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Andreas Gruber

Weiter oder Raus

Shayol | Stories und Romane
»Hier ist wieder Ihr Stuart Nickels. Willkommen bei Weiter oder Raus, der ultimativen Reality-Show, die alle Grenzen sprengt. Haben Sie Ihre Kinder ins Bett gebracht? Sind Sie sicher, dass keine sensiblen oder herzkranken Menschen vor dem Bildschirm sitzen? Dann sind Sie bei uns richtig! Wir werden Sie auch heute wieder das Fürchten lehren.«
   Stuart Nickels, der gut gebaute, braun gebrannte Endvierziger mit dem strahlenden Lächeln der Marke erfolgreicher Entertainer, lief mit erhobener Faust quer über die Showbühne. Wie immer war sein Outfit perfekt: grau meliertes, lässig gestyltes Haar, dreiteiliger Anzug, blitzblaue Krawatte und glänzende schwarze Schuhe mit klappernden Metallsohlen. Das Saalpublikum tobte, die Menschen trampelten mit den Füßen, vereinzelt ertönten sogar Pfiffe und Schreie. Die Kamera schwenkte für einen Moment ins Publikum. Wie jede Woche war die ›Robert Sheckley Hall‹ in Los Angeles mit fünfzehntausend Besuchern randvoll besetzt. Plakate wurden in die Höhe gehalten, Banner entrollt. Nickels, nimm die Ruten – lass die Schweine bluten. Über einigen, vermutlich derberen Bannern lag der schwarze Zensurbalken des Fernsehsenders.
   Stuart Nickels grinste breit in die Kamera. Der Glanz seiner weißen Zahnreihe wurde nur durch das Blitzen seiner Goldringe übertroffen. Es war seine Show, sein Abend, und dieses Mal würde er wieder sämtliche Einschaltquoten-Rekorde brechen. Obwohl ein Mikro an seinem Kehlkopf klebte, hielt er wegen des Showeffekts ein Stabmikrofon in der Hand, mit dem er durch die Luft wedelte, um das Publikum zu beruhigen.
   »Diesmal!«, rief er. »Diesmal haben wir wieder drei ebenbürtige Kandidaten für die Show gefunden, und ich verspreche Ihnen im Saal und unseren Zusehern zu Hause vor den Bildschirmen: Es wird sensationell, es wird grandios, es wird einmalig
   Die Menge johlte, als die Pyrotechnikwand in einem Funkenregen aufging. Aus markierten Bodenvertiefungen erhoben sich drei Schalensitze mit jeweils einem Kandidaten darin. Zugleich entbrannte im Saal eine grelle Lasershow, sodass die Kandidaten geblendet die Augen schlossen.
   »Ja, ja, ja!«, brüllte Stuart Nickels, um die Stimmung im Publikum weiter anzuheizen. Dann streckte der Showmaster den Arm aus. »Doktor Beebott!«
   Hinter einer Wand tauchte ein Mann im weißen Kittel auf, der im Vergleich zu Stuart Nickels unspektakulär wirkte. Ob Mr. Beebott ein echter Arzt war, wusste niemand so genau, jedenfalls tat er so. Cecille, Stuart Nickels Assistentin, eine langbeinige Blondine, die stets so knapp bekleidet war, dass es beinahe zu früh war, die Show um 22.30 Uhr auszustrahlen, kam ebenfalls hinter dem Vorhang hervor. Im Publikum erklangen einige anzügliche Pfiffe.
   »Ja, ja, ja! Das gefällt euch!« Stuart Nickels grinste.
   Cecille assistierte Dr. Beebott, als er den Kandidaten den Ärmel aufkrempelte, ihnen eine Blutprobe aus der Armbeuge und eine Speichelprobe aus dem Mund entnahm. Als die Mitspieler die obligatorische Urinprobe abgaben, schwenkte die Kamera diskret zur Seite. Nickels kam groß ins Bild.
   »Heute kämpfen wieder einmal drei Kandidaten um das große Finale: Sam Mendez aus Mexiko, Steve Gordon aus New York und Albert Weinman aus Maine.«
   Eine kurze Einspielung zeigte die drei Männer in ihrer gewohnten Umgebung. Sam Mendez, ein schlanker Mexikaner mit pechschwarzen Rastalocken und zugleich der jüngste der Teilnehmer, saß in einem ärmellosen weißen Shirt auf der Veranda einer Blockhütte, die von Mangroven umgeben war. Er trug einen Strohhut und grinste in die Kamera. Steve Gordon, ein hoch gewachsener, älterer Mann mit Halbglatze entstieg einem New Yorker Taxi und winkte in die Kamera. Zuletzt spazierte Albert Weinman, ein klein geratener, übergewichtiger Mann, mit einem Hund an der Leine vor einem Einfamilienhaus an der Küste Maines entlang. Die Einspielung verblasste. Zu sehen war wieder das blitzblaue, futuristische Logo von Weiter oder Raus.
   Stuart Nickels legte den Kopf schief, als lausche er den Regieanweisungen, die er über seinen Ohrstöpsel erhielt. Kaum bemerkte er, dass die Kamera sein Gesicht in einer Großaufnahme eingefangen hatte, hellte sich sein Blick auf. »Befragen wir unsere heutigen Kandidaten zu ihrem Motiv, bei Weiter oder Raus mitzumachen.« Er ging zu den drei Schalensitzen.
   Soeben beendete Dr. Beebott seine Tätigkeit. Cecille stapelte neun Glasröhrchen auf einem Tablett, das sie graziös zum Labor trug, welches am Bildschirmrand zu sehen war. Während Dr. Beebott mit der Auswertung begann, trat Stuart Nickels zum ersten Kandidaten.
   »Sam Mendez aus Mexiko, bist du überhaupt schon volljährig?« Misstrauisch hielt der Showmaster dem braun gebrannten Jugendlichen mit den schulterlangen, schwarzen Rastalocken das Mikrofon vors Gesicht.
   »Ich bin zweiundzwanzig!« Sam Mendez’ Stimme klang schrill.
   »Ich weiß, wir haben das geprüft.« Nickels lächelte. »Du wohnst bei deiner Schwester in San Río und züchtest Hunde. Was führt dich zu uns?«
   »Spielschulden.«
   »Spielschulden?«, wiederholte Nickels ungläubig. »Wie wär’s mit Arbeiten, Sam?« Das Publikum lachte.
   Mendez’ Gesicht wurde rot. »Ey, du Arschfi...« Ein rascher Piepton wurde eingeblendet. »... hast keine Ahnung, wovon du redest!«
   Stuart Nickels blieb ruhig und souverän. »Also Spielschulden sind deine Motivation, hier mitzumachen. Du glaubst, du gewinnst?«
   »Ey, Mann, ich muss gewinnen! Ich habe dreihundert Riesen bei einem Hundekampf verloren. Der Scheißköter hat in der sechsten Runde schlapp gemacht. Was bleibt mir anderes übrig?«
   Stuart Nickels stieß einen Pfiff aus. »Dreihunderttausend Dollar sind kein Pappenstiel! Da wir jetzt sozusagen unter uns sind: Bei wem hast du die Schulden, Sam?«
   »Ey Mann, ich bin tot, wenn ich das rausposaune. Und wenn ich nicht zahle, schicken die mir Jungs vorbei, die mir die Beine brechen, jeden Finger einzeln abschneiden und mich wie ein Schwein ausweiden.«
   »Oh, wie grausam!« Nickels verzog das Gesicht, das Publikum begann zu applaudieren.
