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| Science Fiction > Alien Contact | Interview |
| Der auf Sri Lanka lebende britische Science-Fiction- und Sachbuch-Autor Arthur C. Clarke ist
spätestens seit Stanley
Kubricks Film 2001
- Odyssee im Weltraum (2001 - A Space Odyssey GB 1968) ein
Begriff. Gentry Lee ist Co-Autor
der Clarke-Romane Die Wiege der Zukunft (Cradle 1988), Rendezvous
mit Übermorgen (Rama II 1989), Die nächste Begegnung (The
Garden of Rama 1991) und Nodus (Rama Revealed 1993). Anlaß für das im Anschluß gekürzt wiedergegebene Interview mit beiden Autoren, das uns freundlicherweise von der Firma Sierra zur Verfügung gestellt wurde, war die Präsentation des interaktiven Computerspiels Rendezvous im Weltraum, das auf den Rama-Büchern von Clarke und Lee beruht und an dem besonders Gentry Lee aktiv mitwirkte. |
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| Frage: Mr. Clarke, 1986 erhielten Sie einen
Anruf von einem Wissenschaftler, der wollte, daß Sie zu ihm kommen und mit ihm darüber
sprechen, zusammen Science Fiction zu schreiben - Gentry Lee. Können Sie uns ein wenig
über das erste Treffen erzählen? Arthur C. Clarke (lacht): Natürlich kann ich das. Ich bekam einen Brief von meinem Agenten, der mir schrieb, daß da jemand einige Ideen für eine Science-Fiction-Story hätte und mit mir arbeiten will. Nun, ich sagte, keine Chance. Ich habe selbst viel zu viele Ideen. Und dann hieß es, er sei mit dem Galileo-Projekt beschäftigt, der Raumfahrt zum Jupiter. Natürlich war ich sehr am Jupiter interessiert, denn er ist einer der Hauptschauplätze der Odyssee-Serie. Und so sagte ich, daß ich diesen Kerl sehr gern treffen würde, und mein Agent sagte O.K., es würde schon nichts schaden. Ich könnte vielleicht einige ganz gute Ideen von ihm bekommen. Frage: Und so machte Gentry den ganzen Weg zu Ihnen nach Sri Lanka mit einem Gentleman namens Peter Guber, glaube ich. Arthur C. Clarke: Ja, Peter Guber, der Filmproduzent. Denn Peter, der ein großer Fan von mir ist, wollte einen Science-Fiction-Film drehen. Gentry hatte eine Idee, von der Peter dachte, daß er einen Film daraus machen könnte, und so fragte Peter mich, ob ich nicht das Drehbuch schreiben oder zumindest daran mitarbeiten würde. Es war eine wirklich interessante Idee und endete schließlich in dem Roman Die Wiege der Zukunft (Cradle 1988), den Gentry und ich zusammen schrieben. Allerdings wurde Peter für ein paar hundert Millionen Dollar von Sony bestochen, und das war das Ende des Filmprojektes. Frage: Gentry, es muß sehr aufregend für Sie gewesen sein, in Arthurs Haus zu kommen und ihn vielleicht schon sehr lange gekannt zu haben. Erzählen Sie mir darüber, wie Sie das erste Mal von Arthur erfahren haben. Gentry Lee: Das erste Mal, als ich etwas von ihm las, war ich ein junger, glotzäugiger Teenager voller Träume darüber, was alles in der Zukunft passieren könnte. Ich hatte das Buch Die letzte Generation (Childhood's End 1953) gelesen, und ich erinnere mich immer noch sehr gut daran, was ich dabei fühlte. Daß jemand eine so klare Vision haben könnte und sie so gut in Emotionen verwandeln konnte, überwältigte mich. Und so sagte ich mir, daß ich noch mehr über diesen Kerl herausfinden müßte. Ich las also mehr und mehr von seinen Stories. Als ich dann erwachsen war und am Viking-Programm arbeitete, wir also bereit dazu waren, zum Mars zu fliegen, hörte ich, daß er ein neues Buch mit dem Namen Rendezvous mit 31/439 (Rendezvous with Rama 1973) geschrieben hatte. Einer meiner Freunde hatte es gelesen und sagte: »Oh, wenn du Clarke magst, wirst du dieses Buch lieben.