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| Science Fiction > Alien Contact | Interview |
| ChatMod:
Wir begrüßen aufs Herzlichste den Autor Andreas Gruber im Kanal des SF-Netzwerk. Diese
Runde steht unter der technischen Leitung von Werner und der redaktionellen Leitung von
Ronni. Andreas Gruber:
Hallo, alle zusammen. ChatMod: Die erste Frage von Starbreeze: Warum sind alle Andreas-Gruber-Bücher bei unterschiedlichen Verlagen erschienen? Andreas: Hallo Starbreeze du hast Recht,
es sind bisher vier Bücher in vier Verlagen: Medusenblut, Shayol, Basilisk und Festa. Das
liegt erstens daran, dass ich Horror, Science
Fiction und Thriller schreibe, und nicht jeder Verlag alle Genres bringt, und dann
passt auch nicht jedes Thema in jede Verlagsschiene. ChatMod: Frage von Jueps: Wann hast du mit dem Schreiben von Science Fiction angefangen? Andreas: Hallo Jueps, mit neun Jahren. Damals
lief gerade Star Wars - Krieg der
Sterne im Kino. Ich sah den Film und begann eine Space Opera zu schreiben, mit
Bleistift in das Notizheft meines Vaters. Soweit, dass ich die fünf Seiten Heyne anbot,
ist es dann mit neun Jahren nicht gekommen. ChatMod: Frage von Starbreeze: Der Judas-Schrein ist dein erster Roman. Wie viel schwieriger war es, ihn zu schreiben als zum Beispiel eine lange Erzählung? Andreas: Viel, viel schwieriger, als ich jemals
gedacht hätte. Zunächst ist da der enorme Berg an Recherchen, denn wenn 460 Buchseiten
in sich stimmig sein sollen, muss man (zumindest ich) eine Menge Leute befragen. Dann
braucht man einige Protagonisten mit komplett ausgearbeiteten Dossiers, damit die ein
dickes Buch tragen, das nicht langweilig sein soll. Und die Handlung, ja die Handlung ...
die ist um ein Vielfaches komplexer und verschachtelter als beispielsweise meine beiden
längeren Novellen »Die letzte Fahrt der Enora Time« und »Der fünfte Erzengel«. ChatMod: Frage von Heschu: Hast du dich schon mal an einem Drehbuch versucht? Andreas: Hallo Heschu, nein, habe ich nicht. Ich
weiß leider nicht einmal, wie ein Drehbuch aussieht, ich könnte mir aber vorstellen,
dass es eine ziemlich abgespeckte Version eines Romans ist. Mit Maximal-Dialogen und
Minimal-Beschreibungen. Da mir aber sowohl das Beschreiben von Szenen und Situationen
gefällt wie auch das Ausarbeiten und Ausfeilen von Figuren, glaube ich nicht, dass ich
der richtige Mann für ein gelungenes Drehbuch bin. ChatMod: Frage von Starbreeze: Apropos: Woher kommt der Name »Enora Time«? Andreas: Wie möglicherweise die wenigsten wissen, arbeite ich halbtags im Büro einer Firma, die Spritzgießmaschinen herstellt. Das sind tonnenschwere, vollautomatische Geräte, die kleine Kunststoffteile spritzen, wie beispielsweise die Playmobil-Figuren oder Lego-Steine. Einer unserer Kunden aus Israel heißt »Ellora Time«. Dieser Name hat mich fasziniert, und ich habe ihn lediglich in »Enora Time« abgeändert. Bisher kam keine Klage aus Israel. ChatMod: Frage von Nekropole: Hast du eine Ausbildung als Schreiber, oder bist du Self-made-Autor? Andreas: Hallo Nekropole, wenn es 1997 in
Österreich oder Deutschland ein Ausbildung zum Autor gegeben hätte, wäre ich der Erste
gewesen, der teilgenommen hätte. Aber leider waren die Angebote damals ziemlich rar. In
den USA gab es da bereits seit Jahrzehnten die so genannten creative writing-Workshops,
die jetzt langsam auch in unseren Landen Fuß fassen. ChatMod: Frage von Nekropole: Wie schwer tut man sich als österreichischer Autor in Österreich? Andreas: Kommt drauf an, was man schreibt.