   »Jedenfalls brauche ich das Geld!«, rief Mendez in das Mikrofon, als wollte er das Publikum auf seine Seite bringen. »Dreihunderttausend! Und den Rest, damit ich mich nach der Show wieder zusammenflicken lasse.«
   »Du weißt aber, dass du keinen Cent bekommst, wenn du während eines Showblocks aufgibst«, erinnerte ihn Nickels.
   Mendez nickte. »Ey, ich kann nicht aufhören, ich muss es bis zum Ende durchziehen. Die anderen können gleich aufgeben!« Er musterte seine beiden Nachbarn mit einem geringschätzigen Blick. »Vergesst es, Leute und verpi... !« Der eingeblendete Piepton schluckte den Rest des Satzes.
   »Kommen wir zu unserem nächsten Kandidaten.« Nickels ging zum mittleren Stuhl. »Steve Gordon aus New York. Hallo Steve!«
   Der ältere Mann mit dem grauen Haarkranz und dem Hawaiihemd verzog keine Miene. Mit stoischer Ruhe saß der Hüne aufrecht auf seinem Stuhl und blickte für einen Moment in die Kamera. Seine Augen hatten den scharfen, funkelnden Blick eines Raubtiers.
   »Steve, Sie sind gut gebaut. Stemmen Sie Gewichte?«
   Steve Gordon nickte knapp.
   »Was ist Ihr Job?«
   »Bin im Ruhestand«, knurrte Gordon.
   »Aha.« Nickels grinste in die Kamera. »Ich erzähle Ihnen etwas über unseren schweigsamen Kandidaten. Steve Gordon ist Militärhelikopter für die Army geflogen. Er kannte die Apache und die Black Hawk noch von innen. Er spricht nicht gern über diese Zeit, aber Weiter oder Raus bringt es ans Tageslicht, und es ist meine Aufgabe, Sie zu informieren!« Nickels riss die Arme hoch, das Publikum tobte.
   Als sich das Saalpublikum beruhigt hatte, legte Nickels eine Hand auf Gordons breite Schulter. »Steves Patrouille wurde 2003 über dem Irak abgeschossen. Verschleppt und mehr als zehn Jahre Kriegsgefangenschaft ... ich brauche Ihnen wohl nicht zu sagen, was das bedeutet. Kein normaler Mensch überlebt diese Folter. Steve ist ein psychisches Wrack. Jede Nacht das Gleiche: Er wacht schweißgebadet auf, hat Albträume und schreckliche Visionen von den Psychopharmaka, die sich tief in sein Gehirn gefressen haben, wo er sie nicht mehr herausbekommt.« Nickels Stimme wurde beängstigend leise. »Steve hat sich freiwillig für die Show gemeldet. Ihm geht es nicht ums Geld, auch nicht darum, sein Trauma zu überwinden, ihm geht es um ...«
   »Buße!«
   »Richtig, Steve! Er hat sich selbst auferlegt, Buße zu tun, gegenüber seinen Kameraden, die bis zum heutigen Tag die Heimat nicht wieder gesehen haben.« Nickels’ Worte glichen einem Flüstern. »Möglicherweise sind sie noch irgendwo am Leben und führen ein Dasein, das für uns Amerikaner unvorstellbar ist, denn Steve Gordon kehrte als Einziger aus der Gefangenschaft zurück. Verrat ist ein schwerwiegendes Verbrechen, Steve, aber nach zehn Jahren Kriegsgefangenschaft kann man wahrlich nicht mehr von Verrat sprechen. Heute ist er hier, um die Absolution für seine Tat zu erhalten.«
   Zunächst herrschte betretenes Schweigen im Saal, zaghaft applaudierten einige Menschen, schließlich bekam Steve Gordon Standing Ovations. Sogar einige Feuerzeuge wurden angezündet.
   Unvermutet beugte sich Steve Gordon nach vorne und ergriff das Mikrofon. »Seit fünfzehn Jahren lodern die Narben in meinem Kopf. Ich habe nichts zu verlieren«, knarrte er. »Ich gehe bis zum Ende. Ich bin es ihnen schuldig, sonst brenne ich in der Hölle!«
   »Eine starke Aussage!« Respektvoll musterte Nickels den Kandidaten. »Nun zu unserem letzten Teilnehmer.«
   Auf dem äußeren Stuhl saß Albert Weinman, ein übergewichtiger Mann Anfang vierzig. Stirn und Hände waren weiß, seine Pausbacken so rosafarben wie die eines Schweins. Schweiß stand ihm auf der Oberlippe, und sein rotes, schütteres Haar klebte ihm auf der Stirn.
   »Albert Weinman! Albert Weinman!« Nickels ging mit erhobener Hand um den Stuhl herum. »Wir haben heute Albert Weinman zu Gast! Wer erinnert sich nicht an diesen Namen?«
   Es war eine rhetorische Frage. Einigen Menschen im Saal schien es zu dämmern, denn ein Raunen ging durch die Reihen.
   »Ja, genau!« Stuart Nickels schnippte mit den Fingern, als erinnerte er sich plötzlich. »Der Fall Weinman ging letztes Jahr durch die Medien. Ben, ein zehnjähriger Junge, verschwand am helllichten Tag auf einer belebten Straße, unmittelbar vor seiner Schule. Sein Vater, ein Buchhalter und braver Familienvater, wollte den Jungen abholen, doch der Mann wartete vergebens vor dem Ausgang. Der kleine Ben kam nicht heraus, er blieb verschwunden. Keine Lösegeldforderung, kein Anzeichen eines Verbrechens, keine Zeugenaussagen ... nichts! Einen Monat später wurde der Junge gefunden ...«
   Die kurze Einspielung der CNN-Nachrichten von damals weckte die Erinnerung der Menschen. Tödliche Stille herrschte im Saal, als auf der Videowall Männer des FBI Maine zu sehen waren, die einzelne Körperteile aus dem Fluss fischten. Bis auf schwarze Plastiksäcke, gelbe Absperrlinien und dem Blitzlichtgewitter der Reporter war nichts zu sehen.
   Die Einspielung verblasste. »Über drei Wochen, ganze dreiundzwanzig Tage, war der Junge in der Gewalt seines Entführers gewesen.« Nickels schluckte. »Er muss ein unvorstellbares Martyrium durchgemacht haben.« Die nächsten Worte waren an Albert Weinman gerichtet. »Der Mörder wurde nie gefasst. Möchten Sie ihm etwas mitteilen, falls er jetzt vor dem Bildschirm sitzt?«
   Mit zitternden Fingern ergriff Weinman das Mikrofon. »Sie haben nicht nur das Leben meines Sohnes ruiniert, sondern auch meines. Was Sie meinem Jungen angetan haben, hätten Sie mir antun sollen! Dann wäre Ben noch am Leben. Wäre ich einige Minuten früher zur Schule gekommen, hätten Sie mich anstelle des Jungen haben können ...« Weinmans Stimme brach ab.