« Ich fragte ihn, wer denn Rama sei, aber er antwortete nur: »Das werde ich dir nicht verraten, das wirst du schon selbst herausfinden müssen.« Ich begann also, dieses Buch zu lesen, und ich werde nie vergessen, daß ich eines Nachts in meiner Phantasie diesen riesigen Zylinder sah, wie er da draußen im Weltraum hängt, und wie ich diesen Hunger hatte - wirklichen Hunger, da hineinzugehen und herauszufinden, was denn in seinem Inneren sei. Es war ein wunderschöner Augenblick. So wurde ich zu seinem Verehrer. Als Peter Guber mich fragte, ob ich mit ihm nach Sri Lanka kommen würde, um mit Arthur zu reden, brauchte ich nur zwei Millisekunden, um zuzustimmen. Ich mußte allerdings noch mit meiner Frau reden, denn es war gerade zehn Tage her, daß unser erster Sohn Robert geboren war. Aber sie sagte, O.K., es ist in Ordnung. Und dann sagte Arthur zu mir, daß wir vielleicht zusammenarbeiten könnten, aber er sei sich nicht sicher. Er sagte, wenn ich wiederkommen würde, dann würden wir irgendwo hingehen und sehen, ob wir nicht eine Story zusammen ausarbeiten könnten - und erinnere dich, wir sind dann an diesen Ort gegangen. Arthur C. Clarke: Hunis Falls. Gentry Lee: Richtig, Hunis Falls. Und dieses Mal war ich nicht in Begleitung von Peter Guber und wurde nicht von seinen Leuten bezahlt, und so erzählte ich meiner Frau, die gerade ein Baby bekommen hatte, daß ich nach Sri Lanka zurückgehen würde, um mit Arthur ein Buch zu schreiben. Es war eine wundervolle Erfahrung. Frage: Gentry stand gerade erst am Anfang seiner schriftstellerischen Karriere, als er das erste Mal zu Ihnen nach Sri Lanka kam, und Sie hatten schon soviel veröffentlicht, also war er sehr aufgeregt und voller Tatendrang - wie liefen denn einige dieser ersten Sitzungen ab? Arthur C. Clarke: Nun, sehen Sie, ich beendete Rendezvous with Rama mit der Phrase, daß die Ramaner alles dreimal tun. Nun dachten viele Leute, daß ich eine Fortsetzung schreiben wollte, aber jahrelang sagte ich nein, denn ich meinte, dies sei das richtige Ende für dieses Buch. Ich hätte niemals eine Fortsetzung zu Rendezvous with Rama geschrieben. Aber dann kam dieser Kerl daher, hatte eine oder zwei Ideen über Antriebstechnik und so weiter, und ich bemerkte, wenn ich all dies weiterentwickeln wollte, und wenn die Ramaner alles dreimal tun, daß da noch zwei weitere irgendwo sein müßten, dann könnte man doch mal sehen ... Und so führte eins zum anderen. Nicht wahr? Gentry Lee: Ich erinnere mich noch sehr genau an den Moment, als Arthur mich fragte, ob ich Interesse daran hätte, mit ihm an einer Fortsetzung zu Rendezvous with Rama zu schreiben. Wir waren halb durch mit Die Wiege der Zukunft, und er hatte wohl für sich entschieden, daß ich ein ganz passabler Co-Autor sei. Arthur hat eine Liste mit all den Projekten, an denen er arbeitet. Es standen sieben Sachen darauf, zuzüglich fünf zukünftiger Projekte. Und unten, in der Mitte dieser zukünftigen Projekte stand »Rama-Fortsetzung mit Co-Autor«, und er hatte drei Fragezeichen dahinter gesetzt, und ich sprang auf und sagte: »Oh, Sie wollen eine Fortsetzung zu Rendezvous with Rama schreiben, das ist wunderbar.« Er sagte: »Nun, ja.