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ALIEN CONTACT
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Elizabeth Hand

Engels, in Unkenntnis

Science Fiction > Alien Contact | Stories
Über diese Erzählung schreibt die Autorin, die für ihre Novelle »Last Summer on Mars Hill« mit dem Nebula ausgezeichnet wurde: »Mit dieser Story über den Schwarzen Montag wollte ich es den Yuppies heimzahlen. Ich habe sie geschrieben, während ich als Bürosklavin für verschiedene Jobvermittlungsfirmen in DC arbeitete. Merkt man das?« Von Elizabeth Hand ist im Herbst 2003 bei PS Publishing in England der Sammelband Bibliomancy erschienen. Weitere Texte von ihr sind bei ALIEN CONTACT in Vorbereitung.
   Ach ja, und sollte sich jemand darüber echauffieren, dass eine solche Geschichte, die vor dem 11. September geschrieben und veröffentlicht wurde, nach diesem Datum in deutscher Übersetzung erscheint: Meine Damen und Herren, das Leben geht weiter. Und die Nieten in Nadelstreifen sind in den letzten zwei Jahren weder sympathischer noch menschenfreundlicher geworden.
»Es ist ein ziemlich elegantes Büro«, warnte die Dame von der Personalvermittlung Kahn und starrte ostentativ auf den ausgefransten Saum von Rebeccas Rock. Dort zeichnete sich eine Heftklammer ab und verriet, was den abgetragenen Rock an den Knien zusammenhielt. »Ich weiß nicht, warum sie nicht einfach eine feste Empfangssekretärin einstellen. Wahrscheinlich wollen sie sich die Lohnnebenkosten sparen. Aber Sie können den Job haben, wenn Sie möchten.«
   »Danke«, erwiderte Rebecca mit piepsiger Stimme und nahm sich insgeheim vor, dass sie ihre Kreditkarten-Rechnungen begleichen und einen Neuanfang machen würde. Diesmal würde sie wirklich etwas Geld sparen und ihre Finanzen in Ordnung bringen.
   »Schön. Sie fangen am Montag an.« Der Blick der Vermittlerin glitt vom durchgescheuerten Rock zu einer Laufmasche, die direkt unterhalb von Rebeccas Knie begann und in ihren alten, ausgetretenen Halbschuhen verschwand. Rebecca kannte diesen Gesichtsausdruck. Sie räusperte sich, lächelte und zupfte verstohlen an der ausgebeulten Nylonfalte in ihrer Kniekehle, während sie nervös auf ihrem Stuhl hin und her rutschte. Die Vermittlerin schrieb Name und Anschrift von Lorimer Brothers auf eine kleine rosafarbene Visitenkarte und reichte sie Rebecca.
   »Danke.« Rebecca musste husten, als sie aufstand und hastig ihren linken Fuß hinter dem rechten versteckte, damit die Vermittlerin den kaputten Absatz nicht bemerkte, von dem sich kleine Stücke wie von getrocknetem Speck lösten. »Ich muss los. Einkaufen.« Sie lächelte fröhlich. Als sich die Vermittlerin umwandte, um das Telefon abzunehmen, ergriff sie die Flucht.
   Am Montag fühlte sie sich im neuen Rock nicht besonders wohl. Er passte nicht ganz zum Gaucho-Jäckchen der letzten Saison, und ihre alten Pumps hatten die falsche Farbe – ekrü statt toastfarben. Obwohl der Rock ein Sonderangebot gewesen war, hatte er sie bei Glumball’s stolze einhundertundsiebzehn Dollar gekostet. Allerdings konnten Sonderangebote nicht umgetauscht werden, und außerdem hatte sie etwas kaufen müssen, sonst wäre ihre Kreditkarte irgendwann gesperrt worden. Nun stand sie zu lange in der Lobby des gewaltigen Bürogebäudes, betrachtete ihr Spiegelbild in den schwarzen Marmorwänden und fragte sich, warum sie nicht den Moleskin-Cardigan gekauft hatte. Als sie schließlich im siebenundachzigsten Stock ankam, war sie spät dran.
   »Dies ist Ihr Arbeitsplatz«, bellte eine Frau in einem feuerwehrroten italienischen Kostüm. Sie wies auf eine polierte graue Marmorplatte, die von einer niedrigen Rauchglasscheibe umgeben war, direkt gegenüber dem Eingang. Plötzlich wurde Rebecca schwindlig. Sie legte ihre Hand auf den Rand der dunklen Glasscheibe, um sich abzustützen. Die Glasscheibe war so kalt und ihre Kante so scharf, dass sie hörbar nach Luft schnappte und schnell die Hand wegzog, um nachzuschauen, ob ihre Finger bluteten. Die Büroleiterin verzog das Gesicht, nahm ein Papiertaschentuch und wischte die anstößigen Abdrücke, die Rebeccas Finger hinterlassen hatten, vom Glas.
   »Ich gehe davon aus, dass Sie schon einmal mit der Magister-Telefonanlage gearbeitet haben.« Die Büroleiterin hüstelte diskret und ließ das Taschentuch in einen Stahlzylinder fallen. Rebecca folgte ihr hinter den Empfang und nickte Natürlich log sie.
   »Trotzdem wäre es vielleicht besser, wenn Sie mir die Einzelheiten noch einmal zeigen könnten, nur um sicherzugehen«, sagte sie und ließ sich auf einem ergonomischen Stuhl nieder, der wie ein winziges samtenes S geformt war. Die Büroleiterin sah sie mit großen Augen an und schüttelte den Kopf.
   »Ich selbst habe die Anlage noch nie bedient. Mal sehen, ob ich Victor vorbeischicken kann, wenn er mir meinen Kaffee gebracht hat.« Sie strich das schmale scharlachrote Lederband auf ihren Oberschenkeln glatt, zuckte mit den Achseln und kehrte in ihr Büro zurück.

Rebecca brauchte eine Woche, bis sie die Telefonanlage beherrschte. Größtenteils beschränkte sich ihre Arbeit darauf, das Telefon abzunehmen und Besucher zu empfangen. Von Zeit zu Zeit gab ihr eine Sekretärin etwas zu schreiben. Dann nahm sie den lächerlich kleinen Computer und den Drucker in Betrieb, der summend die Seiten auf ihrer marmornen Schreibtischplatte ausspuckte. Durch die Rauchglasscheibe konnte sie die Reihe der Aufzugtüren im Korridor sehen und dahinter den gläsernen Fahrstuhl, der an der Außenseite des Gebäudes hinauf und hinunter glitt, wie eine silberne Wasserspinne an smaragdfarbenen Kabeln.
   Auf diesem Stockwerk befand sich nur noch eine weitere Firma, schräg gegenüber von Rebeccas Arbeitsplatz. Wenn sie sich richtig hinsetzte, konnte sie jeden sehen, der dort ein- und ausging. Allerdings wurde das andere Büro nicht von vielen Kunden frequentiert, jedenfalls nicht von so vielen wie die junge und moderne Firma Lorimer Brothers.
   »Was machen die dort drüben eigentlich?«, fragte Rebecca eine der Sekretärinnen, nachdem sie endlich den Mut dazu gefunden hatte. Am vorherigen Abend war sie länger geblieben, um ein kompliziertes Tiramisu-Rezept für sie abzuschreiben.
