Sie hält sich
für unersetzlich! Harmony McAmber! Sie kennen sie natürlich. Jeder kennt sie.
Vierundzwanzig erfolgreiche Blockbuster-Filme in acht Jahren. Und immer noch gut im
Geschäft: vierzehn Millionen Gage. Für Hollywood ist sie ein Phänomen.
Aber nun kommt sie doch langsam in die Jahre, wird zickig, zu teuer, und
sie redet mir zu viel rein. Ich habe sie gewarnt. Mehrfach. »Das Mitspracherecht der
Schauspieler beschränkt sich auf den gelernten Text!« Als Regisseur darf man sich
keine Blöße geben. Keinerlei Schwäche zeigen. Immer auf der Hut sein! Wer Stars zähmen
will oder weiße Tiger, lebt in ständiger Gefahr, gefressen zu werden. Einem elementaren
Krach aus dem Weg zu gehen ist tödlich! Ihn zu provozieren ebenfalls.
Es war wieder mal soweit. Irgendeine Unwichtigkeit passte ihr nicht. Der
übliche Wortwechsel. Ich blieb gelassen, nahm ihre Argumente scheinbar ernst, versuchte
es mit Charme, mit Humor. »Harmony, bitte, wir müssen weitermachen. Noch eine letzte
Probe und dann Dreh!« Das war höflich, aber bestimmt.
Sie hatte längst vergessen, worum es eigentlich ging bei dieser Art von
Streit. Und da ihr in solchen Augenblicken bewusst wurde, wie sehr sie im Unrecht war,
wurde sie von Minute zu Minute unverschämter, brüllte ihren Zorn hemmungslos und
unkontrolliert hinaus, in unsere riesige Aufnahmehalle B, sehr professionell und
sehr gekonnt sie verstand eben ihr Handwerk. Schließlich hatte sie bei Susi Cohn
Drama und Schauspiel studiert und in der L. A. School of Performing Art ihr
Diplom gemacht.
Und da die Crew von einhundertundzwanzig ebenfalls hochprofessionellen
Mitarbeitern hinter der Kamera offenbar auch von den reichlich fließenden Tränen, die
ihr Make-up total ruinierten, nicht zu beeindrucken war, drohte sie mir schließlich mit
Migräne oder, besser noch, mit einem sich deutlich abzeichnenden, beginnenden, totalen
Nervenzusammenbruch. Gegen Letzteres sind wir zur Not versichert. Aber das Studio nimmt
jede Zeitverzögerung sehr ernst. Weil dergleichen Geld kostet. Etwas anderes als Geld
interessiert hier schon lange nicht mehr.
Levinow war ins Studio gekommen. Zufällig, oder auch nicht. Sofort
herrschte Ruhe. Levinow war der Produzent und verkörperte die Macht des Studios, das
heißt: die Macht des Kapitals. Er schwieg, gab der Maskenbildnerin ein Zeichen. Die
brachte Harmony nach draußen in ihren Wohnwagen: frisches Make-up und Akkupressur,
zusammen mit Meditationsmusik zur Entspannung.
Dann ging Levinow wieder. In der offenen Studiotür wandte er sich noch
einmal kurz um und machte, so ganz beiläufig und im Hinausgehen, eine seiner bekannten,
diskreten und trotzdem unmissverständlichen Handbewegungen.
Ich hatte verstanden, nickte und war zwei Minuten später in seinem
Büro. Einbestellt zum Rapport.
»Komm rein, Jim!«
Wenn Levinow mich ärgern wollte, dann nannte er mich Jim.
Statt James. Ich zahlte es ihm heim und nannte ihn bei seinem Familiennamen: Levinow.
Unüblich für Amerika und in Hollywood fast schon ein Affront.
»Worum ging es?«
»Keine Ahnung. Sie wollte mal wieder Dampf ablassen. Aufmüpfigkeit.
Widerspruch. Ohne Sinn und Verstand. Hin und wieder stellt sie meine Nerven auf die Probe.
Meine Bereitschaft zum Kompromiss. Vielleicht ein schlechter Fick letzte Nacht mit diesem
Latino. Ihrem neuen Lover.«
Ich ließ mich unaufgefordert in einen dieser uralten Ledersessel
fallen, die schon zu Zeiten der alten Paramount ziemlich zerschlissen gewesen waren. Und
vollgesogen mit Angstschweiß! Wer in diesem Sessel saß, wurde entweder mit vollem Risiko
aufgebaut oder gefeuert. Gleichgültig, wer gerade Studioboss war. Gleichgültig
auch, wem das Studio gerade gehörte.
»Du hast Probleme mit ihr?« Levinow rollte mit seinem CEO-Fauteuil vor
dem Regal mit den sechsundzwanzig Oscars des Studios und den über zweihundert in
Schweinsleder gebundenen Drehbüchern hin und her. Die Titel in Goldprägung. Die
Produktionen der letzten vierzig Jahre.
»Ich habe keine Probleme mit ihr. Oder aber: immer die gleichen. Seit
acht Jahren. Seit den James-Douglas-Thrillern Atemlos nach Casablanca und Brennpunkt
Philadelphia.«
»Warum schläfst du nicht mal mit ihr? Statt diesem Latino, diesem
schwulen Mexikaner. Vielleicht bist du besser und sie ist anschließend leichter zu
zähmen.«
»Levinow ... ich bitte dich. Du kennst mich. Wir arbeiten in
diesem Laden seit Jahren gut und erfolgreich zusammen. Du solltest es wissen: Ich schlafe
nicht mit meiner Hauptdarstellerin. Die letzte und wichtigste Regel von Altmeister Fritz
Lang. Die zehn Gebote für junge Regisseure!«
»Du bist kein junger Regisseur mehr, Jim. Du bist bestenfalls ein
Altmeister und demnächst altes Eisen. Wann wirst du fünfzig? Sei vorsichtig! Und
lass mich mit diesen Deutschen zufrieden. Gibt bereits wieder viel zu viele davon in
Hollywood. Wie alt ist dieser Fritz Lang inzwischen?«
»Er ist seit dreißig Jahren tot! Starb mit 86. Machte mit 71 seinen
letzten Film: Die 1000 Augen des Doktor Mabuse.«
»Nie davon gehört. Vermutlich ein Flop. Und was sollen gute
Ratschläge von einem toten Regisseur. Hier schläft jeder mit jedem, wenns gut ist
fürs Geschäft.«
»Ich hasse diese Harmony!«
»Ich weiß! Aber das wär kein Grund.«
»Intime Beziehungen schaffen sehr ungute, subtile Abhängigkeiten.«
»In gewisser Weise sind wir alle abhängig von ihr. Auch du!«
»Ich weiß. Es ist mein achtzehnter Film mit ihr!«
»Ich habe sie dir nie aufgezwungen, Jim!«
»Du hast sie an das jeweilige Projekt gekoppelt. Den Aktionären
zuliebe. Ich hatte nie eine andere Wahl.«
»Dann sieh zu, dass du mit ihr klarkommst, Jim.«
»Ich werde mit ihr klarkommen, Levinow. Keine Sorge.«
»Okay, Jim! Und nenn mich in Zukunft Carol.«
»Ist recht, Levinow!«
Ich quälte mich aus dem abgewetzten Leder und ging. Früher, in meinen
jungen Jahren hier in dieser Firma, hätte der Produzent seinem gestressten Regisseur
einen Scotch angeboten. Noch früher sogar eine Zigarre. Aber in Hollywood herrschte
bereits seit Jahren absolutes Rauchverbot, und auch Alkohol war neuerdings tabu. Okay,
wenns denn der Gesundheit dient und dem Trend.Ich hatte endgültig die Nase voll
von dieser Harmony McAmber, bürgerlich Anitzka Vrbritzki oder so ähnlich, zugewandert
als Zwölfjährige mit ihren Eltern. Aus Lodz, Polen. Und an diesem Punkt meiner tiefsten
Frustration traf ich mich mit Fred Knox in seinem Workshop.