   »Wir erinnern uns«, sagte Nickels. »Aber damit war der Fall Weinman noch nicht abgeschlossen. Von Selbstzweifeln geplagt, von Schuldgefühlen zerfressen folgte Monate nach der Entführung der nächste Schicksalsschlag. Mit Multipler Sklerose ist Bens Mutter seither ans Bett gefesselt, und ein Vater, der seine Familie verloren hat, bleibt allein zurück.«
   Tief ergriffen begann das Publikum zu applaudieren.
   »Wie viele körperliche Schmerzen können Sie ertragen, Albert?«
   Weinman schüttelte den Kopf. »Keine! Aber ich muss es tun, für Maria, für ihre Behandlung. Sie muss gesund werden, sonst ist mein Leben wertlos.«
   Stuart Nickels hob die Arme. »Sie haben es gehört! Das sind unsere heutigen Kandidaten, und ihre Motivation könnte nicht unterschiedlicher sein: Spielschulden, Geld für eine Operation und Buße für die verlorenen Kameraden.«
   Nickels zeigte zu einer großen Leuchtanzeige. Die Ziffern standen auf Null. »Die Show beginnt. Ab jetzt werden die TV-Wetten angenommen. Schalten Sie sich über Ihre Webcam zu uns ins Studio! Geben Sie Ihren Tipp ab.«
   Am unteren Bildschirmrand wurde der elfstellige Web-Zugangscode des Fernsehsenders eingeblendet. Hypnotisierend blinkten die roten Ziffern des Banners, der mehrmals über die Mattscheibe wanderte. Sogleich schoss die Leuchtanzeige sprunghaft von null auf siebzig abgegebene Tipps, in weiteren Etappen kletterte sie auf neunzig und hundertfünfzig.
   Mittlerweile hatte Doktor Beebott seine Arbeit im Labor beendet. Er trat ins Bild, um Stuart Nickels etwas ins Ohr zu flüstern.
   »Wie ich soeben erfahren habe, sind die Tests negativ ausgefallen, das heißt: Unsere Kandidaten sind clean! Kein Alkohol, keine Drogen, kein Sedativum, nicht einmal die kleinste Beruhigungstablette. Sam Mendez, Steve Gordon und Albert Weinman sind so sauber wie ein Babypo!« Nickels wandte sich an die Teilnehmer. »Sie kennen die Prozedur. Darf ich Sie bitten?«
   Die drei Kandidaten erhoben sich und machten den Oberkörper frei. Mendez’ dunkler Teint glänzte im Licht des Studios. Er war schmalbrüstig und trug ein Piercing durch die Brustwarze. Albert Weinmans rosafarbener und behaarter Bauch schwabbelte mit drei Fettringen. Steve Gordon entledigte sich seines Hawaiihemds und präsentierte einen gigantischen Brustkorb. Der ehemalige Helikopterpilot war so trainiert wie ein junger Bodybuilder. Aber als das Publikum die Narben sah, die in tiefen Furchen quer über seinen Oberkörper, den Nacken und die Schultern verliefen, ging ein Raunen durch den Saal. No Pain hatte er sich in gotischen Lettern im Halbkreis über die Brust tätowieren lassen.
   »Ein Andenken an den Irak«, kommentierte Gordon mit gelassener Stimme.
   Buh-Rufe drangen aus dem Saal.
   »Genau!«, schrie Nickels. »Wir haben die Kameltreiber aus ihren Löchern gebombt und von dem schönen Antlitz dieser Erde wegradiert!« Die Menge tobte und brüllte frenetisch.
   Doktor Beebott schloss die Männer mit Elektroden an mehrere Geräte an. Sogleich waren am unteren Bildschirmrand die Herzfrequenz der drei Kandidaten, die Hirnströme, der Blutdruck und die zirkulierende Blutmenge in Milliliter zu sehen.
   »Sie wissen ...«, erinnerte Nickels die Teilnehmer, »sobald Sie sich für Weiter entscheiden, gibt es kein Zurück mehr. Sind Sie bereit?«, fragte er.
   »Weiter«, murmelten Mendez, Gordon und Weinman wie aus einem Mund.
   »Sie haben es gehört!«, brüllte Nickels ins Publikum. »Für heute haben wir wieder sechs streng geheime Hürden vorbereitet. Cecille informiert uns über die Reihenfolge der Showblöcke, und wir werden sehen, wie belastbar unsere Kandidaten sind.«
   Wie auf Kommando drückte Cecille den ersten Sensor, und auf der elektronischen Anzeigetafel über den Köpfen der Kandidaten leuchtete ein Wort in futuristischen Lettern: Fingernägel. Das Saalpublikum klatschte und stampfte mit den Füßen im Takt eines Marsches.
   »Die erste Hürde lautet: Fingernägel! Wie viele es sein werden, entscheidet der Generator!« Nickels zeigte auf die Anzeige, die abwechselnd zwischen eins und zehn zu leuchten begann. Der Zufallsgenerator stoppte das Blinken.
   »Zwei!«, rief Nickels, diesmal nicht mehr so euphorisch wie zuvor.
   Ein enttäuschtes Raunen ging durch das Publikum. Gleichzeitig atmeten die Kandidaten erleichtert auf. Ein harmloser Beginn. Dementsprechend sprangen die Prämienanzeiger, die sich jeweils oberhalb der Kandidatenstühle befanden, nur auf zweitausend Dollar.
   Mit einem erklärenden Blick wandte sich Nickels der Kamera zu. »Sie, die Zuschauer zu Hause, sind aufgefordert mitzubieten. Je früher Sie einsteigen, desto höher ist die Gewinn-Quote, je später Sie einsteigen, desto geringer. Also beeilen Sie sich! Geben Sie über die Webcam Ihren Tipp ab.«
   Nickels ging in die Knie und deutete zum unteren Bildschirmrand, wo der Web-Zugangscode des Fernsehsenders erneut eingeblendet wurde. »Sagen Sie uns, welcher Kandidat bei welchem Prämienstand in welcher Runde ausscheidet oder bis wohin er durchhält, und gewinnen Sie das Einspielergebnis des heutigen Abends.«
   Die Kamera schwenkte zur Leuchttafel, die einen Stand von sechzigtausend Tipps anzeigte, welche die Zuseher bereits über die Webcam abgegeben hatten. Jede Sekunde kamen mehr hinzu. In der Zwischenzeit hatte Cecille die Unterarme und Handgelenke der Kandidaten mit Lederriemen an die Stuhllehnen festgezurrt, sodass sie völlig bewegungslos dasaßen. Ein Mundstück wurde ihnen zwischen die Zähne geklemmt.
   »An dieser Stelle die übliche Warnung«, erklärte Nickels. »Versuchen Sie das nicht zu Hause nachzumachen. Die Spielhürden werden von einem qualifizierten Ärzteteam überwacht, um den Kandidaten die größtmögliche Sicherheit zu bieten. Wir haben einen absolut sterilen Operationsbereich, Desinfektionswannen, die modernste Wundversorgung vor Ort und Klemmen, um die Blutung zu stoppen. Wir garantieren, dass jeder Kandidat die Hürde überlebt. Versuchen Sie das unter keinen Umständen zu Hause!«
   Das war das Stichwort. Ein fünfköpfiges Ärzteteam betrat die Bühne. Auf einem Beiwagen, den sie vor sich herschoben, befanden sich Skalpelle, Scheren und scharfe Löffel.
