Dichtgedrängt starrten alle im Cockpit auf den kleinen Monitor, der die Aufnahmen von
Kohlschovskys Videokamera zeigte.
»Soll ich das Shuttle auf den Kopf stellen, dann können wir es direkt
sehen?« flüsterte Cooper heiser.
»Wir rühren uns keinen Inch von der Stelle!« bestimmte DeHaney,
ungeachtet der Tatsache, daß die Raumfähre mit annähernd 27 000 Stundenkilometern um
die Erde raste.
Die körperliche Nähe der anderen erhöhte die unerträgliche Spannung,
in der er sich befand. Am liebsten hätte er die Besatzung ins Mitteldeck verbannt, um
sich in Ruhe einen klaren Kopf zu verschaffen. Was sich ihnen auf dem Monitor bot, glich
einem Filmplakat für einen Science Fiction Film. Vor der restlichen Nachtschwärze der
Erde schwebte ein matt schwarzes Objekt, das sich, von der aufgehenden Sonne beleuchtet,
von hinten an das Shuttle heran schob.
»Es kommt näher, aber es scheint über uns hinweg zu ziehen«, kam nun
Kohlschovskys Stimme leise aus dem Lautsprecher. Laut wagte sich seit dem Erscheinen des
UFOs keiner mehr zu äußern. Auch die harmlose Bezeichnung MARTHA schien aus dem
Wortschatz gestrichen, dafür war der Anblick des länglichen Schattens auf dem Bildschirm
zu furchteinflößend. »Ihr müßtet es gleich sehen können!«
Wie auf Kommando hoben sich alle Köpfe nach oben, aber noch war nichts
zu sehen. Nur die Terminatorlinie auf der Erde schob sich gemächlich von vorne auf sie
zu.
Von Houston war nichts zu hören. Wahrscheinlich saßen die Controller
ebenso gebannt auf ihren Plätzen vor den Monitoren wie die Besatzung der Intrepid. Als
DeHaney vor einer halben Stunde eine sichere Videoleitung hergestellt hatte, kam sofort
danach eine Warnung von Wakefield durch. »Keine Aktivitäten, Jim! Ihr verhaltet euch
absolut passiv!« Er wiederholte sie alle Minuten mit einer monotonen Stimme, die
anscheinend beruhigend auf sie wirken sollte, aber genau das Gegenteil bewirkte. Nachdem
DeHaney ihm mit scharfen Worten erklärt hatte, daß sie auf keinen Fall etwas unternehmen
würden, blieben sie von weiteren Ermahnungen des Missionsleiters verschont.
Als eine dunkle runde Silhouette im oberen Teil der Cockpitfenster vor
die Sonne trat, kam ein erschrockener Laut von Hilary Cochran.
»Scheiße, das ist nahe an uns dran«, entfuhr es Cooper, obwohl es
schwierig war, die Größe zu bestimmen.
DeHaney nickte. »Ich schätze, keine 300 Fuß. Und wenn meine
Schätzung richtig ist, dann wäre es verdammt groß!«
Das harte Sonnenlicht wurde durch eine riesige Scheibe allmählich
abgedeckt. Unendlich langsam kroch der Schatten über die Gesichter und schließlich über
die Armaturen, bis mit einem letzten Aufblitzen das Cockpit im Dunklen lag.
»Es sind überhaupt keine Strukturen zu erkennen, außer daß die
Seitenränder nach unten geneigt erscheinen«, stellte Kenneth Cochran fest. Seine Stimme
zitterte etwas.
»Ken, erzähl das denen da unten! Beschreibe, was du siehst!« DeHaney
stupste Cooper an. »Tim, die Kamera! Halte drauf!«
»Wie? Ahja, natürlich.« Nervös riß er seine Videokamera hoch und
richtete sie nach oben.