Schreibt man intellektuelle Texte, experimentelle Lyrik, originelle Sprachmuster ohne
Interpunktion und derlei Sachen, ist die Chance für eine Veröffentlichung in einem
Literaturmagazin sehr hoch. Schreibt man aber Phantastik, also alles, was auch nur
annähernd nach SF oder Horror schmeckt, hat man sofort den Ruf eines Trivialliteraten,
der für die große Masse schreibt. Für solche Texte ist in den wenigsten Magazinen
Platz. ChatMod: Frage von Michael: Was hältst du von Literaturagenten? Viele renommierte Autoren schwören darauf ... Andreas: Hallo Michael, bisher bin ich in die
Welt der Literaturagenten noch nicht so richtig vorgedrungen, daher kannst du diese
Antwort eines Laien nur mit Vorsicht genießen. Meiner Meinung nach kann man als Autor von
seiner Schreiberei nur dann leben, wenn man einen Literaturagenten hat. ChatMod: Frage von Starbreeze: Wie wichtig ist das Lektorat deiner Texte für dich? Andreas: Das Lektorat ist das Um und Auf eines guten Textes. Beispielsweise lehne ich Auftragsarbeiten für Texte ab, wo von vornherein feststeht, dass es kein Lektorat gibt. Ich kann natürlich nur für mich sprechen, und ich weiß, dass ich - auch wenn ich meine Texte hundertmal lese - nie alle Schwächen, Fehler und Unplausibilitäten finden kann. Ich als Autor habe meine Scheuklappen, ein Lektor ist da unheimlich hilfreich. Auch wenn es manchmal schmerzt, dass ein Text komplett auseinander genommen wird, aber es ist notwendig. ChatMod: Frage von Jarod: In einem Interview erwähntest du einen fertigen SF-Roman, mit dem du seit einiger Zeit auf Verlagssuche bist. Bist du inzwischen fündig geworden? Andreas: Hallo Jarod, das Manuskript, das du
ansprichst trägt den Werkstitel »Der siebte Monolith« und ist eine Space Opera mit
Raumschiffen, Raumschlachten und ziemlich viel Action. Eine abenteuerliche Jagd im
Weltraum. Mittlerweile habe ich den Text dreimal überarbeitet, doch er wurde von den
größeren und mittleren Verlagen abgelehnt. ChatMod: Stichwort Testleser. Du hast diese, du nanntest sie »wise reader«, auch in Interviews erwähnt. Wer sind diese Testleser? Andreas: Es sind drei, die mir sehr nahe stehen: Günter Suda (ein Freund), Jürgen Pichler (mein ehemaliger Arbeitskollege) und meine Frau Heidemarie. Die Armen müssen alle meine Texte probelesen, bevor ich sie einem Magazin oder Verlag anbiete. ChatMod: Worauf sollen diese Testleser achten? Andreas: Ja, das ist unterschiedlich. Günter
wirft ein Auge auf den Stil, ob ich mich in Floskeln und zu langen Beschreibungen
verliere, ob ich dem Leser zu viel erkläre oder zu wenig zeige. Jürgen schaut sich den
Inhalt an. Ist die Story plausibel? Könnte man sie flotter, spannender erzählen? Gibt es
Ungereimtheiten in der Handlung? Heidemarie betrachtet vor allem die Protagonisten. Sind
es interessante Figuren, haben sie eine spannende Hintergrundgeschichte? Agieren und