   »Wer?« Die Sekretärin überflog das Rezept, während sie mit dem Fingernagel gegen ihre Unterlippe tippte, so dass in ihrem Lippenstift ein matter Halbmond zurückblieb.
   »Die andere Firma. Das World Business Forum
   »Hm? Ach ... die?« Sie wies mit dem Kinn Richtung Tür und ließ das Rezept in ihre Mappe gleiten. »Eigentlich nichts. Ein Haufen pensionierter Geschäftsleute. Dinosaurier, die nicht mit der Zeit gehen können. Sie mieten Büroräume und spielen ›Unternehmen‹. Irgendwie traurig. Wie all diese alten Männer, die einmal wichtig waren und nun nicht mehr aufhören können, selbst wenn sie im Ruhestand sind. Eigentlich spricht nie jemand mit ihnen.«
   Rebecca sprach mit einem von ihnen. Jeden Abend, wenn sie das Büro verließ, fuhr sie mit dem gläsernen Fahrstuhl nach unten. Sie schwebte an der Außenseite des großartigen Stahl- und Marmorturmes entlang und betrachtete die flimmernden Lichterpailletten des Bankenviertels, die wie ein erdgebundenes Polarlicht wirkten. Der Fahrstuhl war nicht besonders schnell, und deshalb benutzten die Broker, die Analysten und die Wirtschaftsprüfer die Expressaufzüge im Innern, deren Türen sich, kaum dass sie sich im siebenundachzigsten Stockwerk schweigend geschlossen hatten, schon wieder zur grell erleuchteten Lobby hin öffneten. Also fuhr Rebecca jeden Abend allein hinunter, während sie sich vorstellte, die einzige Zeugin der stillen, schimmernden Offenbarung der Stadt zu sein.
   Bis zu jenem Abend, an dem sie Herrn Lancaster kennen lernte. Im Büro hatte man über Regen gesprochen, obwohl Rebecca nie ein Fenster zu Gesicht bekam, um selbst nach dem Wetter zu sehen. Sie stürzte von ihrem Empfangstresen in den Korridor, während sie sich ihr Polyesterhalstuch um den Kopf wickelte und wünschte, sie hätte sich letzte Woche einen Schirm gekauft statt der Gamaschen bei Frothingale’s, die im Gila-Echsen-Muster bedruckt waren. Am Ende des Ganges glitzerte und bebte der gläserne Fahrstuhl im Regen. Rebecca zog ihren Schal enger um sich und fröstelte beim Gedanken an die Strecke, die sie bei diesem Wetter würde zurücklegen müssen, um zur U-Bahn zu gelangen. So kam es, dass sie, den Kopf gebeugt und eingehüllt in kirschrotes Polyester, den alten Mann, der zum Fahrstuhl hastete, erst bemerkte, als sie mit ihm zusammenprallte.
   »Oh Gott, entschuldigen Sie bitte!« Rebecca schlug ihr Halstuch beiseite und sah den älteren Herrn, der neben ihr nach Luft schnappte, um Verzeihung bittend an. »Ich habe Sie überhaupt nicht ... Dieser Fahrstuhl ist ... Himmel, es tut mir Leid.« Sie stand verlegen da, und ihr Polyesterhalstuch fiel knisternd auseinander, während sich die Fahrstuhltür seufzend schloss.
   »Das macht überhaupt nichts«, sagte der alte Mann und hustete. Er glättete seinen makellosen beigen Trenchcoat und zog ein großes weißes Taschentuch hervor, um sich die Wangen abzutupfen. Dann steckte er das Tuch wieder ein, entnahm einer anderen Tasche eine Brille, setzte sie auf und betrachtete Rebecca nachdenklich. »Haben Sie sich verlaufen, meine Liebe?«
   Rebecca versuchte umständlich, ihren Schal in die Handtasche zu stopfen. »Nein, ich ... äh ... ich arbeite hier.«
   Der ältere Herr legte den Kopf schräg und sah sie über den Rand seiner Brille hinweg an. »Hier?« Er schien ihr nicht zu glauben.
   Rebecca errötete und nestelte an einem Loch in ihrem Mantel, wo sie einen Knopf verloren hatte. »Als Aushilfe ... ich arbeite nur aushilfsweise. Am Empfang.«
   »Aha.« Mit der Andeutung eines Nickens nahm er die Brille ab, als wäre er über diese Auskunft erleichtert. »Entschuldigen Sie bitte meine Neugierde. Mit unseren Nachbarn pflegen wir nur wenig Umgang. Ich habe Sie nicht erkannt.« Und er lächelte. »Ich bin Hugh Lancaster, vom World Business Forum
   »Rebecca Strunk.« Sie drückte ihm fest die Hand. »Von der Personalvermittlung Kahn
   »Aha«, wiederholte Herr Lancaster geistesabwesend und beugte sich vor, um die Fahrstuhlknöpfe zu erreichen. »Zur Lobby, Fräulein Strunk?«
   »Ja, danke.« Sie atmete hörbar aus und versuchte sich aufrecht zu halten. Der Regen schlug gegen die schweren Glaswände, während der Fahrstuhl langsam an der Außenseite des Gebäudes hinunterglitt. Rebecca räusperte sich. »Eigentlich ist dieser Fahrstuhl immer leer, wissen Sie. Außer Ihnen bin ich hier noch niemandem begegnet.«
   Herr Lancaster rückte den mit Vlies gesäumten Kragen seines Trenchcoats zurecht und lächelte. »Am Ende eines arbeitsreichen Tages bin ich gerne allein. Sie auch, wie mir scheint, Fräulein Strunk.«
   Rebecca nickte eifrig, hocherfreut darüber, als Fräulein Strunk angesprochen zu werden. »Oh ja, Herr Lancaster! Die Aussicht ist großartig ...« Sie drehte sich um und drückte ihre Wange gegen die kalte Scheibe, um hinaus auf die Stahlschluchten zu blicken, die mit spiegelnden Lichtern überflutet waren.
   In diesem unbeobachteten Augenblick musterte Herr Lancaster sie ausgiebig. Er bemerkte ihren kaputten Absatz und den fehlenden Knopf sowie den ausgeleierten Unterrock, was Rebecca selbst noch gar nicht aufgefallen war. Dann trat er einen Schritt auf die Glaswand zu und nickte, während er den glänzenden Fries scharlachroter und bernsteinfarbener Lichter betrachtete, der sich unter ihnen durch die düsteren Schluchten fädelte. »Die Aussicht ist wirklich herrlich«, stimmte er Rebecca zu. »Ich frage mich oft, warum niemand sonst diesen Fahrstuhl nimmt.«
   Rebecca schüttelte den Kopf. »Alle sagen, er ist zu langsam«, murmelte sie und rieb ihre Wangen, um die Kälte zu vertreiben.
   »Sehr schade«, bemerkte Herr Lancaster. »Wenn ich bis spät abends gearbeitet habe, fahre ich immer allein hinunter. Aber jetzt hoffe ich, von Zeit zu Zeit Gesellschaft zu haben.« Er lächelte sanft, als der Fahrstuhl in der Lobby hielt. Er wartete, bis Rebecca aus der Kabine gestiegen war, bevor er ihr folgte.
   »Kann ich Ihnen ein Taxi rufen?«, fragte er, als sie im Haupteingang stehen blieben, zwischen nass glänzenden Menschen, die ihre Regenjacken und Schirme auf dem glatten Marmorboden ausschüttelten.