« und er hatte diesen kleinen, verschmitzten Gesichtsausdruck und fuhr fort: »Aber ich habe noch nicht mit meinem Co-Autor gesprochen. Wären Sie interessiert?« Ich hüpfte vor Freude und vor Stolz, und noch am selben Tag setzten wir uns hin und knobelten die Geschichte aus, die später zu drei Büchern wurde. Arthur sagte oft zu mir, daß wir genug Stoff für zehn Bücher hätten, und innerhalb von sechs Wochen hatten unsere Agenten ein wirkliches Projekt daraus gemacht, und wir machten uns an die Arbeit. Arthur C. Clarke: Tatsächlich, wenn ich jetzt so an diese Zeit zurückdenke, dann hatte ich eigentlich nur an einen Fortsetzungsband gedacht, aber mein Agent, Scott Meredith, sandte mir einen Vertrag für drei Bücher zu. |
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![]() Gentry Lee und Arthur C. Clarke Foto: Sierra |
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| Frage: Ihre Schreibstile sind trotz der
gemeinsamen Jahre des Schreibens ein bißchen unterschiedlich. Kommt es auch manchmal vor,
daß Sie zu Gentry sagen: »Nein, so kannst du das nicht schreiben?« Arthur C. Clarke: Ich bin mir sicher, daß ich das von Zeit zu Zeit gesagt habe, und ich hätte es ein bißchen öfter sagen sollen, als wir Die Wiege der Zukunft schrieben, aber damals dachte ich, ich hätte nur noch ein paar Jahre zu leben [Mitte der 80er Jahre wurde bei Clarke eine fortschreitende Nervenerkrankung festgestellt. Anm. d. Red.], und war deshalb nicht allzu interessiert an literarischen Belangen. Gentry Lee: Was Die Wiege der Zukunft anbelangt, muß ich mich entschuldigen, denn das ganze Buch war von Beginn an durch den Film bestimmt gewesen, wir mußten Dinge einfügen, die wir eigentlich sonst nicht geschrieben hätten - zum Beispiel ein bißchen grundlosen Sex. Und das war ziemlich peinlich für Arthur, als es dann erschien, und ich muß mich dafür bei ihm entschuldigen, aber in den Rama-Büchern wird es keinen überflüssigen Sex geben. Arthur C. Clarke: Sex ist niemals überflüssig. Frage: Gentry, gibt es noch andere Dinge, die Sie von Arthur während Ihrer Zusammenarbeit gelernt haben? Zum Beispiel Veränderungen im Stil? Gentry Lee: Das wichtigste, was ich von Arthur gelernt habe, ist die Präzision der englischen Sprache. Ich neige zu Geschwätzigkeit und dazu, fünf Worte zu verwenden, wo zwei oder drei es auch tun würden. Es gibt einige Leute, die werden vermuten, daß ich lediglich gelernt habe, nur noch vier Worte zu benutzen, und immer noch zu geschwätzig bin. Aber es war eine große Erfahrung für mich zu sehen, welches Geschick er im Umgang mit der englischen Sprache hat, und das habe ich den Leuten auch immer gesagt. »Wie ist es, mit Arthur einen Roman zu schreiben?« Die meisten Menschen, die mir diese Frage stellen, sind Ingenieure, und der Vergleich, den ich ihnen dann anbiete, ist, daß sie sich vorstellen sollen, zusammen mit von Karman Aerodynamik zu studieren oder die Relativitätstheorie mit Einstein - genauso war es. Es war eine wundervolle Erfahrung für mich, und ich muß eine Sache bemerken, die vielleicht noch gar nicht so klar ist. Er war jederzeit überaus gütig zu mir. Es gab Zeiten, wo er mich anrief. Etwas, das ich geschrieben hatte, war ziemlich schrecklich gewesen, einfach völlig schrecklich, und ich wußte das, nachdem er mir dieses und jenes über diese Stelle gesagt hatte. Er hätte niemals gesagt, daß es schrecklich gewesen wäre oder daß es stinkt oder daß ich ein Problem hätte. Er sagte nur: Hast du dir diese oder jene Stelle mal genau