»Houston, hier DeHaney. Kann ich meine Leute reinholen?« Er klopfte
ungeduldig mit den Fingerspitzen auf sein Knie. Die Vorstellung, daß sich zwei seiner
Besatzungsmitglieder in dieser Situation im offenen Laderaum befanden, behagte ihm
überhaupt nicht.
»Ähm...Moment...ja, OK, äh, ja, die Entscheidung liegt bei dir,
Jim!«
Mit einem abfälligen Grunzen schnippte er an sein Mikrophon. Er konnte
sich gut vorstellen, daß Taggert da unten im Kontrollraum es wahrscheinlich gerne sähe,
wenn das Geschehen hier oben in bester Bildqualität vom Laderaum aus dokumentiert wurde
als durch die Fenster des Cockpits.
»Ilja, ihr kommt jetzt rein!«
»OK, Roger, aber es macht uns nichts aus, wir können auch noch...«
»Nein. Ich will, daß ihr reinkommt!«
»Reinkommen. Roger. Aber ich montiere die Kamera auf den Ausleger, dann
können wir sie von innen bedienen.«
»Nein...na gut, meinetwegen, aber beeil dich!«
Er legte eine Hand auf Cochrans Schulter, der seine Beschreibungen
unterbrach und zu ihm aufsah. »Ken, mal ehrlich, was ist das da draußen? Ein richtiges
UFO oder ist das was von den Russen oder Japanern?«
Kenneth Cochran grinste hölzern. »Ganz genau kann ich dir das erst
dann sagen, wenn ich dem Piloten in die Augen sehen kann. Aber im Ernst: ich glaube nicht,
daß unsere Jungs von der...äh...Informationsbeschaffung so etwas übersehen hätten.
Gehen wir also einmal davon aus, daß wir es tatsächlich mit etwas Unbekannten zu tun
haben.«
DeHaney strich sich zerfahren mit der Hand über die Stirn und
verfolgte, wie der rochenartige Schatten düster über das Shuttle glitt. Das Objekt sah
genauso aus, wie das der Varells. Er konnte jetzt ganz deutlich die herabgebogenen
Seitenränder ausmachen, die dem Objekt ein bedrohliches Aussehen verliehen.
Fehlt nur noch ein Stachel am Ende, dachte er.
Das UFO war immer noch fast direkt über ihnen, deswegen konnte er
weiterhin nur die Unterseite sehen, über die sich nun schemenhaft Lichtreflexe hinweg
schoben, die vom Shuttle durch das harte Gegenlicht der Sonne verursacht wurden.
»...es sieht real aus, man kann sogar die Lichtreflexionen des Shuttles
auf der Oberfläche sehen«, beschrieb Cochran neben ihm den Vorgang für die
Bodenstation. »Hoffentlich fallen bei uns nicht alle Instrumente aus wie bei dem Chrysler
der Varells...«
Mit einem Ruck drehte sich DeHaney zu Cochran herum. »Mal den Teufel
nicht an die Wand! Meinst du, das wäre möglich?«
»Warum sollte es hier oben anders sein als auf der Erde?«
Genau, warum sollte es anders sein? Er überflog die Armaturen. Bis
jetzt war keine Veränderung zu bemerken, alles war normal. Wieso war dieser Gipskopf
Taggert da unten noch nicht auf den Gedanken gekommen und hatte sie vor einem eventuellen
Stromausfall gewarnt? Wütend unterdrückte er einen Fluch. Ihm lag schon ein scharfer
Tadel an die Adresse Taggerts auf der Zunge, als ihm klar wurde, daß sie im Grunde
sowieso auf sich allein gestellt sein würden.
Was würde passieren, wenn der Strom ausfiel? Die Lufterneuerung wäre
unterbrochen. Druckabfall. Die ganze Klimaversorgung würde zusammenbrechen. Wie lange
würden sie ohne die Aggregate auskommen?
