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| Es ist ein komisches Gefühl,
eine Geschichte weiterzuverfolgen, deren Anfang vor ziemlich genau drei Jahrzehnten
geschrieben wurde. Stanley
Kubricks Film 2001
- Odyssee im Weltraum (2001: A Space Odyssey GB 1968) und die
gleichnamige Romanfassung von Arthur C. Clarke gehören zu
den großen Klassikern der Science
Fiction, und Clarkes Fortsetzungen Odyssee 2010 - Das
Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen (2010: Odyssey Two 1982) und 2061: Odyssee III (2061: Odyssee Three
1987) waren immerhin Achtungserfolge, so daß in die neueste Lieferung des Epos
große Erwartungen gesetzt wurden. Frank Poole wurde im ersten Roman durch HAL 9000 getötet. Nun findet man seinen leblosen Körper zufällig in der Nähe des Neptun-Orbits. Die fortschrittliche Medizin des Jahres 3001 hat die Möglichkeit, seinen gefrorenen Körper wiederzubeleben. Nachdem er sich einigermaßen erholt hat, wird Poole von der Historikerin Indra Wallace in das Leben der neuen Zeit eingeführt. Fast alles hat sich verändert, und so kann der Autor zig Seiten lang seine Vorstellungen von der Zukunft ausbreiten. Leider merkt man zuweilen, daß Arthur C. Clarke schon seit den fünfziger Jahren im SF-Geschäft ist, und zuweilen hat man das Gefühl, Onkel Clarke will uns jetzt mal erklären, wo es in der Zukunft lang geht. Clarkes Erzählstil ist einfach und schnörkellos, wodurch das Buch einfach zu lesen ist, doch seine Zukunftsvision ist ebenso simplifiziert. Poole erhält einen Zerebralhelm, der ihm Weiterbildung und Kommunikation ermöglicht. Er lebt in einem der vier gigantischen Türme, die bis in den Orbit reichen, und erfährt zunächst in Form von alten Fernsehsendungen, was in den letzten 1000 Jahren geschehen ist. Niemand muß mehr hungern, Kriminalität gibt es nicht mehr, alle sind glücklich. Clarke schildert ein scheinbares Utopia, von dem er selbst fasziniert scheint. Doch durch die Zerebralhelme und andere Technologien ist jedes Individuum überwachbar. Clarke hat einige witzige Anspielungen und Zitate eingeflochten, unter anderem zitiert er einen namenlosen Schriftsteller, der gesagt haben soll, daß »jede entsprechend weit entwickelte Technologie von Magie nicht mehr unterscheidbar ist«. Nach der ersten Hälfte des Romans wird es dann aber doch interessant. Poole beschließt nach den Monaten der Eingewöhnung und des Müßiggangs, wieder eine sinnvolle Tätigkeit aufzunehmen, und fliegt zum Jupitermond Ganymed, wo er den Philosophen Ted Khan trifft und erfährt, daß auf dem Mond Europa ein weiterer schwarzer Monolith entdeckt wurde. Doch niemand kann sich dem Mond nähern, ein fremdartiger Abwehrmechanismus hindert die Raumschiffe an der Landung. Plötzlich erscheint Poole der Geist seines ehemaligen Schiffskameraden David Bowman. Poole erfährt, daß sowohl Bowman als auch HAL 9000 Bestandteil des außerirdischen Computersystems im Innern des Monolithen geworden sind. Poole macht sich auf und fliegt nach Europa, wo sich durch den Monolithen beeinflußt eine neue Lebensform entwickeln konnte. Durch den Kontakt mit Bowman, der mit HAL zu einem Bewußtsein verschmolzen ist, erfährt er, daß die Monolithe nur eine Art automatischer Sonden sind, die Lebensformen initiieren und überwachen sollen. Und er erfährt, daß die Außerirdischen das Experiment im Sonnensystem als gescheitert ansehen. Nun gilt es, verheerende Auswirkungen zu verhindern. Im dreißigseitigen Anhang erläutert Arthur C. Clarke die wissenschaftlichen Hintergründe für seine Ideen, wodurch diese aber auch nicht in jedem Fall plausibler werden. Ihm wäre eher zu empfehlen gewesen, sich mit den wissenschaftlichen und technologischen Ideen neuerer Science-Fiction-Autoren wie Stephen Baxter oder Neal Stephenson zu beschäftigen. Die großen Erwartungen in ein grandioses Epos kann Clarke mit diesem Buch nicht erfüllen, dennoch ist 3001 ein unterhaltsamer und gut zu lesender Roman. Ein tatsächlicher Abschluß der Saga kann er aber nicht sein, denn am Ende bleiben viele Fragen offen, und die übermächtigen Außerirdischen sind immer noch nicht aufgetaucht. Vielleicht schreibt Clarke ja noch ein Buch, vielleicht »4001 - Die allerletzte Odyssee«. Martin Höllmann
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