Fred Knox war ursprünglich Systemanalytiker im Silicon Valley. Jetzt
war er der große Magier der Filmbranche und machte mit einem Heer von Mitarbeitern
digitale Special Effects der feinsten Sorte. Für den Roland Emmerich
vertausendfachte er ein paar in Panik fliehende Menschen zu einer gewaltigen
Menschenmenge, die von einer fünf Stockwerke hohen Riesenwelle mitten in Manhattan
verschlungen wird. Die Welle war auch von ihm. Sie erinnern sich: die Tsunami in The
Day After Tomorrow. Für den Wolfgang Petersen kreierte er den Aufmarsch von
hunderttausend griechischen Kriegern vor den Toren Trojas. Im Original waren es nur
dreißig. Die mimten vor einer blauen Wand. Auch bei den Dinosauriern hatte er seine Hand
im Spiel. Was heißt hier »Hand«? Mit Milliarden von Bits und Bytes zauberte er aus dem
Nichts neue digitale Welten mit neuen virtuellen Kreaturen.
»Was du mit deinen Dinosauriern machst, Fred, kannst du das auch mit
Menschen dieses grimmige Lächeln, dieses zornige Augenfunkeln? Dazu textsynchrone
Mimik auf Bestellung?«
Fred dachte nach und schwieg.
»Mit einzelnen Menschen, meine ich! Close-up und so.«
Fred starrte weiter auf seinen superbreiten Bildschirm, auf dem
grünscheckige Riesenmonster aus dem Schlamm krochen, um eine kleine Stadt zu
verschlingen. Ringsherum, vor einer schier unendlichen Zahl von ähnlichen Bildschirmen,
starrten die zahllosen Spezialisten seines Workshops auf weitere Alptraumwesen in allen
Stadien einer apokalyptischen Bedrohung.
»Um wen geht es denn?«, fragte Fred schließlich.
»Harmony McAmber!«
»Aha! Dein Favourite Star!«
»Was die Monroe damals mit Billy Wilder gemacht hat, das macht die
Harmony McAmber heute mit mir!«
»Nämlich?«
»Sie treibt mich zur Verzweiflung.«
»Tun sie das nicht alle?«
»Wenn sie überzeugt sind, sie könnten es sich leisten ...
Unartige Kinder ... oder dressierte Tiger ... Ja. So ziemlich alle.«
»Kann diese Harmony McAmber sich das leisten?«
»Sie glaubt es zumindest.«
»Und was glaubst du? Oder Levinow? Die Neue Paramount? Oder die
Sony-Corporation? Wie laufen denn ihre Filme? Wie abhängig seid ihr von ihr?«
»Total. Ohne Harmony keine Kredite von der Bank. Ein Bankable
Name ... Abgesehen davon läuft alles mies zur Zeit. Im Vergleich zu früher.
Und keiner weiß so recht warum. Und keiner weiß, wie man das ändern könnte. Alle
Rezepte versagen. Aber noch steht der Name von Harmony McAmber groß auf dem Plakat oder
fast noch auffälliger auf dem DVD-Cover, und das gibt ihr das Gefühl von grenzenloser
Popularität und persönlichem Erfolg.«
»Und von Macht!«
»Und von Macht, richtig!«
»Und was soll ich dabei tun?«
Ich erklärte es ihm. Was er dabei tun sollte, tun könnte. Nur mal so.
Versuchsweise. Ein Test. Erstmal nur ein Experiment mit Bits und Bytes. Und dann sehen wir
weiter.
»Alter Hut«, meinte Fred. »X-mal versucht worden. Für Werbung
reichts. Aber sonst ...«
»Gib dir Mühe!«
»Tu ich immer!«
»Weiß ich. Darum bin ich hier!«
»Ich bin geehrt! Aber vergiss es!«
»Sag mir, was du brauchst.«
»Viel Zeit, viel Geld ... Aber das ist nicht das Problem. Bei den
Dinos bestimme ich, wie sie aussehen. Außer ein paar Knochen hat die
Wissenschaft ja nichts vorzuweisen. Aber ein bekanntes Gesicht ... tut mir Leid.«
»Versuch es wenigstens.«
»Okay! Aber zuerst einmal brauche ich Samples.«
Also schrieb ich ein scheinbar sinnloses Skript. Mit scheinbar sinnlosen Situationen,
mit sinnlosen Phrasen und Reaktionen.
»Harmony, hör mir zu!«
»Ich höre dir zu, mein Darling. Ich höre dir immer zu!«
Es hatte endlos gedauert, bis sie endlich ans Telefon gegangen war.
»Ich brauche noch zahllose Close-ups von dir, um sie in den
Film einzuschneiden. Großaufnahmen für die verschiedensten Sequenzen. Du musst noch
präsenter werden in der Story, verstehst du?«
Harmony war geschmeichelt.
»Ich verstehe! Du bist ein Schatz!«
War alles Blödsinn, natürlich. Der Film Goldauge, nach einem
weiteren Super-Thriller von James Douglas, war längst geschnitten. Letzte Phase der
Post-Produktion. Aber davon verstand sie nichts.
Wir holten sie drei Tage später ab, mit unserer silbergrauen
Studio-Stretch-Limousine. Mit an Bord waren ihr Manager, ihre Assistentin, ihre
Sekretärin, ihre Friseuse, ihre Maskenbildnerin, ihre Visagistin, ihre Garderobiere und
ihr neuer Lover, dieser mexikanische Dressman, bekannt aus der Vogue.
Levinow und ich warteten am Set mit voller Studio-Besetzung. Die ganze
Hierarchie der Productions-, Locations- und Line-Manager, sämtliche Assistenten und
Aufnahmeleiter, acht Mann an der Kamera, sieben Mann Ton, vierzig für Beleuchtung, Grip
und Gaffer, Elektriker, Baubühne, Zimmerleute, Maler ... die üblichen, von der
Gewerkschaft vorgeschriebenen einhundertundzwanzig Figuren. Um in Zukunft die vierzehn
Millionen Dollar an Harmonys Gage zu sparen, muss man investieren. Das hatte Levinow
eingesehen. Aber Harmony stellte ich lediglich vor eine nackte, nachtblaue Wand.
Meine überaus freundliche Art, ihr absolut Sinnloses abzuverlangen,
hätte sie warnen müssen. Ein Lächeln hier, ja, bitte, Harmony, und ein Lachen dort. Wut
und Trotz, Liebreiz und Charme, Verführung, Verweigerung, Lust und Schmerz. Die ganze
Bandbreite weiblicher Emotionen.