»Ilja und Schweighart, ihr bleibt in euren Raumanzügen!« Ohne eine
Antwort abzuwarten wandte er sich an Hilary Cochran. »Hil, bereite Raumanzüge für uns
vor, damit wir sie im Notfall sofort anlegen können! Annick Denny soll dir dabei
helfen!«
Mit einer nervösen Bestätigung verschwanden die beiden Frauen ins
Mitteldeck.
Mittlerweile fiel das Sonnenlicht wieder ins Cockpit. Das UFO stand nun
klar voraus als gekrümmte Linse vor der blauen Erdsichel.
»Mir scheint, als bewege es sich nicht mehr«, stellte Cochran fest.
»Der Abstand bleibt gleich.«
»Das wäre schlecht«, erwiderte DeHaney. »Denn das würde unter
Umständen bedeuten, daß es uns im Visier hat.« Er ließ sich nicht anmerken, wie sehr
ihn Cochrans Beobachtung von vorhin aus dem Gleichgewicht brachte.
Kurz zuvor noch war er trotz der realen und unheimlichen Erscheinung zu
der Überzeugung gelangt, daß sich MARTHA nach dem Passieren des Shuttles als eine
geschickte Computersimulation oder eine neuartige Projektionstechnik herausstellen würde,
die sich irgendein Schwachkopf von einer dieser arroganten Psychoabteilungen ausgedacht
hatte, um wieder einmal mehr die Belastbarkeit von Astronauten in außergewöhnlichen
Situationen auf die Probe zu stellen. Wenn das vermeintliche UFO in der Nähe blieb,
standen auf jeden Fall weitere Prüfungen auf dem Programm und er wußte nicht, wie lange
er dem Unsinn noch gewachsen war. Eigentlich hatte er fest damit gerechnet, daß der ganze
Spuk mit dem Vorbeiflug als Höhepunkt bald zu Ende gehen würde, aber nun schien es so,
als würde man ihnen noch weitere Überraschungen zumuten wollen.
Er sah sich momentan nicht in der Lage, eine vernünftige Entscheidung
zu treffen, ganz gleich welcher Art. In erster Linie trug er die Verantwortung für die
Besatzung und das Shuttle. Deswegen hatte er absolut kein Verständnis für derartige
hochtechnische Spielereien, die sein Nervenkostüm über Gebühr strapazierten. Er
weigerte sich nach wie vor, an die Existenz einer außerirdischen Spezies zu glauben. Die
Möglichkeit erschien ihm zu unmöglich und zu fantastisch, auch wenn Wakefield und
Taggert ihm standhaft versicherten, daß es sich tatsächlich um eine Begegnung mit einer
fremdartigen Technologie handelte.
»Houston, hier DeHaney! Habt ihr irgendwelche Anweisungen?« Ihm kam
ein Gedanke, der ihn hinterhältig grinsen ließ. »Oder könnt ihr das Objekt von der
Erde aus sehen? Over.«
Es dauerte etwas, bis eine Antwort kam.
»Intrepid, wir haben die Abdeckung ganz deutlich verfolgen können.
Jetzt steht das Objekt vor dem Sternenhimmel. Man kann es nur entdecken, wenn man weiß,
daß es da ist. Es gibt so gut wie keine Reflexionen vom Sonnenlicht ab. Außerdem können
wir einen gleichbleibenden Abstand zum Shuttle bestätigen.«
»Das heißt aber auch, daß andere Stellen das Objekt ebenfalls
bestätigen werden!«
Pause. Ein Knacken und ein Rauschen war in der Verbindung zu hören.
Dann, wie gedanklich abwesend, sagte der Controller: »Ja, das ist zu befürchten.«
Cochran schüttelte den Kopf. »Konfus. Das ist alles konfus. Die wissen
auch nicht mehr als wir.«
DeHaney wurde nachdenklich. »Haben wir eine Möglichkeit zu
überprüfen, ob das Ding tatsächlich da ist? Ich meine, so richtig, als materielles
Objekt.«
»Du meinst, wir haben es mit einer Projektion zu tun?«
»Ja, verdammt! Irgendetwas in dieser Richtung, oder glaubst du etwa an
den ganzen UFO-Quatsch? Daß ausgerechnet wir mit Außerirdischen Kontakt haben sollen?