   »Bleiben Sie dran!«, rief Nickels. »Wir sehen uns in fünf Minuten wieder, wenn es wieder heißt: Weiter oder Raus!«
   In diesem Moment wurde der erste Werbeblock eingeblendet.

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Die Kamera blendete wieder ins Studio. Stuart Nickels stand neben den Kandidatenstühlen. Eine Großaufnahme von ihm wurde über die Videowall ausgestrahlt.
   Je zwei Finger der Kandidaten waren mit Mullbinden bandagiert, an deren Spitzen ein dunkelroter Punkt durchsickerte. Davon abgesehen sahen die Teilnehmer fit aus. Sie wurden von einem Ärzteteam versorgt, bekamen zu trinken, Schweiß wurde ihnen von der Stirn gewischt, und eine unter der Nase befestigte Ammoniakkapsel verhinderte, dass sie wegen der Schmerzen bewusstlos wurden.
   Stuart Nickels ergriff das Wort: »Willkommen bei Weiter oder Raus. Wenn Sie erst jetzt dazugeschaltet haben, heiße ich Sie herzlich willkommen.« Er umrundete sein Kandidatenteam, wobei das Klappern seiner Metallsohlen deutlich zu hören war. Für einen Moment kamen seine Schuhe übergroß ins Bild: Ein Paar Gucci aus echtem Leder. Die Kamera schwenkte wieder hinauf.
   »Wir befinden uns am Beginn der zweiten Hürde. Noch haben Sie Gelegenheit, über die Webcam Ihren Tipp mit hohen Quoten abzugeben. Mit zehn Dollar sind Sie dabei, und vergessen Sie nicht, ein Prozent des Einspielergebnisses wandert in den Jackpot, der dann ins Spiel kommt, wenn alle drei Kandidaten die sechste Runde erreicht haben.«
   Die Kamera schwenkte zur Leuchtanzeige, die während des Werbeblocks auf einhundertzehntausend abgegebene Tipps hochgeschnellt war.
   »Kommen wir zur zweiten Hürde!«, rief Nickels. »Ohne zu wissen, welche Herausforderung der Sender als Nächstes für die Kandidaten vorbereitet hat, müssen sie sich entscheiden, ob sie aussteigen oder weitermachen. Wer Raus sagt, ist draußen und erhält seinen letzten Prämienstand, aber wer Weiter sagt und während der Hürde abspringt, erhält keinen müden Cent.«
   Die Kennmelodie der Show wurde eingeblendet, ein Tusch mit theatralischem Fanfarestoß.    
   »Weiter oder Raus?« Nickels hielt zunächst dem jungen Mexikaner das Mikrofon vors Gesicht.
   »Nur weiter!«, presste Sam Mendez hervor.
   »Gute Entscheidung!«, rief Nickels. Das Publikum tobte.
   »Weiter!«, sagte auch Steve Gordon mit tiefer, bestimmter Stimme.
   »... weiter ...«, stöhnte Albert Weinman.
   Als Cecille auf den zweiten Sensor drückte, saßen die Teilnehmer stocksteif da und beobachteten das Schauspiel via Monitor. Die elektronische Anzeige über ihren Köpfen begann zu leuchten: Backenzahn.
   »Oho!«, rief Nickels. »Wie viele es sind, entscheidet der Generator.«
   Die Zahlen eins bis acht flackerten auf. Als der Zufallsgenerator die Anzeige bei drei zum Stillstand brachte, ging ein erstaunter Aufschrei durch die Menge. Die Kandidaten versteiften sich. Augenblicklich sprang oberhalb ihrer Stühle die Leuchtanzeige der Prämie von zweitausend auf elftausend Dollar. Gleichzeitig wurde das Ärzteteam tätig und fixierte die Stirn der Kandidaten mit Lederriemen an die Kopflehne. Das Zeitfenster war knapp, sie mussten sich beeilen. Die Stühle schwenkten in eine horizontale Lage. Metallklammern mit einem insektenbeinähnlichen Gestänge öffneten den Mund jedes Teilnehmers, bogen die Lippen auf und entblößten das Gebiss. Cecille schob einen Rollwagen über die Bühne, auf dem sich Schläuche, Tupfer, Pinzetten, Spiegel, Häkchen, Zangen, Desinfektionsmittel und Sauger befanden.
   »Bleiben Sie dran! Wir sehen uns nach der Werbung wieder!« Stuart Nickels winkte in die Kamera, danach wurde ausgeblendet.

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»Und hier ist wieder Stuart Nickels mit Weiter oder Raus! Unsere tapferen Kandidaten haben auch die zweite Hürde bravourös gemeistert, und das ...« Nickels hob den Zeigefinger. »... ohne Narkotika oder Schmerzmittel! Applaus!« Er riss die Arme hoch.
   Soeben wurden die fleckigen Tücher unter dem Kinn eines jeden Kandidaten entfernt.
   »Heute steht uns eine lange Nacht von Showblöcken bevor«, brüllte Nickels. »Weiter oder Raus?«
   »Weiter«, murmelte Sam Mendez mit geschlossenen Augen. Ihn würgte, beinahe bekam er den Mund nicht auf. Ein Arzt lief herbei und entfernte einen getränkten Wattebausch aus seinem Mund.
   Steve Gordon, im Gesicht so weiß wie ein Bettlaken, atmete tief durch. Auch seine Backe war angeschwollen. »Weiter!«
   Albert Weinman verdrehte die Augen. Er schluckte und schluckte, ohne ein Wort herauszubringen.
   »Schnell! Anästhesie!« Ein Arzt eilte herbei.
   Sogleich wurde dem Buchhalter ein Schlauch in den Rachen gesteckt. Zusätzlich erhielt er eine Injektion in die Halsschlagader. Das Publikum raunte.
   »Das ist kein Schmerzmittel!«, beruhigte Nickels die Menschen im Saal. »Die zwanzig Milliliter Seradronin halten lediglich die Herzfrequenz unter zweihundert und somit die Kreislauffunktionen aufrecht ... schließlich wollen wir seine Entscheidung hören.« Er trat ganz nahe an den übergewichtigen Mann aus Maine heran. »Weiter oder Raus?«
   »Maria, ich tue es für dich ... weiter ...«, röchelte Weinman, dessen Ton verriet, dass er von allen Kandidaten die größte Überwindung aufbringen musste. Tränen liefen ihm übers Gesicht.
   »Sie haben es gehört!«, brüllte Nickels. Das Saalpublikum goutierte diese Entscheidung mit tosendem Beifall. Cecille betätigte den dritten Sensor, und auf der Tafel erschien: Bandscheibe. Gleichzeitig sprang die Leuchtanzeige der Prämie von elftausend auf einundvierzigtausend Dollar. Das Publikum stampfte frenetisch mit den Füßen auf. Die Stimmung im Saal kochte vor Emotionen.
   »Vergessen Sie nicht!« Nickels peitschte die Begeisterung noch höher. »Eingriffe in die Wirbelsäule bergen ungeheuere Risiken – vor allem, wenn man mit einer Nadel eine Bandscheibe absaugt. Eine Nervenwurzel könnte verletzt werden oder im schlimmsten Fall das Rückenmark selbst. Dabei können Organstörungen oder Lähmungen nicht ausgeschlossen werden. Befragen wir Doktor Lombardo dazu.«
   Doktor Lombardo, ein typischer Rechtsanwalt im dunklen Nadelstreif mit funkelnder Krawattennadel, schmaler Lesebrille und grauem Haarkranz betrat die Bühne.
