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InterNova

Interview mit Michael Iwoleit

von Hardy Kettlitz

Science Fiction > Alien Contact | Interview
ALIEN CONTACT: Die erste Ausgabe von INTERNOVA ist Mitte März 2005 erschienen und enthält acht Geschichten von Autoren aus Großbritannien, Argentinien, Südafrika, Israel, Brasilien, China, Indien und Deutschland in englischer Sprache. Das ist sehr international. Wer ist denn eure Zielgruppe?

Michael Iwoleit: Grundsätzlich jeder Science-Fiction-Leser, der daran interessiert ist, gelegentlich einen Blick über den Tellerrand zu werfen. SF wird immer noch als ein primär angloamerikanisches Phänomen aufgefasst, und was sich in Kontinentaleuropa, Südamerika oder dem Rest der Welt tut, rückt allenfalls als gelegentliche Alternative oder bloßes Anhängsel ins Blickfeld. Dabei hat sich die Science Fiction längst zu einer internationalen, kulturübergreifenden Ausdrucksform entwickelt, die heute praktisch in allen Regionen der Welt, wo ein gewisses Maß an Technisierung und Urbanisierung erreicht ist, geschrieben wird. Von diversen Anthologien abgesehen, hat es seit Frederik Pohls kurzlebigem Magazin INTERNATIONAL SCIENCE FICTION (in dem NOVA-Mitbegründer Helmuth Mommers seinerzeit übrigens mit einigen Storys vertreten war) keinen Versuch mehr gegeben, die internationale SF in einer spezialisierten Publikation zu präsentieren. Es ist deshalb völlig offen, ob sich für ein solches Projekt ein Publikum mobilisieren lässt und wie groß es ist. Sicher ist nur, dass seit Anfang der Neunzigerjahre viele kleine nationale SF-Szenen über das Internet verstärkt aufeinander aufmerksam geworden sind und abseits der angloamerikanischen SF-Märkte ihre Zusammenarbeit intensiviert haben. Wir hoffen, dass diese Entwicklung hier und dort auch ein Leserinteresse an internationaler SF geweckt hat. Vermutlich bilden die potentiellen INTERNOVA-Leser nur eine kleine Minderheit in der SF-Leserschaft, und um sie zu finden, werden wir das Magazin möglichst weit vertreiben und bewerben müssen. Das war einer der Gründe, warum wir uns früh entschieden haben, es in Englisch zu publizieren.

AC: Habt ihr auch deutsche Leser im Blick? Immerhin ist die englische Sprache nicht für alle deutschen Leser verständlich.

Iwoleit: Natürlich wollen wir auch deutsche Leser erreichen. Ich bin mir nicht sicher, ob es sehr viel mehr wären, wenn INTERNOVA auf Deutsch erscheinen würde. Leser, die sich ernsthaft für internationale SF interessieren, sind in der Regel auch des Englischen kundig. Außerdem gehen immer mehr SF-Leser angesichts oft mäßiger Übersetzungen und zusammengestrichener Verlagsprogramme dazu über, sich ihre Lektüre im Original zu besorgen. Ursprünglich war INTERNOVA als eine vierte jährliche NOVA-Ausgabe angedacht, die SF aus aller Welt in deutscher Übersetzung präsentieren sollte. Aber abgesehen von dem Übersetzungsaufwand, den wir möglicherweise nicht bewältigt hätten, sind wir nach Abwägen aller Vor- und Nachteile zu dem Schluss gekommen, dass wir zugunsten vielleicht nur einer Handvoll deutscher Leser, die eine englische Ausgabe nicht kaufen werden, die Möglichkeit verschenken würden, mit einem internationalen Magazin auch ein internationales Publikum zu erreichen.

AC: Sollen Geschichten aus INTERNOVA auch auf Deutsch veröffentlicht werden?

Iwoleit: Es hat schon Anfragen gegeben, ob wir nicht die besten Geschichten aus INTERNOVA auch auf Deutsch publizieren könnten. Es wird grundsätzlich keine Überschneidungen zwischen NOVA und INTERNOVA geben, aber falls genügend Interesse besteht, würde ich nicht ausschließen, dass wir irgendwann eine deutsche Auswahlanthologie aus INTERNOVA zusammenstellen werden. Bevor wir uns dieses finanzielle Risiko und diesen zusätzlichen Aufwand aufhalsen, müssten aber mindestens zweihundert Leser ihre klare Absicht bekundet haben, eine solche Publikation auch zu kaufen. Sollte es dazu kommen, sind wir wie üblich zu allen Schandtaten bereit.