reagieren sie, wie es »echte« Menschen auch tun würden? ChatMod: Frage von Starbreeze: Auf deiner Homepage stellst du zahlreiche CDs vor. Welche Rolle spielt Rockmusik für dich? Andreas: Rockmusik spielt für mich eine große Rolle. Ich fahre im Jahr an die 15.000 km im Auto, und da höre ich selten Radio, fast immer CDs. Angefangen von Supertramp, Rolling Stones, über AC/DC und Iron Maiden bis Metallica und Megadeth. Ein guter Tag beginnt dann, wenn ich im Autoradio ein brutales Gitarrensolo höre. Während des Schreibens am PC herrscht aber absolute Stille, bis auf das Gezwitscher der Vögel und das Plätschern des Baches, sonst kann ich mich nicht konzentrieren. Ich glaube auch nicht, dass die Musik mein Schreiben sehr beeinflusst, möglicherweise unbewusst. ChatMod: Frage von Jarod: Woran arbeitest du gerade. Können wir bald mit neuen Veröffentlichungen rechnen? Andreas: Neue Veröffentlichungen gibt es
demnächst, einige in Anthologien der Verlage Midas Publishing (von Christian von Aster),
dem Andreas-Schröter-Verlag, bei SPACE VIEW, Helmuth
Mommers Visionen 2005 und in einigen Magazinen. ChatMod: Deine Texte nutzen die gesamte Bandbreite der phantastischen Genre, von der SF bis zum Horror. Was liegt Dir am besten? Andreas: Astreine SF liegt mir weniger. Das lese ich zwar wahnsinnig gerne (beispielsweise die Mark-Brandis-Serie), doch wenn ich über ein Setting schreibe, mit dem ich vertraut bin, beispielsweise eine Story im Wien, Paris oder Venedig der Gegenwart, sehe ich alles viel konkreter vor meinem geistigen Auge und kann dementsprechend auch »realistischer« schreiben. Ein Autor entwickelt sich ja ständig weiter, und im Moment sieht es so aus, als lägen mir phantastische Thriller, die in der Gegenwart angesiedelt sind, am meisten. ChatMod: Frage von Starbreeze: Was hältst du von physischem Horror bzw. Splatter? Andreas: Ich selbst liebe es, Splatter zu lesen. Die alten Stories von Joe R. Lansdale, die Romane von Shaun Hutson oder dem leider verstorbenen Richard Laymon sind unheimlich gut. Sie sind shocking, dass mir das Blut gefriert, rütteln mich auf, bringen mein Hirn komplett durcheinander. Aber selbst würde ich einen astreinen Splatterpunk nie schreiben, da mir (wie ich ja weiter oben schon geschrieben habe) viel daran liegt, ausgefeilte Figuren zu entwickeln und ich auch viel Wert auf eine komplexe Handlung lege. ChatMod: Du hast für deine Werke auch einige Preise bekommen. Für wie wichtig hältst Du die SF-Literaturpreise? Andreas: Ich halte die SF-Preise für wichtig,
aber nicht deswegen, weil den ein bestimmter Autor gewinnt, sondern weil allein die
Nominierungen und dann das spätere Abstimmen die Szene am Leben erhalten. ChatMod: Letzte Frage im offiziellen Teil: Hast du literarische Vorbilder? Wen? Andreas: Ja, die habe ich. Ich schätze die
Arbeiten von Michael Marrak, Michael Iwoleit und Marcus Hammerschmitt.