   »Haftet der Fernsehsender für eventuelle Nebenwirkungen und Folgeschäden?«, fragte Nickels ohne Umschweife.
   »Grundsätzlich schon, aber ...« Doktor Lombardo blickte selbstsicher in die Kamera. Seine Stimme hatte einen tiefen, sonoren Klang, sodass niemand den Wahrheitsgehalt seiner Worte anzweifeln würde. »Jeder Kandidat wird vor der Sendung von erfahrenen und anerkannten Psychologen getestet. Ein Gutachten über den geistigen Zustand wird ermittelt, welches die vollständige Zurechnungsfähigkeit des Teilnehmers bestätigt. Erst danach wird unsere Rechtsabteilung aktiv. Jedem Kandidaten wird selbstverständlich kostenlos ein Rechtsanwalt zur Verfügung gestellt, der belegt, dass jede Entscheidung frei von Zwang, Betrug oder Irrtum erfolgt. In einem Vertrag unterzeichnen beide Parteien ein Abkommen. Der Kandidat erklärt sich mit den ihm bekannten Spielregeln einverstanden, und der Fernsehsender haftet für keinerlei Folgeschäden und Nebenwirkungen. Somit trägt der Kandidat das Risiko, allerdings stellt ihm der Fernsehsender als Gegenleistung eine hohe Prämie in Aussicht. Der Vertrag kann weder angefochten noch für ungültig erklärt werden und ist – juristisch gesehen – wasserdicht.«
   »Sie sehen, alles geht mit rechten Dingen zu!«, rief Nickels. »Was zeigt die Tafel?«
   Der Kameraschwenk zur Leuchtanzeige meldete einen aktuellen Webcam-Stand von einhundertsechzigtausend Tipps.
   »Wir haben die Halbzeit erreicht, und im Moment sind knapp 1,6 Millionen Dollar Einspielergebnis zu gewinnen. Bieten Sie mit, solange der Showblock läuft! Je länger Sie mit Ihrem Tipp warten, desto schneller fallen die Quoten.«
   Der elfstellige, hypnotisierende Web-Zugangscode des Fernsehsenders blinkte wiederum am unteren Bildschirmrand.
   »Und weiter geht’s!«
   Das war das Stichwort. Das Ärzteteam betrat die Bühne. Diesmal war es neun Mann stark. Die Kandidatenstühle machten eine halbe Drehung, sodass die Teilnehmer mit dem Rücken zum Publikum saßen. Erst jetzt wurde die ovale, freie Stelle in den Rückenlehnen sichtbar.
   Cecille legte den Kandidaten eine Metallspange um die Brust, sodass sie stocksteif an die Rückenlehne gepresst wurden. Das Ärzteteam begann damit, das chirurgische Besteck auf den Tabletts auszubreiten und die Operationsstellen zu desinfizieren. Sauerstoff- und Infusionsflaschen wurden an einem Gestänge herangerollt, ebenso Plastikbeutel für Bluttransfusionen. Injektionen mit Refluran-Ampullen wurden vorbereitet, die eine schmerzbedingte Hormonausschüttung des Körpers unterdrückten, ebenso die Stressreaktion reduzierten und die Lungenfrequenz auf normalem Niveau hielten, denn keiner der Kandidaten sollte auf Grund der Schmerzen bewusstlos werden. Als die Saugnadel mit der neun Zentimeter langen Kanüle aufblitzte, schwenkte die Kamera zur Seite.
   »Bleiben Sie dran!«, rief Nickels. »In wenigen Minuten erfahren Sie, wie die Hürde ausgegangen ist.«
   Im Hintergrund schrie der junge Mendez auf, danach wurde der Werbeblock eingeblendet.

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»Willkommen, willkommen, willkommen!« Stuart Nickels war in seinem Element. Mit erhobenem Arm lief er quer über die Showbühne, sodass die blitzblaue Krawatte durch die Luft flatterte. Für einen Moment kam sie mit dem Logo des Fernsehsenders groß ins Bild. Deutlich war das Armani-Emblem zu sehen. Auch auf der Videowall wurde die Aufnahme für einige Sekunden eingefroren.
   Mit einer eingeübten Geste justierte Nickels das Mikro, das an seinem Kehlkopf klebte, und seinen Ohrstöpsel, über welchen er Regieanweisungen erhielt. Soeben verließ das neunköpfige Ärzteteam mitsamt seinem Equipment die Bühne. Die Kandidatenstühle schwenkten im Halbkreis herum. Für einen Moment waren die offenen, roten Stellen im Rückgrat zu erkennen, dann kamen die drei Bewerber gleichzeitig in Splitscreens groß ins Bild. Die Augen der Männer flatterten an der Grenze zur Bewusstlosigkeit, ihre Haut war vollständig fahl, Schweiß stand ihnen auf der Stirn, und von den Aufputschmitteln hüpften und zuckten ihre Gesichtsmuskeln unkontrolliert.
   »Wer nach dieser Nummer noch weiter sagt, ist tough!«, rief Nickels. »Wer nach dieser Nummer noch weiter sagt, ist strong!«
   Das Publikum stimmte mit einem Sprechchor ein: »Tough and strong! Tough and strong!«
   Nickels hielt Sam Mendez das Mikrofon vor die Nase.
   »Weiter«, hauchte der Mexikaner.
   Das Publikum tobte.
   »Weiter«, presste Steve Gordon hervor.
   Albert Weinman bewegte zwar die Lippen, brachte aber keinen Ton heraus.    
   »Weiter oder Raus?«, fragte ihn der Showmaster erneut.
   Weinmans Lippen bebten, er nickte schwach mit dem Kopf.
   »Oh, das ist leider zu wenig.« Nickels’ Stimme wurde bestimmt. »Noch stehen Ihnen drei Hürden bevor, bis Sie ans große Geld herankommen. Überlegen Sie es sich gut. Weiter oder Raus?«
   Weinman nahm alle ihm verbliebene Kraft zusammen. »... weiter ...«
   Nickels hob gebieterisch die Hand, worauf Cecille den vierten Sensor aktivierte. Sogleich wurde der Titel der nächsten Herausforderung angezeigt: Auge.
   Die Kandidaten begannen zu hyperventilieren. Vermutlich ahnten sie, was als Nächstes passieren würde. Der Zufallsgenerator brachte die elektronische Anzeige erneut zum Flackern. Die Zahlen eins und zwei zuckten abwechselnd über den Köpfen der Kandidaten. Schließlich blieb die Anzeige bei eins stehen. Das Publikum raunte enttäuscht, während die angespannten Schultern der Kandidaten erleichtert nach unten sanken. Im gleichen Moment schnellte die Prämie der digitalen Leuchtanzeige von 41.000 Dollar auf 241.000 Dollar.