»James, Darling, was soll das Ganze?«
»Das Spektrum deiner Ausdrucksmittel ist unglaublich, Harmony. Ich bin
immer wieder entzückt und fasziniert. Ich möchte die ganze Bandbreite deines mimischen
Könnens dokumentiert und archiviert sehen. Für jetzt und für alle Ewigkeit! Und jetzt
noch: ein Orgasmus!«
»Orgasmus? Du hast Orgasmus gesagt?«
»Ja, mein Herz. Ich habe Orgasmus gesagt!«
»Wo zum Teufel willst du in Goldauge einen Orgasmus
einschneiden, James?«
»Wenn du den Bestseller gelesen hättest, und nicht nur das Drehbuch,
dann wüsstest dus.«
»Also gut, wenn es weiter nichts ist ... Orgasmus,
bitte ...!«
Immer noch kein Verdacht, kein Misstrauen. Eitelkeit macht blind.
Ihr Orgasmus, spontan und aus dem Stand, war übrigens sehr gekonnt!
Nach 6 Stunden hatten wir genügend Samples im Kasten, die Muster,
um die Fred Knox gebeten hatte. Und mit diesen Vorlagen machte er sich an die Arbeit.
Als Gott aus der Rippe Adams das Weib erschaffen hat, ist er vermutlich wesentlich
weniger subtil vorgegangen. Auf den Schirmen im Workshop von Fred Knox blühten grünliche
Gitterstrukturen aus dem nachtschwarzen Nichts auf, drehten sich, verschränkten sich,
dreidimensional und rätselhaft, und waren von einer scheinbaren Sinnlosigkeit. Nichts,
absolut nichts deutete darauf hin, dass eine bekannte Hollywood-Schönheit Pate gestanden
hatte für diese Form grafischer Spielereien.
»So haben wir bei den Dinos auch angefangen«, erklärte Fred. Was mir
Hoffnung gab. Aber der Zweifel blieb.
Dabei machen wir in unserer Traumfabrik doch auch nicht viel anderes:
eine Skizze, eine Idee, das Fragment einer Story, dramaturgische Konstruktionen,
Szenen-Entwürfe, Exposé und Treatment. Das soll eines Tages ein Film werden? Mit
Bildkaskaden, mit Dialogen und Musik, um das Publikum in Spannung zu versetzen oder zu
Tränen zu rühren?
Die Gitterstrukturen nahmen allmählich menschliche Konturen an. Die
Andeutung eines Gesichts aus filigranem Draht. Augen und Lippen erahnte man aus den
Überschneidungen und Verdichtungen. Immer noch durchsichtig das alles, zerbrechlich,
spinnennetzartig, abstrakt.
Und dann, eines Tages, plötzlich, unerwartet, überraschend, zog sich
eine Haut über das Fadengerüst, langsam erst, zögerlich, wie eine hauchdünne Folie,
eine Maske. Kein Zweifel. Die Ähnlichkeit war verblüffend: Aus dem Schirm heraus blickte
mich Harmony McAmber an, mit traurigen, toten Augen.
Das war der Anfang eines Triumphes der digitalen Zukunft, die nun
hereinbrechen wird über die Kinematografie unserer Gegenwart. Der erste, allererste
Schritt. Noch unbrauchbar in jeder Hinsicht. Aber eine Ahnung stieg in uns allen auf. Was
das mal werden könnte. Irgendwann einmal.
Und drei Wochen später erschien Harmony McAmber auf dem Schirm. Ein Close-up.
Bewundernswert echt und bewundernswert schön. Alle Achtung! Kompliment, Fred Knox!
Kein Unterschied mehr zum Original: Die glitzernden, leicht hysterischen Augen. Das
Lächeln einer Hollywood-Mona-Lisa, die pro Film vierzehn Millionen Dollar verdient.
Und dann, wiederum Tage oder auch Wochen später, sprach diese digitale
Harmony McAmber ihren allerersten Satz. Mit trotzigem Ernst. Es war eindeutig ihre Stimme.
Dieses tiefe, leicht rauchige Timbre: »Fuck-you-all!«
Mich riss das vom Stuhl!
Das war Harmony McAmber wie sie leibt und lebt! Arrogant, unverschämt,
eitel, dumm bis zum Exzess und mit jenem unwiderstehlichen polnisch-amerikanischen
Gossen-Charme.
»Fuck-you-all!«, mit diesem unverwechselbaren,
slawischen Akzent.
Fred Knox lächelte. Besser kann man Auftraggeber nicht schockieren!
Wenn ich an diesem Abend gewusst hätte, auf was wir uns da eingelassen hatten, mit
allen Konsequenzen, ich hätte das Unternehmen sofort abgebrochen.
Aber wir waren ja wie besoffen! In absoluter Euphorie: »A Star is
born«, ein »e-Star«! Elektronisch. Virtuell. Animated. Digital. »Eine
kopernikanische Wende ...«, sagte einer von uns. Schwachsinn, natürlich! Es
war Zauberei ohne Sinn und Verstand. Verantwortungslos! Nur weils Spaß macht! Ein
Computerspiel. Wir waren Zauberlehrlinge und wussten absolut nicht, was wir da taten.
Wir feierten durch, die ganze Nacht. Scotch, Bourbon, Wodka, Champagner!
In dieser Reihenfolge!
Sogar mit Zigarren, obwohl das die wohl widerlichste Beweihräucherung
unseres Erfolges war. Und alles, letzten Endes, doch wohl zum Kotzen!
Was hatten wir denn schon gewonnen?
Fred Knox hatte die digitale Kopie einer berühmten Schauspielerin
geschaffen. Das war technisch gesehen bewundernswert. Das war sogar genial! Nur wozu? Um
das Original zu ersetzen ...?
Mit den Launen dieser Harmony McAmber kam ich einigermaßen zurecht. Mit
den Problemen ihrer digitalen Kopie ...? Wir werden sehen.
In den folgenden Wochen lernte unser e-Star das Laufen. Der
Gang, die Gesten, das war Harmony McAmber, kein Zweifel. Sie wanderte durch virtuelle
Räume, durch phantastische Traum-Landschaften. Und dann lernte sie reden. Sie plapperte
und deklamierte. Dialoge, Monologe. Ein sich ständig erweiterndes Vokabular.
In der nächsten Phase begann sie zu spielen. L. A. School of
Performing Art. Schauspielunterricht. Kurze Sketche. Talentproben. Dramatisch,
komisch, tragisch. Ein bekannter Musical-Song. Tanzeinlagen, Step und Salsa und ein
klassischer Pax-de-Deux mit einem imaginären Partner. Die Demonstration ihres
darstellerischen Könnens in allen Varianten. Das ganze Spektrum einer professionellen
Schauspielerin.
Das wirkte wie die Verkaufsrolle eines Künstler-Managements. Ein e-Star
bewirbt sich. Für eine Rolle, für ein Engagement, für einen Studio-Vertrag. Es war wie
das übliche Vorsprechen. Vor Produzenten und kritischen Regisseuren. Nur
zehntausendmal aufwändiger, und deshalb auch erfolgreicher.
Sie wurde besser und besser, diese digitale e-Harmony.