   Rebecca schüttelte hastig den Kopf, während sie sich ihr Halstuch um den Kopf schlang. »Äh ... nein danke, ein ... ähm ... ein Freund holt mich ab.« Sie lächelte strahlend und streckte einer spontanen Regung nachgebend die Hand aus. »Freut mich, Sie kennen gelernt zu haben, Herr Lancaster.«
   »Ganz meinerseits, Fräulein Strunk«, erwiderte der alte Mann, und seine warme behandschuhte Rechte schüttelte ihre entblößte kalte Hand. »Einen schönen Abend noch.«
   »Danke, den werde ich haben«, beteuerte Rebecca. »Bis bald, Herr Lancaster.« Und sie drängte sich durch die Menschenmenge in die stürmische Nacht hinaus.

Sie sah ihn jedoch nicht so bald wieder, obwohl sie durch die Glaswände des Büros von Lorimer Brothers nach ihm Ausschau hielt und sogar oft länger blieb, in der Hoffnung, ihm im Fahrstuhl zu begegnen. Manchmal sah sie andere ältere Herren das Büro des World Business Forum betreten oder verlassen, allesamt makellos in teure, aber altmodische Anzüge gekleidet. Keiner von ihnen fuhr jemals mit ihr im gläsernen Fahrstuhl, und keiner von ihnen begrüßte sie als Fräulein Strunk.
   Eines Nachmittags ging der Kopierer in ihrer Firma kaputt, ein gewaltiger Apparat, der den Großteil eines großen Raumes für sich beanspruchte und Manuskripte, Tabellen und Berichte ausatmete, zusammen mit den Dämpfen getrockneter Tinte und teuren Büttenpapiers. Als er kaputtging und dabei mit einem rachsüchtigen Pfeifen einen letzten Schwall zerknüllten Papiers ausstieß, eilten in Panik geratene Sekretärinnen zu Rebeccas Empfangstresen und hinterließen riesige Papierstapel.
   »Sie können doch tippen, nicht wahr?«, wollte die Büroleiterin wissen und sortierte den Stapel auf Rebeccas Schreibtisch um, bis ihre eigene Arbeit oben lag.
   Rebecca nickte benommen. »Aber nicht das alles ... Ich kann unmöglich fünfzehn Mappen kopieren ...«
   »Dann fragen Sie nach, ob die einen Kopierer haben!«, fauchte die Büroleiterin und kratzte mit den Fingernägeln über den Papierstapel. Auf dem obersten Blatt blieben rasiermesserscharfe Linien zurück, die auf das Büro nebenan zeigten. »Um drei Uhr habe ich einen Termin zur französischen Wickelmaniküre, und ich brauche den Bericht so schnell wie möglich
   Nachdem die Büroleiterin davongestürmt war, fuhr sich Rebecca mit einem Kamm durch die Haare und verzog das Gesicht, als die Locken in den Plastikzähnen festhingen. Die Dauerwelle zum Selbermachen war keine gute Idee gewesen. Jetzt fielen ihr die Haare aus, und das Farbset für zu Hause, bei The Body Electric mit ihrer Kreditkarte bezahlt, hatte ihren trockenen Locken einen Gelbstich verpasst. Hastig fuhr sie sich mit einem Fettstift Oh! dé Bris über die Lippen und nahm den Papierstapel in die Arme.
   An der Tür des World Business Forum hing ein ausgesprochen kleines Messingschild. Es gab keine Klingel, keine interne Sicherheitssprechanlage. Rebecca zögerte, bevor sie an die polierte Eichentür klopfte. Einen Augenblick später klopfte sie ein weiteres Mal und hörte das Knarren eines Stuhls, der über den Boden geschoben wurde, gefolgt von gedämpften Schritten.
   »Ja?«, sagte eine unbekannte Männerstimme, zitternd vor Alter und Misstrauen.
   »Hier ist Rebecca, von nebenan«, sagte Rebecca und hustete verlegen. »Ich ... äh, unser Kopierer ist kaputt ... könnte ich Ihren bitte für einen Moment benutzen?«
   »Augenblick.« Ein Kratzen und Schaben. Riegel wurden zurückgezogen. Dann tauchte plötzlich ein von Falten zerfurchtes Gesicht auf. »Kann ich Ihnen helfen?«
   Erschrocken trat Rebecca einen Schritt zurück und ließ mehrere Berichte fallen. »Der Kopierer«, wiederholte sie atemlos, während sie sich bückte, um die Papiere wieder aufzuheben. Dabei fielen ihr jedoch immer mehr hinunter. »Bitte ... ist Herr Lancaster da?«
   Der Mann öffnete die Tür ein Stück weiter und schüttelte den Kopf. »Nein, er ist heute nicht da. Ich weiß wirklich nicht, wie ich Ihnen helfen kann ...«
   »Meine Kollegen haben mir all diese Arbeit aufgeladen ...«, rief Rebecca hilflos und stolperte hinter ihm her in das Büro. »Oh.« Sie richtete sich auf und verstummte.
   Die hohen Wände waren mit dunklem Eichenholz getäfelt. Darauf glänzte Zitronenöl und erfüllte den Raum mit einem dezenten Duft. Burgunderrote Ohrensessel, deren Leder abgeschabt und vom Alter gezeichnet waren, umstanden einen langen und kunstvoll geschnitzten Tisch. Es gab einen kleinen, aufwändig verzierten Tisch mit marmornen Stifthaltern und einer uralten Royal-Upright-Schreibmaschine, schwarz und schimmernd, wie der Panzer eines Skorpions gerippt. Ein Elefantenfuß stand neben dem Tisch und diente als Papierkorb.
   »Ich glaube, hier könnte etwas Durchschlagpapier sein«, sagte der Mann schroff und ging zum Schreibtisch hinüber. Er zog winzige Schubladen auf und durchstöberte Fächer mit Stiften und Federhaltern. »Wir haben noch keine Sekretärin eingestellt, und ich weiß wirklich nicht, was es hier ...«
   »Oh«, wiederholte Rebecca, während sie die Papiere umklammert hielt und auf die vergoldeten Arabesken einer Art-Nouveau-Stehlampe starrte. Bronzene Buchstützen waren wie undurchschaubare Sphinxe geformt. Mit einiger Erleichterung entdeckte sie auf dem Fußboden eine Magister-Telefonanlage in Originalverpackung.
   »Haben Sie ... sind Sie im Augenblick sehr beschäftigt?«
   »Hmm. Ich weiß, dass wir welches bestellt haben«, brummte der alte Mann und blickte auf, wobei er mehrere Tintenfläschchen gegeneinander stieß. »Nun, scheinbar doch nicht. Nein ... ähm, nicht allzu sehr. Um diese Zeit ist bei uns nie viel los.« Mit einem gedämpften Ächzen richtete er sich auf, und Rebecca verzog mitfühlend das Gesicht.
   »Es tut mir Leid ... ich wollte nicht, dass Sie ... trotzdem vielen Dank.«
   Der Mann nickte, fuhr sich über den kahlen Kopf und zupfte seine Manschettenknöpfe zurecht. Diese bestanden, wie Rebecca mit einigem Erstaunen bemerkte, aus kunstvoll gearbeitetem Gold und waren genauso wie die Sphinxköpfe auf dem Bücherschrank aus geschliffenem Glas gestaltet.