   Mit lauter Stimme wiederholte Nickels den Prämienstand. Danach eilte er quer über die Bühne, während er rief: »Und Sie zu Hause. Voten Sie mit! Geben Sie Ihren Tipp über die Webcam ab. Mit nur zehn Dollar sind Sie dabei. Wer wird gewinnen? Wer scheidet aus? Wie lange hält welcher Kandidat durch, und wie hoch ist die Endprämie? Schalten Sie sich mehrmals zu uns ins Studio und geben Sie unterschiedliche Tipps ab. Das erhöht Ihre Chance, das Einspielergebnis des heutigen Abends zu gewinnen!«
   Die Kamera schwenkte zur Webcam-Anzeige.
   »Zweihundertachtzigtausend Tipps, meine Damen und Herren. Das bedeutet ein augenblickliches Einspielergebnis von knapp 2,8 Millionen Dollar! Voten Sie mit!«
   Ein Ärzteteam betrat die Showbühne. Auf einem Beiwagen führten sie drei Metallkonstruktionen mit sich, um die Köpfe der Kandidaten zu fixieren. Daneben lagen Klammern und eine Augenschere. Eilig gingen sie zur Sache, denn während des Werbeblocks standen ihnen nur zehn Minuten zur Verfügung.

Benötigen Sie Geld? Benötigen Sie sogar sehr viel Geld? Dann melden Sie sich bei uns! Werden Sie einer von drei Kandidaten bei Weiter oder Raus!
   Aber Vorsicht! Nicht jeder ist dafür geeignet. Es bedarf einiger Voraussetzungen: Verfügen Sie über den Mut, in dieser Show mitzuspielen? Haben Sie die Nerven, die sechs Levels durchzustehen? Sind Sie schmerzunempfindlich? Und brauchen Sie verdammt noch mal so viel Geld, dass Sie wirklich alles dafür tun würden? Dann sind Sie bei uns richtig.
   Ein Rechtsanwalt klärt mit Ihnen sämtliche notwendigen Formalitäten: Ihre Lebensversicherung und einen Vertrag mit dem Fernsehsender. Auf Wunsch können Sie bei einem Notar Ihr Testament für Notfälle hinterlegt. Ein Beraterteam sorgt sich während eines psychologischen Aufklärungsgesprächs um Sie. Schicken Sie uns noch heute Ihre Bewerbungsunterlagen.
   – Diese Werbeeinschaltung widmete Ihnen die Laserschnittchirurgie für bioelektronische Netz- und Hornhautverpflanzung –

Untermalt von den Klängen eines elektronischen Orchesters, das eine heroische Militärhymne spielte, wurden die drei Kandidaten in Großformat eingeblendet. Drei Splitscreens zeigten jeweils Sam Mendez’, Steve Gordons und Albert Weinmans Gesicht mit der ausbandagierten Augenhöhle. Die herausoperierten Teile waren bereits vor Minuten von einem Tiefkühltransport ins nächste Krankenhaus verfrachtet worden, wo sie umgehend für Transplantationen verwendet wurden, wie es die vertragliche Regelung mit dem Fernsehsender vorsah.
   Die Militärhymne wurde ausgeblendet, ebenso die Zeitlupenaufnahme von Steve Gordon, wie er den Kopf in den Nacken warf. Eine Reihe von Laserspots leuchtete in die Mitte der Showbühne. Stuart Nickels trat ins Rampenlicht.
   »Weiter oder Raus?«, brüllte er euphorisch und hielt dem ersten Kandidaten das Mikrofon vors Gesicht.
   »Weiter ...« Sam Mendez keuchte schwer. Das Lid seines gesunden Auges flatterte, für einen Moment verschwand die Pupille, sodass nur noch das Weiß zu sehen war. Sogleich kam ein Arzt herbei und überprüfte das Gemisch seiner Infusion, damit er bei vollem Bewusstsein blieb.
   »Weiter«, sagte Steve Gordon und – zur Überraschung des Publikums – auch Albert Weinman, der scheinbar alles für seine Frau zu tun bereit war. Im Saal herrschte eine aufgepeitschte Stimmung. Die Gemüter erhitzten sich von Minute zu Minute mehr, in der Luft lag pures Adrenalin.
   Auch Stuart Nickels stand der Schweiß auf der Stirn. »Wahnsinn!«, rief er. »Wir steigern uns. Zwei Hürden liegen noch vor uns, eine gefährlicher als die andere. Das fünfte Level!«
   Wie auf Kommando betätigte Cecille den Sensor, worauf die Anzeige aufleuchtete: Amputation.
   Ein Raunen ging durch den Saal.
   »Amputation bei vollem Bewusstsein!«, rief Nickels. »Der Zufallsgenerator entscheidet; entweder Arm oder Bein an der linken oder rechten Seite.« Lächelnd wandte er sich an die Kandidaten. »Es ist zwar nur knapp oberhalb des Ellenbogens oder des Knies, ich möchte aber trotzdem nicht in Ihrer Haut stecken.«
   Cecille, die langbeinige Blondine, drückte wieder auf den Sensor und brachte den Zufallsgenerator in Bewegung. Nickels riss die Arme hoch. Die Leuchtanzeige stoppte bei rechtes Bein. »Der Generator hat entschieden. Es ist das ...«
   Der Showmaster wurde jäh von der roten Lampe des Saal-Votings unterbrochen, die plötzlich aufleuchtete, begleitet vom schrillen Ton einer Sirene. »Oh, oh, oh ... wenn über neunzig Prozent des Saalpublikums den Sensor unter den Sitzen betätigt«, erklärte Nickels, »wird der Zuschauer-Bonus aktiviert – und das bedeutet: Der Zufallsgenerator muss ein zweites Mal laufen.«
   Diesmal standen nur noch linker und rechter Arm und das linke Bein zur Auswahl. Cecille brachte den Zufallsgenerator zum Laufen, bis das Flackern bei linkes Bein stoppte.
   Stuart Nickels geriet ins Schwitzen. »Sie haben entschieden! Das rechte und das linke Bein!«
   Die Leuchtanzeige sprang auf 2.241.000 Dollar Prämie. Plötzlich geriet die Atmosphäre in der Halle in Hektik. Ein vollkommen steriler Operationssaal mit einer Rundumverglasung wurde elektronisch gesteuert auf die Showbühne geschwenkt. Die Stühle der Kandidaten fuhren automatisch in den OP-Bereich ein. Dahinter schloss sich die Tür aus Plexiglas. Der OP-Saal wurde von einem Ventilatorsystem keimfrei belüftet. Währenddessen bereitete ein Ärzteteam im Hintergrund die eventuell nötigen Bluttransfusionen vor. Ein Doktor injizierte den Kandidaten eine Ampulle, die das Zusammenziehen der Blutgefäße förderte, und die Seradronin-Refluran-Infusion reduzierte die Ausschüttung der körpereigenen Stresshormone und stabilisierte gleichzeitig den Kreislauf und die Herz-Lungenfrequenz. Einzig die Nerven für die Schmerzleitung zum Gehirn blieben unangetastet.
   »Oh, wir überziehen wieder einmal gewaltig. Wer hätte gedacht, dass die Kandidaten so lange durchhalten?« Nickels blickte auf seine Armbanduhr. Für einen Moment war sein Handgelenk in Großaufnahme zu sehen. Das neueste titanbeschichtete Omega-Modell mit Webcam-Zugang und einer Downloadkapazität von acht Gigabyte pro Sekunde kam gestochen scharf ins Bild.