Ständiger Szenenwechsel, Kostümwechsel: Renaissance-Robe in einer gotischen Kathedrale,
für uns US-Amerikaner passt so etwas fabelhaft zusammen. Tiefst dekolletiert auf einem
Ball im Spiegelsaal von Versaille. Oder im Bikini am Pool ihres Hauses.
»Hallo, Fred! Seit wann besitzt die Harmony McAmber diese exorbitanten
Super-Brüste?«
»Warte ab. Es kommt noch besser!«
Wet-T-Shirt-Competition. Oh, hallo!!
Und dann tauchte sie schließlich auf, total nackt! Nackt wie Gott sie
schuf. Oder vielmehr Fred Knox. Aus dem Gischt eines riesigen, virtuellen Wasserfalls. Ein
Superweib mit einer absoluten Traumfigur.
»Fred, wo hast du die nackte Harmony her?«
»Playboy.«
»Harmony McAmber war im Playboy?«
»Sie nicht. Irgendeine Schönheit zum Aufklappen. Plus
Bearbeitung ...«
»Hätte mich auch gewundert. Harmony zierte sich ungemein, wenn es um
nackte Haut geht. Die Polen sind verdammt katholisch. Und irrsinnig prüde. Fast schon wie
Amerikanerinnen. Wir mussten freizügige Szenen immer mit Double drehen.«
»Bei einer e-Harmony brauchst du kein Double mehr!«
Und nackt unter der Gischt des Wasserfalls gab Freds e-Harmony
ihren gesampelten Orgasmus!
»Ja ...! Jaaa ...!! Jaaaaa ...!!!!«
Wow!!
Fünfunddreißig Fünf-Sterne-Programmierer standen hinter uns, hatten
zugesehen und applaudierten. Standing Ovations!
Levinow und ich applaudierten mit.
»James! Du ungetreuer Freund! Was machst du mit mir?«
»Wir machen dich unsterblich, Harmony!«
Sie kam quer durch den Pool geschwommen, in einem knappen weißen
Bikini, kletterte die Leiter hoch, schüttelte ihre blondierte Barbie-Mähne und küsste
mich nass auf beide Wangen.
In Hollywood braucht man keine E-Mail, kein Faxgerät. Alles, wirklich
alles Gerüchte, Verleumdungen, Klatsch, Tratsch und Skandale sprechen sich
mit Lichtgeschwindigkeit herum.
Darunter sind manchmal auch brisante Neuigkeiten!
Auf meinem Anrufbeantworter bat mich Harmony mit saccharin-süßen
Flötentönen, sie umgehend, sofort, jetzt-und-zwar-gleich zu besuchen. In ihrem Bungalow
oben in Beverly Hills, den sie in einer langen Kette von Celebrity-Mietern von Rod
Steigers Erben übernommen hatte.
Ich informierte Levinow.
»Fahr hin! Verhindere Schlimmeres!«
Also fuhr ich hin, die Serpentinen und Kurven hinauf zum Jacuzzi-Drive
Nummer 678, einer Gegend, wo man eben so wohnt, wenn man es im Show-Biz zu etwas gebracht
hat, und wo man nachts als Fußgänger von Mitgliedern einer privaten Security Armee aus
Sicherheitsgründen, vorsorglich und ohne weitere Vorwarnung erschossen wird. Die
amerikanische Paranoia hatte hier oben ihren Ursprung.
Aber jetzt war ein strahlender, kalifornischer Frühlingstag. Der Himmel
blau. Die Luft mild. Die Lunch-Zeit vorüber. Und Harmony relaxte im Pool, gelangweilt
betrachtet von ihrem neuen, mexikanischen Dressman, der auf den Namen Caruso hörte und
seinen bereits schwarz-gerösteten, dichtbehaarten Waschbrett-Bauch unter dem weit
aufgeknöpften, weißen Hemd in der Sonne weiter bräunte.
Er hatte mir geöffnet und mich durch das Haus geführt. Es hatte sich
seit meinem letzten Besuch vor einem halben Jahr noch mehr mit Kitsch und Firlefanz
gefüllt, mit Nippes und Krimskram der unmöglichsten Sorte. Von einer Gage von vierzehn
Millionen bleiben nach Abzug von Steuern, Management-Honoraren, Gewerkschaftsbeiträgen,
Löhnen und Gehältern des Personals am Ende immer noch zweikommafünf bis drei Millionen
übrig. Und das drei bis vier Mal im Jahr. Das Geld muss zurück in den Kreislauf der
Wirtschaft. Harmony sorgte dafür, nachhaltig und ohne jeden Geschmack. Und das war auch
gut so.
Und nun war ich begrüßt worden, geküsst, trocknete mir das Gesicht
mit einem der herumliegenden Handtücher und war bereit, Rede und Antwort zu stehen.
»Was macht ihr? Nun mal ehrlich!«
»Ein Entwurf für ein Videospiel. Die Heldin soll dir ähnlich sehen.
Ist das nicht sehr schmeichelhaft für dich?«
»Meine Anwälte sagten mir Parker & Parker vertreten mich
, da gibt es strenge Regeln: Copyright, Recht am eigenen Bild,
Persönlichkeitsrechte ...!«
»Natürlich gibt es die, Harmony. Zweifellos! Und aus guten Gründen.
Nur: Du hast die Auswertungs- und Nutzungsrechte an deiner Person uneingeschränkt der
Neuen Paramount übertragen.«
»Für gemeinsame Filme. Ja! Sagt mein Manager.«
»Das Studio kann damit tun oder lassen, was es will!«
»Aber doch nicht so einen Video-Kram.«
»Wer weiß, Harmony, vielleicht gehört diesem Video-Kram, wie du das
nennst, bald die Zukunft.«
»Und was bekomme ich dafür, dass die Heldin mir ähnlich sieht? Was
zahlt Levinow mir an Gage? Hat er meinem Agenten ein Angebot gemacht? Mir das Script
vorgelegt? Mein Einverständnis eingeholt? Hat mich überhaupt jemand gefragt oder mich
auch nur informiert?«
»Informiert offenbar schon, Harmony. Woher wüsstest du es denn sonst?
Aber ich darf dich beruhigen. Es ist alles bisher nur ein Test. Keiner weiß bis zur
Stunde, ob da jemals etwas daraus wird.«
Harmony dachte nach, wandte sich ab, warf ihr Handtuch über eine der
Liegen, schob sie aus dem Schatten unter der Markise in die pralle Sonne und legte ihren
wunderbaren, schlanken Körper mit einer vollendet anmutigen Bewegung ganz, ganz langsam
darauf. Dann begann sie sich genussvoll einzucremen und zu salben.
»Was willst du trinken, James?«
»Planters Punch wäre nett.«
»Hörst du, Caruso, mein Regisseur ordert einen Planters Punch.«
Der wunderschöne Dressman, von dem Levinow behauptete, er sei
eigentlich schwul, erhob sich mit einem seltsam verführerischen Blickkontakt von seiner
Liege und begab sich zu dem gläsernen Barwagen, der hinter ihm im Schatten stand.
»Und mir bringst du meinen Gin-Tonic, hörst du?«
Caruso hörte es und nickte.
»Ich halte mich nur noch an reine Dinge, unvermischt. Bourbon on the
Rocks, Gin-Tonic, Brandy pur ...! Wir vermischen in unserem Leben viel zu viel.