   »Es tut mir Leid, dass ich Ihnen nicht weiterhelfen kann«, sagte er barsch und wies mit der Andeutung eines Nickens zur Tür. »Aber ich muss wieder an die Arbeit. Auf Wiedersehen.«
   »Wiedersehen«, sagte Rebecca automatisch und wandte sich um, die Hand zum Abschied erhoben. Hinter ihr war die Tür jedoch schon ins Schloss gefallen. Im kühlen Flur blieb nur der Moschusgeruch von altem Leder und Zitronenölduft zurück.

Der Herbst ging schaudernd in den Winter über, und noch immer arbeitete sie bei Lorimer Brothers. Die Firma beteiligte sich an der erfolgreichen Übernahme eines großen Raumfahrtunternehmens und der Einzelhandelskette Paddy O’Furniture für Luxuskorbwaren. Die leitenden Angestellten wurden mit einem Ski-Trip nach Vail belohnt. Der Sekretär der Büroleiterin bekam eine eigene Sekretärin zugeteilt. Und Rebecca machte immer häufiger Überstunden. Sie adressierte Weihnachtskarten von Hand und tippte Gästelisten für Weihnachtsfeierlichkeiten, zu denen sie nie eingeladen war.
   An einem solchen Abend saß sie nach neun Uhr noch an ihrem Schreibtisch. Den ganzen Tag über hatte die Nuzak Gewinne, Informationen zu Termingeschäften und Marktwerte intoniert. Nun schwieg sie endlich. Aus den Hinterräumen erklang das leise Tippen unermüdlicher Analystenfinger auf Tastaturen. Rebecca hörte das Wehklagen des Faxgerätes und das ausdruckslose Geschnatter des Telexgerätes, das Papierstreifen mit Nachrichten ausspuckte. Nach mehreren Stunden lieferte Banzai Sushi-Togo ein laminiertes Plastik-Tablett mit Sashimi für die Analysten und die Abteilungsleiter. Rebecca lächelte matt, als sich der in Leder gekleidete Kurier verabschiedete und den Duft von Wasabi und Bonitoflocken zurückließ. Hätte sie doch nur eine weitere Dose Thunfisch ins Büro mitgenommen! Ein- oder zweimal läutete das Telefon, und sie nahm Nachrichten entgegen. Sie adressierte noch mehr Weihnachtskarten und las die letzte Ausgabe von SexFax! Dann nickte sie ein.
   Und wachte unvermittelt auf. Als sie den Kopf schüttelte, schürfte sie sich an der Ecke des Empfangstresens das Handgelenk auf. Schreie. Voller Angst, wieder beim Schlafen erwischt zu werden, wirbelte sie herum und verhakte ihren Knöchel im Steigbügel des ergonomischen Stuhls. Endlich kam sie auf die Beine.
   Das vordere Büro war leer. Rebecca blinzelte und rieb sich die Augen – und verzog das Gesicht, als sie sah, dass die kohlschwarze Wimperntusche Flecken auf ihrer Hand hinterlassen hatte. Aus den hinteren Büroräumen drangen dumpfe Geräusche und leises Ächzen. Analysten und Abteilungsleiter legten eine Pause ein und waren dabei, ihre Plastimetrix-Übungen zu machen. Das war alles. Erleichtert wandte sich Rebecca wieder ihrer Arbeit zu.
   Und hörte es erneut. Tiefer Gesang, männlich, im gleichmäßigen Rhythmus eines abscheulichen Omens. Er hallte dumpf über den Gang herüber, und plötzlich begriff Rebecca, dass die ominösen Stimmen vom World Business Forum kamen.
   Football?
, fragte sie sich, aber es war Dienstagabend. Vorsichtig stand sie auf.
   In diesem Moment sah sie den Rauch, der sich unter der Tür des World Business Forum hervorschlängelte. Eine ganze Weile lang starrte sie ihn einfach nur an, beobachtete die graugrünen Rauchschwaden, die vom auberginefarbenen Teppich aufstiegen und einen schweren, zähflüssigen Vorhang bildeten, hinter dem der Korridor verschwand. Erst als sie den beißenden, widerlichen Geruch wahrnahm, der stark an Beerdigungen und schäbige Hanfartikelläden erinnerte, setzte sie sich in Bewegung. Mit einem leisen Aufschrei stürzte sie auf den Gang hinaus.
   »Herr Lancaster! Herr Lancaster! Alles in Ordnung?«, keuchte sie, während sie gegen die Tür hämmerte. Rauch glitt ihre Kehle hinunter wie ätzendes Öl. »Herr Lancaster!«
   Unvermittelt ging die Tür auf. Hustend wischte Rebecca sich die Tränen aus den Augen, bis sie die gebückte Gestalt des gebrechlichen alten Mannes erkennen konnte, den sie beim letzten Mal gesehen hatte.
   »Ja?«, zischte er und wedelte sich mit einer verärgerten Geste den Rauch aus dem Gesicht. »Was ist jetzt schon wieder?«
   Rebecca starrte ihn entgeistert an. Dann hörte sie ein leises Geräusch, als wäre ein Schlüssel in einem Schloss gedreht worden. Herr Lancaster trat aus dem Dunst und lächelte sanft.
   »Mein liebes Fräulein Strunk!«, murmelte er und klopfte dem anderen Mann auf die Schulter. »Entschuldige bitte, Edmund ...«
   Dieser marschierte mit finsterem Gesicht zurück in das düstere Büro. Herr Lancaster zog ein riesiges Leinentaschentuch hervor, wedelte damit in der Luft herum und konnte einen Großteil des Qualms verteilen. »Sie müssen entschuldigen, Fräulein Strunk«, sagte er. Aus einer verborgenen Tasche seines düstergrauen Anzugs holte er eine winzige Schere und eine Zigarre hervor, die mit einer Bauchbinde aus silberner Filigranarbeit umwickelt war. »Die sprichwörtliche Versammlung einer alten Männerriege in einem rauchgeschwängerten Raum.« Mit einem ironischen Lächeln schnitt er das Ende der Zigarre ab.
   »Ohhh.« Rebecca atmete erleichtert auf. »Ich hatte solche Angst ... ich dachte, der Rauch ... ich dachte, es würde brennen.«
   Herr Lancaster steckte die Schere zurück und spitzte die Lippen. »Wie aufmerksam von Ihnen, dass sie an uns gedacht haben«, sagte er leise. Er legte Rebecca eine Hand auf die Schulter und schob sie in Richtung ihres Büros zurück. »Sollte es jedoch einmal wirklich brennen, wovor uns der Himmel bewahre!, müssen Sie natürlich an ihre eigene Sicherheit denken und die Feuerwehr rufen.«
   Rebecca nickte niedergeschlagen und biss sich auf die Lippe. »Ich hatte solche Angst«, gab sie zu.
