| Im England des Jahres 2021 herrschen seltsame Zustände: Eine völlig
überalterte Gesellschaft lebt in einigen Städten, regiert von einem Diktator, dem
»Warden of Great Britain«, und gelegentlich terrorisiert durch Omegas. Die Omegas sind
der letzte Jahrgang von 1995, danach gab es weltweit keine Kinder mehr. Auf einen Schlag
wurden alle Männer unfruchtbar - selbst eingelagertes Sperma war tot - ohne Vorwarnung
und ohne Erklärung. Aus dieser Situation (bekannt durch Merle oder Atwood) schafft die
durch ihre Kriminalromane um den Kommissar Dalgliesh bekannt gewordene Autorin P. D. James
einen beängstigenden Gesellschaftsentwurf. Diese Dystopie ist von einem unpolitischen
Luxusleben, Kinderwahn, Euthanasie und Repression gekennzeichnet. Gegen den
Unterdrückungsapparat des Warden regt sich aber zaghafter Widerstand, in den der
Literaturprofessor Theodor Faron Stück für Stück hineingezogen wird. In seinem Seminar
taucht eine geheimnisvolle Frau auf. Sie fordert von ihm, auf seinen Cousin Xan, den
heutigen Warden, dahingehend Einfluss auszuüben, dass einige entwürdigende Prozeduren im
Staat wieder abgeschafft werden. Durch Porno-Shops und ständige Fruchtbarkeitskontrollen
versucht das System, die Reproduktion der Bevölkerung wieder anzuregen. Gleichzeitig
werden die Alten nach und nach in einem Ritus zu kollektivem Selbstmord gezwungen. Die
»Fünf Fische« versuchen recht dilettantisch, die Missstände offen zu legen. Ihr
Anführer ist Rolf, die geheimnisvolle Frau seine Freundin Julian. Die Verschwörer
versuchen, staatliche Aktivitäten zu stören und die Bevölkerung durch Flugblätter
aufzurütteln. Theo ist erst amüsiert, dann irritiert, um schließlich sechstes Mitglied
wider Willen zu werden. Die Situation eskaliert dadurch, dass Julian schwanger wird, Rolf
sich für den Vater hält und der Warden als Vater einer neuen Generation gefeiert werden
möchte. Der ganze staatliche Repressionsapparat macht daraufhin gegen die Verschwörer
mobil, Theo muss sich entscheiden.
Als Krimiautorin versteht es P. D. James, langsam Spannung aufzubauen, die handelnden
Personen zu entwickeln. Natürlich geht es ihr nicht um den sozialen Entwurf, er ist nur
Rahmen, um die Protagonisten in eine neue Situation zu versetzen. Trotzdem entstand
(unabsichtlich?) ein Stück hervorragender utopischer Literatur. Sehr empfehlenswert!
Wolfgang Both ALIEN CONTACT
|
 |