   »Schalten Sie sich ein! Schalten Sie sich ein!«, heizte Nickels die Zuseher an. »Möglicherweise brechen wir heute Abend sämtliche Rekorde. Bisher haben wir dreihundertneunzigtausend Tipps über die Webcam erhalten. Schalten Sie sich zu uns ins Studio! Geben Sie uns Ihren Tipp, noch ist es nicht zu spät.«
   Mittlerweile wurden die Kandidaten mit einer Sauerstoffmaske beatmet. Die Hosen wurden am Ansatz der Oberschenkel mit einem Skalpell abgetrennt, die Schnittstellen oberhalb der Kniegelenke kahl rasiert, desinfiziert und mit einem violetten Stift markiert. Dutzende Kontaktplättchen wurden den Kandidaten an Herz, Schläfen und den Schlagadern angelegt, während eine Krankenpflegerin Gefäßklammern und Nähfaden bereitlegte.
   »Wenn Sie zu Hause live miterleben wollen, wie die Kandidaten ihre Hürden meistern, dann kommen Sie als Zuschauer zu uns in die Show.« Stuart Nickels war voll im Bild und grinste in die Kamera. »Für schlappe hundertneunundneunzig Dollar erhalten Sie eine Reservierung, und die ersten fünfundzwanzig Anrufer bekommen Plätze in der VIP-Lounge, direkt vor den Kandidaten.«
   Als die Elektrosäge heulte und wiederum Mendez als Erster aufschrie, verschwand das Bild.

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Der letzte und gefährlichste Teil von Weiter oder Raus begann mit einer rasanten Kamerafahrt in Cinemascope, bei der sich die Kamera von der Decke der ›Robert Sheckley Hall‹ zwischen den Beleuchtungsröhren und Belüftungsschächten auf die Bühne stürzte und vor den Gesichtern der Kandidaten abbremste. Wagners kraftvoller Ritt der Walküren begleitete diese Fahrt.
   Die Gesichter der Teilnehmer wurden hintereinander mit Überblendungen gezeigt. Darunter waren die Namen Sam Mendez, Steve Gordon und Albert Weinman zu sehen.
   »Willkommen zum Schlussteil von Weiter oder Raus!«, begrüßte Stuart Nickels die Zuschauer an den Fernsehgeräten. Das Saalpublikum goutierte diese Ansage mit gewohnt euphorischem Fußstampfen.
   »Eine letzte Hürde ist noch offen. Normalerweise springen uns vor diesem Level die meisten Spieler ab. Doch hören wir selbst, was unsere zähen Kandidaten heute zu sagen haben.«
   Nickels ging vor die Glaswand des OPs, in dem die Kandidaten immer noch auf ihren Stühlen saßen. Allerdings waren sie nicht mehr vollständig zu sehen. Der schwarze Zensurbalken des Fernsehsenders wurde oberhalb der Knie eingeblendet, da der Anblick aus rechtlichen Gründen nicht übertragen werden durfte.
   »Sam Mendez, du könntest jetzt aufhören. Deine dreihunderttausend Dollar Spielschulden hast du längst erreicht.« Nickels befand sich unmittelbar vor der Glasscheibe. »Aber die Prämie dürfte noch zu gering sein, um deine Schäden komplett zu korrigieren. Weiter oder Raus
   Ein in Folie verpacktes Mikrofon schwenkte im Inneren des OPs von der Decke.
   »Weiter ...« Mendez’ elektronisch verzerrte Stimme war nur schwach zu hören.
   »Was für eine Entscheidung!« Nickels schritt zum nächsten Kandidaten.
   Steve Gordons Lippen bewegten sich tonlos. Eine Krankenpflegerin mit einer Wasserflasche in der Hand trat näher an ihn heran. Da die Kandidaten nicht unter Narkose standen, durften sie zu trinken bekommen. Jedoch lief Gordon die Hälfte davon aus dem Mundwinkel über den nackten Oberkörper.
   »Auch Sie können jetzt aufhören«, schlug ihm Nickels vor. »In diesem Fall würde Ihre Prämie etwas über 2,2 Millionen Dollar betragen.«
   Gordons nicht bandagiertes Augenlid zitterte unkontrolliert. Er senkte den Kopf und blickte an sich hinab. Zaghaft schüttelte er den Kopf.
   »Sie wissen, dass Sie zum Abschluss immer das Schlimmste erwartet! Machen Sie trotzdem weiter?«
   »Ja«, hauchte Gordon. »Weiter.«
   Nickels verzog beeindruckt das Gesicht, während er zu seinem letzten Kandidaten ging. »Und Sie, Mister Weinman?«
   »Ich muss, ich muss ...«, presste der Buchhalter hervor. Tränen liefen ihm übers Gesicht. Sein Oberkörper war schweißgebadet, und seine Oberschenkel zuckten im Schockzustand. »Für Maria ... weiter!«
   »Unglaublich! Unglaublich!«, brüllte Nickels außer Atem. »So weit sind wir seit einundfünfzig Sendungen nicht mehr gekommen. Da alle Kandidaten die letzte Hürde erreicht haben, ohne abzuspringen, ist der Jackpot geknackt.«
   Das Publikum der ›Robert Sheckley Hall‹ erhob sich, zunächst in den ersten Reihen des VIP-Bereichs, danach in den dahinter liegenden Reihen. Wie eine Welle, die sich nach hinten bewegte, erhob sich das Saalpublikum zu minutenlangen Standing Ovations.
   »Wir sind beim Höhepunkt der Show angelangt: Die sechste Hürde ... Cecille bitte!«
   Die Assistentin betätigte den letzten Sensor. Auf der Anzeige stand ein einziges Wort: Säure.
   Ein Apparat senkte sich auf die Köpfe der Kandidaten und vollbrachte binnen Minuten eine saubere Kahlrasur, wonach drei blitzblanke, weiße Schädel zu sehen waren.
   »Meine Damen und Herren!«, rief Stuart Nickels direkt in die Kamera. »Sie können nur noch zwei Minuten lang Ihren Tipp abgeben, danach wird der Zugang über die Webcam gesperrt. Zwei Minuten! Beeilen Sie sich, und denken Sie daran: Der Jackpot wurde geknackt! Lassen Sie sich diese Chance nicht entgehen!«
   Am unteren Bildschirmrand wurde eine elektronische Zeitanzeige eingeblendet, die bei 2:00 Minuten startete und kontinuierlich nach unten zählte. Währenddessen trat ein junger Neurochirurg an Stuart Nickels’ Seite, der zu den Risiken der letzten Hürde befragt wurde.
   »Vieles wird vom Zufall entschieden«, erläuterte Doktor Clarence. »An welcher Stelle trifft der Säuretropfen den Kopf, wie verteilt sich die Flüssigkeit, wie schnell durchdringt sie die Kopfhaut und den Schädelknochen? Dieser Teil ist zwar nicht sehr schmerzhaft, doch ist die Säure mit Neurotoxin versetzt, das massive Schmerzreaktionen auslöst, sobald es mit der Gehirnhaut in Verbindung kommt. Vieles hängt davon ab, wo Eintritt und Zersetzung stattfinden und wie weitreichend sie ausfallen. Im Großhirn oder am Hinterkopf im Kleinhirn? Welche Ganglien, Lappen oder motorische Nervenbahnen werden beschädigt? Erst danach wird man sehen, welche Funktionen beeinträchtigt sind.«
   »Können größere Gehirnschäden ausgeschlossen werden?«, fragte Nickels.