angesehen? Vielleicht, aber nur vielleicht hätte er gesagt, es sei ein bißchen übermäßig lang oder irgend etwas in der Art, und dann hätten wir es später natürlich zusammen bearbeitet. Frage: Sie zwei sind über die zehn Jahre hinweg nicht nur Schreibpartner geworden, sondern auch gute Freunde. Arthur C. Clarke: Ja, und das passiert nicht oft, wenn zwei Menschen zusammen an einem Buch schreiben. Gentry Lee: Ja, das stimmt, das stimmt. Frage: Und während dieser Freundschaft telefonieren Sie recht oft, schreiben sich E-Mails, bleiben ständig in Kontakt - worüber unterhalten Sie sich am meisten? Arthur C. Clarke: Über das Galileo-Projekt. Gentry Lee: Ja, natürlich. Arthur ist sehr interessiert am Jupiter-System. Und Galileo hatte eine Menge Schwierigkeiten. Zuerst verspätete sich das Projekt um ganze vier Jahre, weil sich die NASA nicht einig war, wie die oberste Stufe aussehen sollte. Als dann das Challenger-Unglück geschah, wurde es um drei weitere Jahre verschoben und war praktisch schon eingemottet, während man am Shuttle arbeitete. Dann sandte man es zur Venus anstelle zum Jupiter, denn es brauchte einen Kick von der Venus, weil die Kraft des Shuttles nicht ausreichte. Während der ganzen Zeit war Arthur mit mir in Kontakt geblieben. Einmal hatte er mir erzählt, daß er einen neuen Odyssee-Roman schreiben würde, wenn denn Galileo zum Jupiter unterwegs wäre. Aber als es dann immer länger und länger dauerte, sagte er mir, daß er wohl eher sterben würde, bevor Galileo jemals unterwegs sei. Nun ist er zwar beinahe am Jupiter angelangt, aber er ist - nun, wie soll ich sagen ... Arthur C. Clarke: Verkrüppelt. Gentry Lee: Verkrüppelt, jawohl. Es ist eben nicht ganz auf Draht. Daher brauchen die Daten so lange bis zur Erde. Arthur C. Clarke: Wir werden wohl nicht lange genug leben, um die ersten Bilder zu sehen. Gentry Lee: Vielleicht. Also reden wir eine Menge über Galileo. Und über den Weltraum im Allgemeinen. Aber er saugt ständig Dinge auf, die über das ganze Spektrum der Wissenschaft gehen. Fast in jedem Gespräch landen wir früher oder später bei kalter Fusion oder unerschöpflicher Energie. Von Zeit zu Zeit bin ich ein bißchen skeptisch und frage ihn, ob er auch wirklich die physikalischen Grundlagen betrachtet hat, die damit verbunden sind. Arthur C. Clarke: Ja, ich interessiere mich sehr für diese neuen Energiequellen. Das begann vor ungefähr sechs Jahren, als Pons und Fleischman veröffentlichten, daß sie eine kalte Fusion zustandegebracht hätten - Fusion bei Raumtemperatur. Der Versuch, Wasserstoff in unerschöpfliche Energie zu fusionieren - was die Sonne macht - die Art, auf die die Sonne Energie produziert, bezieht unglaublichen Druck und riesige Temperaturen ein, und dann diese Idee, daß man das auch am Küchentisch machen könnte. Natürlich ist das phantastisch, und Pons und Fleischman wurden gründlich ausgelacht, weil niemand dieses Experiment nachvollziehen konnte. Nun, die letzten sechs Jahre haben sie in einem hervorragenden Labor in Südfrankreich gesessen, und deshalb haben sie und diese obskure Firma namens Toyota ausschließlich europäische Patente darauf. Inzwischen arbeiten eine ganze Menge anderer Leute an ähnlichen Systemen und auch an völlig anderen Systemen mit Magneten und Pumpen und mechanischen Systemen und so weiter, und es sieht so aus, als ob einige dieser Systeme tatsächlich von irgendwoher Energie produzieren. Frage: Gibt es