   »Machen Sie sich keine Sorgen, Fräulein Strunk«, fuhr Herr Lancaster fort und hielt an seiner Türschwelle inne. »Viele Menschen geraten ständig wegen unwichtigerer Dinge in Panik. Vielleicht sind Sie übermüdet.« Nachdenklich betrachtete er ihr blasses Gesicht und ihre geröteten Augen, die sie vor Müdigkeit zusammengekniffen hatte. »Es ist spät. Warum gehen Sie nicht nach Hause?«
   »Oh, das werde ich tun, bald«, seufzte Rebecca und lächelte. »Gute Nacht, Herr Lancaster.«

Am nächsten Morgen verschlief sie. Sie kam dreißig Minuten zu spät, nur um einen neuen Berg von Einladungen vorzufinden, die auf Kunstpapyrus mit dem Hologramm der Lorimer Brothers gedruckt waren. Sie mussten alle mit Adressen versehen werden. Außerdem fand sie ein Rundschreiben vor, das jeglichen über die Weihnachtsfeiertage hinausgehenden Urlaub rückgängig machte. Seufzend ließ sich Rebecca an ihrem Empfangstresen nieder und begann, ihre morgendliche Arbeit zu sichten.
   Sie hörte nicht einmal, wie die Engels das Büro betraten. Ein leises Husten ließ sie zusammenzucken. Ein Kartenstapel, den sie alphabetisch geordnet hatte, fiel zu Boden. Als sie aufblickte, standen sie vor ihrem Schreibtisch – Ehrfurcht gebietend und überwältigend wie Zwillingssäulen aus Gold.
   »Äh ... kann ich Ihnen behilflich sein?«, stammelte Rebecca, stand unbeholfen auf und zerriss sich dabei die Strümpfe am Tisch.
   Die Frau betrachtete sie kühl. »Wir sind hier, um die Geschäftsleitung zu sprechen.« Sie öffnete den blutroten Mund und zeigte funkelnd weiße Zähne – Rebecca bemerkte nicht einmal, dass es eher ein Zähnefletschen als ein Lächeln war. »Sagen Sie bitte, dass wir hier sind.«
   »Oh ... nur wenn sie einen Termin haben«, stotterte Rebecca. Im künstlichen Licht loderte das Haar der Frau wie ein strahlend goldener Heiligenschein. Rebecca blinzelte und wandte sich dem Mann neben ihr zu. Er lächelte nicht, aber seine azurblauen Augen betrachteten Rebecca voller Zärtlichkeit. Als er sich über die Lippen leckte, glitt sie kraftlos auf ihren Stuhl zurück.
   »Sagen Sie der Geschäftsleitung, dass die Engels hier sind«, schnurrte er. Sein Blick fiel auf ein handgeschriebenes Namensschild auf dem Tisch. »Rebecca
   »Die Engels«, wiederholte sie und starrte sie mit einem glasigen Ausdruck an.
   »Meine Schwester und ich«, erklärte der Mann und schnippte ein Staubkorn vom Revers seines Wüstenluchsmantels. »Unsere Karte.« Mit einer fließenden Handbewegung zog er eine winzige Karte aus einem Onyx-Etui und legte sie vor Rebecca auf den Tisch. Dann lächelte er, nahm seine Schwester am Arm und blickte Rebecca verschwörerisch an.
   »Hier entlang?« Verwegen zog er eine Augenbraue in die Höhe, während ein Finger seines Handschuhs aus Ziegenleder zu den hinteren Büroräumen deutete. »Rebecca?«
   Rebecca nickte hastig, noch immer zu benommen, um etwas sagen zu können, und beobachtete, wie das Paar an ihr vorüberschritt. Ihre Aktentaschen rieben sich mit dem Schmatzen exotischen Leders aneinander: Straußenleder und Muränenhaut. Rebecca fragte sich, ob die hell glänzenden Metallschlösser und -gelenke womöglich aus echtem Gold und Platin waren.
   »Himmel«, flüsterte sie, als sie verschwunden waren. Erst da wurde ihr bewusst, dass ihre Sprechanlage summte.
   »Hier ist Rebecca«, meldete sie sich atemlos, ohne eine Antwort zu erhalten. Als sie aufblickte, marschierte die Büroleiterin den Gang entlang auf sie zu.
   »Wer zum Teufel war das?«, wollte sie wissen, schnappte sich die Visitenkarte, hielt sie jedoch so, dass Rebecca mitlesen konnte.

Hapgert & Naida Engel
Termingeschäfte

   »Ach!«, sagte die Büroleiterin. »Europäer.« Dann sah sie Rebecca wütend an. »Aber ohne Termin wird hier niemand vorgelassen. Anscheinend muss ich mich auch noch um Ihre Arbeit kümmern.« Sie wirbelte herum, bohrte ihren Chrom-Absatz in den Teppich, und rief warnend über die Schulter zurück: »Ihre halbjährliche Beurteilung ist bald fällig, Rebecca.« Dann stolzierte sie in den hinteren Arbeitsbereich.
   Rebecca wartete gespannt darauf, dass die Büroleiterin zurückkam, mit den Engels im Schlepptau. Eine Stunde verstrich: nichts. Wenn sie Telefongespräche zur Geschäftsleitung durchstellen wollte, blinkte auf Rebeccas Konsole stets das BITTE-NICHT-STÖREN-Signal auf. Mehrere Male hallte erstauntes Gelächter aus den Büroräumen herüber, und einmal wurde Rebecca durch einen kurzen Ausbruch von Applaus aufgeschreckt, während sie über ihrem Berg von Einladungen saß.
   Zur Mittagspause hörte sie endlich, dass sich im hinteren Bereich Türen öffneten, und nach ein paar Minuten kamen die Engels wieder in den Empfangsbereich – dieses Mal umringt von aufgeregten Geschäftsleitern und Analysten. Die Büroleiterin folgte einige Schritte hinter ihnen, den Blick sehnsüchtig auf Hapgert Engels Wüstenluchsmantel gerichtet.
   »Reservieren Sie bitte einen Tisch für dreizehn Personen im Priazzi Inferno«, wies einer der Geschäftsführer Rebecca an, wandte sich ab und schüttelte Naida Engels Hand.
   »Das war wirklich ausnehmend gute Arbeit«, sagte der Geschäftsführer strahlend, während er mit einer Mappe winkte, die in glänzend schwarzes Haifischleder gebunden war. »Und ich kann Ihnen gar nicht sagen, was für ein Zufall es ist, dass Sie zuerst an uns herangetreten sind, Frau Engel ...«
   »Ich glaube, Sie meinen Glücksfall«, korrigierte ihn Hapgert Engel und verbarg ein Gähnen hinter langen blassen Fingern. »Und ich bedaure, dass es meiner Schwester und mir nicht möglich sein wird, Sie zum Mittagsessen zu begleiten ...«
   »Aber das müssen Sie!«, rief ein anderer Geschäftsleiter, einen begehrlichen Blick auf Hapgert Engels Aktenkoffer gerichtet. »Dort wird ein wirklich hervorragender Kugelfisch rillettes serviert!«
   Naida rümpfte angewidert die Nase und bückte sich, um mit einem Gemsleder-Handschuh über den Spann eines Krokodillederstiefels zu wischen. »Ich fürchte, wir haben heute Nachmittag noch einen Termin«, sagte sie und warf ihre Mähne aus goldenem Haar zurück. »Vielleicht ein andermal.«
   Der Geschäftsleiter wirkte zutiefst betrübt. Mit einem Lächeln nahm Naida den Arm ihres Bruders. Rebecca starrte gebannt auf die Wölbung ihres Nackens und den warmen Schein, den die schwere Goldkette auf ihren Hals warf. Einen Moment lang hielten die beiden inne, und Naida warf einen Blick nach draußen in den Korridor. Hapgert stand neben ihr, ein wölfischer Schatten, in die Falten seines Wüstenluchsmantels gehüllt, den Kaschmirschal um den Hals gewunden. Dann, mit leichten Verbeugungen zum Personal hin, das sich im Empfangsbereich drängte, drehten sich die Engels um und schritten den Gang hinunter.