Freundschaft und Geschäft. Sex und Liebe. Moral und Ausbeutung. Echte Gefühle und
profanen Trieb!«
Der Satz kam mir verdammt bekannt vor. Auch was da anschließend kam an
Philosophie über uneingeschränkte Ehrlichkeit, über grenzenloses Vertrauen ... Das
waren Sätze aus einer unserer gemeinsamen Produktionen: Der Sintfluter, die
Verfilmung eines anderen erfolgreichen James-Douglas-Thrillers: Ein Terrorkommando sprengt
einen Staudamm in der Schweiz, um die Teilnehmer an einer G8-Konferenz, die Führer dieser
unserer Welt, unten im Tal in einem Luxus-Resort zu ersäufen. Der Präsident der USA
überlebt, wird gerettet. Aber die Präsidenten-Gattin, von Harmony sehr edel, sehr
überzeugend dargestellt, hält kurz vor der Katastrophe, wenige Minuten vor ihrem
sicheren Tod, noch eine eindringliche Rede an die anwesenden, ebenfalls todgeweihten
Journalisten.
Sollte ich Harmony in dieser angespannten und heiklen Situation ins Wort
fallen, um sie daran zu erinnern, dass ich ihre Texte nahezu auswendig kannte?
George Bernhard Shaw, der große Theatermann, hatte wohl Recht: Wenn
sie geniale Texte sprechen, deine Stars, dann hat die stets ein anderer geschrieben, der
wesentlich intelligenter ist.
Wieder so ein längst toter, zynischer Besserwisser, würde Levinow
sagen. Ohne dem Inhalt dieses Ratschlags grundsätzlich zu widersprechen.
Ich nahm meinen Planters Punch entgegen, erwiderte Carusos lüsternen Blick und
ließ Harmony zu Ende zitieren. Das dauerte. Im Film war es eine sehr emotionale, sehr
beeindruckende, aber auch sehr lange Szene.
Da tat Harmony etwas, was sie noch nie getan hat. Etwas absolut
Unerwartetes und überraschend Neues. Sie legte das Oberteil ihres Bikinis ab. Sie
entblößte mit nonchalanter Selbstverständlichkeit ihre großen, alabasterweißen
Brüste, die noch nie einen Sonnenstrahl gesehen hatten. Wozu? Warum? Harmony tat nie
etwas ohne Grund und Berechnung. Früher oder später würde sie es mir sagen.
Freizügige europäische Sitten erreichen mitunter erst mit einer
dreißigjährigen Verspätung dieses schamhafte Land, wo eine weibliche Brust, öffentlich
und zur Gänze entblättert, die strenge Puritanermehrheit in verzweifelte Protestaktionen
treibt. Das Ende der amerikanischen Zivilisation, im Vertrauen auf einen offenbar prüden
Gott errichtet, rückt durch die Entblößung sekundärer, weiblicher Geschlechtsmerkmale
drohend nah! Gods own Country. Wir sollten es besser nie vergessen!
Harmonys Brustwarzen reckten sich steil der ungewohnten Sonne entgegen,
und die sie umgebenden Aureolen leuchteten in einem intensiven Himbeer-Rot.
Ich kam nicht umhin, Vergleiche anzustellen, zwischen den hier zur Schau
gestellten absolut realen, wenn auch durchaus beeindruckenden Brüsten und den von
Fred Knox kreierten. Die virtuellen e-Brüste einer e-Harmony gegenüber
einer letzten Endes biologisch trivialen Natur.
»Du siehst, James, ich habe keine Geheimnisse vor dir.« Nun sagte sie
es mir! »Sei kollegial und sei fair. Sei ein Gentleman! Führ mir vor, was ihr da
angerichtet habt, und zwar komplett und in allen Details! Ich habe ein Recht auf meinen
eigenen Körper, auf mein Gesicht und auf meine Brüste, auf die ich stolz bin! Ich habe
auch ein Recht auf die elektronische Kopie meiner Person. Nur ich allein bestimme, was mit
mir und mit meinem Abbild geschieht. Ich wünsche zu sehen, was ihr mit mir auf euren
Computern gemacht habt, und ich bestehe ultimativ darauf, dass du mir alles, aber auch
wirklich alles zeigst. Ungekürzt. Ungeschnitten! Und zwar noch heute!«
Ich blieb ihr eine Antwort schuldig, fand es an der Zeit, mein großes
Glas Planters Punch zu leeren, ignorierte ihre provozierende und berechnende
Nacktheit, beugte mich tief über sie um sie zum Abschied auf beide fett-gesalbte
Wangen zu küssen. Freundschaftlich. Jeglichen Vertrauensbruch ausschließend.
»Leb wohl, Harmony! I love you, my darling!«
Sie wirkte wie versteinert und würdigte mich keines Blicks.
»Ich werde meine Gewerkschaft informieren, die Screen Actors Guild,
meinen Agenten und meine Anwälte! Parker & Parker wird die Angelegenheit gerichtlich
klären lassen und euch mit einer einstweiligen Verfügung das Handwerk legen.«
»Ich kann dich nicht daran hindern, mein Schatz!«
Caruso winkte ich noch einen freundlichen Abschiedsgruß zu, begegnete
seinen dunklen, sanften, langbewimperten Augen, die Begehrlichkeit signalisierten, und
ging, nach einem allerletzten Blick auf Harmonys entblößte Schönheit, quer durchs Haus.
Vorbei an Kitsch und Nippes und dem ultimativen schlechten Geschmack. Hinaus zum
großräumigen Parkplatz. Mit einem etwas flauen Gefühl im Magen.
Ich sah die Affäre auf eine bitter-subtile Weise eskalieren.
»Verhüten Sie das Schlimmste!« hatte Levinow mir geraten. Ich hatte versagt. Und ich
schämte mich zutiefst, so verlogen zu sein. Das Schlimmste, das nun kommen sollte, hatte
ich soeben erst provoziert.
Harmony McAmber habe ich lebend nicht wiedergesehen.
Die Screen Actors Guild hatte zuerst ihre populärsten
Serienhelden an allen Ampeln der befahrensten Durchgangsstraßen von Los Angeles postiert,
wo diese den verdutzten Autofahrern bereitwillig Autogrammkarten signierten. Bei GRÜN,
versteht sich. So wurde der Verkehr dieser Stadt weitgehend lahmgelegt. Unabhängig davon
hatte die Schauspieler-Gewerkschaft zum Streik aufgerufen. In sämtlichen Studios
Hollywoods gingen die Lichter aus. An den Toren, an den so genannten picket-lines,
standen Wachen, um Streikbrecher am Betreten zu hindern. Überall hingen die roten Banner,
flatterten die Flugblätter:
Stop Electronic Cloning Now!
Sie nannten es »Klonen«, denn dieser stets falsch interpretierte
Begriff aus der umstrittenen Gentechnik war zu einem negativ besetzten Reizwort geworden.
Mit den Musikern hatte es angefangen. Die lieferten nichtsahnend ihre
»Samples« ab. Nun schufen die Komponisten damit ihre Film-Symphonien in einsamer
Kreativität auf ihren Synthesizern, und die Streicher und Bläser hatten das Nachsehen.
Die demonstrierten gleich mit. Solidarität war angesagt!