andere Gesprächsthemen, wissenschaftliche zu Beispiel, bei denen Sie sich völlig uneinig sind? Gentry Lee: Oh, ich glaube, am Anfang war ich besorgt, daß Arthur sich zu sehr in diese unerschöpflichen Energien versteigen würde. Aber er versicherte mir einmal, daß er mit beiden Beinen fest auf dem Boden der Tatsachen stand und sich die selben Fragen stellte wie ich ihm. Und ich muß zugeben, daß er mich auf diesem speziellen Gebiet beinahe bekehrt hat. Ich habe zwar immer noch ein paar Aspekte, die ich von der theoretischen Seite her gern abgesichert hätte, aber es ist sehr aufregend für mich, an seiner Vision von der Zukunft teilzuhaben, und wie sie von den Dingen beeinflußt wird, die heutzutage passieren. Ich verdanke eine Menge meiner Fähigkeit, in die Zukunft zu projizieren, seiner Art, wie er sich den Dingen nähert. Und das hat auch zu tun mit den nichtbelletristischen Arbeiten, die er geschrieben hat, mit seinen Essays und so weiter, die ich gelesen habe, und die mich sehr erfreut haben. Arthur C. Clarke: Einer der Gründe, warum ich mich so für die unerschöpflichen Energien interessiere, ist, daß die Phrase von der Fusion sich erledigt hat, daß es vielleicht überhaupt gar keine Fusion ist. Denn wenn das wahr ist, und ich bin zu 95% davon überzeugt, daß es das ist, dann wird uns das den Weg ins Universum öffnen, denn es würde uns die gewichtslose Energie geben. Das Problem bei Raketen oder allen anderen Fortbewegungsmitteln im Weltall ist, daß wir gigantische Treibstoffmengen benötigen, aber wenn diese unerschöpflichen Energien funktionieren und wenn man sie zur Fortbewegung einsetzen könnte, dann wird sich das Universum öffnen wie die Ozeane für ein Segelschiff. Frage: Wenn sich das Universum für uns öffnet, und so sieht es fast aus, wo in den nächsten Jahren alle diese Schiffe zum Mars unterwegs sein werden, würden Sie dann gern auf dem Mars landen? Wären Sie gern einer der Astronauten, die zum Mars unterwegs sein werden? Arthur C. Clarke: Nun, ich fürchte, dafür ist es jetzt ein bißchen zu spät. Ich steige noch nicht einmal gern in ein Flugzeug ein. Aber ich vermute auch, daß es ein ziemlich langer Weg zum Mars ist, so sechs oder acht Monate bestimmt? Gentry Lee: Richtig. Arthur C. Clarke: Ich glaube, das wäre nichts für mich. Aber wenn eine fliegende Untertasse landen und mich zum Alpha Centauri bringen würde - das wäre was anderes. Frage: Kürzlich rief Gentry Sie an und sagte: »Arthur, ich habe eine großartige Idee. Sie wollen aus Rama ein interaktives Computerspiel machen. Was hältst du davon?« Arthur C. Clarke: Ich sagte: Was ist das? Ich habe noch nie eines dieser neuen Multimedia-Dinger gesehen, wie immer Sie sie auch nennen wollen, und ich hatte keinerlei Vorstellung davon, was das bedeutete, und ich bin vom Endergebnis sehr beeindruckt. Frage: Am nächsten Tag bekamen Sie die Chance, die Avianer und die Octospider zu sehen, als wir einige der Vorstufen zu dem Spiel, das Sierra jetzt macht, zu Ihnen brachten. Was hielten Sie davon? Arthur C. Clarke: Daß ich es nicht erwarten könnte, sie zu sehen. Ich war begeistert von der Qualität der Grafiken, besonders die Animation ist unglaublich, fast genauso gut wie in Jurassic Park (Jurassic Park USA 1993). Man konnte fast glauben, daß die Avianer real wären, und auch die Octospider waren sehr beeindruckend. Tatsächlich gibt es einen kleinen Oktopus im Großen Barriere-Riff, eines der tödlichsten Lebewesen überhaupt. Er hat ein Gift, das fünfzigmal tödlicher ist als das einer Kobra. Sollten Sie also jemals im Barriere-Riff tauchen, dann hüten Sie sich vor Dingern, die aussehen wie die Octospider in Rama. Frage: Zur Zeit filmen Sie ein paar Szenen, in denen Sie als Star direkt in Rama mitspielen, und Sie fordern die Spieler auf, hinauszugehen und Astronaut zu sein. - »Geht an Bord von Rama und entdeckt das Weltall.