   »Möglicherweise bei einem einzigen hochkonzentrierten Tropfen. Bei zwei oder drei Tropfen benötigt man großes Glück. Obwohl die Kandidaten den Showblock jederzeit abbrechen können, möchte ich trotzdem vor einer Teilnahme warnen, denn sollte der Cortex, also die Großhirnrinde, verletzt werden, worin sich das Sprachzentrum befindet, dann ...«
   »Vielen Dank.« Nickels blickte auf seine Omega-Uhr. »Die Zeit ist abgelaufen, ab jetzt können keine Tipps mehr über die Webcam abgegeben werden.«
   Er justierte seinen Ohrstöpsel, was mittlerweile mehr zu einer erklärenden Geste für das Publikum geworden war. »Ich habe soeben erfahren, dass wir heute, in dieser Minute, den Einschaltrekord gebrochen haben.«
   Das Publikum stampfte mit den Füßen auf.
   »Sensationell! Wir konnten über neunhundertsechzigtausend abgegebene Tipps über die Webcam zählen, das ist absoluter Rekord seit dem Start dieser Sendereihe. Und Sie wissen, was das bedeutet! Jeder Tipp kostet zehn Dollar. Abzüglich eines Prozentpunkts, der in den Jackpot für die nächste Sendung wandert, ergibt das etwas über 9,5 Millionen Dollar Einspielergebnis. Und da wir drei Kandidaten in der Endrunde haben, kommt noch der Jackpot aus den letzten 51 Sendungen in Höhe von 2,2 Millionen Dollar dazu. Das bedeutet, auf den oder die Gewinner, die den richtigen Tipp abgegeben haben, warten 11,7 Millionen Dollar.«
   Nickels gab Cecille ein Zeichen.
   Der Zufallsgenerator, der über das Ausmaß der letzten Hürde entscheiden sollte, geriet ein letztes Mal in Bewegung. Die Zahlen eins bis zehn leuchteten auf. Bei sieben kam die Anzeige zum Stehen.
   »Sieben Tropfen, meine Damen und Herren!«, rief Nickels. »Sieben Tropfen! Wahnsinn!«
   Sogleich sprang die Leuchtanzeige oberhalb der Kandidatenstühle auf 9.241.000 Dollar Prämie, die auf denjenigen wartete, der den gesamten Showblock bis zuletzt durchhielt. Aus der Decke des gläsernen OP-Saals fuhren drei Schläuche, die unmittelbar über den Köpfen der Kandidaten in einer Halterung einrasteten. Die Katheter füllten sich mit einer gelben Flüssigkeit. Mendez, Gordon und Weinman spannten den Körper an und pressten Auge und Lippen zusammen. Eine Klappe öffnete sich.
   »Bleiben Sie dran. Wir sehen uns gleich wieder.«
   Als der erste hochkonzentrierte Säuretropfen in Zeitlupe herabfiel wurde die Werbung eingeblendet.

Acht Prozent der Bevölkerung haben bereits davon Gebrauch gemacht. Die Methode ist millionenfach erprobt. Dank der staatlichen Förderung von zweitausend Dollar je Eingriff kann es sich mittlerweile jeder leisten. Zögern Sie nicht länger, entscheiden Sie sich für den Moduli-Eingriff! Schlagen Sie die Förderung nicht aus.
   Der New Yorker Neurochirurg Dr. Carl Moduli zeigt Ihnen, wie Sie mehr aus dem Gehirn Ihres neugeborenen Kindes machen können! Ein kleiner operativer Eingriff an der Fontanelle genügt! Erhöhte Gehirndurchblutung und punktuelle Gefäß- und Gewebeerweiterung bringen sensationelle Erfolge. Durch eine Zunahme der Synapsenzahl und Eiweißmoleküle kann die Speicherkapazität des Gehirns um bis zu 25 Prozent gesteigert werden. Auf Wunsch kann natürlich eine Versicherung gegen eventuelle Gehirnschäden abgeschlossen werden. Gern schicken wir Ihnen unsere Broschüre zu.

»Was für eine Show! Was für eine Show!«, brüllte Stuart Nickels. Er hatte den Knoten seiner Krawatte gelockert. Große Schweißflecken waren auf dem Rücken seines Sakkos und unter den Achseln zu erkennen.
   Von einer Horde hektischer Krankenpfleger wurden Sam Mendez und Steve Gordon auf einer Liege aus dem OP gefahren. Man sah, wie die Kandidaten von einem Ärzteteam in Empfang genommen und sogleich in künstlichen Tiefschlaf versetzt wurden. Die Kamera blendete weg. Stuart Nickels kam ins Bild.
   »Meine Damen und Herren, Sensationelles hat sich abgespielt. Zwei unserer Kandidaten sind unmittelbar nach Beginn der Hürde abgesprungen. Da sie zuvor weiter gesagt haben, wartet auf sie kein einziger müder Cent Entschädigung. Das bedeutet aber: Wir haben einen Sieger!«
   Nickels riss die Arme hoch. Lächelnd präsentierte er seine blitzblanke Zahnreihe. »Nur zweieinhalb Stunden Arbeit, und auf Albert Weinman warten wohlverdiente 9.241.000 Dollar Prämie, die von den Firmen Digi-Nail, BioDent, MESI und Human-Spare-Parts gesponsert werden, aber auch von der Dr. Carl Moduli Foundation und der Laserschnittchirurgie für bioelektronische Netz- und Hornhautverpflanzung. Schicken Sie uns Ihre Bewerbung, wenn auch Sie bei uns mitmachen wollen.«
   Die Kamera schwenkte in den OP. Undeutlich war Albert Weinman hinter der beschlagenen Glasscheibe zu sehen. Der schwarze Zensurbalken verdeckte die obere Hälfte seines kahl rasierten Schädels. Sein Auge war schwach geöffnet. Er zeigte keinerlei Reaktion, apathisch verlor sich sein Blick in der Ferne. Speichel lief ihm aus dem Mundwinkel.
   Stuart Nickels kam wieder ins Bild. »Albert Weinmans letztes Wort war Maria ... vielleicht hätte er lieber raus sagen sollen?« Nickels lächelte. »Schalten Sie auch nächste Woche wieder ein, wenn es heißt: Weiter oder Raus

© 2005 by Andreas Gruber
Lektorat: Hannes Riffel
Entnommen aus: Helmuth W. Mommers (Hrsg.): Die Legende von Eden und andere Visionen (Berlin: Shayol, 2005)


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Alle Rechte vorbehalten. Dieser Text ist, wie alle Texte in epilog.de, durch das Urheberrecht geschützt. Die unautorisierte Reproduktion, auch in Online- und Offlinemedien, ist verboten und wird straf- und zivilrechtlich verfolgt.
Originalausgabe
Helmuth W. Mommers (Hrsg.): Die Legende von Eden und andere Visionen
(Berlin: Shayol-Verlag, 2005) 3-926126-52-3 Bestellen
254 Seiten
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28.08.10 • 02.09.10