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Markus Heitz

Die Dunkle Zeit

5 Bände • Originalausgaben 2002/2003

Science Fiction > Alien Contact | Buch-Tips
In den letzten Jahren hat sich in der Verlagswelt eine auffällige Entwicklung vollzogen: Man entsinnt sich immer öfter auf einheimischer Autoren und schielt nicht mehr länger nur über den großen Teich, um sich dort die Sahnehäubchen abzufischen. Unter anderem aus finanziellen Gründen – amerikanische Verlage haben die Kosten für Lizenzen drastisch erhöht, ohne zu begreifen, dass der deutsche Markt einen Bruchteil der Größe des englischsprachigen besitzt – werden neben Wolfgang Hohlbein und Bernhard Hennen auch immer öfter unbekanntere Autoren gefördert, die zumindest etwas Schreiberfahrung besitzen, wie etwa Markus Heitz, der Autor des Zyklus um Die dunkle Zeit, von dem bei Heyne auch drei Shadowrun-Romane erschienen sind.

Vor etwas mehr als 400 Jahren überzog der Eroberer Sinured mit seinen Horden und der Macht des gebrannten Gottes Tzulan den Kontinent Ulldart mit Angst und Schrecken. Menschenopfer und Zerstörungen, Krieg, Not und Leid fanden erst ein Ende, als die Mutigsten der unterdrückten Völker mit Hilfe ihres Schutzgottes Ulldrael Sinured besiegten, und damit auch dem Gott Tzulan die Macht nahmen. Magie wurde verbannt und alle entsprechenden Spuren beseitigt. In Ulldart kehrte wieder Frieden ein. Dennoch lebte man seither in Furcht vor einer Rückkehr Sinureds und Tzulans, die für ein Jahr angekündigt wurden, in dem alle drei Zahlen gleich waren. Doch die Jahre 111 bis 333 verstrichen ereignislos, und die Menschen begannen wieder zu hoffen. Nun naht allerdings das Jahr 444. Eine neuerliche Prophezeiung spricht von einem Mann, der das Schicksal Ulldarts in den Händen hält: Lodrik, dem Thronerben von Tarpol. Doch dieser ist ein fetter, fauler und träger Knabe von 14 Jahren, den man gemeinhin den »Keksprinzen« nennt.

Die Handlung setzt ein, als sein Vater, der dem genießerischen Treiben seines Sohnes nicht länger tatenlos zusehen kann, den jungen Prinzen als Gouverneur in die Verbannung schickt. Im einsamen Granburg soll er lernen, ein Mann zu werden. Nur sein Lehrer und Berater Stoiko und eine kleine Leibgarde unter dem rauhen, geheimnisvollen Waljakow begleiten den Jungen, der zunächst mit seinem Schicksal hadert. Schließlich entwickelt er doch noch einen gewissen Ehrgeiz, was in erster Linie mit seinen Gefühlen für Norina Miklanowo, einem ebenso klugen wie schnippischen Mädchen zusammenhängt, allerdings auch mit seiner älteren Cousine Aljascha, die ihn zutiefst demütigt. Er beginnt abzunehmen, seine Waffenübungen ernst zu nehmen und die Politik aufmerksamer zu beobachten. Das ist auch bitter nötig, denn sein Vorgänger will Lodrik das Amt des Gouverneurs nicht kampflos überlassen, und er muss sich mehrfach der Anschläge unbekannter Attentäter erwehren.

Der Prinz reift mit Hilfe von Stoiko und Waljakow zu einem verantwortungsvollen Regenten heran, der über Güte und Gerechtigkeitssinn verfügt, aber auch gnadenlose Härte zeigen kann. So gewinnt er auch das Herz Norinas, die wie er von einer besseren und gerechteren Zukunft für das ganze Volk Tarpols träumt und die Rechte des Adels beschneiden möchte. Das Glück scheint vollkommen. – Doch dann stirbt Lodriks Vater, und als neuer Kabcar, das heißt als Herrscher von Tarpol, muss Lodrik seine Cousine Aljascha heiraten, um ein Bündnis mit den angrenzenden Baronien zu festigen. Das führt jedoch zu Krieg mit einem Nachbarland, das ebenfalls Ansprüche auf die Baronien erhebt. Als sei dies nicht genug, löst Lodrik durch seine tiefgreifenden Reformen zur Verbesserung der Lebensbedingungen des einfachen Volkes einen Aufstand des Adels aus.

