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| Berlin > Geschichte |
| An einem
frühlingswarmen Nachmittage machten wir uns auf die Reise nach dem Stadtbahnhofe
»Westend«. Von hier aus sollte die Fahrt durch die Stadt nach dem Schlesischen Bahnhofe
und dann im weiten Kreise um ganz Berlin mit der Ringbahn erfolgen. Wir fuhren vom »Brandenburger Thore« mit der Pferdebahn nach dem freundnachbarlichen Charlottenburg, und in dieser bald zweihundert Jahre alten Stadt durch die »Berliner Straße« welche »geboren wurde am 9. Juli 1708.« Wir huschten vorbei an dem alten Palais der schönen Gräfin Lichtenau, an dem jetzigen »Floraetablissement« und dann weiter an dem Hause Nr. 54, das einst der Madame du Titre gehörte, der bekannten spaßhaften Freundin Friedrich Wilhelms III. Am 18. März 1789 war´s, da weihte man das Sommerpalais der »gnädigen Frau«, das alte Eckardt´sche Palais mit einer schwülstigen Rede auf die »verehrungswürdige Baufrau, Madame Rietz« die nachmalige Gräfin Lichtenau ein, und am Schlusse der Baufeier sang man das folgende Lied: Er breite über dieses Wenige Jahre darauf saß die »Gnädige Frau« auf der Festung
Glogau, wohin sie Friedrich Wilhelm, der Gerechte, gesendet hatte. -- |
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Blick auf Charlottenburg Gez. von H. Lüders |
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| Und endlich,
als ihr Mann sterben wollte, wünschte er seine Frau noch einmal zu sprechen. Die Aerzte
theilten Madame D. diesen Wunsch ihres Mannes mit. Sie aber weigerte sich, ins
Krankenzimmer zu gehen und erst auf ernstes Zureden des »alten Heim« entschloß sie sich
hierzu. Sie ging aber nur bis zur Thür, öffnete dieselbe etwas und rief dann ihrem Manne
zu: »Jott Vater, wat soll denn das! Du weest doch, ick kann keene Dodten nich sehen!« So viel von Madame Dutitre, an die wir erinnert wurden, als unser Gefährt vor ihrem Charlottenburger Hause - vorüberschlich. Auch von den Karpfen im Charlottenburger Schloßgarten plauderten wir etwas, von den »Mooskarpfen«, die König Friedrich Wilhelm I. hier 1715 eingesetzt hatte, und die auf ein gegebenes Zeichen mit der Glocke an der sogenannten »Klingelbrücke« gravitätisch und stets hungrig an der Oberfläche erschienen, um die ihnen gespendeten Brosamen zu verschlingen. Der harte Winter von 1864 ließ bekanntlich auch diese alten Veteranen -- 36 an der Zahl, und keiner von ihnen war unter vier Fuß lang -- erfrieren. Sie wurden am Uferrande eingescharrt. »Hören Sie mal, lieber Historienschreiber,« sagte mein Freund Lüders, »das ist eine traurige Geschichte, die mir Hunger gemacht hat. Ich schlage Ihnen vor, bevor wir uns auf die Stadtbahnfahrt begeben, essen wir etwas in Westend bei Moritz, damit es uns nicht ergehe wie den Abgeordneten, welche Excellenz Maybach durch eine Stadtbahn-Busfahrt fast getödtet haben soll, und die doch alle neuen Bahnerwerbungen für den Staat ohne Redensarten acceptirt hatten. Ich rathe zu Karpfen in Bier, aber keine seligen Schloßgartenkarpfen.« |
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