol nach dem Verlust seiner Geliebten das Leben satt hat, sich ziellos in Bars herumtreibt und mit dem Zaubern nichts mehr am Hut hat. Doch eines Tages wird er von einer Rebellengruppe angeheuert, einen vom Regime manipulierten Film gegen die unter Verschluß gehaltene echte Fassung auszutauschen. Dieser Film zeigt das Zusammentreffen des berühmten Komikers Grapatax mit dem sogenannten Großen Parteibonzen. In der ursprünglichen Version wird der Diktator von Grapatax gnadenlos verspottet, in der manipulierten Version jedoch scheint der Komiker auf Seiten des Regimes zu stehen. Bedrosian läßt sich nach kurzem Zögern darauf ein, und die Jagd nach dem Film und damit der Kampf um die Realität beginnt.

Die seltsamen Abenteuer und zutiefst skurrilen Charaktere, die in Baol geschildert werden, entbehren bei aller scheinbaren Absurdität keinesfalls eines starken Bezuges zu unserer realen Welt. Gerade Politik und Medien werden gekonnt auf die Schippe genommen. Bisweilen übertreibt Stefano Benni das Spiel mit dem Skurrilen etwas, dennoch kann man Baol getrost besonders denjenigen Lesern empfehlen, die das Besondere und Originelle suchen.

Christian HoffmannALIEN CONTACT

Stefano Benni
Baol. Una tranquilla notte di regime (Feltrinelli, 1990)
Baol - Die magischen Abenteuer einer fieberhaften Samstagnacht (Berlin: Wagenbach, 2000) Bestellen
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21.05.06 • 10.06.06