« Würden Sie das gern - an Bord von Rama das All erkunden? Arthur C. Clarke: Nun, wenn ich fünfzig Jahre jünger wäre, würde ich das wahrscheinlich tun wollen. Frage: Und wenn Sie in Rama wären, was würden Sie zuerst im Rama-Universum untersuchen? Arthur C. Clarke: Es gibt soviel zu entdecken. Man sucht eigentlich nicht nach etwas Bestimmten, man entdeckt laufend neue Wunder. Überall gibt es etwas Neues, woran man nie im Leben gedacht hätte. Frage: Gentry, was ist mit Ihnen? Würden Sie sich gern einige der Grafiken von den Avianern und Octospidern ansehen? Wenn Sie an Bord von Rama wären, wo würden Sie sich überall umsehen? Gentry Lee: Nun, es ist völlig klar, was ich tun würde. Ich mag die Avianer, aber ich würde ziemlich schnell feststellen, daß sie nicht höher entwickelt sind als die Menschen. Die Octospider würden mich faszinieren. Ich würden mir die Farben ansehen, die über ihren Kopf strömen, ich würde zu ihnen in ihrer Sprache sprechen wollen, ich würde verstehen wollen, woher sie kommen, wie sie sich entwickelten, was ihre Geschichte war und was ihre Ziele sind und all das. Das würde ich sehr gern tun. Wenn ich also an Bord wäre, hätte der Commander der Crew alle Hände voll zu tun, mich davon abzuhalten, all das herauszufinden. Frage: Arthur, glauben Sie, daß diese interaktiven Spiele, wo also Leute für 30, 40 Stunden vor dem Bildschirm sitzen, die geschriebene Science Fiction verändern werden? Arthur C. Clarke: Ja, das könnte sich ziemlich negativ auf die altmodischen Papier-Publikationen auswirken. Andererseits, denken Sie nur an all die wundervollen Bäume, die man dadurch retten könnte... Frage: Denken Sie, daß die Grafiken, das Visuelle - nicht jeder Science-Fiction-Roman wird verfilmt wie 2001 - Odyssee im Weltraum (2001 - A Space Odyssey 1968) - also, wenn man diese Grafiken aus einem Buch nehmen und in einen Computer stecken kann, wenn die Aliens auf einmal atmen und leben und mit einem sprechen, denken Sie, daß das die Art verändern wird, mit der Ihre Fans auf Science Fiction reagieren? Arthur C. Clarke: Es wird einen völlig neuen Markt eröffnen, glaube ich. Aber es wird immer Leute wie mich geben, die lieber ihre eigene Vorstellungskraft bemühen, die gern ein Buch lesen und es mit ihren eigenen Gedanken zum Leben erwecken wollen. Andererseits gibt es natürlich auch Menschen, die die visuelle Seite sehr mögen. Wissen Sie, es gibt sehr wenige literarische Gestalten, die wir uns als tatsächliche Persönlichkeiten vorstellen, bis sie irgendwann ein Künstler darstellt. Sherlock Holmes ist vielleicht das beste Beispiel. Wir alle sehen denselben Sherlock Holmes, nur wegen eines Künstlers. Es gab also schon immer eine Symbiose zwischen Kunst und Literatur, aber - und das ist vielleicht die nächsthöhere Ebene - es wird wahrscheinlich die bildliche Darstellung von jedem einzelnen Element einer Geschichte geben. Frage: Es wird vielleicht ganz interessant sein, die Spieler, neun- oder zehnjährige Kinder bis hin zu dreißig oder vierzig