In Hollywood gab es vor zehn Jahren noch zwanzigtausend Statisten,
Extras, Komparsen. Gewerkschaftlich organisiert und bereit für Massenszenen. Fred Knox
und Konsorten hatten diese Heerschar bis auf ein paar Hundert abgeschlachtet, schlichtweg
arbeitslos gemacht. Nun wurden sie endlich wieder vermutlich ein allerletztes Mal
dringendst gebraucht. Auf endlosen Demonstrationen zogen sie durch die Stadt und
schwangen ihre Plakate.
Stop Electronic Cloning Now! Sprechchöre auf den Straßen, vor den
Studio-Arealen und im Fernsehen. Denn nun ging es so das nicht unbegründete
Gerücht den Schauspielern an den Kragen.
»Du weißt, was du da angerichtet hast, Jim?! Du und Fred Knox und
seine Computer-Fuzzis!« Levinow war laut geworden und unnatürlich schrill.
»Ich weiß es, Levinow!« Ich versank schuldbewusst tiefer in dem
alten, von Angstschweiß durchtränkten Ledersessel.
»Ich wette, du weißt es nicht! Außerdem, ich heiße Carol, merk dir
das endlich, Jim! Und? Hast du die Rechnung von Fred Knox gesehen? Oder gar abgezeichnet,
was deine Aufgabe gewesen wäre? Abschlagszahlung? Nein? Hier!«
Er warf das Papier vor mich hin auf den Schreibtisch.
Ich erschrak, zumindest der Form halber. Dass inzwischen über
vierunddreißig Millionen Dollar aufgelaufen waren, wusste ich seit Tagen.
»Mit diesem Betrag könnte ich die Harmony McAmber für die nächsten
drei Projekte locker bezahlen! Und was bekomme ich dafür? Außer Ärger?«
»Wir erkunden neue Wege, die zukunftsweisend sind ...«
»Ich pfeife auf deine neuen Wege, Jim! Soll ich dir vorrechnen, was
dieser Streik uns täglich kostet? Vier Filme sind in Produktion! Allein bei uns. Und die
Schuldzuweisung der anderen Studios trifft eindeutig uns!«
»Der Streik ist morgen wieder vorbei. Wird ausgesetzt, bis das Gericht
über die Sache entschieden hat.«
»Danke, danke! Die Aktien der Medienbranche sind im Keller. Unsere
werden an der New York Stock Exchange bereits nicht mehr gehandelt! Und alles nur wegen
dir und deiner schwachsinnigen Idee. Hier « Ein Papier flog über den Tisch.
»Morgen früh um acht. Wir sehen uns dort!« Und noch ein zweites Papier: »Vorladung zur
Verhandlung! Man hat ja sonst nichts Besseres zu tun. Und bei dieser Gelegenheit eine rein
technische Frage: Hast du je versucht, diese elektronische e-Harmony mit realen
Schauspielern zusammen, gleichzeitig, auf dem Set agieren zu lassen?«
»Wir arbeiten daran!«
»Du wirst das bleiben lassen, Jim. Bis wir den Kopf aus der Schlinge
haben. Ist das klar?«
Es war mir klar. Und ich folgte am nächsten Morgen um acht der
gerichtlichen Vorladung. Bei Nichterscheinen fünf Tage Haft!
Tausende hatten sich eingefunden, Zehntausende. Eine lüsterne Menschenmenge
versammelte sich auf der 6th Avenue und auf den zweiunddreißig Stufen, die
hinaufführten zum klassizistischen Säulenportal des Distrikt-Supreme-Court von
Los Angeles.
Es waren noch volle zwei Stunden bis zum Beginn der Verhandlung: Harmony
McAmber, vertreten durch Parker & Parker, versus die Neue Paramount. Ein
Eilantrag auf eine einstweilige Verfügung, Klage auf sofortige Unterlassung, Klage auf
Grund einer Verletzung von Persönlichkeitsrechten, Klage wegen Umgehung des
Urheberrechts, Klage wegen Missachtung der Rechte am eigenen Bild, Schadenersatz in
unbegrenzter Höhe, Schmerzensgeld in zwölffacher Höhe wegen psychischer und physischer
Ausbeutung, undsoweiter undsoweiter. Ich bin kein Jurist, habe die Klageschrift mit ihren
über vierhundert Seiten nur oberflächlich überflogen und war der Meinung: Es sieht bös
aus für uns, die Erfinder.
An e-Star is born das konnte für das Studio ganz schön teuer werden.
Auch für mich persönlich. Falls das Studio Regress nahm an mir.
Die Menge wuchs weiter. Der Verkehr staute sich. Jedes Fahrzeug, das
vorfuhr, wurde umringt von Fotografen und den Kameraleuten der siebzehn lokalen
Fernsehkanäle.
Aber Harmony McAmber glänzte durch Abwesenheit.
Ein Star ach was, an diesem Tag war sie ein Mega-Star!
hatte die Stirn, das eigene Studio zu verklagen. Auf Schadenersatz in unbegrenzter Höhe.
Auf Pain-and-Suffering. Auf Unterlassung. Das hatte es in der Geschichte
Hollywoods noch nie gegeben.
Parker & Parker schickten lediglich einen Assessor, der sich mit
Harmonys Manager den Weg durch die Menge bahnte. Nur kein unangemessener Aufwand. Der Fall
lag klar.
Die Neue Paramount schickte ihre zwölf Anwälte. Leider aus den
gleichen Gründen. Wie gesagt: Es sah bös aus!
Ein diskreter Hammerschlag eröffnete die Verhandlung.
Der Assessor von Parker & Parker verlas die Klageschrift. So etwas
dauert. Das Gericht war beeindruckt. Das Getuschel auf der Publikumstribüne schwoll hin
und wieder zu einem Crescendo an. Erst ein Hammerschlag schuf wieder Ruhe.
Levinow wurde befragt und wusste von nichts. Nein, absolut nichts. Da
gab es keinen Auftrag, keinen Kostenvoranschlag, kein Projekt, keinen Plan. Für derartige
Nebensächlichkeiten haben wir unabhängig handelnde Departments.
»Danke!«
Levinow ging und war als Studioboss erstmal aus dem Schneider.
Jetzt rollte die Lawine auf mich zu. Auf mich allein. Ich war als Zeuge
geladen, blieb in der Klageschrift jedoch namentlich unerwähnt. Aber tödliche Schlingen
pflegen sich in der juristischen Praxis unerwartet und nachhaltig zuzuziehen.
