| MEDIEN-SHOP |
![]() |
| ALIEN CONTACT 56 |
| Science Fiction > Alien Contact | Buch-Tips |
| Nachdem die deutschen Verlage seit ein bis zwei Jahren verstärkt deutsche
Autoren veröffentlichen, tauchen auch mehr und mehr unbekannte Namen auf. Susanne Gerdom
erscheint erstmalig bei Heyne ist, wirkt aber nicht wie eine unerfahrene Autorin. Anidas
Prophezeihung ist der Auftakt der, genau, Anida-Trilogie. Die junge Anida wächst als Tochter des mächtigen Lords von Sendra auf. Allerdings steht sie im Schatten ihrer Geschwister. Ihre ältere Schwester Amali ist hübsch und bricht ständig Männerherzen, ihr Bruder Albuin besitzt schon als Kind magische Kräfte, die er - sehr zum Missfallen seines Vaters und der Weißen Zauberin Ylenia - eher zu eigensüchtigen Zwecken einsetzt. Anida, auch Ida genannt, ist ebenso unscheinbar wie machtlos, Magie scheint in ihrer Nähe nicht einmal zu funktionieren. Dafür ist das Mädchen praktisch veranlagt und klug, auch wenn sie manchmal ähnliche Torheiten wie ihre Schwester begehen möchte, denn sie schwärmt für den jungen Ritter Simon. Als Anida erwachsen wird, entscheidet sie sich gegen den Willen ihres Vaters dafür, der Gilde der Frauen beizutreten, die - was allen gesellschaftlichen Gepflogenheiten zuwiderläuft - Männerberufe ausüben. In den folgenden Jahren ist sie in dieser Gemeinschaft sehr glücklich und findet vor allem in Dorcas, die sie dort eingeführt hat, eine enge Freundin. Dann aber verlangt die Gildenobere von Anida für den endgültigen Eintritt in die Gilde, noch einmal die Orte ihrer Kindheit aufzusuchen, mit allen familiären Bindungen zu brechen, und auch ein Versprechen zurückzunehmen, das Anida als junges Mädchen Simon gab. Während sich Anida von dem Vater, der ihr immer noch grollt, leicht lösen kann, erweist sich die zweite Aufgabe als schwieriger, denn Simon ist - gemeinsam mit ihrem Bruder - verschwunden, und zwar in Richtung der gefährlichen Nebellande, aus denen von altersher das Böse droht. Anida erfährt durch ihre Tante Ylenia nun auch von der Prophezeihung der Grennach, die einst sechs magische Herzen schufen, um die Welt vor den Mächten des Bösen zu schützen, und mit der sie eng verknüpft zu sein scheint - wie auch mit ihrer Zwillingsschwester Adina, die überraschend aus dem Nichts auftaucht. Nun wird ihre persönliche Mission auch noch um eine andere Note bereichert und um so gefährlicher, auch wenn sie in dem unangenehmen Marten, Simons Bruder, einen erfahrenen Führer findet, der die Nebellande kennt. Susanne Gerdom gelingt es mit ihrem lebhaften und sympathischen Stil, die Umgebung und vor allem die Personen ihres Romans zum Leben zu erwecken. Kleine Nebensächlichkeiten machen die Erzählung bunter und sind doch so sparsam eingesetzt, dass sie den Lesefluss nicht hemmen. Einen massiven Bruch gibt es erst, als die Handlung von dem gewohnten mittelalterlichen Setting plötzlich in eine Umgebung wechselt, die an die düsteren Mega-Städte der Romane aus dem Shadowrun-Universum oder aus Filmen wie Matrix und Blade Runner erinnern. Es ist gewagt, die Zwillingsschwester Adina in einer solchen Umgebung aufwachsen zu lassen - dem muss später in der Handlung Rechnung getragen werden. Das geschieht allerdings in diesem Roman noch nicht, da dieser sehr offen und mit einem Schock für die Heldin endet. Insgesamt richtet sich Anidas Prophezeihung weniger an ein Publikum, das kampf- und actionlastige Abenteuerromane oder pure High-Fantasy à la Tolkien liebt, sondern vor allem an Mädchen und junge Frauen, die mit dem Darkover-Zyklus vertraut sind, mit der dort auftauchenden »Psi-Magie« und den »Entsagenden« - dem Urbild aller modernen Amazonen-Gemeinschaften in Welten mit archaischem Rollenbild. Wie in vielen der erfolgreichen Romane von Marion Zimmer Bradley spielen Frauen in diesem Roman vielfältige und auch sehr aktive Rollen, ohne dabei ihre Weiblichkeit zu verlieren. Märchenhaft wirkt der Roman eigentlich nur am Anfang, als die noch jugendliche Anida ihre ersten Begegnungen mit feenhaften Elementargeistern hat. Susanne Gerdom bietet in ihrem ersten Roman eine bunte Mischung von vertrauten, aber sehr gegensätzlichen Elementen, eingebettet in einen sehr flüssigen Stil - aber mit einem sehr offenen Ende, das nicht jeden Leser befriedigen dürfte. Es bleibt abzuwarten, wie sich die kommenden Romane entwickeln werden. Christel Scheja ALIEN CONTACT |
![]() |
| ALIEN CONTACT 56 |
| © copyright
1990-2010 by EPILOGmedia Alle Rechte vorbehalten eMail: dialog@epilog.de 28.08.10 02.09.10 |
|