   Ein atemloser Augenblick, so lautlos, dass Rebecca das Knarren von Naidas Stiefeln und das Rauschen des Mantels ihres Bruders hören konnte. Dann ...
   »Hast du seinen Ring gesehen?«
   »... garantierte Umsätze von dreihundert Prozent, wenn wir diese Woche abschließen!«
   »... gefärbt, ganz sicher ...«
   »... Chicago anrufen, jetzt sofort, bevor es sich herumspricht ...«
   »... was ich alles für dieses Kostüm geben würde – ich würde dafür sterben!«
   Die Büroleiterin rauschte herbei und beugte sich mit gerötetem Gesicht über den Empfangstresen. »Zu niemandem ein Wort!«, zischte sie Rebecca zu. »Ich bin um drei wieder hier ...«
   An jenem Nachmittag legten alle eine lange Mittagpause ein, Rebecca ausgenommen. Nach vier Uhr schlenderten sie langsam ins Büro zurück, die Geschäftsführer von ihrem Lunch bei Priazzi Inferno mit geröteten Wangen, die Makler und Analysten mit Einkaufstüten und Hutschachteln beladen, mit von Hand marmorierten venezianischen Bleistiftetuis und vergoldeten Körbchen mit schokoglasierten Kapuzinerkresseblüten.
   Das war zu viel für sie. Fast wäre Rebecca gestolpert, als sie um fünf Uhr aus dem Büro und in den erstbesten Expresslift stürzte, der auf ihrer Etage anhielt.
   Stunden später kam sie nach Hause, nachdem sie ein mit Nutriafell eingefasstes Faux-Chanel-Kostüm und einen dreihundert Dollar teuren Seidenmoiré-Abendburnus von Bedouin Outfitters gekauft hatte, alles auf Kreditkarte natürlich. Zwischen Stapeln von Rechnungen am Eingang ihrer möblierten Einzimmerwohnung lag eine Benachrichtigung der Telefongesellschaft – ihr Telefon war abgestellt worden. Rebecca brach in Tränen aus.

In den folgenden Wochen schrillte das Firmentelefon ununterbrochen. Rebeccas Ohren klingelten noch lange nach Feierabend. Jeden Abend arbeitete die gesamte Belegschaft bis Mitternacht. Fieberhaft befolgten sie Empfehlungen der Engels, die fast stündlich telefonisch eingingen. Das Wall Street Journal brachte eine Titelgeschichte über das Unternehmen. Die Lorimer Brothers ließen eine zweite Telefonanlage installieren, um die Anrufe aller Neukunden bewältigen zu können.
   Nach einem weiteren Besuch der Engels flog die Geschäftsleitung für ein Ski-Wochenende nach Val d’Isère und in die Pyrenäen. Drei der weiblichen Analysten ließen politische Korrektheit politische Korrektheit sein und kauften bodenlange Luchsfell-Mäntel. Am Montagmorgen stolzierten sie zur Arbeit wie kichernde Sonntagsschulmädchen, die die Messe schwänzten. Die Büroleiterin ging während der Mittagspause zu Ganzkörper-Peelings mit reinigenden Perlensplittern. Sogar Rebecca ertappte sich dabei, wie sie The Body Electric aufsuchte, um sich Plazenta-Haarpackungen und eine elektrolytische Platin-Spülung zu gönnen, die chemische Verbrennungen des größten Teils ihrer Kopfhaut zur Folge hatte.
   Die Kunden der Lorimer Brothers machten nun ebenfalls Geschäfte mit den Engels. Rebecca ging täglich neue Empfehlungen durch und sprach einmal mit einem Fernsehreporter über den wirbelsturmartigen Einfluss der Geschwister auf den Markt. Eines Morgens sah sie sogar, wie die Engels die Büros von World Business Forum verließen – Naida und Hapgert schüttelten Herrn Lancaster am Eingang die Hand.
   Als Weihnachten näher kam, betrachtete Rebecca voller Schuldgefühle die Berge neuer Kleidungsstücke neben ihrem Futonbett, von denen sie noch keins getragen hatte. Die Designer-Badetücher und die Vicunja-Servietten hatte sie noch nicht einmal ausgepackt. Sie schwor sich hoch und heilig, ihre Kreditkarte nicht mehr anzufassen, bevor sie mit den Weihnachtseinkäufen beginnen würde, und fragte sich, ob ihrer Großmutter die in Armagnac pochierten Valencia-Orangen schmecken würden, die sie bei Rabelaisian Delights bestellt hatte. Ihre Abende verbrachte sie im Dunkeln, da man ihr den Strom abgestellt hatte. Aber ihre Einzimmerwohnung war im Schein der handgetauchten Bienenwachskerzen schön anzusehen. Und sie fühlte sich gar nicht mehr so schlecht, wenn sie die Inkassobescheide sah, die für verschiedene Angestellte bei Lorimer Brothers eintrudelten.
   Eine Woche vor Weihnachten schneite es. Rebecca schleppte sich zur Arbeit. Dabei ruinierte sie ihren neuen, federleichten Seiden-Trenchcoat und fragte sich erneut, warum sie sich keinen Regenschirm oder vielleicht einen Daunenparka gekauft hatte. Oder warme Stiefel oder Handschuhe. In der glänzenden Lobby schlängelte sie sich durch die Menge zum gläsernen Fahrstuhl. Es war Wochen her, seit sie ihn das letzte Mal benutzt hatte; aber sie wollte den Schnee von oben sehen. Als sich die Tür öffnete, lachte sie erfreut.
   »Herr Lancaster!«
   Der alte Mann schritt vorsichtig in die Lobby hinaus und starrte sie verdutzt an.
   »Fräulein Strunk!«, rief er dann und wich einen Schritt zurück. »Ich habe Sie gar nicht erkannt.«
   »Das liegt an meinen Haaren«, sagte Rebecca bedauernd. »Nach der letzten Pflegebehandlung sind sie alle ausgefallen.«
   Herr Lancaster nickte mitfühlend, dann musterte er sie noch eingehender. »Das ist aber noch nicht alles«, murmelte er und schüttelte wissend den Kopf. »Nun gut, es ist eine bewegte Zeit, und vor dem großen Tag haben wir alle eine Menge zu tun.« Er lächelte und tippte an seinen Hut. »Ich hoffe, ich sehe Sie vor den Ferien noch einmal, Fräulein Strunk. Auf Wiedersehen.«
   »Auf Wiedersehen, Herr Lancaster.« Sie winkte und trat rückwärts in den Fahrstuhl. Dabei blieb sie mit dem Absatz ihrer neuen Ozelot-Pumps an der Schwelle hängen – er brach ab.