»Es war nur ein Test, Euer Ehren ... nur ein Versuch ... wir
hätten jede x-beliebige Darstellerin, die das Studio unter Vertrag hat, dafür nehmen
können. Aber Harmony McAmbers Schönheit und ihre Persönlichkeit ... Da gab es
keine vergleichbare Alternative ... Nein, gefragt haben wir sie nicht ... auch
nicht informiert ... Es war ja nur ein Versuch ... Das hätte bei ihr nur
falsche Hoffnungen geweckt, unerfüllbare Erwartungen ... Das Endprodukt ist
kommerziell in keiner Weise verwertbar ... Nicht mal für Videospiele ... Obwohl
das in Zeiten, in denen das Studio ums Überleben kämpft ... Ja, Euer Ehren, ich
sagte, das Studio kämpft ums Überleben! ... Es wäre eventuell eine künftige
Chance, virtuelle Videospiele, neben oder an Stelle der rückläufigen
Kinoproduktion ... In so einem Fall würden selbstverständlich vertragliche
Vereinbarungen ... großzügige Royalties, also Tantiemen ... Das ist
selbstverständlich!«
»Danke Sir! Das genügt uns.«
Das Gericht zog sich zur Beratung zurück und kam schließlich eine
Stunde später zu dem Schluss: »Da es sich lediglich um einen Test ... künftige
Chancen auf einem rückläufigen Kinomarkt ... ein Studio, das ums nackte Überleben
kämpft ... Der Klage wird nicht stattgegeben! Die Sitzung ist geschlossen.«
Harmony McAmber, ihr Manager, Parker & Parker, sie alle hatten
verloren. Ein Star, der pro Film vierzehn Millionen Gage kassiert obwohl das Studio
ums nackte Überleben ... undsoweiter. Das Gericht hatte sich auf die Seite des
Kapitals geschlagen. Die Zeiten waren schlecht. Ein Studio-Sterben konnte sich die Stadt
Los Angeles nicht leisten. Nicht jetzt. Zu keiner Zeit. Aber das war schon wieder ein
eigenes Thema.
Schweigend drängte die Menge nach draußen. Ein Mega-Star, der einen
Prozess verliert, verliert auch an Glanz und ist, selbst bei Abwesenheit, eine
enttäuschende Erscheinung.
»Hej, Jim!« Levinow war neben mir im Gedränge aufgetaucht. Ich erwartete
grenzenlosen Dank. Stattdessen: »Los, fahr rauf zu ihr, bring ihr die schlechte Nachricht
schonend bei. Halt sie bei Laune!«
Ich, wieso ich und nicht er, der Studio-Chef, der CEO der Neuen
Paramount persönlich ...?
»Ich brauche nächste Woche Harmonys Unterschrift unter einem neuen
Vertrag. Du musst das verstehen, Jim! Ich habe von James Douglas die Rechte gekauft, sein
neuer Roman, Operation Barber Shop oder so ähnlich. Ein Wahnsinns-Thriller. Und
eine wahnsinnig gute Rolle für die Harmony. Es wäre Wahnsinn, sie jetzt zu vergraulen.
Buhle um sie. Wir brauchen die Dame. Ohne ihren Namen keine Kredite und kein Geld von den
Aktionären. Wir kämpfen schließlich ums nackte Überleben, wie du verdammt richtig
ausgesagt hast.«
»Levinow ... ich weiß nicht, ob das wahnsinnig clever
ist ... äh, ich meine wahnsinnig diplomatisch.« Um beim Wahnsinn zu
bleiben.
»Du weigerst dich, Jim?«
»Lass sie die gerichtliche Panne doch erstmal überschlafen.
Schließlich weiß sie letzten Endes gar nicht, worum es geht. Sie hat die Musterrolle von
Fred Knox, die virtuelle e-Harmony, doch gar nicht gesehen!«
»Sie kennt sie, Mann! Logisch! Sie kennt sie! Ich habe sie ihr gestern
zugeschickt. Eine Kopie. Auf DVD. Damit sie die Verhandlung vielleicht noch persönlich
stoppt. Wenn sie sieht, dass dieser Unsinn den ganzen Aufstand doch gar nicht wert
ist ...«
»Sie kennt die Rolle?«
»Sie hat sie vermutlich angesehen. Ich habe sie um ihr Einverständnis
gebeten, ja!«
»Oh, mein Gott ...! Levinow ...!! Die ganze Rolle? Zwanzig
Minuten?! Ungeschnitten! Ungekürzt!?«
Aber Levinow machte sich bereits auf und davon, und ich hatte nun, eben
noch dem Galgen entkommen, den Schwarzen Peter. Und den Auftrag, mich einem
Erschießungs-Pelloton, einem wutentbrannten Henker zu stellen.
Auf dem Parkplatz vor Harmonys Residenz standen überraschend viele Fahrzeuge. Auch
eine Ambulanz. Auch ein Leichenwagen. Und zwei Streifenwagen der County-Police.
Das sah nun wirklich nicht gut aus.
Von Parker & Parker waren beide Seniorchefs anwesend, Samuel Parker
und auch David Parker. Statt der Gerichtsverhandlung beizuwohnen, die sie als bereits
gewonnen abgehakt hatten, waren sie dem Ruf einer Katastrophe gefolgt, die sich in diesem
Haus in der letzten Nacht abgespielt hat:
Die Vorführung der Musterrolle. Harmonys Konfrontation mit ihrem
digitalen Ebenbild. Zwanzig Minuten e-Harmony. Ungeschnitten! Ungekürzt! Das
reichte! Hatte der splitternackte Orgasmus unter dem Wasserfall ihr den Rest gegeben?
Schock, Nervenzusammenbruch, anschließend Selbstmord mit vielen
Tabletten und mit sehr, sehr viel Gin. Ohne Tonic.
Da war nichts mehr zu tun. Zumindest für mich.
Ich wurde auch gar nicht erst vorgelassen.
Langsam und mit vielen üblen Gedanken belastet, kurvte ich die
Serpentinen des Jacuzzi Drive wieder nach unten. Dorthin, wo die Stadt L. A. im Dunst
verschwand und im Smog.
War Harmony McAmbers Selbstmord ursprünglich nur als eine Drohung
gedacht gewesen? Damit wir erkannten, was für Schweine wir sind? Ein Versuch, der ihr
leider misslungen war. Weil ihr Lover nicht rasch genug die Realität begriffen und um
Hilfe gerufen hatte? Der Latino, der nun völlig verstört von der Polizei verhört wurde?
Die Öffentlichkeit wird später behaupten, wir, vom Studio, haben sie
umgebracht. Umbringen lassen. Wie das britische Königshaus die Prinzessin Diana. Eine
PR-Aktion vor dem Start des neuen Films. Verschwörungstheorie.
Die Welt liebt Verschwörungstheorien.
Und die Welt liebt Tragödien!
Manzinis Requiem aus seinem Film Feuerzauber, live auf der größten Orgel
Kaliforniens gespielt. Das Copyright hatte die Neue Paramount von der alten übernommen.
Totenmesse in St. Mary vom Hl. Kreuz, der schönsten Kathedrale
Kaliforniens. Für zweitausend auserwählte Angehörige, Kollegen und Freunde. Alle waren
sie gekommen. Auch Arnold Schwarzenegger, der Gouverneur dieses Staates, und die Gattin
des Präsidenten, angereist aus Washington D. C.
Harmony McAmber, in Polen katholisch getauft, als »Wiedergeborene« zum
protestantischen Methodismus übergetreten, abgewandert zum Buddhismus, als dies in
Hollywood zum Trend gehörte und zum guten Ton, anschließend bekennende Scientologin,
ohne die Hintergründe zu kennen, hatte in den letzten Wochen ihres kurzen, erfolgreichen
Lebens in den Schoß der römisch-katholischen Kirche zurückgefunden. Dank sei dem Herrn,
der sie das reine, wahre Licht der Erkenntnis hatte sehen lassen ... Amen. So oder so
ähnlich endete die Predigt, die mit der Aufzählung ihrer Filme die schließlich
auch und in erster Linie meine Filme waren begonnen hatte.