In dieser Krisenzeit taucht der geheimnisvolle Mortva Nesreca auf, der behauptet, ein entfernter Cousin Lodriks zu sein. Trotz der Warnungen seiner väterlichen Freunde Stoiko und Waljakow hört Lodrik von nun an auf die Einflüsterungen Nesrecas, der ihm eine glorreiche Zukunft verheißt, wenn er nur seinen Weg weiter geht und Widerstände aus dem Weg räumt. Warum soll er nicht ganz Ulldart seine Reformen bringen? Und wie durch einen Wink des Schicksals wird der Adelsrat Tarpos vergiftet und der Feind an den Grenzen besiegt – durch einen unerwarteten Helfer. Sinured ist aus den Tiefen seines Grabes auferstanden, um Lodrik beizustehen.

Berauscht von seinen Erfolgen vertraut der junge Herrscher seinem neuen Berater immer mehr und stößt die alten Freunde von sich. Selbst Norina, seine Geliebte muss fliehen, obwohl sie ein Kind von ihm unter dem Herzen trägt. Waljakow begleitet sie, um das Kind zu beschützen, Stoiko aber landet im Kerker. Von Mortva Nesreca überzeugt, lässt auch Aljascha ihren Abscheu gegen Lodrik fallen und schenkt ihm drei Kinder. Lodrik feiert einen Sieg nach dem anderen und glaubt immer noch, Ulldart Glück und eine glorreiche Zukunft zu bringen, denn Mortva liefert ihm durch die Einführung von Schusswaffen einen Vorteil gegenüber seinen Feinden.

Fünfzehn Jahre später hat Tarpol bis auf ein Reich an der Südspitze des Kontinents ganz Ulldart erobert, und auch der Fall dieses Landes steht bevor. Dann jedoch begreift Lodrik, dass er in all den Jahren nur von seinen vermeintlichen Freunden benutzt worden ist, um die Macht Tzulans zu stärken und dessen Rückkehr vorzubereiten. Er versucht noch, sich mit der Macht des Herrschers gegen seine Frau und seinen Berater zu stellen – aber zu spät. Seinen Sturz besiegelt jemand, von dem er es am allerwenigsten vermutet hätte. Nun scheint »Die dunkle Zeit« nicht mehr aufzuhalten zu sein ..

Man mag von deutscher Fantasy halten was man will, aber in den letzten Jahren beweist gerade die jüngere Generation, dass Romane und Erzählungen aus unseren Landen nicht märchenhaft, versponnen oder belehrend sein müssen, sondern auch einfach nur abenteuerlich unterhalten dürfen. Dabei folgt man hier durchaus den gängigen Trends wie sie in Amerika vorgegeben werden. Roman-Zyklen im Stil von Rollenspiel-Romanen, die in den 80ger Jahren ihren Siegeszug antraten, sind dort keine Seltenheit, wie R. A. Salvatore und Robert Jordan mit ihren Serien beweisen, die in selbsterdachten Welten spielen.

Markus Heitz folgt mit dem Zyklus um Die Dunkle Zeit dieser Tradition. Seine Romane sind eindeutig auf die Zielgruppe ausgerichtet, die man der Fantasy allgemein zuordnet – dem jugendlichen Leser, der vertraute Kulturen, in die er sich nicht erst seitenlang einlesen muss, eine spannende und geradlinige Handlung und einfache Figuren bevorzugt, die sich genau so verhalten wie man sie sich als Jugendlicher vorstellt. Nicht die Weiterentwicklung der Personen und das Zusammenspiel der Protagonisten steht im Vordergrund, sondern die Präsentation von neuen Waffen, detaillierte Schilderungen von Kriegen, Kämpfen und neuen Strategien – und alles auf ein nachvollziehbares Maß vereinfacht. Subtile Beschreibungen von Verhaltensweisen, die auf den Charakter einer Person hinweisen, fehlen ganz, es wird klipp und klar gesagt, dass Person x genüsslich die nächsten Schritte plant, um den Kabcar zu verführen, Figur y eine sexsüchtige, machtgierige und auf ihr Äußeres fixierte rothaarige Giftspritze ist und Charakter z ein wilder fröhlicher Wikinger-Freibeuter mit Herz und Übermut.