Das ist doch ausgemachter Humbug. Die da unten haben sich ein nettes Psychospielchen
ausgedacht, um unser Nervenkostüm auf die Probe zu stellen.«
»Warum fliegst du dann nicht einfach rüber zu dem Objekt und siehst
nach? Wenn MARTHA eine Projektion ist, würde das Shuttle einfach durch die Abbildung
fliegen«, sagte Cochran mit einem lauernden Blick.
»Weil ich die Anweisung habe, daß wir uns nicht von der Stelle rühren
sollen, darum!« Er beugte sich nach vorne. »Aber etwas kann ich tun, um mir Gewißheit
zu verschaffen, ob das Ding echt ist. Ich verändere den Winkel vom Shuttle zu der
Unterseite zu unserem UFO und benutze den Infrarot-Entfernungsmesser der Andockvorrichtung
für die Raumstation. Wenn wir keine eindeutigen Werte für eine Reflexion des
Infrarotstrahls erhalten, ist dort draußen nichts, was ich mit der Hand anfassen
könnte.«
Ohne auf einen möglichen Einwand Cochrans zu achten, informierte
DeHaney die Besatzung über die bevorstehende Lageänderung der Raumfähre. Nachdem er die
Daten in den Computer eingegeben hatte, zögerte er einen Moment und dachte darüber nach,
ob er Houston über sein Vorhaben informieren sollte. Streng genommen war er dazu
verpflichtet, aber er fürchtete, daß die Bodenstation ihm keine Erlaubnis erteilen
würde.
Vielleicht erwarteten sie ja aber auch ein selbständiges Handeln von
ihm, so als eine Art Test in unvorhergesehen Situationen. Nein. Er schüttelte den Kopf.
Wahrscheinlich würde er sich eine saftige Rüge einhandeln, aber das war ihm
gleichgültig. Was sollte schon großartig passieren, wenn er das Shuttle drehte. Dann
gibt es eben bei seiner Verabschiedung eine Ehrennadel weniger an seinem Revers.
Nach zwei kurz aufeinanderfolgenden Schlägen der Thrusters zeigte die
Nase der Intrepid genau auf die Unterseite des UFOs.
Danach aktivierte DeHaney mit fliegenden Fingern das Programm der
Andockvorrichtung. Neugierig zog sich Cochran vorsichtig am Pilotensitz hoch und las laut
die in rot erscheinenden Werte ab. »276,43 Meter!« Er sah seinen Commander von der Seite
an. »Bleiben uns also die drei genannten Möglichkeiten: UFO, Russen oder Japaner. Alle
wären gleich schlecht.«
»Richtig«, murmelte DeHaney. An ein russisches oder japanisches
Raumschiff glaubte er nicht. Taggert hatte also kein falsches Spiel mit ihm getrieben.
Dort draußen trieb ein echtes UFO vor ihnen her und niemand wußte, was als nächstes
geschehen würde.
Hilarys Kopf erschien neben ihm. »Kann es uns denn gefährlich
werden?«
Statt einer Antwort blickte DeHaney über die Rückenlehne seines Sitzes
nach hinten ins Flight-Deck. Zufrieden registrierte er, daß die Raumanzüge ausgebreitet
und mit Tape an den Wänden befestigt waren. Das Deck sah aus wie eine unaufgeräumte
Umkleidekabine.
»Ich habe keine Ahnung«, flüsterte er schließlich. »Und ich
fürchte, es gibt niemanden, der uns die Frage beantworten könnte.«
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Die folgende Stunde war
geprägt von einer lähmenden Ratlosigkeit. Selbst Houston Control konnte sich zu keiner
Entscheidung durchringen, obwohl DeHaney mehrmals zu einer sofortigen Landung drängte.