Jahre alten Erwachsenen, zu beobachten, wie sie die Rama-Story, die Sie beide geschrieben haben, durch ihre eigenen Entscheidungen beeinflussen können. Was für ein Gefühl haben Sie dabei? Arthur C. Clarke: Tja, ich bin mir nicht so ganz sicher, was ich dabei fühlen soll. Ich meine, was würden Sie von einem Hamlet mit Happy-End halten? Verstehen Sie, was ich meine? Aber ich hoffe auch, daß wir auf diese Weise die Leute ein wenig erziehen können. Es könnte ihnen bewußt werden lassen, im Fall von Rama zum Beispiel, wie groß unser Universum ist und daß wir vielleicht nicht allein sind. Das könnte sie etwas lehren und ihre Gedanken weiten, und deswegen mag ich es. Ich bin allerdings sehr gegen Brutalität. Und der nächste Marsianer beißt ins Gras und solche Sachen. Allerdings ist es bei uns so, daß alles, was zertrümmert wird, es auch verdient hat. Frage: Wie die Ramaner, die alles dreifach tun, hatten Sie sich entschieden, drei verschiedene Versionen von Rama mit Sierra zu produzieren. War das eine notwendige Entscheidung? Hatte das irgendwas zu tun mit den Ramanern und ihrer Dreifachheit? Gentry Lee: Das nun nicht gerade. Sierra sah das Potential in der großen Menge von Material, das in den Romanen steckte, die wir geschaffen hatten. Sie begannen, an mehrere Spiele zu denken, um diese Welt und ihre Bewohner größer und größer werden zu lassen, genau wie die Technologie sich entwickelte und wie sie Teil des Verständnisses des Spielers wurde. Als ich mit der Idee von Sierra konfrontiert wurde, drei Spiele auf den Markt zu bringen, hatten sie schon drei weitere in petto, es könnten also bis zu sechs werden, und das ist eine ganze Menge. Frage: Gentry, können Sie uns erläutern, warum Sie glauben, daß die Science Fiction ein Genre ist, das sich sehr gut in Computerspiele umsetzen läßt, und wie die Umsetzung des Ganzen auf dem PC die Science Fiction verändert? Gentry Lee: Ich war zuerst ziemlich erschrocken über die Anzahl der Leute, die an und für sich SF-Leser sind - diese ganz spezielle Gruppe unserer Gesellschaft, die jungen Männer, die wissenschaftlich interessiert sind und die so sehr mit den Computern und der Computer-Welt verbunden sind, daß sie auf eine ganz andere Art lesen, als unsere Generation es früher getan hat. Und das allgemeine Nachlassen des Interesses am Bücherlesen und auch der Fähigkeit, überhaupt lesen zu können, verwirrte mich doch sehr. Aber als die Technologien immer besser und besser wurden, entschied ich, daß das Ganze nur ein evolutionärer Prozeß ist, und ich wurde einer von den Leuten, die Angst vor einer Veränderung hatten. Und dann begann ich, mich umzuschauen, welche Möglichkeiten die SF als Literaturform in einem Computerspiel hätte, obwohl beide Metiers doch so verschieden sind, und entdeckte, daß die Möglichkeiten endlos sind. Und Arthur hatte einmal gesagt, daß einige Menschen zwar sehr gut in der Lage sind, sich Dinge auf der Basis von geschriebenen Worten vorzustellen, daß viel mehr Menschen aber Bilder brauchen, um etwas völlig Neues erfassen zu können. Wenn wir zum Beispiel von den Octospidern und den Avianern sprechen mit ihren samtenen Unterbäuchen und so weiter, wenn man sie tatsächlich vor sich sieht und sie quieken hört, dann bekommt man doch tatsächlich eine sehr gute Vorstellung von ihnen, oder? Ich glaube, daß das eine neue Art der Fiktion sein wird, einen neue Art der SF, wenn man Stories zur gleichen Zeit als Buch