Auch die übrigen Personen lassen sich auf gängige Archetypen mit nur wenigen herausragenden Eigenschaften reduzieren: den rauhen, geheimnisvollen Waffenmeister mit durchschlagender Kampfkraft und liebevollem Herz oder den weisen und väterlichen Lehrer, der den jungen Helden auf den richtigen Weg zu bringen versucht. Humorvolle, aber auf Dauer etwas nervige Abwechslung, bieten der Feinschmecker-König von Ilfaris und sein Hoffnarr, die auch für den unaufmerksamsten Leser die Entwicklung der ulldartschen Politik zusammenfassen, wenn sie nicht der Erforschung der neusten Kreationen ihrer Konditoren frönen. Die Frauenfiguren des Zyklus sind auf die im Genre üblichen Rollen als Geliebte des Helden mit Mutterrolle, machtgierige und intrigante Hure im Herrscherkostüm, zufriedene Hausfrau oder geschlechtslose Kameradin im Kampf gegen die anderen reduziert, führen aber kein eigenständiges Dasein.

Weitere vertraute Inhalte dürfen nicht fehlen: Magie ist hier zunächst verbannt und auf die reine Heilkunst reduziert. Natürlich zeigt der Held entsprechende Fähigkeiten und wird wie ein gewisser junger Jedi-Ritter mit der Macht seiner Gaben vertraut gemacht und zum Bösen verführt. Die Zauberei gewinnt im Laufe des Zyklus einen immer größeren Stellenwert als Waffe der Bösen und der Guten. Wichtiger für den Fortlauf der Handlung ist die Entwicklung und Benutzung von auf Pulver basierenden Schusswaffen, wobei bei der Einführung und Weiterentwicklung der Waffen wenig Wert auf wissenschaftliche Logik gelegt wird – sie sind einfach da und werden benutzt, wie man sie braucht. Mit Kreaturen wie dem wieder auferstandenen Sinured, der untoten Priesterin Belkala, die als Vampirin das Blut und Fleisch der Lebenden benötigt, oder nicht zuletzt mit der geheimnisvollen grünhaarigen und spitzzähningen Kensustrianer, die sich nicht in die Karten schauen lassen, werden auch die Monster und Fremdrassen-Fans zufriedengestellt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Zyklus um Die dunkle Zeit durchaus spannende, gefällig geschriebene Unterhaltung bietet, die erst im fünften Band nachlässt, da die sich dort überstürzende Handlung Brüche und Längen zeigt, als wollte der Autor den Zyklus schnell zu einem Ende bringen. Die fünf Romane verlangen insgesamt keine großen Anforderungen an die Aufmerksamkeit des Lesers und sind gut zu konsumierende Bahn- und Urlaubslektüre – solider Durchschnitt, der einem aber nicht längerfristig im Gedächtnis haften bleibt. Wer jedoch hintergründige, ineinander verwobene Handlungsstränge sucht, bei denen nicht alles gleich verraten wird, über interessante Figuren möchte, die einem im Gedächtnis bleiben, oder etwas mehr Logik in den Beschreibungen von Gesellschaft, Wissenschaft und Kultur erwartet, könnte ziemlich enttäuscht werden.

• Christel Scheja • ALIEN CONTACT

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Originalausgaben
• Markus Heitz, Schatten über Ulldart [Die dunkle Zeit 1]
(München: Heyne, 2002) [06/9174] Bestellen
• Markus Heitz, Der Orden der Schwerter [Die dunkle Zeit 2]
(München: Heyne, 2002) [06/9175] Bestellen
• Markus Heitz, Das Zeichen des dunklen Gottes [Die dunkle Zeit 3]
(München: Heyne, 2002) [06/9176] Bestellen
• Markus Heitz, Unter den Augen Tzulans [Die dunkle Zeit 4]
(München: Heyne, 2003) [06/9177] Bestellen
• Markus Heitz, Die Stimme der Magie [Die dunkle Zeit 5]
(München: Heyne, 2003) [06/9178] Bestellen
Titelbilder von John Sullivan (Band 1 bis 3) und Les Edwards (Band 4 und 5), Karten von Erhard Ringer
Siehe auch
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28.08.10 • 02.09.10