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Elisabeth Hand

Die Mondgöttin erwacht

(Waking the Moon • 1995)

BUCHTIP
Sweeny Cassidy ist eine junge Anthropologiestudentin, die einen Studienplatz an der Universität der Erzengel und des heiligen Johannes des Göttlichen (auch Die Göttliche genannt) ergattern kann. Der erste Tag ist für Sweeny jedoch enttäuschend. Irgendwie gelingt es ihr nicht, Kontakt zu ihren Mitschülern zu knüpfen und sich zugehörig zu fühlen. Das ändert sich mit ihrer ersten Vorlesung, bei der sie Angelica und Oliver kennenlernt. Doch der Kontakt zu den beiden, die zwischen den anderen Studenten wie Paradiesvögel wirken, bringt Sweeny nicht nur neue Freundschaften ein, sondern öffnet ihr die Tür in andere Daseinswelten.

So lernt Sweeny auf einer Party die Benandanti - einen Geheimbund mächtiger Magier - kennen und fürchten. Sie erfährt, daß das Geschlecht der Benandanti weit in die Vergangenheit reicht und im Verborgenen die weltliche Macht des Patriarchats repräsentiert.

Die Ermordung von Magda Kurtz, der berühmten Professorin für Europäische Archäologie, ist der Auftakt zu weitreichenden Ereignissen, die die bestehende patriarchalische Weltordnung zum Einsturz bringen könnten.

Kurz zuvor erhält Angelica von Magda einen kostbaren Anhänger. Es ist eine Lunula, ein Ritualschmuck, der vor einigen Jahrtausenden zur Beschwörung der Mondgöttin Othiym verwendet wurde. Damit entwickelt sich Angelica im Laufe von 20 Jahren zur zentralen Figur einer mächtigen matriarchalischen Bewegung, die den Sturz der Benandanti und eine neue Weltordnung zum Ziel hat.

Elisabeth Hand erweist sich mit diesem düster-phantastischen Roman als geschickte Stilistin und mitreißende Erzählerin. Durch die löchrige Fassade der grauen Normalität bricht nach und nach eine Welt des Unwirklichen und Mysteriösen. Die kraftvoll geschilderten Charaktere erleben diese Veränderungen wie im Drogenrausch. Hands Figuren sind melancholische Seelen, die - wie auf einer Traumreise - die Fesseln des weltlichen Lebens verlassen, um einer anderen Wirklichkeit gewahr zu werden. Die Mondgöttin erwacht läßt sich nur schwer einem Genre zuordnen. Elisabeth Hand verschmilzt auf eindrucksvolle Weise Elemente der modernen Fantasy mit denen des unheimlich-phantastischen Romans, ohne die Gegenwart aus dem Blickfeld zu verlieren.

Leider enttäuscht der Ausgang des Romans durch allzu gängige Klischees. Das Buch verliert hier etwas von seiner literarischen Geschlossenheit. Dennoch zählt das Werk zu den beeindruckendsten Büchern der neuen Phantastik und braucht den Vergleich zu anspruchsvoller Mainstream-Literatur nicht zu scheuen.

Gerd FreyALIEN CONTACT


Elisabeth Hand
Waking the Moon (1995)
Die Mondgöttin erwacht, deutsch von Norbert Stöbe (München: Heyne, 1997) [H06/5626]
Siehe auch:
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28.08.10 • 02.09.10