Sie lag in voller Schönheit, in einem hochgeschlossenen, rosa
Spitzenkleid aufgebahrt vor dem Altar. Priester umwanderten die Tote, spendeten
Weihwasser, Weihrauch und Gebete. Böse Geister, die zu vertreiben sind, gibt es im Süden
Kaliforniens reichlich.
Immer wieder ging ein Blitzlichtgewitter über der Szene nieder.
Kameraleute huschten durch die Menge. Umkreisten die anwesenden
Celebrities und hin und wieder die Verschiedene. CNN sendete live.
Ich saß in der zweiten Reihe, schräg hinter Levinow. Der wandte sich
plötzlich und unerwartet zu mir um und flüsterte mit scharfem Atem: »Jim! Du hast sie
in den Tod getrieben. Das ist dir doch hoffentlich klar! Du hast sie auf dem Gewissen. Und
die Neue Paramount auch! Die nächsten drei Produktionen mit ihr in Vorbereitung und
bereits mit sechsstelligen Kosten belastet, sind jetzt endgültig geplatzt. Die
entsprechenden Kredite wurden uns gekündigt. Du hast vierundzwanzig Stunden Zeit, dein
Büro zu räumen. Du bist gefeuert!«
Abrupt drehte er sich von mir weg und trauerte weiter.
Ein einsamer Sopran schwebte durch den Raum, dann ein frommer Choral.
Tränen flossen reichlich in dieser schmerzlichen Stunde.
Vor der Kathedrale kam Sylvester Garutso auf mich zu, der Funeral
Director, Hollywoods wohl erfolgreichster Leichenbestatter.
»Sie müssen uns helfen, James. Die Öffentlichkeit möchte Abschied
nehmen von der über alles geliebten Harmony McAmber. Eine Riesenleinwand hinter dem Grab.
Übermorgen. Draußen in Forrest Lawn. Zur Stunde des Sonnenuntergangs. Bevor der
Sarg in die Grube ... Ausschnitte aus ihren Filmen, die ja auch Ihre Filme waren,
James. Stellen Sie uns etwas Ergreifendes zusammen. Fünfzehn Minuten, zwanzig, keinerlei
zeitliche Beschränkung. Sie helfen uns doch, nicht wahr?!«
»Tut mir Leid, Mr. Garutso, ich habe keinerlei Zugriff mehr auf das
Material. Ich habe die Neue Paramount mit sofortiger Wirkung verlassen.«
»Ach ... Das ist äußerst schade ...!«
»Das finde ich auch!«
Aber dann hatte ich eine Idee, und ich versprach ihm zu helfen.
Zwei Tage später, Forrest Lawn: Zwölf Hektar leicht hügelige
Rasenfläche, von keinem Weg, keiner Begrenzung unterbrochen. Nur einzelne Grabsteine
ragen hier und dort aus dem kurz gehaltenen Gras.
Eine unübersehbare Menschenmenge hatte sich auf diesem größten
Friedhof von Los Angeles in Trauer und Neugier versammelt.
Über der Grube stand der offene, elfenbeinfarbige Sarg auf einem
Kühlaggregat. Er war übersäht von kleinen, himbeerroten, sprossenden Rosenknospen,
geschnitzt aus Birkenholz. Ich hatte da gewisse, für diesen traurigen Anlass höchst
unpassende Assoziationen.
Ein silberner Baldachin aus dem Beleuchtungs-Park des Studios spannte
sich, von hohen, goldenen Säulen gehalten, weit darüber hin, reflektierte die
unbarmherzige, kalifornische Sonne und spendete Schatten.
Seit den frühen Morgenstunden wanderten die Menschen an der zur Schau
gestellten Verblichenen vorbei, fotografierten und bewunderten Harmony McAmber in ihrem
wohl perfektesten Make-up. »Sleeping Beauty« schrieben die Zeitungen am nächsten Morgen
auf den Titelblättern.
Blumen türmten sich links und rechts längs eines abgesteckten Pfades,
der den Besucherstrom kanalisierte.
Kondolenzbücher lagen zu Dutzenden aus. Fast jeder trug sich ein.
Ein Discjockey hatte mit seinem 120-Kanal-Mischpult auf einem der Hügel
Position bezogen und belieferte die in der Landschaft verteilten sechsundsechzig
Lautsprecher mit synthetischem Sound. Er »colorierte« die Luft, wie er es nannte, mit
Henry Manzinis bekanntesten Melodien aus seinen zweiundvierzig Filmen. Auch hier lag das
Copyright beim Studio.
In einem angrenzenden Wäldchen gab es hot-dogs, soft-drinks
und Toiletten.
So ging der Tag der Trauer dahin.
Als die Sonne sich anschickte, über dem fernen Pazifik unterzugehen,
wurde der Baldachin abgetragen und eingerollt und eine große Leinwand aufgerichtet.
Ich gab das Zeichen für die Projektion.
Hoch über der toten Harmony erschien nun, gigantisch und beherrschend,
riesig und überdimensional in den Abendhimmel ragend, ihr lebendiges Abbild, ihr
strahlendes Porträt, unter dem frenetischen Jubel und dem Applaus der Menge.
Aber es war nicht Harmony McAmber, es war nicht das Original.
Es war die virtuelle, die digitale Kopie, die e-Harmony in
voller action, die umstrittene Musterrolle, zwanzig Minuten lang, ungeschnitten,
ungekürzt. Das Meisterwerk von Fred Knox.
Unten das Original, von Spotlights angestrahlt, verstummt für alle
Ewigkeit, dem unbarmherzigen Verfall preisgegeben, Erde zu Erde, Staub zu Staub.
Und hoch darüber, computergeneriert, lebendig für Zeit und Ewigkeit,
sang, tanzte und deklamierte unser artifizielles Geschöpf.
Ein Star ist tot.
An e-Star is born!
Die Begeisterung der Fans, die zu Zehntausenden ausgeharrt hatten,
kannte keine Grenzen mehr, als die digitale e-Harmony nackt aus dem Gischt des
virtuellen Wasserfalls stieg und sich ihre einsame, leidenschaftliche Erregung in einem
Super-Orgasmus entlud:
»Ja ...! Jaaa ...!! Jaaaaa ...!!!!«
Ein für Forrest Lawn einmaliger, noch nie erlebter
Super-Wahnsinns-Jubel brandete auf. Und er erreichte einen Höhepunkt, als sie in die
Menge rief:
»Fuck you all!«
Levinow stand plötzlich hinter mir, reckte stumm und anerkennend seinen Daumen in die
Höhe. Den nicht endenden Begeisterungstaumel, diese irrsinnige, wahnwitzige
Massenhysterie übertönend rief er mir zu: »Gut gemacht, James!« Er sagte tatsächlich James,
nicht Jim!
»Komm morgen um zehn zu mir ins Büro ...!«
Und dann noch: »Mach weiter so ...!«
Am nächsten Tag, im alten angstschweiß-durchseuchten Ledersessel,
hatte ich die Wahl zwischen »Scotch oder Bourbon ...?«
© 2005 by Rainer Erler
Lektorat: Hannes Riffel
Entnommen aus: Helmuth W. Mommers (Hrsg.): Die Legende von Eden und andere
Visionen (Berlin: Shayol, 2005) |

 
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