Das sind große Stilisten, die gewaltige Wortkreationen vollbringen können. Ich weiß
aber auch, dass ich derart »große Literatur«, wie ich sie jetzt einmal nenne, nie
vollbringen kann. Dazu fehlen mir einfach die nötigen Synapsen im Hirn. ChatMod: Wir bedanken uns bei Andreas Gruber für sein Erscheinen im Kanal des SF-Netzwerk und wünschen ihm weiterhin große Erfolge als Autor. Moderation: Werner Losert
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| Nach dem »offiziellen« Chat gab es noch ein nettes Gespräch
zwischen Andreas Gruber
und Michael Marrak,
das wir den Alien Contact-Lesern natürlich nicht vorenthalten wollen und hier in
Auszügen wiedergeben. Andreas: Hallo Michael. Michael Marrak? Michael: Jap Andreas: Oh, mir treibt es die Schamesröte ins Gesicht. Grüß dich. Michael: Muss doch hören, was die Konkurrenz so alles erzählt ... ;-)) Andreas: Und vor allem über dich, das gab es auch etwas zu erzählen. Michael: Ich konnte es mir ja nicht verkneifen, dich nach Literaturagenten zu fragen (kannst du dir denken, warum?) Andreas: Ja! Michael: ;-) Andreas: Spricht sich rum, oder? Michael: »Man« rief mich an und fragte nach meiner Meinung ... Andreas: Und? Michael: Ich musste gestehen, dass ich zu wenig von dir kenne ... Andreas: Wirst du Der Judas-Schrein lesen? Sei aber gewarnt, kommt nicht viel SF drin vor. Michael: Dein Roman kam erst zwei Wochen später ... Andreas: Verstehe! Michael: Insgesamt? Neun Jahre ;-) Andreas: Kostet aber auch am meisten. 24,- Euro ist leider nicht wenig. Michael: Ich hab aus dem Judas-Schrein 60 Seiten rausgeschnitten, jetzt ist es wieder dünner als Imagon ... ;-))) Andreas: Hättest die 60 Seiten in Imagon reinkleben sollen! Dann ist es noch dicker! Aber im Ernst, Michael ich glaube, ein altes Werk neu zu überarbeiten, kostet mehr Energie, als einen komplett neuen Roman zu schreiben. Michael: In der Tat. Mache ich auch nie wieder. Andreas: Daher fürchte ich mich ein wenig davor, »Der siebte Monolith« ein viertes Mal zu überarbeiten. Da schreibe ich vorher ein neues Buch. Michael: Welches Konzept hattest du eigentlich Schlück angeboten? Andreas: Ein neues Exposé, ca. 350 Buchseiten, Werktitel »Sibirion«, ein phantastischer Abenteuerroman, der auf Spitzbergen spielt, mit viel Action. Schlück wollte, dass ich den Roman beende und er wollte DANN entscheiden. Ich möchte aber den Roman erst schreiben, WENN ich einen Vertrag habe. Ziemliches Dilemma. Michael: Schlück hat Recht. Andreas: Das fürchte ich auch, doch ein Jahr Arbeit, ohne zu wissen, wie es weiter geht ... Michael: Für die erste Bewerbung brauchst du ein abgeschlossenes Werk. Andreas: Ich arbeite daran, bin gerade bei Buchseite 40-60. Michael: Wenn ich den Verlag wechseln wollte, könnte ich es ebenfalls nur mit einem neuen, unveröffentlichten Roman. Andreas: Scheint so, als wären das die Regeln, oder? Michael: Auf gut Glück und Vertrauen arbeitet heute kein großer Verleger mehr, und Literaturagenten haben beim Misslingen eines Projekts einen Namen zu verlieren. Andreas: Tja, deine Meinung bestätigt mir nur, dass ich wohl in den sauren Apfel beißen muss und »Sibirion« beende, auch wenn es bedeutet, dass ich dann möglicherweise auf zwei unveröffentlichten Skripts sitze. Michael: In den Apfel beißt du nicht als einziger. Andreas: Ich weiß, die Verlagsszene ist hart. Aber als Autor habe ich es ja so gewollt. Michael: Und noch etwas: Bei einem renommierten Literaturagenten unter Vertrag zu kommen ist schwerer, als bei einem Verlag wie Lübbe oder Heyne einen Vertrag zu kriegen Andreas: Gibt es eigentlich Autoren, die ohne Agenten arbeiten und alle Verträge selbst aushandeln? Kann ich mir aber nicht vorstellen entweder schreibt man, oder man verhandelt. Michael: Aber der Literaturagent ist nötig. Kommst du bei einem
großen Verlag unter Vertrag, kannst du dir darauf vielleicht etwas einbilden, bist aber
für den Verlag kaum mehr als die Nummer 597 ... hast du einen Agenten im Rücken, wird
auf jeden Fall alles, was du einreichst, im Verlag gelesen und beurteilt, und du hast die
Garantie auf intensiven Verlagskontakt. Andreas: Okay, das bedeutet »saurer Apfel« und Daumendrücken, dass es klappt. |
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