AC: Wie kommt ihr an Geschichten aus Indien oder Brasilien?

Iwoleit: Das war einfacher als erwartet. Ich habe mich im Rahmen meiner Geschichte der Short Science Fiction ohnehin mit der SF außerhalb des englischsprachigen Raums befasst und systematisch alle erreichbaren Quellen im Internet abgegrast, um interessante Autoren und Texte zu finden. Mit mindestens der Hälfte der Autoren und Experten, die ich angeschrieben habe, ist ein dauerhafter Kontakt zustande gekommen, und meist lagen auch schon einige Storys vor, die für englischsprachige Märkte übersetzt worden waren. Die internationale SF, könnte man sagen, ist ein Baum voller reifer Früchte, den man nur zu schütteln braucht - was außer uns aber offensichtlich niemand so gründlich macht. Inzwischen konnten wir die aktive Suche nach Autoren einstellen, weil sich die Neuigkeit, dass es wieder ein internationales SF-Magazin gibt, herumspricht und uns jeden Monat Autoren aus neuen Ländern Material schicken.

AC: Habt ihr Kontakte zu World SF?

Iwoleit: Nein. Ich habe im Rahmen meiner Recherchen die Website von World SF besucht, aber ich habe wie andere Kollegen - bei allem Respekt vor den verdienstvollen Autoren, die am Aufbau dieser Organisation mitgewirkt haben - den Eindruck, dass World SF nie richtig in Gang gekommen ist und nicht über die Ressourcen und die Energie verfügt, die potentielle Mitglieder von einem internationalen Verband erwarten. Erst kürzlich hat ein Kollege aus Israel die Idee aufgebracht, dass heute dank des Internets und der sehr aktiven jungen SF-Szenen in vielen Ländern die Chancen sehr viel besser stehen würden, eine internationale Vereinigung erfolgreich aufzuziehen. Falls es ernsthafte Bemühungen in dieser Richtung geben wird, stellt das INTERNOVA-Team natürlich gern seine Kontakte und Informationen zur Verfügung.

AC: Wie oft wird INTERNOVA erscheinen? Kommen die regulären NOVA-Ausgaben dann seltener?

Iwoleit: INTERNOVA erscheint zweimal jährlich, im Frühjahr und im Herbst. Um sicherzustellen, dass die Erscheinungsweise des deutschen NOVA davon nicht beeinträchtigt wird, haben wir unser Redaktionsteam um zwei Mitstreiter erweitert. Gabriele Reinecke wird Olaf Hilscher bei der Auswahl der Cover- und Innenillustrationen entlasten und mich beim Layout unterstützen. Horst Pukallus übernimmt die nationale Pressearbeit und einen Teil der redaktionellen Aufgaben. Wir sind sicher, dass dadurch nicht nur der zusätzliche Arbeitsaufwand durch INTERNOVA abgefangen, sondern auch die Arbeit an der deutschen Ausgabe glatter laufen wird als bisher. Wir sind ja schon berüchtigt dafür, dass wir allenfalls einmal aus Versehen die anvisierten Erscheinungstermine einhalten.

AC: Habt ihr schon Reaktionen auf die erste Ausgabe bekommen?

Iwoleit: Bisher gab es einige Erwähnungen in deutschen SF-Medien und erste Leserreaktionen in Internet-Foren. Aber es sind, national und international, viele Rezensionsexemplare verschickt und Rezensionen angekündigt worden, und wir warten gespannt auf Kritiker- und Lesermeinungen. Unsere internationalen Mitarbeiter waren jedenfalls sehr angetan von der Aufmachung und Zusammenstellung der ersten Ausgabe, und ich hoffe, die Leser werden ähnlich zufrieden sein.

AC: Vielen Dank für das Interview.

• Das Interview führte Hardy Kettlitz im April 2005 per E-Mail.


Foto: Siegfried Breuer
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