Als Kapitän des Schiffes lag ihm die Unversehrtheit seiner Mannschaft näher als die
Erforschung einer fremdartigen Technologie.
»Wenn ihr uns schon nicht landen laßt, dann gebt uns wenigstens den
Befehl, das UFO näher zu untersuchen! Kohlschovsky und Schweighart können es gar nicht
erwarten, rauszugehen und dort drüben anzuklopfen. Over, verdammt noch mal!« Er verzog
leicht die Mundwinkel, denn seine letzte Bemerkung sollte wie ein Scherz klingen. Er hatte
die beiden natürlich nicht nach ihrer Bereitschaft gefragt, eventuell zu MARTHA
hinüberzufliegen.
»Negativ, Jim. Das kommt überhaupt nicht in Frage. Ihr bleibt absolut
passiv! Wir können uns jetzt keinen falschen Schritt erlauben.«
DeHaney schnaubte verächtlich. Er konnte sich gut vorstellen, wie denen
da unten die Köpfe rauchten, denn mittlerweile hatten die Nachrichtenagenturen natürlich
mitgekriegt, daß mit dem Flug STS-198 etwas nicht in Ordnung war. Die offizielle
Verlautbarung der NASA lautete immer noch, daß nicht alle Landebedingungen auf der Erde
optimal wären, aber diese Information ließ sich nicht mehr lange halten. Wahrscheinlich
würde jetzt schon unzählige Nachrichten das Internet überlasten und viele Quellen genau
wissen, warum sich die Intrepid noch immer im Orbit befand. Und genauso wahrscheinlich
hätte er an Stelle von Houston Control auch keine andere Entscheidung getroffen, aber die
Situation an Bord wurde langsam unerträglich. Kohlschovsky und Schweighart verharrten
weiterhin geduldig in ihren Raumanzügen. Viel bewegen konnten sie sich damit im engen
Mitteldeck nicht. Cooper hatte für sie einen beweglichen Monitor installiert, auf dem sie
wenigstens etwas von MARTHA sehen konnten. Die beiden Cochrans waren im Moment damit
beschäftigt, die Pantry wieder in Betrieb zu nehmen, denn sie hatten alle schon seit
Stunden nichts mehr gegessen. Annick Denny hielt sich hinter ihm an den Kontrollen des
Laderaums auf und bediente den Ausleger mit der Kamera. Eigentlich war es nicht notwendig,
denn das UFO stand nach wie vor an derselben Stelle vor dem Shuttle wie vor einer Stunde,
aber sie versuchte sich an mehreren Blickwinkeln, die im Endeffekt jedoch immer das UFO
vor der Erdsichel zeigten. Beschäftigungstherapie, nichts weiter.
»Äh, Jim, ich habe mich gerade mit Schweighart besprochen, wir würden
uns die Kiste gerne aus der Nähe ansehen. Ich meine, wir sind bereit dazu, wenn du uns
die Erlaubnis gibst!« Sehr überzeugend klang Kohlschovskys Stimme jedoch nicht gerade.
»Du hast doch gehört, was Houston gesagt hat. Es kommt nicht in
Frage.«
»Ja, hab ich. Ich meinte damit auch nur, daß wir dazu bereit wären,
falls der Wunsch dazu geäußert werden würde.« Er dehnte den Konjunktiv mit einem Hauch
aristokratischer Gelassenheit.