   Als Rebecca hereinkam, saß die Büroleiterin starr an Rebeccas Tisch. »Chicago hat uns gerade einen größeren Verlust bei den Scheinkonten gemeldet«, sagte sie knapp. »Ich habe den Auftrag, Personal abzubauen. Morgen ist Ihr letzter Arbeitstag.«
   »Aber ...«, stammelte Rebecca. Sie hielt ihren kaputten Absatz umklammert, und von ihrem Trenchcoat tropfte Schneewasser auf den auberginefarbenen Teppich.
   »Tut mir Leid. Ich habe Ihre Agentur angerufen. Sie sollen im neuen Jahr wegen eventueller neuer Einsätze mit ihr Kontakt aufnehmen.«
   »Eventueller ...!«, stieß Rebecca hervor.
   »Ich habe jetzt keine Zeit für so etwas!«, kreischte die Büroleiterin. »Heute Morgen stehen die Dinge schon schlecht genug.« Sie stürmte in die hinteren Büros.
   Rebecca starrte ihr zutiefst bestürzt nach. Dann blickte sie durch tränenverschleierte Augen auf ihren leeren Platz. Keine Nachrichten. Keine Aufträge. Jemand hatte die Nuzak abgestellt. Sogar die Telefone waren merkwürdig still. Und dann ...
   »Geben Sie mir Sheared Young & Lamb!«, dröhnte eine Stimme aus der Wechselsprechanlage. »Sofort!«
   Rebecca erschrak und vermittelte den Anruf. Dann lehnte sie sich neugierig zurück. Aus den Hinterräumen wehte angespanntes Geflüster herüber. Eine Analystin floh in Tränen aufgelöst durch den Empfangsbereich. Plötzlich bellte die Nuzak wieder ...
   »London Exchange stark rückgängig auf null Punkt neun sieben vier ...«
   Und dann summte die Sprechanlage.
   »Ich will Naida Engel sprechen ...«
   »Geben Sie mir Hapgert!«
   »Die Engels!«

Unter der Nummer der Engels spielte ein Anrufbeantworter die Eingangstakte aus Pachelbels Kanon in D-Dur, bevor er um Nachrichten bat. Nachdem Rebecca es ein paar Male versucht hatte, kam sie überhaupt nicht mehr durch. Die Nummer blieb für den Rest des Vormittags besetzt.
   Sie hörte damit auf, Nachrichten für die Geschäftsleiter, Analysten und Makler anzunehmen. »Sie sind nicht erreichbar«, erklärte Rebecca den besorgten Anrufern, bis sie heiser war. Zwei weitere Analysten flohen aus dem Büro – einer von ihnen trug eine große Kiste, aus der Computerkabel baumelten. Ein hysterischer Geschäftsleiter wies Rebecca an, seine Ex-Frau anzurufen, brach jedoch in Tränen aus und legte auf, bevor sie den Anruf durchstellen konnte.
   »New York fällt auf ein Rekordtief von null null drei sieben null sechs null Punkten ...«, leierte die Nuzak herunter.
   »Sagen Sie meinen Termin um ein Uhr dreißig bei L’Ordure ab«, wies die Büroleiterin Rebecca über die Sprechanlage an.
   Allmählich wurde Rebecca nervös.
   Sie legte bei einem Mann von der Tokyo Times auf, sagte siebzehn Mittagessen ab und ließ ein Titanium-Konto von American Express stornieren. Sie überlegte gerade, ob sie nicht früher gehen sollte, als eine junge Frau in einem zerzausten Kostüm aus Wildseide zur Tür hereingetaumelt kam.
   »Ich will meinen Makler sprechen«, befahl sie Rebecca und klammerte sich mit solcher Kraft an den Rand des Empfangstresens, dass Blut aus ihren Fingern lief.
   »Es tut mir Leid, aber er ist im Augenblick nicht zu sprechen«, presste Rebecca hervor.
   »Er hat mir die Engels empfohlen. Ich will ihn sofort sehen«, wiederholte die Frau. Ihre Handflächen hinterließen blutrote Spuren auf der Scheibe.
   »Es tut mir Leid, im Moment kann Sie niemand empfangen. Wenn Sie eine Visitenkarte hinterlassen möchten, werde ich gerne ...«, sagte Rebecca gerade, als die Frau eine Blush-Mikron-Uzi aus der Tasche zog und auf die Decke richtete.
   »Hier ist meine Visitenkarte!«, kreischte sie. Glas splitterte, als sie eine Runde abfeuerte und in Richtung der Büroräume verschwand. Rebecca fiel in Ohnmacht.
   Einen Moment später kam sie wieder zu sich. Die Büroleiterin stolperte an ihr vorbei. Auf ihrem mangofarbenen Mantelkleid aus Lammwolle zeichneten sich Blutflecken ab.
   »Niemand ohne Termin«, keuchte sie und taumelte in den Gang hinaus.
   Rebecca hatte es auf die Knie geschafft, als eine Salve Kugeln in die Wände gestanzt wurde. Hastig duckte sie sich unter den Empfangstresen. Gedämpfte Schreie aus den hinteren Büros, die von einer weiteren Salve beantwortet wurden. Sie hörte einen leisen Knall, als wäre eine Glühbirne geplatzt. Dann erschütterte eine lautere Explosion die Zimmerflucht. Als sie aufblickte, sah sie Rauch aus der Tastatur ihres kleinen Computers aufsteigen. Einen Augenblick später ging er in Flammen auf.
   Rebecca stand schwankend auf, ohne den Schreien und dumpfen Geräuschen hinter ihr Beachtung zu schenken. Rauch sickerte in den Empfangsbereich. Röchelnd tastete sie nach dem Telefon, drückte die Notruftaste und lauschte – eine Bandaufzeichnung. Mehrere Gestalten taumelten hustend und weinend an ihr vorbei. Wie in Zeitlupe ließ sich eine Geschäftsleiterin auf dem Sofa neben dem Empfang nieder und betrachtete verwundert das kleine runde Loch in ihrem Oberschenkel. Dann legte sie sich der Länge nach hin, als wollte sie ein Schläfchen halten. Rebecca schaute erstarrt zu. Sie regte sich erst, als ein fliehender Analyst auf dem Weg zur Tür gegen sie prallte.
   Hinter ihr rasten Flammen durch das Büro, deren Tosen fast das Heulen der Rauchmelder und das Klacken der Sicherheitsschaltungen übertönte. Die Halogenleuchten flackerten auf und erloschen. Schreie hallten durch die von Feuerschein erleuchteten Räume, und Rebecca floh blindlings und keuchend zur Tür, über Körper und brennende Papierstapel hinweg.
   Die flackernde Notbeleuchtung verwandelte den raucherfüllten Korridor in ein Inferno. Eine Tonbandaufnahme forderte die Angestellten auf, ruhig zu bleiben und die Feuertreppe zu benutzen. Rebecca presste sich an die Wand und wischte sich die Tränen aus den Augen, während sie vergeblich versuchte, den Treppenschacht ausfindig zu machen. Eine Menschentraube drängte sich an ihr vorbei. Alle ächzten und stöhnten, während sie zu den Expresslifts stolperten. Blasse Finger schlugen auf die Fahrstuhlknöpfe ein. Eine Tür öffnete sich, sie erhaschte einen flüchtigen Blick auf ein Menschenknäuel, hörte die Fliehenden keuchen und schreien, während sie aus den oberen Stockwerken zu entkommen suchten. Dann glitten die Türen zu, und der Fahrstuhl sank weiter hinab. Schluchzend wandte Rebecca den Blick ab.