und als Spiel veröffentlicht und die Leute in der Lage sind, ihre eigenen Vorstellungen mit denen der Zeichner zu vergleichen, die mit den Autoren zusammengearbeitet haben. Frage: Glauben Sie, daß die Art, wie Sie über Computerspiele denken, Ihre Überlegungen beim Erdenken einer neuen Story beeinflußt? Gentry Lee: In der Vergangenheit hat es das nicht. Aber jetzt, da ich diese außerordentlichen Erfahrungen beim Umsetzen der Rama-Story in ein Computerspiel gesammelt habe, könnte das schon sein. Gutes Spiel - gute Story, in einer literarischen Form zusammengefügt. Jetzt glaube ich schon, daß die meisten meiner zukünftigen Romane davon beeinflußt werden, daß sie den Menschen auch durch andere Medien zugänglich gemacht werden und dadurch mehr Menschen erreichen. Auch hier hat Arthur früher schon gesagt: Der Vorteil, einen Roman als Computerspiel umgesetzt zu haben, ist der, daß viel mehr Menschen die Story kennen werden, als wenn wir auf das Medium des gedruckten Buches beschränkt wären. Frage: Ich möchte das Thema jetzt ein bißchen wechseln. Lassen Sie uns ein wenig über 2001 - Odyssee im Weltraum reden - nur eine einzige Frage. Denn das ist schon ziemlich lange her, ungefähr fünfundzwanzig Jahre. Arthur C. Clarke: Noch länger. Frage: Und Sie haben damals die Zukunft vorausgesagt. Über welche Dinge aus 2001 waren Sie besonders erregt, als sie dann tatsächlich eintraten? Arthur C. Clarke: Nun, 2001 wurde in einem einzigartigen Moment der menschlichen Geschichte geschrieben. Es wurde veröffentlicht, bevor der erste Mensch den Mond betreten hatte. Ja sogar noch vor dem ersten Flug um den Mond überhaupt, und natürlich mußten wir ganz schön raten, wenn wir uns die Zukunft vorstellen wollten. Im Großen und Ganzen waren wir dabei gar nicht so schlecht. Nun gut, unsere Mondlandschaften waren ein bißchen zu zerklüftet, denn jetzt ist bekannt, daß es auf dem Mond ganz schöne Sandstürme gibt, so daß alles ein bißchen mehr abgeschliffen ist. Es ist sehr interessant, die Dinge zu vergleichen, womit wir Recht hatten und wo wir falsch lagen. Wer hätte je gedacht, daß es zum Beispiel Pan Am nicht mehr gibt, aber das Hilton sehr wohl. Nun, die andere Sache, die wir uns vorstellen mußten, war, wie es auf den Jupitermonden sein würde, die damals selbst mit den stärksten Teleskopen lediglich Lichtpunkte waren. Und erst mit den Voyager-Missionen erfuhren wir etwas mehr darüber. Und selbst da hatten wir uns nicht allzu sehr verschätzt. Gentry Lee: Nein, du warst gar nicht schlecht. Niemand hätte Io vorhersagen können. Arthur C. Clarke: Nein, niemand. Gentry Lee: Das war einfach unglaublich. Frage: 2001 ist nur fünf, kaum mehr fünf Jahre entfernt. Arthur C. Clarke: Ich weiß, ich weiß. Es ist schrecklich. Frage: Schrecklich. Was werden Sie in diesen fünf Jahren tun? Arthur C. Clarke: Nun, ich hoffe, daß ich noch eine ganze Menge genießen kann, mich mit meiner Familie entspannen und all diese wunderbaren neuen Spiele spielen. Vielleicht werde ich auch einen kurzen Abriß zu einem neuen Roman schreiben und jemand anderes die Arbeit tun lassen - ich habe da eine wundervolle neue Karriere für mich gefunden. Ich denke mir eine Idee aus, schreibe ein paar Seiten und schicke sie meinem Agenten, der sie dann für enorm viel Geld verkauft und von einem anderen ausarbeiten läßt. Aus dem Englischen übersetzt von Berit Neumann Gekürzt |
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