»Respekt! Ich hätte Schiß, da raus zu gehen. Wer weiß, was das Ding
für Absichten hat. Vielleicht möchte es ja zur Abwechslung einmal junge Astronauten
untersuchen anstatt ein Auto samt Ehepaar in mittlerem Alter.«
Kohlschovsky zögerte mit einer Entgegnung. »Also mal im Ernst:
besonders wohl würde ich mich dabei nicht fühlen, aber andererseits würde ich mich
später vielleicht einmal darüber ärgern, wenn wir die Chance nicht genutzt hätten.«
»Darüber würde ich mir keine Gedanken machen«, sagte DeHaney und
blickte aus dem Cockpitfenster. »Von hier aus sehe ich keinen Eingang oder etwas
Ähnliches, durch den oder das ihr in das UFO eindringen könntet. Und wenn doch, was soll
ich dann befehlen? Daß ihr reingeht? Das kommt nicht in Frage!«
Es knackte kurz in der Leitung, als sich Schweighart zuschaltete.
»Warum nicht, Commander? Falls es ein Problem mit der Befehlsorder geben sollte, würde
ich mit Annick gehen. Wir unterstehen nicht dem direkten Kommando der NASA.«
DeHaney schnappte nach Luft, als er die dreiste Bemerkung des Europäers
hörte und sie prompt falsch interpretierte. Was erlaubte sich dieser Bengel? Es klang so,
als wären die Amerikaner zu feige, sich zu dem UFO hinüber zu wagen.
»Schweighart!« sagte er in scharfem Ton. »Ich darf Sie darauf
aufmerksam machen, daß Sie sich an Bord meines Schiffes befinden! Und damit unterstehen
Sie meinem Befehl, ganz gleich, was Sie sich für einen Sticker an Ihren Overall gepappt
haben. Habe ich mich deutlich genug ausgedrückt?«
Es dauerte einige Sekunden, bis eine Antwort kam. Ein unterwürfiger
Zynismus war als gequälter Unterton jedoch deutlich herauszuhören.
»Ja, Sir! Jawohl, Sir!«
Mit einem scharfen Zischen ließ DeHaney Luft zwischen seinen
zusammengepreßten Zahnreihen ab. Er hätte gerne eine bissige Bemerkung
hinterhergeschickt, aber er beherrschte sich doch noch rechtzeitig.
»Damit würde ich das Thema gerne beenden!«
»Ich wollte nicht...ich habe verstanden, Commander!« Schweigharts
Stimme verklang im Kopfhörer.
Hinter DeHaneys Sitz war ein belustigtes Lachen von Hilary Cochran zu
vernehmen. Vorsichtig bugsierte sie ein Tablett mit einer warmen Mahlzeit in Richtung
seiner Knie. Daran festgebunden baumelte eine Reihe von trockenen Früchten und Nüssen.
»Eine Coke oder einfaches Wasser dazu, Captain?« Sie schob sich in
halber Höhe zwischen die Sitze. »Du mußt gestärkt in einen Krieg gegen Europa
ziehen!«
Er funkelte sie zunächst böse an, entgegnete dann aber mit einem
Grinsen: »Coke natürlich. Nur echte amerikanische Erzeugnisse geben die nötige Kraft!«
Mit einem lauten Lachen verschwanden ihre Locken wieder nach hinten.
Er befestigte das Tablett an seinem Oberschenkel und suchte danach die
Frequenz eines Nachrichtensenders. Während er umständlich die Hühnchenteile in seinen
Mund beförderte, lauschte er der ernsten Stimme des Sprechers, der ausschließlich die
Intrepid zum Thema hatte. Anscheinend war jetzt doch schon Einiges an die
Öffentlichkeit gelangt.
»...wie die Nachrichtenagentur Reuter berichtet, gibt es außer den
bereits bekannten Problemen mit den Landeplätzen weitere Schwierigkeiten auf der
Raumfähre Intrepid. Anscheinend befindet sich in unmittelbarer Nähe des Space Shuttles
ein nicht zu identifizierendes Objekt, das eine sofortige Rückkehr aus dem Orbit
unmöglich macht. Bisher hat die NASA dazu noch keine Stellungnahme abgegeben. Sicher ist
jedoch, daß alle Besatzungsmitglieder wohlauf sind...«
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