   Am Ende des Ganges schimmerte der gläserne Fahrstuhl, auf dessen leerer Kristallkabine sich Flammen spiegelten. Rebecca stolperte darauf zu, bewegte sich zentimeterweise vorwärts, an der Menge vorbei, die noch immer vergeblich an die Türen der Expresslifte hämmerte. Jemand stieß sie zu Boden. Das letzte Stück kroch sie, während sie durch ihren Ärmel atmete. Der Teppich sengte ihre Knie an, ihre Strümpfe schmolzen zu glühenden Fetzen an ihren Beinen. Chemische Dämpfe mischten sich unter die Gerüche von verkohltem Holz und heißem Stahl. Mit einem Keuchen stand sie auf, warf sich gegen die Glastür und hämmerte mit der Faust auf den Knopf. Mit einem sanften Läuten glitt die Tür auf, und Rebecca taumelte in die kleine Kabine. Als sich die Tür hinter ihr schloss, erblickte sie Gesichter, die sich wutentbrannt gegen das beschlagene Glas pressten, die Münder verzerrt und tonlos keuchend. Weinend schlug Rebecca auf die Knöpfe ein, wieder und wieder, bis der Fahrstuhl langsam abwärts sank. Dann lehnte sie sich erschöpft gegen die Wand und starrte gebannt auf die Welt draußen.

Das Finanzzentrum stand in Flammen. Goldfarbene Feuerzungen leckten aus Stahltürmen empor, ganze Stockwerke glühten wie immense Schmelzöfen aus Glas. Rebecca hielt sich die Ohren zu – sie wollte das fröhliche Tosen nicht hören. Aber den Blick abwenden konnte sie nicht. Sie kauerte an der Wand, glitt an von Flammen erfüllten Fenstern vorbei und sah voller Entsetzen zu, wie sich schwarze Gestalten hinter geschmolzenem Glas drängten und verzweifelt nach einem Fluchtweg suchten. Schließlich erzitterte der gläserne Fahrstuhl – ein Fenster war explodiert, und Rebecca hielt sich schreiend die Augen zu, um die blendende Nebensonne, die Funkengarben und brennende Schatten zur Straße sandte, nicht sehen zu müssen.
   Als sie wieder aufblickte, war der Fahrstuhl stecken geblieben. Zitternd griff sie zur Steuerleiste, riss aber mit einem Schrei ihre Hand zurück. Die Metallknöpfe waren zu heiß. Wehklagend drehte sie sich wieder zur Glaswand. Und sah sie.
   Wie Schattenbilder in einem großen Bogenfenster standen sie Seite an Seite und betrachteten das Inferno, das überall um sie herum ausgebrochen war. Während Rebecca sie wie gebannt anstarrte, konnte sie sehen, wie ihre Kleider in glitzernden goldenen und schwarzen Streifen verbrannten. Aber noch warteten sie, reglos, in Flammen gehüllt, bis es schien, als würden gewaltige lodernde Schwingen aus ihren Schultern wachsen und die glühende Luft anfachen.
   Dann bewegte sich eine der Gestalten. Sehr langsam drehte sie ihren Kopf, als hätte sie ein leises Geräusch gehört. Ohne zu blinzeln, glitt ihr Blick über zerbrochene Fenster und zerschmetterte Steine, bis er auf die kleine gläserne Kabine fiel. Dort hielt er Rebecca fest, so dass sie auf die Knie sank. Sie wimmerte leise, als sie die Namen las, die in fließenden Lettern auf ihre Stirn geschrieben standen ...
   Hapgert und Naida.
   Neid und Habgier.

   Rebecca stieß einen Schrei aus und wollte gerade aufstehen, als der Fahrstuhl mit einem Ächzen smaragdgrüner Kabel erbebte und weitersank. Sie fiel gegen die Wand zurück. Als sie sich umdrehte und verzweifelt nach den leuchtenden Gestalten suchte, waren sie fort.
   Mit einem knirschenden Dröhnen kam der Fahrstuhl zum Stillstand. Die Türen nach innen blieben geschlossen, aber die äußeren läuteten und öffneten sich lautlos zum Hof des Gebäudes. Eisiger Wind schnitt durch Rebeccas dünne Bluse, als sie auf den Bürgersteig stolperte.
   Überall zerriss das Heulen von Sirenen die Luft. Schwarzbehelmte Gestalten rannten durch die Straße von Hydrant zu Hydrant und zogen riesige Schläuche hinter sich her, während Fontänen gischtenden Wassers zu Eis erstarrten. Krankenwagen und Einsatzfahrzeuge der Polizei verstopften die Straßen. Benommen wanderte Rebecca den Bordstein entlang. Dem Schneematsch, der ihre verletzten Beine durchweichte, schenkte sie keine Beachtung.
   An der Ecke blieb sie stehen und lehnte sich gegen eine defekte Ampel, die wie verrückt zwischen Grün und Rot hin und her schaltete. Ihre Finger wurden taub vor Kälte, und sie legte ihre zitternden Hände ans Gesicht, um sie zu wärmen. Neben ihr erstreckte sich eine dunkle und enge Gasse. Während sie dastand und nach Luft schnappte, erblickte sie ein Scheinwerferpaar, das die Dunkelheit durchdrang. Es kam näher, und Rebecca starrte ausdruckslos ins Leere, als die lange taubengraue Limousine neben ihr anhielt. Ihr Gesicht spiegelte sich im rauchgeschwärzten Fenster – es war versengt und schwarz vor Ruß. Ganz langsam glitt die Scheibe hinunter.
   »Fräulein Strunk!«, rief eine sanfte Stimme voller Besorgnis. Zitternd trat Rebecca an den Wagen. Durch das offene Fenster erhaschte sie einen Blick auf zwei Gestalten, groß, goldhaarig und in dicke Pelze gekleidet. Sie lächelten und prosteten sich mit langstieligen Kristallgläsern zu. Aber neben dem Fenster saß eine weitere Gestalt – kleiner und weißhaarig. Seine warmen Hände schlossen sich um Rebeccas, als er sie zur Tür zog, die sich langsam öffnete.
   »Mein liebes Fräulein Strunk«, murmelte er, während er sie zu sich hineinzog, und die Tür hinter ihr zischend ins Schloss fiel. »Suchen Sie einen neuen Job?«


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• Deutsche Erstveröffentlichung • Titel des Originals: »Engels Unaware«
© 1992, 2003 Elizabeth Hand • Mit freundlicher Genehmigung der Autorin (Thanks, Liz!)
Erstdruck in Interzone, Dezember 1992 • Die Übersetzung folgt der Fassung in Last Summer at Mars Hill
Deutsch von Margo Jane Warnken • in Zusammenarbeit mit Hannes Riffel
Redaktion: Sue Lorenz & Bernhard Kempen • Mit Dank an Esther Heyer
© der Übersetzung 2003 Margo Jane Warnken & Shayol Verlag
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Alle Rechte vorbehalten. Dieser Text ist, wie alle Texte in epilog.de, durch das Urheberrecht geschützt. Die unautorisierte Reproduktion, auch in Online- und Offlinemedien, ist verboten und wird straf- und zivilrechtlich verfolgt.
Siehe auch
Elizabeth Hand: Schnee auf Sugar Mountain [Novelle]
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28.08.10 • 02.09.10